Warum ich 514,36 Kilometer laufen werde …

Am Anfang war die Idee

„Nach etlichen Jahren in Weeze wechselt der StrongManRun seinen Veranstaltungsort und geht nach Nürnberg!“

So stand es in einer Pressemitteilung, die ich irgendwie über Twitter bekommen habe. Nürnberg? In meine Geburtsstadt? Wohin denn da genau, fragte ich mich und las weiter, dass der Nürburgring ein ideales Gelände für den 2011er StrongManRun sein würde.
Der Nürburgring bei Nürnberg?

Schon zwei Tage später tickerte die Meldung ein, dass es sich in der besagten Pressemitteilung um einen Tippfehler gehandelt hätte, gemeint war natürlich das Eifel-Städtchen Nürburg am Nürburgring. OK, dachte ich, so klingt das logisch. Nürburg ist von uns aus nur rund 30 Kilometer entfernt, ein Städtchen direkt vor meiner Haustüre also.

Mich lies der Gedanke, der mir dann kam, nicht mehr los: beide Städte haben etwas mit meinem Leben zu tun, der StrongManRun hat mich als Lauf schon immer fasziniert, ich kenne die Macher hinter dem Lauf. „Alles Dinge, die mit Dir zu tun haben,“ dachte ich weiter und dann beschloss ich, diese Dinge miteinander zu verbinden.
Die Idee war geboren.


Der Weg zum Ziel

„Trailschnittchen“ Julia Böttger hat es mit ihrem „Weg nach Chamonix“ vorgemacht, bei meinem Lauf durch die Nacht nach Ratingen („Ein 5.000 Meter-Lauf mit reichlich Anlauf“) bin ich schon einmal zu einem Event lange und weit hingelaufen.
Und jetzt mache ich das als Lauf zum StrongManRun 2011. Ich bin begeistert!

Und ich wurde hektisch. Die Idee musste vorgestellt werden, die Laufroute musste geplant werden. 514,36 Kilometer werden es sein, mehr als ich dachte. Zumindest sagt das map24.de mit der Option „Fußgänger“. Vielleicht werden es sogar noch einige Kilometer mehr, wer weiß das schon.
5 Tage habe ich dafür eingeplant, aber einen Puffertag am Ende gönne ich mir auch noch.

Bei Zurückrechnen der Tage stellt sich heraus, dass der Starttag der Montag, der 11. April sein wird.
Montag, der 11. April 2011?

Da war doch was …, dachte ich und dachte an die Afrika-Rundreise, die nicht anzutreten aus verschiedenen Gründen die erste Familien-Entscheidung in 2011 gewesen war.
An jenem 11. April wollte ich eigentlich in Tansania am N’gorongoro Krater sein, um am Abend meinen, nein unseren  … ja genau … 25. Hochzeitstag zu feiern.
Auch dieses Datum hat mit meinem Leben zu tun. Manche mögen darüber spekulieren, ob das herzlos ist, ich finde aber, dass es ein hervorragendes Datum ist, um so einen Lauf zu beginnen.

Am Freitag Abend will ich dann in Nürburg sein und bis dahin jeden Tag durchschnittlich 103 Kilometer weit gelaufen sein. Und dann gibt es einen Tag lang Entspannung und Massagen.
Oder ich muss „nachsitzen“, falls ich die Strecke innerhalb der geplanten Zeit nicht schaffen sollte.
Also besser pünktlich sein und sich nett verwöhnen lassen.
Und am Sonntag danach noch die 18 Kilometer des StrongManRuns ablaufen, ganz entspannt, ohne jeglichen Zeitdruck.
Einfach den Lauf genießen.

Die Umsetzung

Eine Weile habe ich daran gedacht, diesen Lauf sogar mit dem blinden Weltrekordler Jeffrey Norris zu machen, aber er hat nach zwei Telefonaten leider abgesagt, weil der zeitliche Abstand zu seinem nächsten Event zu gering ist. Schade, immerhin hätten wir uns dann mit dem Wohnmobil begleiten lassen können.
So aber bleiben noch viele Fragen offen.

Da ist zum Beispiel die Frage, wo ich nächtigen werde. Eine Frage, die fast automatisch zur Einschätzung der Wetterverhältnisse an diesen Tagen führt. Ich überlege hier, eventuell mit einem Single-Bivy unterwegs zu sein, aber der notwendige Schlafsack, das Bivy und die Isomatte erzeugen ein zusätzliches Gewicht, das ich eigentlich nicht tragen will.
Oder ich versuche, in Pensionen unterzukommen. Das macht manches gemütlicher, aber es hat auch Nachteile.
Wenn ich die Nächtigungen vorbuche, dann muss ich mich definitiv und verbindlich auf bestimmte Etappenlängen einstellen. Mit Grausen erinnere ich mich noch an den unglaublichen Regen, in den Hauke König, Susanne Alexi und ich beim Lauf auf dem Elberadweg von Dresden nach Hamburg gekommen sind.
Und wenn Du dann noch 30 Kilometer bis zu Deiner Herberge laufen musst, dann verflucht man schon mal den Wettergott, Frau Holle und die Kachelmänner dieser Welt, einzeln oder auch alle zusammen.
Wenn ich aber nicht vorbuche, dann muss ich vielleicht gegen oder nach Mitternacht irgendwo klingeln. Ob honorige Pensionswirtinnen einem nassgeschwitzten Läufer mitten in der Nacht aber wirklich noch ein Zimmerchen anbieten?
Immerhin sehe ich weder so gut aus wie George Clooney noch bin ich so gewinnend wie Thomas Gottschalk.
Wie man es dreht und wendet: mit einem Wohnmobil an der Seite wäre vieles einfacher.
Das aber geht nicht, also weg mit diesem Gedanken.

