Troisdorf oder warum ein 6-Stunden-Lauf schon nach 90 Minuten zu Ende war …

Am Morgen des vorigen Samstags, am Morgen vor dem 6-h Lauf in Troisdorf, der wie immer liebevoll von den engagierten M-U-T’lern organisiert wurde, fühlte ich schon wenig Motivation, diesen Lauf zu machen.
Vom Vortag taten mir die Oberschenkel noch weh, ein Handicap, das meinem akuten Trainingsrückstand geschuldet war, ich war nicht wirklich ausgeschlafen, und hatte so ein Grummeln im Magen, genug Gründe, die Bettdecke wieder über den Kopf zu ziehen und noch ein paar Schlafstündchen dran zu hängen.
Aber die vermeintliche Pflicht siegte.

Der Troisdorfer 6-h Lauf, immerhin 2005 mein Einstieg in die Welt der Ultras, wenn ich von dem Gruppenlauf rund um Ratingen, den „Ratinger Rundlauf“ am 3. Oktober 2005 absehe, stand sowieso nicht auf meiner Laufagenda, weil es eigentlich das letzte Wochenende war, an dem ich hätte arbeiten müssen, dieses Mal in der Drei-Flüsse-Stadt Passau.
Da meine Gabi mir aber für dieses letzte Wochenende frei gegeben hatte, erinnerte ich mich an die freundliche Einladung von Michael Irrgang, der mich via Facebook zu diesem Lauf hatte überreden wollen, was ich unter dem Verweis auf den Arbeitseinsatz ablehnte.
Außerdem hat mich der XING-Lauffreund Thorsten Stelter gefragt, ob wir dort in Troisdorf ein paar Worte miteinander wechseln könnten. Live hatte ich ihn seit einem nur wenige Minuten dauernden Treffen vor dem Rennsteiglauf Anfang dieses Jahres nicht mehr gesehen, alles Gründe, doch nach Troisdorf zu fahren.

Zu Troisdorf sei für diejenigen, die noch nie in diesem Städtchen waren, erklärt, dass man das „i“ im Namen nicht mitspricht. Troisdorf heißt also eher Trosdorf, hier in der Region wird Tro(i)sdorf auch liebevoll „Trostlos“ genannt. Es ist eben eine eher gesichtslose Wohnstadt für Bonn und Köln, eine der vielen Wohnstädte, die sich rund um diese schönen Städte gebildet haben.
Troisdorf ist vor allem für mich sehr nah. Und Nahes hat von jeher nur einen bedingten Charme, finde ich. Eine gesichtslose Stadt in Sachsen-Anhalt oder in Bayern ist allemal besser als etwas, das nahezu direkt vor der Haustüre liegt.

Dazu kommt, dass es in Troisdorf eine Tradition gibt, fast schon eine Gleichung. Wenn der Lauf in Troisdorf ist, dann ist auch das Wetter schlecht. Immer. Schlecht, nass, kalt.
Im Vorjahr hat es fast permanent geregnet, es begann nur wenige Minuten nach dem Startschuss, steigerte sich gegen Mittag zum Wolkenbruch und endete auch erst wieder kurz vor dem Ende des Rennens. Noch immer sehe ich die unermüdlichen Helferinnen und Helfer, die versucht haben, die schlimmsten Wasserpfützen auf dem Damm hinter dem Aggertal-Stadion weg zu wischen. Ich erinnere mich an den verzweifelten Versuch, sogar die Cola anzuwärmen, damit uns die nasse Kälte nicht allzu sehr zusetzte.
Ich erinnere mich an meinen ersten Lauf dort, damals, 2005. Beim Lauf selbst war es einigermaßen trocken, aber der Weg war noch nass vom Regen am Vortag und vom Regen in der Nacht vor dem Start.
Wenn Du dort vom Damm herunter kommst und auf die Straße trittst, dann gibt es da mitten im Laufweg eine kleine Senke im Asphalt, in der sich immer das Wasser sammelt. Damals bin ich drei oder vier Stunden lang brav um diese Senke herum gelaufen, in den letzten beiden Stunden aber war mir der Umweg zu weit und meine innere Abwägung „nasse Füße“ oder „Umweg“ wurde anders beantwortet wie in den ersten Laufstunden.
Damals hatte ich mich von den Lauffreunden des TV Altendorf-Ersdorf begleiten lassen. Ein paar Runden mit Rainer, ein paar Runden mit Katrin, ein paar Runden mit Dietmar, ein paar Runden mit meiner Gabi – und natürlich viele Runden alleine, vor allem in den ersten beiden Laufstunden.
Damals hat es aber nicht gereicht für die 60 Kilometer – und auch beim zweiten 6-h Lauf, ein halbes Jahr später in Stein/NL nicht. Erst dann, ein weiteres Jahr später, beim dritten Versuch, in Steenbergen/NL, kam ich mit ca. 64,5 Kilometern auf ein zufrieden stellendes Ergebnis. Seither habe ich keinen 6-h Lauf mehr mit Engagement gelaufen.
Im Vorjahr hatte ich in Troisdorf nach einem Marathon noch die Runde beendet und bin dann gegangen, nass und kalt wie ich war.
Und das war auch mein Plan für 2011 an diesem Morgen, wo ich unmotiviert war und besser im Bettchen geblieben wäre.

