Wirklich keine Petitesse: der „La Petite Trotte à Léon“!

Vorgestern war der letzte Tag der Einschreibung für den „PTL“, für den „La Petite Trotte à Léon“ gewesen. Ursprünglich sollten sich maximal 60 Teams aufmachen, die Umrundung des Mont Blanc in der schwierigeren Version zu versuchen, aber die Veranstalter haben die Teilnehmergrenze auf 80 Teams erhöht.
Ein Glück auch für uns, weil es die Chancen, dass Carsten Quell, Bob Lovegrove und ich dabei sein dürfen, erhöht. Am Vorabend des letzten Einschreibetags waren 64 Teams gemeldet, also gehe ich davon aus, dass wir auf dieses Mega-Event hintrainieren dürfen.

Mindestens zwei andere Teams aus dem Freundeskreis werden dabei sein: Eric Türlings, der Veranstalter des Keufelskopf Ultras, des „K-UT“, wird mir zwei Saarländern starten und Jens Vieler, der Veranstalter der „TorTOUR de Ruhr“, wird mit Wolfgang Olbrisch und einem dritten Läufer ebenfalls ein Team stellen. Natürlich laufe ich neben dem „K-UT“ auch die „TorTOUR de Ruhr“, genug Gelegenheit also, über den „PTL“ zu diskutieren und Strategien zu besprechen, die dann sowieso nicht funktionieren, denn eines ist sicher: am Berg ist jedes Team für sich alleine!

(Klicken zum Vergrößern!) Die Strecke des PTL 2010

Ein Lauf, der in etwa so viele Höhenmeter zu bieten hat wie diese Erde ingesamt von den Tiefen des japanischen Grabens bis zu den Höhen des Mount Everest – und das verteilt auf 240 Laufkilometer – wird mir sicher alles abverlangen, wird alles von mir nehmen, aus mir herausnehmen. Vielleicht auch mehr. Viel mehr.

Aber Carsten, Bob und ich haben auch viel zu geben. So werden wir aus diesem Lauf, aus diesen 3x 240 Kilometern, aus diesen 3x 18.000 Höhenmetern einen Spendenlauf machen. Wahrscheinlich für UNICEF. Oder für eine andere Organisation, die sowohl in Kanada, in England als auch in Deutschland einen guten Ruf hat und die diese Welt ein wenig besser machen will, als sie ist.
Also wird jeder Schritt für einen guten Zweck sein und die Muskelverhärtung in den Oberschenkeln, die ich wahrscheinlich wie beim TransAlpineRun 2008, dem SwissJuraMarathon 2009 und dem UTMB 2009 wieder bekommen werde, wird mich während der 100 Stunden, die wir für diesen Lauf Zeit haben, permanent daran erinnern, dass wir uns und anderen an diesem verlängerten Wochenende im August etwas Gutes tun wollen.

Etwas Gutes sollen aber auch unsere Augen bekommen. Schon im August 2009 habe ich mich in den Anblick des Mont Blanc verliebt, bei Ski fahren in La Plagne sah ich den „weißen Riesen“ wieder ganz nah vor mir stehen. Erfurcht und Respekt muss diesem Berg gezollt werden und Du wirst Dir Deiner Bedeutungslosigkeit bewusst, wenn dieser Berg, dieses Massiv aus Dutzenden von hohen und höchsten Bergen, auf Dich hinabschaut.
Und nun darf ich mir diesen Berg gleich 100 Stunden lang ansehen – aus allen Perspektiven! Was wird das für ein Erlebnis sein!


Aber nach dem UTMB 2009 und hoffentlich dem PTL 2010 will ich noch etwas anderes, noch etwas Neues von diesem Berg: ich will ihn besteigen. Ganz hinauf auf den Gipfel!
2011 – vielleicht mit Dir?

Zwar gehört er nicht zu den „Seven Summits“, aber zumindest früher wurde er in Westdeutschland als „höchster Berg Europas“ bezeichet. Erst der Mauerfall und die objektivere Sicht der Geographie Europas hat ihn auf Platz 2 abrutschen lassen und er musste den Spitzenplatz der höchsten Berge Europas dem Elbrus überlassen. Aber auch da streiten sich die Geographen der Welt, ob der Elbrus nun asiatisch oder europäisch ist.
Zu den „Seven Summits“ jedenfalls gehört der Elbrus für Europa dazu – macht aber nichts. Der „weiße Riese“, der Mont Blanc, der will bestiegen sein.
2011.
Ein Ziel.
Mein Ziel.