Weiterhin ist da auch die Frage, wie ich an Wechselwäsche und Wechselschuhe komme und wo ich ausgewechselte Wäsche und Schuhe deponieren kann. Natürlich denke ich da sofort an die vielen Läufer, Blogger, Twitterer und Förderer, die an meiner Laufstrecke wohnen. Vielleicht hilft es, hier fündig zu werden, wenn Du diesen Artikel tweetest?

Auch will ich ja fotografieren, twittern und bloggen während der Veranstaltung.
Zeit dafür habe ich aber eigentlich nicht, immerhin habe ich rund 17 Stunden pro Tag zu laufen.
Und ich will die Fotos auch irgendwie Euch zur Verfügung stellen. Der Transport der Fotos ins Internet wird aber nicht in einer Plastiktüte stattfinden können und auch Upload-Zeit ist Zeit, die mir fehlen würde.
Ein weiterer Grund für Freunde und Unterstützer rund um die Laufstrecke, mir da Arbeit abzunehmen.

Unterstütze mich, wenn Dir die Idee gefällt

52 Tage vor dem Beginn des Events bitte ich Dich, mir beim Finden von lokalen Unterstützern behilflich zu sein.

Wenn Du bei Deinen Followern und Freunden diese Idee und Bitte erwähnst und das auch andere tun, dann sollten wir alle gemeinsam doch das eine oder andere hierbei erreichen. Die Läufer-, Twitter- und Facebook-Gemeinde ist doch riesig.

Und dann heißt es hoffentlich mal wieder: „TomWingo, you never walk alone!“

Und was ist mit der Startkarte für den wunderschönen Wien-Marathon? Na ja, für diesen Lauf lasse ich die doch gerne ungenutzt …

Scarlett O’Hara küsst Zauberlehrling

(Klicken zum Vergrößern!)

„Vom Winde verweht“ erlebten wir am vergangenen Samstag beim NEU (Nord Eifel Ultra) live. Und ich dachte ständig an die schöne Scarlett O’Hara, jedes Mal, wenn wir wieder ganz besonders stark „vom Winde verweht“ wurden.
Da war jeder froh, der dank ein paar Pfunden zuviel dem Wind etwas entgegen zu setzen hatte. Ich war einer davon, untertrainiert, übergewichtig und auch im optimalen Fall für Ultraläufer deutlich zu schwer.

Der stamme Wind von vorne treibt Deinen Puls nach oben, Du drückst mit dem ganzen Körper gegen den von vorne blasenden Wind und dennoch kommst Du kaum voran.
Zwei richtig stramme Laufpassagen ziemlich am Anfang der 56,3 Kilometer waren so zu bewältigen und ich überlegte, wie ich mich von diesem Lauf verabschieden könnte, ohne dass es allzu peinlich wirken würde.
Als dann der Wind jedoch nachließ, wir wieder in den Wald kamen und das Laufen wieder erträglicher wurde, war ich dann doch sehr froh, nicht „gekniffen“ zu haben.

Am Vortag noch, als ich mich auf den Lauf einzustimmen versuchte, telefonierte ich mit Susanne Alexi. Ich wusste, dass ich im Grunde seit dem Eisweinlauf Mitte Dezember keine lange Einheit mehr gelaufen bin, außerdem bin ich auch nur sehr wenige kurze Einheiten gelaufen. Ich war also faul, der Arbeit und der chronischen Unlust geschuldet.
Aber Susanne beruhigte mich, als sie sagte, dass Florian Bechtel auch schon lange keine lange Strecke mehr hinter sich gebracht hat und dass es Ultramarathon – Einsteiger geben würde, perfekt.
Auf der Webseite las ich, dass wir in einer Zeit von 7 bis 10 Minuten pro Kilometer laufen würden – und ich lachte innerlich. Doch so langsam?
So würden wir für die Gesamtstrecke bei der 7er Zeit mindestens 6 1/2 Stunden brauchen, bei der 10er Zeit sogar knapp über 9 Stunden! Wie langsam ist das denn, dachte ich. Aber ich war zufrieden, weil ich nach der langen Pause sowieso Sorgen hatte, zu langsam zu sein.
Erst am Ende der Strecke, als wir kurz vor 18.30 Uhr wieder auf dem Annakirmesplatz in Düren angekommen waren, weit über 9 Stunden nach dem Start, wusste ich, dass das alles andere als langsam für mich war. Nicht nur das: zwischen km 50 und 53 war ich weit abgeschlagen hinten, konnte kaum mehr laufen, fühlte mich elend, wechselte Laufpassagen mit Gehpassagen, weil ich vollkommen fertig war und hoffte, zumindest nicht den Anschluss an den vorletzten, an Jörg Segger, zu verlieren.