Auf der Starterliste aber hatte ich neben Melanie und Steffen Kohler auch Birger Jüchter gesehen. Melli und Steffen hatte ich schon Monate lang nicht mehr live gesehen und auch mit Birger bin ich zuletzt beim Allgäu Panorama Ultra gemeinsam gelaufen. Seine Finishertrophäe, ein Metall-Läufer auf einem Pflasterstein, steht noch immer bei uns.
Er hatte Gabi und mir seine Trophäe mitgegeben, weil ihn sein Weg weiter geführt hat zu Hauke Königs höchst privatem Frubiase TransGermany Lauf und Birger war dorthin mit dem Fahrrad unterwegs. Da hätte so eine Trophäe sicher eher gestört.
Nicht zuletzt freute ich mich auch, den stets freundlichen Michel Irrgang mal wieder zu sehen.

Mein erstes Ziel war, gut auszusehen. Ich erinnte mich bei der Beantwortung meiner Frage, in welcher Farbe ich wohl laufen würde, an das Zitat von Henry Ford.
Jens Vieler erwähnt dieses Zitat auch sehr oft und vieles bei seiner TorTOUR de Ruhr basiert auf diesem Zitat.

„Egal welche Farbe – Hauptsache: schwarz!“

Als Wintertyp steht mir schwarz sowieso am besten. Und das, was X-BIONIC in schwarz produziert, habe ich schon beim ersten Ansehen in mein Herz geschlossen.
Das Outfit war also schnell klar, eine ganz kleine Motivationsspritze war das schon. Aber eben nur eine  kleine, die nicht allzu lange anhält.

Schon an der Startlinie habe ich gemerkt: ohne eine ausreichende Portion Motivation laufen ist einfach Mist. Du haderst an allem, Du spürst Deinen Körper schon, bevor Du losgelaufen bist und Du fragst Dich von Anfang an: „Was soll ich hier?“
Noch freute ich mich über die vielen anderen Lauffreunde, darüber, Conny und Sigi Bullig, zu sehen. Und ich startete mit Thorsten Stelter und auch Birger, Melanie und Steffen waren lange bei mir.
Aber wer mich nicht begleitete, war die Begeisterung. Es war Pflicht von Anfang an, Pflicht und Zwang. Selbst auferlegt, zweifellos, aber eben dennoch Pflicht und Zwang.

Das Wetter war fantastisch, überhaupt nicht Troisdorf-typisch. Es war mild, sonnig, ein wunderbarer Tag. Ein Tag, an dem man, wie Michael Irrgang mir irgendwann sagte, auch mal Gehpausen einlegen könnte, sich intensiv versorgen lassen könnte, alles langsam angehen lassen könnte. Stimmt.
Stimmt aber irgendwie auch nicht. Denn an so einem Tag kannst Du auch etwas anderes Schönes machen als Dich von anderen Läufern überholen zu lassen. Wenn Du anfängst, das peinlich zu finden, was Du da ablieferst, dann ist es Zeit, aufzuhören.