„Wer sich nicht bewegt, der kann auch nichts bewegen!“

Der Baden-Badener Weihnachtsmarkt - auf der Skala der Weihnachtsmärkte sicherlich relativ weit oben zu finden!

Es ist 18 Uhr am Samstag Abend auf dem wunderschönen Baden-Badener Weihnachtsmarkt. Menschenmassen schieben sich durch die Gassen des Weihnachtsmarktes und der Duft von Glühwein lässt Weihnachten erahnen. In der Mitte des Weihnachtsmarktes befindet sich eine hell erleuchtete Muschel, eine Aula, eine Bühne und auf der sammeln sich neben R(ud)olf Mahlburg und seiner Frau Brigitte noch der Bürgermeister von Baden-Baden sowie Repräsentanten von der „Aktion Benny & Co.“, die muskelkranken Duchenne-Kindern hilft und andere Repräsentanten unterschiedlichster Organisationen.

Gerade sind wir als Laufgruppe mit weit über 100 Läufern in Baden-Baden eingelaufen und wir alle haben unseren Weckmann bekommen. Einen leckeren frischen Weckmann und ein Glas Glühwein oder Kinderpunsch für die Läufer und ein paar warme Worte der Repräsentanten für die Weihnachtsmarkt-Besucher. Worte darüber, dass wir die langen Weg von Offenburg bis nach Baden-Baden bewältigt und dabei viel Gutes für kranke Kinder getan haben, Worte über die soziale Aufgabe, der sich Brigitte und Rolf Mahlburg gestellt haben und Worte der Bewunderung für die vielen Läufer, die da unten vor der Bühne standen, allesamt glücklich und stolz, diese 65 Kilometer mit den 1.800 Höhenmetern bewältigt zu haben.

Mir persönlich hat dabei dieser Satz aus der Seele gesprochen: „Wer sich nicht bewegt, der kann auch nichts bewegen!“ Wie wahr, dachte ich am Samstag und ich erinnerte mich sofort an die vielen Laufkilometer, die ich seit dem April 2004 gelaufen bin, seit jenem läuferischen Startpunkt, an dem ich begonnen hatte, in meinem Leben etwas zu bewegen. Ich habe mich fortan bewegt und ich habe auch vieles in meiner Umgebung bewegt. So habe ich viele fantastische und bewunderswerte Läuferinnen und Läufer kennen und schätzen gelernt, ich habe noch nicht alles, aber einiges von dem unnötigen Fett weggebrannt, das sich als Schwimmring deutlich sichtbar abgesetzt und mich zu einem „Sitzsack“ gemacht hatte und das sich auch im ganzen Körper verteilt hat, in jeden einzelnen Muskelstrang.

Vor allem aber habe ich neue Prioritäten im Leben gesetzt und erkannt, dass ich nicht auf Dauer ohne einen einigermaßen fitten und gesunden Körper leben will. Und heute freue ich mich beim Duschen immer wie ein kleines Kind, wenn ich meine Waden sehe oder den Oberschenkel-Muskel, der, wenn er angespannt ist, so stark akzentuiert und fest ist, dass ich denke: „Yes, I can!“ Oder ich fasse eine Po-Backe an und merke, wie fest und muskulös diese geworden ist. Schon dafür hat sich das Laufen gelohnt!

Und auch bei meiner Einstellung zur Familie und zum Beruf hat sich etwas bewegt. Während ich früher ein extremer Workoholic war ist mir heute die Balance zwischen den beruflichen Notwendigkeiten und dem Recht der Familie auf Beachtung, Liebe und Gemeinsamkeit sehr wichtig geworden. Erhalten habe ich dafür das Gefühl, ein ganz besonderer Vater zu sein, von den Kindern geliebt und von der Familie verehrt und gebraucht.

Wir standen also unter der Bühne in Baden-Baden und erlebten, wie R(ud)olf Mahlburg  für seine Webseite „Laufend-helfen.de“ einen Scheck von insgesamt immerhin 3.500 EUR an drei Hilfsorganisationen verteilt, das meiste Geld geht dabei wie immer an die Duchenne-Forschung, getreu dem Motto: gesunde Muskeln für kranke Muskeln.