Und ich ärgerte mich über mich selbst, weil ich auf die Stirnlampe verzichtet hatte, im irrtümlichen Glauben, 56,3 Kilometer noch am Nachmittag abgelaufen zu haben. Wenn ich also den Anschluss verpasst hätte, dann hätte ich ohne Licht, ohne Karte und ohne Ortskenntnis dagestanden und mich irgendwie durchschlagen müssen. Erst ab km 53 ging es wieder und ich fand Anschluss nach vorne, aber ich sagte mir, dass ich nie wieder einen Lauf vorher einschätzen will.

Der stramme Wind von vorne, der mich stets an Scarlett O’Hara senken ließ, war aber nicht das einzige Problem, das wir hatten. Da war auch noch der Goethe’sche Zauberlehrling – und der sorgte für „Wasser satt“.

Manchmal schien es mir, als wären wir beim „StrongManRun“ oder einem der anderen Matsch-Rennen. Ob es der Schnee war, der so weich war, dass Du permanent eingebrochen bist, ob es das Gras war, das sich in weichen moderigen Schlamm verwandelt hatte oder ob es die meist überfluteten Wege waren: Wasser war immer da, Wasser war omipräsent!

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Und so versuchten wir am Anfang, mit der Auswahl der optimalen Route die Füße noch einigermaßen trocken zu halten, aber schon bald war klar, dass das alles sowieso keinen tieferen Sinn ergeben würde. Von da an ging es eben geradeaus mitten durch das Wasser, mitten durch die Bäche.

Du frierst an den Füßen, an den Zehen – obenrum aber war es warm. Die Sonne erschien immer wieder am Himmel, die Luft war fast frühlingshaft warm, es war ein ganz besonderes Wochenende.
Dazu passte die Strecke, die auch sehr interessant war. Trailig, nicht allzu viele Höhenmeter, aber eben durch die Bedingungen doch sehr anstrengend.
Ob auf dem Smugglerweg, bergauf oder bergab, durch den Wald, die Wiesen oder die Dörfer – ich genoss jeden Meter, auch wenn er anstrengend war.

Und ich redete viel. Mit Susanne Alexi und Jörg Benz zuerst und dann mit Bernd Rohrmann aus Hagen. Er wurde mir beim „Trail Uewersauer“ in Luxemburg schon von Günter Meinhold kurz vorgestellt und wir liefen auch die „TorTOUR de Ruhr“ gemeinsam, er in seiner 100 Meilen-Premiere auf der 160 Kilometer Strecke, ich auf der 230 Kilometer Strecke.
Auch das weitere Programm des Jahres deckt sich auffällig oft. Rennsteiglauf, K-UT, der SH Supertrail … wir redeten ununterbrochen, bis es mir so schlecht ging, dass ich alleine sein und schweigen wollte. Aber da waren schon 50 Kilometer vorbei, es war schon dunkel und ich wollte nur noch nach Hause.

Am Ende konnte ich nicht einmal mehr auf Bernd warten. Es war schon so spät, dass ich schnell Richtung Leichlingen musste. Ein Freund hatte zu einer Après Ski Party eingeladen.
Scarlett O’Hara und der Zauberlehrling blieben auf der Strecke – aber an den unglaublichen Wind, an das viele Wasser und an einen zauberhaft anstrengenden Lauf werde ich noch lange denken.

Die NEU-linge von morgen …

Immer etwas Neues ausprobieren, immer etwas Neues laufen, was liegt da näher, als einmal diesen Lauf zu machen, den NEU.

Ich muss dazu sagen, dass ich den NEU schon im alten Jahr laufen wollte, aber das hat dann terminlich nicht gepasst.
Und auf meiner Suche nach einem Event am Wochenende habe ich gesehen, dass es leider nur sehr wenige offizielle Möglichkeiten gibt, zu laufen.
Der Honigkuchen-Marathon in Kevelaer? Zwar interessant und kultig, aber nichts für mich, für den muss man sich Monate im Voraus anmelden!
Der Indoor-Marathon in Aarhus in Dänemark? Auch interessant, aber Indoor laufe ich schon am 23. Januar in Senftenberg und Aarhus ist auch einfach zu weit für einen Wochenendlauf.
Oder doch nach Coburg zum Coburger Wintermarathon? Auch weit, finde ich, obwohl meine Schwester fast nebenan wohnt.

Also der NEU, der von Stefan Vilvo organisierte Nord Eifel Ultra, wie er sich ausgeschrieben nennt.
Start ist in Düren, also gewissermaßen vor der Haustüre, es ist ein kleiner Privatlauf, kein richtig organisierter Wettkampf, so etwas wie unser Rheinburgenweg-Lauf im März. Und diese Läufe liebe ich, sie sind so persönlich und man hat keinen Wettkampfdruck. Zeit, miteinander zu reden und sich für andere Läufe zu verabreden.

Aber mit wem redet man 56,3 Kilometer lang, wenn man niemanden kennt?
Also lohnt ein kurzer Blick auf die Liste der NEU-linge von morgen und da fällt auf, dass ich vielleicht doch die eine oder andere Läuferin, den einen oder anderen Läufer, schon irgendwo einmal gesehen habe.