Melanie und Steffen Kohler waren mittlerweile einhundert oder zweihundert Meter vor mir. Ich gab mir noch Mühe, die beiden einzuholen, lief noch den Rest der Runde mit den Beiden, um dann meine Startnummer abzunehmen und mit meiner Entscheidung zufrieden das Terrain zu verlassen.
Ein Drittelmarathon, immerhin. Etwas zum Auslaufen, immerhin.

Nun bleiben noch zwei Wochen Zeit, mein Pensum wieder deutlich nach oben anzupassen, lange Einheiten zu probieren, damit der KoBoLT nicht hinter einem der Tausend Bäume hervorlugt und mir eine lange Nase zeigt.

Aber zwei Wochen sind ja auch wirklich noch eine sehr lange Zeit …

Die NEU-linge von morgen …

Immer etwas Neues ausprobieren, immer etwas Neues laufen, was liegt da näher, als einmal diesen Lauf zu machen, den NEU.

Ich muss dazu sagen, dass ich den NEU schon im alten Jahr laufen wollte, aber das hat dann terminlich nicht gepasst.
Und auf meiner Suche nach einem Event am Wochenende habe ich gesehen, dass es leider nur sehr wenige offizielle Möglichkeiten gibt, zu laufen.
Der Honigkuchen-Marathon in Kevelaer? Zwar interessant und kultig, aber nichts für mich, für den muss man sich Monate im Voraus anmelden!
Der Indoor-Marathon in Aarhus in Dänemark? Auch interessant, aber Indoor laufe ich schon am 23. Januar in Senftenberg und Aarhus ist auch einfach zu weit für einen Wochenendlauf.
Oder doch nach Coburg zum Coburger Wintermarathon? Auch weit, finde ich, obwohl meine Schwester fast nebenan wohnt.

Also der NEU, der von Stefan Vilvo organisierte Nord Eifel Ultra, wie er sich ausgeschrieben nennt.
Start ist in Düren, also gewissermaßen vor der Haustüre, es ist ein kleiner Privatlauf, kein richtig organisierter Wettkampf, so etwas wie unser Rheinburgenweg-Lauf im März. Und diese Läufe liebe ich, sie sind so persönlich und man hat keinen Wettkampfdruck. Zeit, miteinander zu reden und sich für andere Läufe zu verabreden.

Aber mit wem redet man 56,3 Kilometer lang, wenn man niemanden kennt?
Also lohnt ein kurzer Blick auf die Liste der NEU-linge von morgen und da fällt auf, dass ich vielleicht doch die eine oder andere Läuferin, den einen oder anderen Läufer, schon irgendwo einmal gesehen habe.

Und das sind die NEUlinge:
Florian Bechtel
Harald Gatzen
Alexander Henz [4]
Jörg Benz
Peter Virnich
Jochen Kruse
Heiko Harks
Dieter Ehrenberger
Jürgen Büchel [2]
Henk Geilen [3]
Bernd Gawrisch
Ina Heins
Tobias Lagemann [2]
Susanne Alexi [2]
Helmut Hardy [4]
Jörg Segger [2]
Stefan Vilvo [5]
Thomas Eller

Betreuung:
Peter Decker [5]
Konrad Vilvo [5]

Ich sehe schon, das kann nicht langweilig werden, da wird viel geredet.

(Klicken zum Vergrößern!)

Also starten wir morgen früh um 9.00 Uhr gemeinsam in Düren auf dem Annakirmesplatz, um eine 56,3 Kilometer lange gemeinsame Laufrunde durch die Nordeifel zu drehen.
Vielleicht kommen ja noch ein paar Läufer dazu, vielleicht sogar auch Du?