Es ist nicht vollständig das „doppelte Familientreffen“ geworden, das ich erwartet hatte, aber dafür kamen Menschen dazu, die mir bei der ersten Durchsicht der Teilnehmerliste gar nicht aufgefallen waren. Schon am Vorabend traf ich die meisten Lauffreunde bereits in Bühl, wo diese die Nacht verbringen sollten. Ich habe meinen Freund Achim Knacksterdt in Baden-Baden abgeholt und nach Bühl gebracht und dort angekommen, durfte ich herzlich so viele Läuferinnen und Läufer begrüßen, dass ich voller Stolz war und hoffte, dass dieser Abend nie vorbeigehen möge. Allen voran waren es natürlich Heidi Stöhr, die ich schon im Eingangsbereich traf und die „Geschwister Fürchterlich“, die ich herzen und knuddeln durfte, zudem waren es die badischen Lauffreunde Peter Wiedemann, Brigitte Mahlburg und Rolf Mahlburg.
Dann aber erinnerte ich mich an meinen zweitlängsten Lauf meines bisherigen Läuferlebens, an den KÖLNPFAD. Fast vergessen hatte ich die Situation, als Hans-Peter Gieraths und ich vielleicht bei km70 von hinten von einem Läufer eingeholt wurden, der ein aufrichtiges Interesse an unserem kleinen Laufwettbewerb hatte. Er fragte uns, was die Startnummern zu bedeuten hätten und danach, welcher Lauf das denn wäre. Er fragte uns weiter, wie weit wir bislang gekommen wären und welche Strecke noch zu bewältigen sei.
Er lief vielleicht zwei, drei Kilometer mit uns gemeinsam und erzählte uns, dass auch er „einmal einen Ultralauf wagen“ würde, aber nicht im Kölner Raum, sondern im Dezember bei seinem Bruder Andreas, der im Badischen leben würde.
Ich fragte ihn dann, welchen Lauf er denn meinen würde, ich würde die Ultras im Badischen fast alle kennen und er antwortete: „Ich laufe den Eisweinlauf!“

Der Eisweinlauf von Offenburg nach Baden-Baden, ein Gruppen- und ein Spendenlauf, 2009 zum achten Mal durchgeführt!


Jörg Benz, nicht verwandt mit dem Möbeldesigner, hat also einen Bruder im Badischen – und ich kannte diesen sogar von früheren Eiswein-Läufen! Und meine Eltern wohnen im Badischen und Jörg und ich treffen uns unvermittelt und zufällig irgendwo im Niemandslang zwischen Bergisch-Gladbach und Köln. Und Jörg Benz war am Freitag Abend auch in Bühl. Mit seinem Bruder Andreas, der aber wegen einer Erkältung nicht zu den Läufern, sondern „nur“ zum Supporter-Team gehörte.

Gefehlt hat leider die an der Archillessehne verletzte Wilma Vissers und auch Heinrich Dahmen konnte den Weg in den Süden nicht antreten, das war schade, weil ich gerne mit den beiden ein paar Erinnerungen geteilt hätte, dafür traf ich aber Henk Geilen und Joachim Siller, beide Namen sind mir in der langen Teilnehmerliste nicht aufgefallen.
Henk Geilen ist einer der ganz besonders erfahrenen Ultraläufer, mit dem ich etliche lange Läufe gemeinsam gelaufen bin, teilweise in Belgien oder Holland, aber eben auch im Badischen oder in der Eifel, ein echter Gewinn an Gefühl und Witz bei jedem Ultralauf und JoSi, Joachim Siller, ist auch seit Jahren für mich menschlich einer der ganz Großen unter den Ultraläufern. Als TransSwiss 2009 Finisher hat er auch allen Grund, stolz auf seine Läuferbiografie zu sein.

Am Samstag Morgen sprach mich dann Tilmann Markert an, ein Arzt aus Gaggenau, der als Nachrücker ebenfalls im April 2010 zum Marathon des Sables (MdS) nach Südmarokko reisen wird. Für Achim Knacksterdt und mich war das eine gute Gelegenheit, diesen neuen Mitstreiter kennen zu lernen. Während des Laufs entdeckte ich mit Freude auch Nicola Wahl, auch eine von denen, die mich in 2009 besonders oft begleitet haben. Sie war beim SwissJuraMarathon 2009 (SJM) genauso dabei wie beim UTMB 2009. Dass sie selbstverständlich beide Wettbewerbe erfolgreich gefinished hat, sei nur am Rande erwähnt.
Ganz besonders erinnere ich mich aber an den fünften Tag des SJM, an dem ich die schlimmsten Muskelbeschwerden bekam. Ich hatte bestimmt 30 Minuten Vorsprung auf Nicola herausgelaufen, bis die Oberschenkel verhärtet waren und die Sehnenscheidenentzündung in den Füßen mich zwang, bergab nur noch zu tippeln. Irgendwann dann stürmte von hinten Nicola an mir vorbei und sie ließ mich stehen wie eine Slalomstange und ich fühlte mich damals alt, krank und langsam.