Und das sind die NEUlinge:
Florian Bechtel
Harald Gatzen
Alexander Henz [4]
Jörg Benz
Peter Virnich
Jochen Kruse
Heiko Harks
Dieter Ehrenberger
Jürgen Büchel [2]
Henk Geilen [3]
Bernd Gawrisch
Ina Heins
Tobias Lagemann [2]
Susanne Alexi [2]
Helmut Hardy [4]
Jörg Segger [2]
Stefan Vilvo [5]
Thomas Eller

Betreuung:
Peter Decker [5]
Konrad Vilvo [5]

Ich sehe schon, das kann nicht langweilig werden, da wird viel geredet.

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Also starten wir morgen früh um 9.00 Uhr gemeinsam in Düren auf dem Annakirmesplatz, um eine 56,3 Kilometer lange gemeinsame Laufrunde durch die Nordeifel zu drehen.
Vielleicht kommen ja noch ein paar Läufer dazu, vielleicht sogar auch Du?

Die Runde wird gemütlich und locker laufen, angesichts meines aktuellen Trainingszustands ist für mich auch nicht mehr drin, das passt also ideal. Aber ich hoffe, dass ich danach gerüstet bin für den 50 Kilometer Hallen-Ultramarathon in der alten von der DDR-Romantik geprägten Turnhalle in Senftenberg, ein Ultralauf, der ganz besonders fordernd sein soll, weil die Bänder und Sehnen durch den Belag des Laufkurses enorm belastet werden. Zudem musst Du, weil die Kurven angeschrägt sind, spätestens nach der Hälfte beim Überholen und Überrunden der langsameren Teilnehmer, die wegen der Fliehkraft immer innen laufen, stets einen Bogen „nach oben“ machen, um voran zu kommen.
Aber das ist eine Geschichte für die übernächste Woche.

Heute freue ich mich erst einmal auf Jörg Segger, den ich schon Monate lang nicht mehr gesehen habe. Er organisiert mit Heinrich Dahmen gemeinsam zum dritten Mal den Erft-Spendenlauf. Der NEU ist also eine guten Gelegenheit, darüber zu reden.
Ich freue mich auf Florian Bechtel, meinen „Fast-Laufpartner“ des PTL 2010. Nur die damalige schwierige familiäre Situation hat diesen Ursprungsplan scheitern lassen. Ihm bin ich wohl auch ewig dankbar, er hat buchstäblich „meinen Arsch gerettet“.
Bei der TorTOUR de Ruhr hatte ich mir in der Poritze „einen Wolf gelaufen“ und er rettete mich mich unglaublich heilsamen und wirkungsvollen medizinischen Klebebändern, die er auf die wunden Stellen klebte.

Ich freue mich auf Helmut Hardy, der für den September etwas Großes angekündigt hat und einen wirklich beeindruckenden Jahresbericht über sein Jahr 2010 geschrieben hat. Live gesehen habe ich ihn zuletzt in Troisdorf beim dortigen 6-Stunden Lauf. Er organisiert immer den wunderschönen Eifelsteig-Etappenlauf, ein Lauf, der landschaftlich so schön ist, dass man erlebt haben muss!
Und ich freue mich auf natürlich auf Susanne Alexi mit ihrem unverwechselbaren Hüpfschritt, ihrer stets guten Laune, die bei allen langen Läufen dabei ist. Nach dem „schrägen O.“, der TorTOUR de Ruhr ist sie mir spätestens durch die gemeinsamen Tage im „Petzimobil“ beim Lauf über den Elberadweg von Dresden nach Hamburg ans Herz gewachsen.
Auch wenn damals nicht alles „rund gelaufen“ ist war das insgesamt eine total tolle Tour und ich beneide Torsten Riemer und Michael Eßer schon jetzt, mit Hauke König ab dem 17. Januar einmal Schleswig-Holstein zu umlaufen, natürlich begleitet vom „Petzimobil“.

Natürlich freue ich mich auch auf Henk Geilen, Jochen Kruse, Jörg Benz und die anderen. Über die und deren Laufgeschichte schreibe ich aber ein anderes Mal …

Oh, Ihr NEU-linge, ich freue mich!

Mein 2010 – ein persönlicher Jahresrückblick …

Steffen Kohler und viele andere sind schneller als ich, Yogi Schranz und viele andere haben gewaltigere Dinge hinter sich als ich, Gerhard Börner und viele andere haben mehr Bergerfahrung als ich, Norman Bücher und viele andere haben spektakulärere Events hinter sich als ich, Jack B. Liver und viele andere haben längere Strecken nonstop gelaufen als ich und Joe Kelbel und viele andere haben mehr „Marathons und länger“ gelaufen wie ich.

Ich weiß, dass ganz viele unserer gemeinsamen und meiner lieben Lauffreunde höher kamen, weiter und schneller liefen, erfolgreicher waren, spektakulärere Event bestritten haben und insgesamt in 2010 besser waren als ich – und doch finde ich, das das Jahr 2010 mein Laufjahr war.