Die Runde wird gemütlich und locker laufen, angesichts meines aktuellen Trainingszustands ist für mich auch nicht mehr drin, das passt also ideal. Aber ich hoffe, dass ich danach gerüstet bin für den 50 Kilometer Hallen-Ultramarathon in der alten von der DDR-Romantik geprägten Turnhalle in Senftenberg, ein Ultralauf, der ganz besonders fordernd sein soll, weil die Bänder und Sehnen durch den Belag des Laufkurses enorm belastet werden. Zudem musst Du, weil die Kurven angeschrägt sind, spätestens nach der Hälfte beim Überholen und Überrunden der langsameren Teilnehmer, die wegen der Fliehkraft immer innen laufen, stets einen Bogen „nach oben“ machen, um voran zu kommen.
Aber das ist eine Geschichte für die übernächste Woche.

Heute freue ich mich erst einmal auf Jörg Segger, den ich schon Monate lang nicht mehr gesehen habe. Er organisiert mit Heinrich Dahmen gemeinsam zum dritten Mal den Erft-Spendenlauf. Der NEU ist also eine guten Gelegenheit, darüber zu reden.
Ich freue mich auf Florian Bechtel, meinen „Fast-Laufpartner“ des PTL 2010. Nur die damalige schwierige familiäre Situation hat diesen Ursprungsplan scheitern lassen. Ihm bin ich wohl auch ewig dankbar, er hat buchstäblich „meinen Arsch gerettet“.
Bei der TorTOUR de Ruhr hatte ich mir in der Poritze „einen Wolf gelaufen“ und er rettete mich mich unglaublich heilsamen und wirkungsvollen medizinischen Klebebändern, die er auf die wunden Stellen klebte.

Ich freue mich auf Helmut Hardy, der für den September etwas Großes angekündigt hat und einen wirklich beeindruckenden Jahresbericht über sein Jahr 2010 geschrieben hat. Live gesehen habe ich ihn zuletzt in Troisdorf beim dortigen 6-Stunden Lauf. Er organisiert immer den wunderschönen Eifelsteig-Etappenlauf, ein Lauf, der landschaftlich so schön ist, dass man erlebt haben muss!
Und ich freue mich auf natürlich auf Susanne Alexi mit ihrem unverwechselbaren Hüpfschritt, ihrer stets guten Laune, die bei allen langen Läufen dabei ist. Nach dem „schrägen O.“, der TorTOUR de Ruhr ist sie mir spätestens durch die gemeinsamen Tage im „Petzimobil“ beim Lauf über den Elberadweg von Dresden nach Hamburg ans Herz gewachsen.
Auch wenn damals nicht alles „rund gelaufen“ ist war das insgesamt eine total tolle Tour und ich beneide Torsten Riemer und Michael Eßer schon jetzt, mit Hauke König ab dem 17. Januar einmal Schleswig-Holstein zu umlaufen, natürlich begleitet vom „Petzimobil“.

Natürlich freue ich mich auch auf Henk Geilen, Jochen Kruse, Jörg Benz und die anderen. Über die und deren Laufgeschichte schreibe ich aber ein anderes Mal …

Oh, Ihr NEU-linge, ich freue mich!

Life is a Rollercoaster !

Schlapp war ich in Troisdorf beim 6-h Lauf, dem ersten Lauf nach sechs Wochen unfreiwilliger Laufpause, relativ schlapp war ich auch in Bad Berleburg beim 24-h Lauf. Beide Male war ich nur wenig motiviert, relativ langsam und der Puls war für die gelaufene Geschwindigkeit bei weitem zu hoch.

Zwischen diesen beiden schlappen Läufen allerdings war ich in Luxemburg …


Mein zweiter Lauf in Luxemburg in meinem kurzen Läuferleben führte mich auf die 50,1 Kilometer des „Trail Uewersauer“ im luxemburgischen Heiderscheid.
Der „Trail Uewersauer“ ist einer der Läufe, von denen man gar nicht genug bekommen kann und von denen es gar nicht genügend gibt.
Schon das Startgeld ist eine Liebeserklärung an die Läufer: 35 EUR nimmt man da, nur die, die sich weniger als 7 Tage vor dem Lauf anmelden, werden mit 15 weiteren EUR bestraft.