Es gab noch viele andere, mit denen ich reden konnte, so beispielsweise Marco Köhler aus Rastatt, mit dem ich über unseren gemeinsamen Lauffreund Dirk Joos geredet habe, den wir beide sehr vermisst haben, so viele, dass der Artikel zu lange würde, wenn ich alle, die es verdient hätten, erwähnen würde.
Nur einen will ihc noch nennen, Klaus Adelmann aus Freiburg, der die Webseite www.runme.de betreibt. Klaus und ich haben in der Vergangenheit schon oft miteinander kommuniziert, live gegenübergestanden haben wir uns aber meines Wissens noch nicht. Klaus sprach mich erst ganz spät am Abend an, als wir von den Bergen aus kommend im Dunklen in Baden-Baden einliefen. Wir liefen eine Straße entlang, die gesäumt wurde von schönen und riesigen Häusern, die deutlich den Reichtum ihrer Besitzer zeigten. Nicht umsonst gilt Baden-Baden als eine der TOP 10 – Städte mit den meisten Millionären pro 1.000 Einwohner und diese Millionäre prägen mit deren Prunk den Charakter der Stadt.
Der Prunk der Häuser spiegelt sich dann auch wider in den öffentlichen Bauten wie dem Theater und in den hell erleuchteten edlen Restaurants und Hotels, die den Ruhm von Baden-Baden mitgeprägt haben.

Und so endete dort vor der Bühne des Weihnachtsmarktes in Baden-Baden ein langer und bestens organisierter Gruppenlauf, der EISWEINLAUF, der die über 100 Teilnehmer über 65 Kilometer und über die Höhen des Schwarzwaldes führte, ein Lauf, bei dem neben dem Wunsch, Gutes für kranke Kinder zu tun, auch die Gelegenheit geliebt wurde, mit vielen unterschiedlichen Menschen zu reden. Und wenn man diesen Lauf, der 2009 schon zum insgesamt 8. Mal durchgeführt wurde, wie ich schon zum vierten Mal absolviert, dann sind es die Gesichter der „Stammkunden“, die diesem Lauf seinen Charakter geben.
Und es sind Rolf Mahlburg, der mit großer Routine das Tempo vorgibt und Brigitte Mahlburg, die sich liebevoll um die hinteren Läufer kümmert, weil das Ziel des Laufs ist, alle Teilnehmer ins Ziel zu bringen und dafür zu sorgen, dass die Gruppe zusammen bleibt, die beiden prägen diesen Lauf mit ihrer Liebe zu den Menschen und ihrem großen Herz für alle Menschen, Läufer oder Nicht-Läufer, Kranke oder Gesunde.

Und wenn sich mehr als 100 Läufer mit Kopflichtern, Sicherheitswesten und Nikolausmützen in Baden-Baden durch den Kurgarten bewegen, dann stehen die Passanten still, salutieren, grüßen und freuen sich über dieses seltene Bild. Und sie begreifen den Sinn des Weihnachtsfestes, der guten Tat und der Bewegung und sie verstehen: „Wer sich nicht bewegt, der kann auch nichts bewegen!“


Dezember: gleich ein doppeltes Familientreffen in Offenburg!

Gengenbach im Kinzigtal ist ein wunderschönes kleines Städtchen im Badischen. Gengenbach ist nicht deshalb schön, weil Wolfgang Schäuble dort wohnt und auch nicht, weil dort alljährlich ein ganz besonders großer Adventskalender zu bewundern ist, bis vergangenes Jahr gemacht mit Bildern des weltbekannten Künstlers Tomi Ungerer und ab 2009 bis 2011 gestaltet durch den Künstler  Jan Peter Tripp, der den Adventskalender mit bekannten und beliebten Motiven seines Vaters dekoriert, sondern, weil meine Eltern auch dort wohnen.

Der Gengenbacher Adventskalender - immer einen Besuch wert!