In den Jahren 2008, 2009 und 2010 wuchs ich vom „Marathoni“ zu einem, der Strecken läuft, die ich mir selbst vor einigen Jahren noch nicht zugetraut hätte.
Begonnen hat alles mit der Vorbereitung des TransAlpineRuns 2008, wo ich zwangsweise längere Strecken testen musste. Und durch den TransAlpineRun 2008 erhielt ich 3 UTMB Punkte, von denen ich bis dahin nicht einmal wusste, dass es sie gab und was sie bedeuten.
Erst Bernie Conradt’s  Hinweis, dass ich nun auch den UTMB probieren sollte, führte 2009 zu den langen Strecken um die 100 Meilen, aber erst 2010 kamen Herausforderungen, die ich jetzt, am Ende dieses Jahres, kaum noch zusammen bekomme.

War Jens Vieler’s TorTOUR de Ruhr mit ihren 230 Kilometern wirklich erst dieses Jahr im Mai? Und die sieben Wüstentage des Marathon des Sables – waren die auch in diesem Jahr? Ich war in Nizza beim Canyon du Verdon, in Chamonix beim PTL und in Verbier beim Verbier St. Bernard, ich war auf dem Kilimanjaro-Gipfel und dem Kilimanjaro-Krater, in Rom und Davos, gleich drei Mal in Dresden und in Brugg/CH – ein wirklich unglaubliches Jahr.

Eine besondere Freude war dabei, dass ich Menschen kennen gelernt habe, die ich vorher nur im weltweiten Netz erleben konnte. In Brugg war das Guido Huwiler, in Troisdorf waren es mit MissMonster und Melanie und Steffen Kohler gleich drei „virtuelle“ Menschen, die zu „realen“ Menschen wurden. Den Abschluss machte dann Anne aus Offenburg, die beim Eisweinlauf ein reales Gesicht für mich bekam.

Ich lief mit Hauke König und Susanne Alexi auf dem Elberadweg, mit Martin Raulf auf dem Ruhrradweg, mit Jeffrey Norris und Joey Kelly in Löningen, ich lief mit Steffen Kohler in Bad Berleburg und mit Achim Knacksterdt auf dem Rheinsteig.

Aber nicht alles in 2010 war läuferisch zufrieden stellend. 2010 ist für mich leider auch das Jahr von vier DNF’s. Beim Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon, beim Canyon du Verdon, beim Verbier St. Bernard und beim PTL erreichte ich das Ziel, mein Ziel, nicht. Waren es beim Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon noch die entzündeten Fersen, beim Canyon du Verdon die Sorge um meine Frau Gabi, so war es beim Verbier St. Bernard oben am Großen St. Bernard der unglaubliche Regen, aber spätestens beim PTL aber musste ich begreifen, dass nicht jedes Ziel, dass ich erreichen will, für mich auch wirklich erreichbar ist. Die Fähigkeit jedes Körpers ist begrenzt, meine Grenzen habe ich dieses Jahr in Chamonix kennen gelernt.
Ob hier mehr Training für bessere Resultate sorgt?
Das wünsche ich mir für 2011.
Bessere Resultate wünsche ich mir aber auch für die Politik. Hier war 2010 wieder ein Jahr, in dem die politische Führung deutlich gemacht hat, dass sie einerseits mit den Realitäten überfordert ist, andererseits von den führenden wirtschaftlichen Eliten an der Nase herum und vor uns als Publikum vorgeführt wurde.
Kritik daran wird allerdings nicht erst seit Zensursula Stück für Stück erschwert. George Orwell hätte seine Freude daran, sein Bestseller „1984“ hatte offensichtlich nur den falschen Titel, „2024“ wäre wohl richtig gewesen. Verlassen können wir uns aber darauf, dass „Big Brother“ Stück für Stück Realität wird.

Und während sich die Welt streitet, ob die Thesen von Thilo „Wunderlich“ mit dem scharfen Sarrazinen-Schwert richtig sind, ob es ein Skandal ist, dass ein junger Unteroffizier 250.000 vertrauliche, geheime und streng geheime Dokumente irgendwo auf der Welt einfach auf einen USB Stick laden kann oder ob es der Skandal ist, dass jemand diese geheimen Informationen öffentlich macht, laufen wir alle weiter und hoffen, am Ende des Weges auf eine Welt zu treffen, die besser ist als die, in der wir losgelaufen sind.

Eine Welt, in der die Menschen gebildeter sind, nachhaltiger wirtschaften, gesünder leben und sich nicht so schrecklich abhängig machen von dem, was der „income shortener“ (Joseph Mc´Clendon III. bei Tony Robbins „UPW“ über den Fernsehapparat) ihnen täglich als Wahrheit vorlügt.

Aber weil das alles wohl noch sehr lange dauert, laufe ich wohl auch noch viele Jahre nach dem Jahr 2011. In diesem kommenden Jahr jedoch teste mich bei richtig „langen Kanten“ wie dem „TRA Thames Ring Race“, schwierigen und langen Bergläufen oder einfach bei eiskalten Spaßläufen wie dem „Tough Guy“ in Wolverhampton.

Und irgendwann wird dann die Welt besser sein.

Der „Kleine KOBOLT“ – ganz groß!