Für dieses Geld bekommst Du nicht nur einen Lauf, der mit ChampionChips persönlich und qualifiziert gemessen wird, einen Lauf, der vielleicht zu den schönsten Landschaftsläufen gehört, die ich kenne, einen Lauf, wo auch die Versorgung Maßstäbe setzt und einen Lauf, der wirklich trailig und matschig ist, wo Asphalt nahezu nicht existiert und dessen Auf und Ab Dich wirklich fordert.
Nein, Du bekommst auch ein Starterpaket, in dem das alkoholfreie Bier in der Tasche noch das Wenigste ist. Da ist auch ein hübsches, dickes SweatShirt dabei. Das ist so kuschelig warm und weich, dass ich mich eigentlich beim Veranstalter beschweren müsste, denn kaum hatte ich das SweatShirt meinem knapp 17-jährigen Sohn gezeigt, war es auch schon in seinem Kleiderschrank.
Es sei ihm gegönnt …

(Klicken zum Vergrößern ...!)

(Klicken zum Vergrößern ...!)


Neben ein paar weiteren „Goodies“ gibt es in diesem Startpreis am Ende noch eine warme Mahlzeit, eine Lasagne mit Fleischanteilen oder eine Gemüselasagne für die, denen „totes Tier“ nicht schmecken will. Und dazu gibt es noch einmal eine Flasche alkoholfreies Bier, ein Bierchen, das dann nach dem Lauf herrlich erfrischend schmeckt.

Kein Wunder also, dass dieser Trail eine riesige Läufergemeinde vereinigte, zumal das Wetter am vorletzten Wochenende fantastisch werden sollte. Nach dem Regen in Troisdorf und vor der Kälte von Bad Berleburg durften wir wohl zum letzten Mal in 2010 ein Wochenende mit Sonne und warmen Temperaturen genießen.


Für mich und für Günter Meinhold war der „Trail Uewersauer“ irgendwie fast das Gleiche. Während Günter seinen 401. „Marathon und länger“ lief, seinen Jubiläumslauf feierte er in Berlin beim 3-tägigen Mauerwegslauf, feierte ich meinen 104. „Marathon und länger“. Zumindest in der Quersumme habe ich jetzt also mit Günter gleichgezogen.
Auch Birger Jüchter feierte ein Jubiläum, für ihn war es „Marathon und länger“ Nummer 50. Wenn man bedenkt, wie kurz er erst in der Läuferszene ist, ist das eine wirklich beachtliche Zahl.

In Troisdorf lief ich ja teilweise mit Steffen Kohler und auch in Bad Berleburg lief ich mit ihm. Beide Male war ich schlapp und unmotiviert, beim Lauf dazwischen sollte alles anders sein.

Also lief ich mit – Steffen Kohler und seiner Melanie.
Ob es das weibliche Element war, das mich so motivierte, weiß ich nicht. Ich erinnere mich aber noch, dass ich die beiden dann ab Kilometer 22,8 alleine gelassen habe, weil ich das Gefühl nicht los wurde, dass Melanie sich durch mich unter Druck gesetzt fühlte.
Du kannst dreißig Mal sagen, dass Dir das Tagesergebnis gleichgültig ist, dass Du nur zusammen laufen willst, Glauben schenkt Dir deshalb dennoch niemand.

Ab jenem Kilometer 22,8 habe ich es dann aber richtig laufen lassen. Nachdem wir 1:15 Stunden für die ersten 10 Kilometer und 1:25 Stunden für die zweiten 10 Kilometer gebraucht haben, machte ich auf den dritten 10 Kilometern, nun weitgehend alleine, so viel Druck, dass ich diese Passage in 1:03 Stunden absolvieren konnte. Das vierte 10 Kilometer Paket lief ich wieder in 1:15 Stunden und die letzten 10 Kilometer, die „heim in den Stall“ Kilometer, schaffte ich trotz eines heftig steilen Berges am Ende in 1:09 Stunden.

Auf meinem Weg nach vorne überholte ich unglaublich viele Läufer, unter ihnen auch Eric Türlings, den Organisator des großartigen Trailwettbewerbs K-UT, des Keufelskopf Ultra. Zuletzt hatte ich ihn mitten in der Nacht beim PTL auf dem Gipfel eines Berges gesehen und dann wieder auf einer sonnenbeschienenen Jausehütte beim zweiten Frühstück. Er sei vollkommen untertrainiert, sagte Eric. Aber das ändert nichts an meiner Botschaft für ihn: Eric, auf deinen Lauf am 28. Mai 2011 freue ich mich ganz besonders!