Der Adventskalender ist aber wirklich eine Reise wert und wenn Du den Künstler Jan Peter Tripp nicht kennst, dann kennst Du zumindest seinen Vater, Franz Josef Tripp.
Franz Josef Tripp
hat die Bücher von Michael Ende und Otfried Preußler illustriert und das gibt es Charactere, mit denen wir alle aufgewachsen sind:

Jim Knopf
Lukas, der Lokomotivführer
Räuber Hotzenplotz

Das kleine Gespenst

In den Jahren zuvor wurde der Gengenbacher Adventskalender schon von Künstlern wie Otmar Alt, Quint Buchholz, Marc Chagall und Tomi Ungerer gestaltet, ich finde, das ist eine erstaunliche Serie prominenter Künstler, die diesen Adventskalender immer wieder zum Ziel vieler Reisenden machen. Schau selbst mal hin, wenn Du in der Gegend bist!

Also, meine Eltern wohnen dort und weil Gengenbach eher weit ist, bin ich nicht allzu oft im schönen Baden. Aber wenn, dann bin ich auch stets aufs Neue begeistert – und das nicht nur wegen der schönen Laufstrecken dort! Und wenn ich also Mitte Dezember wieder dort sein werde, dann gibt es ein kleines Familientreffen.

Aber dieses Familientreffen wird noch übertroffen von einem Familientreffen der besonderen Güte, einem Familientreffen der Läufer!
Gerne bin ich ja dem Ruf meines lieben Freundes und Lauf-Organisators R(ud)olf Mahlburg gefolgt und laufe zum insgesamt 4. Mal den „Eisweinlauf“ von Offenburg nach Baden-Baden. Ich mache das stets gerne, teilweise aus Dankbarkeit gegenüber Brigitte und Rolf Mahlburg, aber auch, weil ich dort Jahr für Jahr immer wieder neue und interessante Menschen kennenlernen durfte. Und mit manchen davon habe ich dann auch andere große Läufe bestritten und mit einem dieser Läufer werde ich nächstes Jahr in der marokkanischen Wüste starten.

Der „Eisweinlauf“ ist ein Gruppenlauf und so hast Du ausgiebig Zeit, die meisten Läufer dort kennen zu lernen. Und heute habe ich mal auf die Teilnehmerliste gesehen und ich konnte mir ein paar Tränen der Freude nicht verkneifen.
Die Liste ist voll mit Lauffreunden der ganz besonderen Art, Menschen, die mir mehr bedeuten und die gerade in den letzten 1 1/2 Jahren für mich besonders wichtig waren.
Da sind zum Beispiel die „Geschwister Fürcherlich“, Steffi Effelberg und Andrea Falkus, vielleicht die liebsten und interessantesten Schwestern unter den Ultraläufern. Ich habe beide schon Anfang 2008 kennen gelernt und bin in Biel und anderen Orten Ultras mit ihnen gelaufen, aber richtig toll wurde es, als wir zusammen den TransAlpineRun 2008 bestritten haben. Lange Läufe ohne die beiden sind langweilige Läufe!
Und da ist auch mein badischer Freund Peter Wiedemann, den ich meistens bei den badischen Gruppenläufen treffe, der aber unbestritten ein ganz Großer bei den Ultraläufern ist. Er startet für die LG DUV, also der Gruppierung, für die ich bald auch starten will, wenn da nicht auch noch die Entscheidung für die DUV zu treffen wäre – und mit der tue ich mich sehr schwer. Peters Laufliste der Ultramarathons beim DUV ist riesig. Ich bewundere und beneide ihn.
Ich freue mich auch auf Heidi Stöhr aus Freiburg, auch mit ihr habe ich neben dem GONDO EVENT 2008 einige Gruppenläufe gemeinsam bestritten. Ich mag ihre Fröhlichkeit und bewundere, wie sie nach einem glatten Knochenbruch (war es der Wadenknochen?) mit Stahlschrauben im Bein den GONDO EVENT 2008 geschafft hat. Eine unglaubliche Willensleistung. Dieses Jahr war sie beim TransAlpine Run 2009, ein Lauf, den ich nur aus der Ferne beobachten konnte.