Wenn man einen Lauf wie den „Kleinen KOBOLT“ mit dem Abstand von einigen Tagen ansieht, dann wird der „Kleine KOBOLT“ tatsächlich fast klein. Wenn man mit diesem Abstand auf so einen Lauf zurück blickt, dann denkt man leicht, dass er eigentlich gar nicht so schwer war.
Jetzt, wo die Wunden an den Fersen verheilt sind, die Muskeln sich wieder gut anfühlen und ich auch im Magen wieder das Gefühl einer leichten Übersättigung habe, kommt mir der „Kleine KOBOLT“ wie ein netter, kleiner Freund daher …


Allerdings weiß ich auch noch gut, welch gehörigen Respekt ich vor diesem Lauf hatte. Schon die nackten Zahlen sprechen für sich:
140,5 Kilometer lang – mein bislang fünftlängster Lauf überhaupt …
4.446 Höhenmeter – nur der „PTL“, der „UTMB“, der „Trail Verbier St. Bernard“ und der „Canyon du Verdon“ hatten bisher mehr Höhenmeter …
3 UTMB Punkte – so viel wie eine Woche „TransAlpineRun“, so viel wie eine Woche „Marathon des Sables“ …

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„Wenn die Jungs und Mädels in Chamonix sich also nicht irren, dann wird der „Kleine KOBOLT“ doch ein ganz großer Lauf für mich,“ dachte ich und ich erinnerte mich daran, dass ich zwei Drittel der Strecke schon gelaufen war. Ganz gemütlich bei meist bestem Wetter in der Woche vor Ostern als Gruppenlauf mit Rolf Mahlburg beim „Rheinsteig Erlebnislauf“.
Rolf startet immer in Bonn und geht etappenweise den Rheinsteig entlang bis nach Wiesbaden. Die ersten drei Tagesetappen dabei sind die Strecke des „Kleinen KOBOLT“. Die ersten beiden Tagesetappen bin ich schon mit Rolf Mahlburg gelaufen.
Und ich erinnerte mich gut daran, dass ich früher schon nach einer einzigen dieser Tagesetappen am Folgetag kaum mehr laufen konnte. Nach dem Ende der ersten Etappe damals in Unkel ging es am nächsten Tag weiter über der Erpeler Ley Richtung Koblenz und so war die Erpeler Ley weit, weit weg von Bonn, dachte ich damals.
Beim „Kleinen KOBOLT“ allerdings sagte ich mir, dass wir fast am Ziel wären, wenn Achim und ich erst einmal die Erpeler Ley erreicht haben würden.

Ach, Achim, mein Laufpartner beim „Kleinen KOBOLT“ … es war so schön, endlich mal wieder einen ganzen Lauf mit ihm, neben ihm zu bestreiten, auch wenn 28 Stunden lang quatschen dann auch nicht möglich war. Am Ende gab es Phasen, wo wir stumm hintereinander hergelaufen waren, teilweise stumm aus Erschöpfung, teilweise auch aus Frust, weil wir uns mal wieder verlaufen hatten.

Sich zu verlaufen ist vielleicht eines der entscheidenden Punkte bei diesem Lauf. Jeder hatte es am Ende hinter sich, Achim und ich genossen die Extra-Runden ausgiebig. Gleich nach zwei der üppig bestückten Verpflegungspunkten drehten wir eine lange Schleife, die uns wieder zum Verpflegungspunkt zurück brachte. Am Ende waren statt der 140,5 Kilometer immerhin 153,5 Kilometer auf der GARMIN Uhr. Sich zu verlaufen haben Achim und ich also zur Stilform erhoben.

Neben den beiden Schleifen nach den Verpflegungspunkten 2 und 3 war auch die Gegend um das hübsche Ausflugslokal „Milchhäuschen“ ein ideales Gelände, um dieser Stilform zu frönen und wir taten es hier gleich mehrmals.
Ich liebe das „Milchhäuschen“ und hatte Achim schon kilometerweit vor diesem Restaurant von seiner Schönheit erzählt, die Gegend um das „Milchhäuschen“ herum liebe ich jedoch jetzt nicht mehr so sehr …

Ein Lauf wie der „Kleine KOBOLT“ ist also schon auf Grund der nackten Zahlen und der teilweise suboptimalen Beschilderung ein hartes Ding, am ersten Dezember-Wochenende kamen dann noch die Wetterbedingungen hinzu. Zwar war es beileibe nicht so kalt wie in den Nächten zuvor, es hat auch erst ganz am Ende geschneit, dennoch war es während der ganzen Zeit kalt und feucht, der Boden war von zusammengetretenen Schnee bedeckt und damit sehr, sehr glatt. Zum Glück hatte ich meine Alpin Sticks dabei, sie verhinderten einigem Male einen Sturz, vor allem deshalb, weil ich schuhtechnisch nicht optimal ausgestattet war.