Die Liste wäre nicht komplett, wenn ich nicht noch zwei LäuferInnen erwähnen würde, die mich dieses Jahr besonders bewegt haben. Heinrich Dahmen ist einer davon. Der Mitorganisator des Erft Spendenlaufs und seit jeher ein eifriger Spendensammler zu Gunsten kranker Kinder hat mir die Idee vermittelt, bei dem „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ dabei zu sein. Heinrich ist 2008 kontrolliert nach 50 Runden dort ausgestiegen, 2009 aber hat er mit großen körperlichen Problemen zu kämpfen gehabt und hat mühevoll 51 Runden bewältigt. Dafür hat er die volle Zeit gebraucht, ich wünsche ihm, dass es beim nächsten Versuch dann auch wirklich klappt. Heinrich ist als Kerpener fast ein „Nachbar“, so viele Ultraläufer gibt es ja nicht in der Kölner Bucht und er ist immer da, wenn man ihn braucht.
Die andere ist Wilma Vissers. Ich habe schon einmal einen Blogbeitrag über sie geschrieben: „Wilma, der Liebling aller Läufer und Betreuer…“ Wir sind zusammen die 7 Tage und die 350 Kilometer des SwissJuraMarathon (SJM) von Genf nach Basel gelaufen und die in der deutschsprachigen Schweiz lebende Holländerin (oder heißt das „Niederländerin“?) hat uns allen so viel gute Laune gemacht, dass ich es kaum abwarten kann, bis wir uns wieder sehen.

Alles in allem wird das Wochenende um den 12. Dezember herum ein tolles Wochenende. Die Eltern besuchen, einen wunderschönen langen Lauf machen, Freunde treffen und das beim letzten langen Lauf des Jahres – so darf ein tolles Laufjahr 2009 für mich zu Ende gehen.

Schon jetzt sehe ich uns wieder im Dunklen in Baden-Baden, durch den Wald kommend, die Straße bergab laufen. Vor uns im Tal leuchtet die Innenstadt und der hell erleuchtete riesige Weihnachtsmarkt. Wir laufen dort immer an der Seite ein, der Weg ist für uns abgesperrt und wir laufen auf eine Bühne zu, wo wir vom Bürgermeister empfangen werden. Traditionell gibt es da einen Spenden-Scheck von Brigitte und R(ud)olf Mahlburg für die „Aktion Benny & Co.“, für an der Duchenne-Krankheit leidende Kinder. Für uns Läufer gibt es immer einen Weckmann und Glühwein.
Um den abgesperrten Teil herum stehen erwartungsvoll einige Dutzend Menschen und der Bürgermeister begrüßt uns immer warmherzig und weist darauf hin, dass diese Gruppe von Offenburg aus nach Baden-Baden gelaufen ist. Für die meisten Zuschauer eine ungeheuere und kaum vorstellbare Distanz: 65 Kilometer, 1.800 Höhenmeter! Der Applaus der Zuschauer wärmt dann genauso wie der Glühwein.

Später dann, in Bühl, wo die meisten Läufer auch die Nacht davor und die Nacht danach verbringen, trennen sich dann die Wege der Läufer wieder und ich werde mit ein paar Tränen in den Augen wieder nach Gengenbach zu meinen Eltern fahren, auch, um in der Gengenbacher Altstadt den Adventskalender zu bewundern und dort noch mit meiner Familie und meinen Eltern ein Restaurant zu besuchen.

So schön kann die Adventszeit sein!

Gib mir ein „P“, gib mir ein „T“ – aber was ist mit dem „L“?

Es ist Samstag Mittag, 13.00 Uhr. Auf meiner Agenda steht: „Carsten in Kanada anrufen, wegen PTL!“
Mein Nokia E90 Communicator bimmelt, um mich an die Agenda zu erinnern. Das wäre aber nicht notwendig gewesen, ich war schon vorher so gespannt und nervös wie ein junger Mann bei seinem ersten Date. Bisher hatte ich mit Carsten nur zwei eMails ausgetauscht, die recht vielversprechend waren, aber wie würde Carsten am Telefon sein?
Wird er mich mögen? Werden wir harmonieren?

Es ist Samstag Mittag, 14.00 Uhr. Ich lege den Hörer auf, eine Stunde lang haben Carsten und ich gequatscht. Wir haben über den UTMB geredet, über Ultra-Läufe im allgemeinen und Bergläufe im speziellen und darüber, wie unsere Ziele beim Laufen sind, wie kompromissfähig wir sind und über alles, was wichtig ist, um zu ermitteln, ob wir uns beide trauen, gemeinsam die größte läuferische Herausforderung anzunehmen, die es in unser beider Läuferleben je gegeben hat. Und wir kamen überein: ja, das passt sehr gut mit uns!

Ich habe das Gefühl zu schweben. Ich bin euphorisch und freue mich schon jetzt auf den Lauf, von dem ich bis 14 Tage vor dem UTMB noch nicht einmal wusste, dass es ihn gibt: den PTL.
„La petit Trotte à Léon“ heißt er ausgeschrieben, aber der Name ist falsch. Wie der SwissJuraMarathon kein Marathon, sondern ein Ultramarathon-Etappenlauf ist, ist der PTL alles andere als „petit“, er ist eher „long“, „incroyable long“.

Das Profil der PTL (zum Vergrößern bitte klicken!)

Der PTL wird in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe setzen: ca. 245 Kilometer am Stück bin ich noch nie gelaufen, selbst, wenn ich im Mai die „TorTOUR de Ruhr“ erfolgreich hinter mich bringen sollte. Und auch die Zeitvorgabe von 100 (!) Stunden ist eine Marke, die so außergewöhnlich klingt, dass mir ein kalter Schauer den Rücken runter läuft. Und auch die offiziellen 21.000 Höhenmeter sind eine Hausnummer, vor der ich absoluten Respekt habe – mehr als zwei Mal von Normalnull (NN) auf den Mount Everest!
Wenn es am Ende wie 2009 dann „nur“ bescheidene 17.500 Höhenmeter und „nur“ ca. 230 Kilometer sein werden, dann ist der PTL noch lange kein Kindergeburtstag. Außerdem bin ich recht sicher, dass die Organisatoren bestimmt noch eine Idee haben werden, wie sie die tatsächlichen Werte näher an die offiziell ausgeschriebenen Werte bringen werden.
Der PTL ist auch in dieser Hinsicht besonders: es ist ein Lauf für Dreier-Teams, die auch immer zusammen bleiben müssen. Von den drei Teilnehmern müssen zwei Finisher des UTMB sein, Carsten und ich sind das, so dass unser „dritter Mann“, gerne auch unsere „dritte Frau“ nicht zwangsläufig den UTMB bewältigt haben muss. Carsten und ich meinen: das ist die große Chance für gute Lauffreunde, uns zu begleiten!

Die Strecke des PTL (zum Vergrößern bitte klicken!)

Die Strecke geht wie auch beim UTMB einmal rund um den Mont Blanc herum, Start und Ziel ist ebenfalls in Chamonix, wenngleich deutlich früher, nämlich schon in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, der späteste Zieleinlauf ist am Sonntag darauf um 16.30 Uhr! Die Ausschreibung des Laufs findest Du hier auf der offiziellen UTMB-Webseite

Was mich auch motiviert hat, dieses Wagnis einzugehen, war der Laufbericht von Gerhard Börner auf Klaus Duwe’s Webportal Marathon4you.de. Schon der Titel ist eine Legende: „PTL: es gab Überlebende …“

Was gibt es noch über diesen „Lauf der Läufe“ zu schreiben? Nur eines noch. Carsten aus Kanada nimmt das „P“, ich nehme das „T“, aber wer nimmt das „L“?
Lieber Lauffreund, der Du so verrückt bist wie wir: gib mit ein „L“!

Heilfasten – Tage 6 und 7

Morgen früh ist alles vorbei …

… und ich freue mich auf die Birne, die ich mir schon am Anfang der Woche gekauft habe, damit sie schön reif ist, wenn ich sie mir zum Frühstück gönne!

Der sechste Tag war interessant: eingebunden in viel Arbeit habe ich überhaupt nicht gemerkt, dass ich nichts essen konnte. Der Einlauf am Morgen war hervorragend, ich hielt ihn ausnehmend lange und ich machte auch das Ölziehen fast 60 Minuten lang. Nach dem Motto „Viel hilft viel!“ wollte ich einfach mal übertreiben.

Grundsätzlich war es ein toller Tag mit der üblichen, schon oft erwähnten enormen Wassermenge. Aber am  späten Nachmittag und am Abend habe ich eine recht skurrile Szenerie erlebt: meine Schwägerin feierte ihren Geburtstag und als wir als Familie dort eintrafen, gab es das Übliche. Kuchen, Torte, Kaffee, Sahne …
… alles isst, außer ich.

Am Abend das Gleiche: es gab erst eine Kürbiskernsuppe mit Pesto, eigentlich sehr lecker, weil ich weiß, dass meine Schwägerin eine hervorragende Köchin ist …
… alle essen, außer ich.

Danach gab es Schweinelendchen mit schwäbischen Spätzle-Nudeln. Das bei uns, die wir seit Jahren fleischlos leben! Und es gab kein Gemüse, keinen Salat dazu …
Also aß mein Sohn die Nudeln trocken, meine Tochter und meine Frau aßen gar nichts …
… alle essen, außer die Familie Eller.