Auf der Rückfahrt nach dem Ziel nickte ich ein Mal kurz ein. Gabi fuhr und das monotone Fahrgeräusch läd Läufer, die eben mal eine Nacht durchgelaufen sind, geradezu zum Einschlafen ein. Und ich träumte von einem Polizisten mit stark bayrischem Akzent, der mich anhielt, auf die neue Winterreifenpflicht hinwies und mein Profil sehen wollte.
Also hielt ich meine Schuhsohlen nach oben und der Polizist bemerkte natürlich sofort, dass der Schuh ein Sommermodell war, zudem war das Sohlen-Profil an vielen Stellen komplett abgelaufen.
Ich liebe diese Nike Laufschuhe, obwohl sie an zwei Stellen schon zerschlissen und definitiv viel mehr als die empfohlenen 1.000 Kilometer gelaufen haben, was die Dämpfungseigenschaften einschränkt. Für den „Kleinen KOBOLT“ aber war diese Schuhwahl nicht akzeptabel.
Und der Polizist schimpfte über das Profil und bestrafte mich mit zehn Liegestützen und einer 5-km-Strafrunde.
Ich war schon vollkommen fertig und flehte ihn an: „Tun Sie das nicht, bitte. Tun Sie das nicht, bitte, bitte, ich habe schon über 13 Strafkilometer hinter mir …“
Aber der Polizist wollte nicht auf mich hören, also wurde ich wütend und dann schrie ich ihn an: „TUN SIE DAS NICHT!“ Dann wachte ich wieder auf, wir waren zu Hause.

Aber so labil, wie ich im Traum bei dem Polizisten war, so war ich auch auf den letzten acht Kilometern vor dem Ziel. Irgendwann zwischen dem letzten Verpflegungspunkt und dem Ziel wollte mein Geist nicht mehr und alles tat weh.
Ich hatte mir im Schritt einen „Wolf“ gelaufen und hatte die beiden Hosen, die ich übereinander trug, schon so weit nach unten gezogen, dass die obere Hälfte meines Hinterns nur durch die Laufjacke bedeckt wurde, ich hatte eine dicke Blase hinten an der linken Ferse, eine kleine Blase unter dem rechten Fuß und mein linkes Knie machte sich ganz leicht schmerzend bemerkbar. Ich wollte nur noch im Ziel sein, endlich am Ziel sein …

Wenn Du so lange mit dem gleichen Partner läufst, dann gibt es Momente, in denen Du den Partner ziehen und motivieren musst und es gibt Momente, in denen Du Zuspruch brauchst und Unterstützung. Am Ende habe ich nur noch von Achims Kraft gelebt, er hat mich gezogen und meine Laune einigermaßen hoch gehalten, aber ich habe den Bonnern, die wir nach dem Weg zum Ziel gefragt hatten, wohl ein jämmerliches Bild geboten. Aber irgendwann dann waren wir tatsächlich im Ziel, irgendwann und mit 27:54 Stunden doch noch wenigstens unter der 28 Stunden Marke.

Unsere Hochrechnungen sahen uns schon mal mit 25:30 Stunden im Ziel, mal aber auch erst nach dem Cut-Off von 29:00 Stunden. Ganz schlimm war es ein paar Kilometer vor dem letzten Verpflegungspunkt. Nach dem vielen Verlaufen wussten wir, dass wir viel Zeit, Kraft und Motivation verloren hatten und wir begannen, neu zu rechnen.
Die Strecke nach dem VP, die Strecke von Bad Honnef bis zu diesem VP und die Strecke bis nach Bad Honnef … und in diesem Moment kam eine Spitzkehre mit einer Wegbeschilderung nach Bad Honnef, auf der stand: BAD HONNEF 11,5 km.

Wir hatten keine Chance mehr, vor dem Cut-Off anzukommen, dachten wir. Achim wurde aus Trotz und Ärger schneller, ich wurde aus den gleichen Gründen langsamer. Achim wurde richtig ärgerlich, ich verzweifelte und wanderte ins „innere Jammertal“.
Es folgte eine merkwürdige Viertelstunde, in der wir liefen und schwiegen, träumten und dachten, bis wir von einem dicken Stein erlöst wurden, auf dem stand: BAD HONNEF 1,5 km.

Alles war wieder gut für Achim, für mich aber noch nicht. Nach einem Kilometer kam ein Abzweigschild nach Bad Honnef Innenstadt, das ich aber übersehen habe und wir liefen und liefen und kamen scheinbar einfach nicht nach Bad Honnef. Ich stellte mir vor, dass auf dem Stein 7,5 km gestanden haben musste und ärgerte mich. Erst als Achim von der Abzweigung erzählte, die ich übersehen hatte, ging es mir wieder besser.

Knapp 28 Stunden lang stramm bergauf oder vorsichtig bergab, weil es so glatt war, ständig mit dem gleichen Laufpartner zusammen, den Du schon so lange kennst, immer unleidlich vor den Verpflegungspunkten, aber motiviert und vorne weg danach, da denkst Du oft an Deinen Laufpartner und daran, woher Du ihn kennst.

Achim kenne ich schon viele Jahre. Wir hatten uns auf dem Eisweinlauf vor einigen Jahren kennen gelernt und kamen damals über das Thema Fußball ins Gespräch. Achim ist in erster Linie ein Fan von Mainz 05, damals noch von „Kloppo“ trainiert. In zweiter Linie ist er ein Fan von Eintracht Frankfurt, schön, dass während des „Kleinen KOBOLT“ gerade diese beiden Vereine gegeneinander gespielt hatten. Achim hatte sich mit einem mobilen Radio und Ohrclips bewaffnet, um noch das Siegtor der Frankfurter mitzubekommen, bevor der Akku seinen Geist aufgegeben hatte.