Der siebte Tag, heute, begann euphorisch und ich fühlte mich großartig. Ich fragte mich: wozu überhaupt noch essen? Ich hatte keinerlei Verlangen mehr danach. Das ist schon erstaunlich, oder?
Andererseits hatte ich schon zwei kleine Dellen in der Bauchdecke, obwohl rechts und links noch ein kleines Fettpölsterchen zu sehen ist. Zu sehen sind aber jetzt auch meine Rippen, das hatte ich als junger Mann immer – und ich habe es stets gehasst. Jetzt habe ich es wieder! Also doch wieder essen?

Am Vormittag hatte ich schon sehr früh einen Termin im Büro, so früh, dass ich weder zum Ölziehen noch zum Einlauf kam und zu Mittag hatten wir einen Auswärtstermin in Weilerswist. Dort gab es zwei Suppen, Canapées en masse und alkoholfreie Getränke, auch Wasser, dieses jedoch nur mit Kohlensäure. Da ich mein stilles Wasser „Pur Born“ vergessen hatte, musste ich also auf das Blubberwasser ausweichen und ich trank zwei Flaschen davon innerhalb von vielleicht 90 Minuten.

Als wir wieder zu Hause waren, war ich platt. Gehen geht kaum mehr, meine Oberschenkel vibrieren und ich fühle mich richtig schlecht und schwach. Vielleicht hilft mir die übliche „Suppe“ aus einem Teil Gemüsesaft und drei Teilen Wasser weiter, aber während ich das schreibe, hoffe ich sehr, dass morgen früh ist und ich mit dem Fastenbrechen beginnen darf. Momentan würde ich unter keinen Umständen noch einen Tag an die Heilfasten-Kur dranhängen.
Ist das so wie bei meinem Läufen? Auch da will ich nicht einen Meter weiter laufen, ich fange irgendwann an, im Kopf die Kilometer herunter zu zählen und so schaltet auch mein Gehirn auf „Schluss!“ und im Ziel beispielsweise eines Marathons frage ich mich dann stets: „Wie kannst Du 50, 60, 72,7, 75, 84,4, 100, 166, 171 oder sogar 177,520 Kilometer laufen? Ich bin doch heute wieder am Ende!“ Aber irgendwie geht immer alles, wenn Du Deinen Geist auf dieses größere Ziel programmierst! Oder liegt es daran, dass ich mir heute keinen Einlauf machen konnte, der eigentlich elementar zum Heilfasten gehört?

Aber dieses Heilfasten hat mir gezeigt, dass der Muskelabbau doch deutlich fühlbar ist, wenn Du nicht allzu viel Sport in der Woche treiben kannst. Und diese Woche war ich mangels Zeit und Motivation wirklich faul: ich bin nicht ein Mal gelaufen und ich habe nur eine Stunde lang Tennis gespielt.

Morgen werde ich nach den zwei Stunden Tennis Doppel noch 90 Minuten lang mit meiner Frau laufen gehen, am Abend spiele ich noch einmal eine Stunde Tennis Einzel.
Ab Montag wird dann wieder täglich gelaufen, am Freitag Abend beginnt dann das winterliche Spinning, damit ich wieder einigermaßen wiederhergestellt bin für den „schrägen O. Weg“ rund um Oberhausen mit dem Ultra-Yogi Jörg Schranz. Auf diesen Lauf freue ich mich zum einen deshalb, weil ich Jörg bisher noch nie persönlich kennengelernt habe und zum anderen, weil mein Lauffreund des SwissJuraMarathons, Achim Knacksterdt, der mit mir beim Marathon des Sables in Marokko sein wird, angedeutet hat, uns zu begleiten. Da der „schräge O. Weg“ ein Gruppenlauf ist, bleibt viel Zeit, mit den beiden ausgiebig über das Laufen und mir noch unbekannte Läufe zu reden.

Das Fastenbrechen morgen habe ich mir so gedacht: zum Frühstück gibt es eine Birne, in kleine und kleinste Stücke zerteilt. Nach dem Tennis gibt es eine Kürbissuppe, die aber keine Sahne enthält. Und am Abend will ich mir einen Rohkost-Teller gönnen, vielleicht auch mit einer kleinen Flasche Radler oder einem französichen Merlot! Das wäre dann mein erster bescheidener Alkohol nach bald 14 Tagen.

Noch 12 Stunden bis zur Birne …

Fastenbrechen