Danach haben Achim und ich uns bei ein paar kleineren Läufen gesehen. Ich erinnere mich an den 50K Ultra in Rodgau, aber da sahen wir uns nur kurz nach dem Zieleinlauf auf dem Weg zum Auto. Achim hatte damals eine 4:35 Stunden gelaufen, ich hatte 4:45 Stunden gebraucht. Achim ist meist etwas schneller als ich, nur beim K-UT konnte ich ihn kurz vor dem Ziel noch einholen.

Das erste lange Ding, das wir dann zusammen gemacht hatten, waren die 350 Kilometer des Swiss Jura Marathon von Genf nach Basel. Antje, seine Frau, war als Helferin mit im Orga-Team, Achim und ich liefen. Achim lief wie immer ein wenig schneller als ich, zur Strafe durfte er in den Turnhallen immer schon unsere Schlafecke einrichten.
Nur an einem Tag war ich schneller als er, am 5. Tag, dem Donnerstag, einen Tag nach Achims Sturz und einen Tag bevor meine Muskelverhärtung begann.
Achim war also gestürzt beim SJM und er ging dann nach dem Lauf zum Doc, um die Rippen untersuchen zu lassen.
Eine angebrochene Rippe hatte er, wenn ich mich richtig entsinne, und der Doc fragte ihn etwas vorwurfsvoll, warum er denn nicht gleich nach dem Unfall zu ihm gekommen wäre.
„Weil ich noch 200 Kilometer laufen musste,“ war Achims Antwort. Der Doc war schockiert, ich war amüsiert. So eine Antwort kann nur von einem „Ultra“ kommen, oder?

Mit Yogi Schranz und Susanne Alexi sind Achim und ich dann das „Schräge O.“ gelaufen, mit meinem Laufpartner vom TransAlpineRun 2008, mit Heiko Bahnmüller, sind Achim und ich dann gemeinsam in der Wüste gewesen. Beim „Marathon des Sables“ war die Ankunftsreihenfolge in unserem Zelt auch jeden Tag gleich. Zuerst kam Heiko eingelaufen, dann folgte Achim, dann erreichte ich das Ziel, danach Tilmann, dann Christian. Jeden Tag gleich.
Das Zusammengehörigkeitsgefühl haben aber vor allem diese beiden Etappenläufe enorm gestärkt, über all das dachte ich also nach beim „Kleinen KOBOLT“.

24 Läufer waren für die langen 140,5 Kilometer angemeldet, nur 17 davon traten an. Einer, mein Freund JoSi, Joachim Siller, scheiterte an der Zugverbindung, die im Schnee stecken blieb, einer, der großartige Jens Vieler, musste wegen einer Erkältung passen, wieder andere kamen aus anderen Gründen nicht und nur 10 ser 17 Starter kamen tatsächlich am Ziel an.
Und wenn Achim und ich uns gemeinsam den 8. Platz teilen und wir uns somit ganz weit hinten auf der Ergebnisliste wiederfinden, dann tut mir das gar nicht weh. Wir sind durchgekommen, haben gefinished, durch den Schnee, durch die Kälte, durch die Nacht …

Wir hatten trotz der Verlaufer offensichtlich mehr Glück als die, die auf der Strecke aufgeben mussten. Und wir hatten das Glück, diesen Lauf erleben zu dürfen, der von den drei Jungs aus dem „Chamonix-Appartement“ in kürzester Zeit ins Leben gerufen wurde.
Michael Eßer, der mitgelaufen war und 10. wurde, Stefan Scherzer, der den „Kleinen KOBOLT light“ lief und dort den zweiten Platz errang und Andreas Spieckermann, der Race Director, der in einer unglaublichen Ruhe die vielen Helfer dirigierte, motivierte und lenkte, haben hier einen kleinen Traum realisiert, auf den sie stolz sein können.

Ein richtig harter Winterlauf, der Dir alles abverlangt, gleichzeitig aber liebevoll organisiert ist und landschaftliche Highlights bietet, wie Du sie nur selten siehst. Wenn dieser Lauf im nächsten Jahr neu aufgelegt wird, dann solltest Du dabei sein und auch den Blick auf die in der Nacht hell erleuchteten Burgen werfen, stets abwechselnd das Rheintal und die Höhen der rechtsrheinischen Berge kennen lernen.
Du solltest die kalte und lange Winternacht erleben und genießen. Die kurze, warme Nacht von Biel ist zauberhaft, das Gegenstück, eine Nacht, die schon früh beginnt und nicht enden will, die kalt ist und lang, ist auch ein echtes Erlebnis.
Wir gehen in die Wüsten, in die Alpen und in die Dünen, um wegzukommen vom üblichen Trott eines Straßenmarathons – hier beim „Kleinen KOBOLT“ hast Du die Herausforderungen gebündelt und direkt vor der Haustüre.

Schade nur, dass der Rheinsteig auf der „schäl Sick“ liegt, aber daran können Michael, Stefan und Andreas ja noch arbeiten …