Kurzum: es ging mir richtig gut auf dem luxemburger Trail, ich war voller Kraft, motiviert und schnell auf den Beinen. Es ist halt wie auf der Achterbahn. Gerade noch unten geht es steil bergauf. Und wenn Du dann glaubst, ganz oben zu sein, dann ist es auch schon wieder vorbei und Du stürzt in rasanter Fahrt wieder in das nächste Tal.

Aber eines ist auf der Achterbahn auch ganz sicher:
solange die Fahrt nicht für immer zu Ende ist, solange wird es auch immer wieder bergauf gehen!
Ist das nicht auch eine Erkenntnis, die uns Mut für das Leben macht?


In Troisdorf schwach, in Luxemburg obenauf und in Bad Berleburg platt – was bedeutet das für den „Kleinen KOBOLT“ am Samstag?

Wir werden es sehen …

Es ist nicht immer leicht, ich zu sein …

Du sollts Dich immer da abholen, wo Du bist. Und wenn Du nicht da bist, wo Du Dich hinwünschst und nicht da, wo Du mal gewesen bist, dann gilt das immer noch: Du sollst Dich da abholen, wo Du bist.

Selten wurde mir so deutlich vor Augen geführt, dass regelmäßiges Training einen Sinn hat, dass lange Läufe schwer werden, wenn Du nicht regelmäßig läufst. Sechs Wochen lang bin ich also nicht gelaufen. Zuerst war da der Wunsch nach etwas Regeneration nach den drei Läufen Ende September / Anfang Oktober, gepaart mit chronischer Unlust, vermeintlich zu viel Arbeit und dem latenten Wunsch, ein paar Tage lang die Kartoffel auf dem Sofa spielen zu dürfen.


In Afrika aber sollte alles wieder anders werden.
Aber außer den guten Vorsätzen und einer mit Laufklamotten randvoll gepackten Tasche war das nicht möglich. Auch bei meinem letzten Kilimanjaro-Trip blieb es bei einem einzigen Trainingslauf, dieses Mal fiel sogar der aus. Und dann, wieder in Deutschland, war der Schreibtisch voll, die chronische Unlust wieder da und dann blockierte mein ISG, mein Iso-Sakral-Gelenk. Also wieder nichts mit dem Laufen. Das schlechte Gewissen aber nahm ständig zu, ganz im Gegensatz zum Fitnesszustand.

Und in diesem Zustand zum KiLL50? 50 Meilen durch die kalte und nasse Hildesheimer Nacht, mit Gepäck auf dem Rücken? Was ist, wenn ich nach 20, 40 oder 60 Kilometern nicht mehr kann? Dann stehe ich im Niemandsland mitten in der dunklen Nacht, frierend und alleine und muss schauen, wie ich wieder zum Start/Ziel komme. Mir war klar: das geht einfach nicht, noch nicht an diesem Wochenende.

Als Alternative habe ich mir den 6-Stunden-Lauf in Troisdorf ausgesucht. Dieser Lauf war 2005 mein allererster Ultra, der kein Gruppenlauf war. Es war damals der längste vorstellbare Lauf der Welt: 6 Stunden!
Aber die Troisdorfer M.U.T.-ler um den großartigen Michael Irrgang herum belehrten mich damals schnell eines Besseren. Als ich, ganz sicher, die längste denkbare Strecke zu laufen, mal wieder durch das schöne Aggertal-Stadion lief, stellte der Mann am Mikrophon den Zuschauern einen der anderen Läufer als den Deutschen Meister im 24-Stunden-Lauf vor, just erreicht mit weit über 240 Kilometern in Basel.
Ich muss gestehen: ich war damals schockiert und fasziniert zugleich. Ist es tatsächlich möglich, so lange zu laufen?

Mein „längster denkbarer Lauf“ von 2005 war also am vergangenen Wochenende die kürzere Variante, die Alternative zu den 50 Meilen des KiLL50. Irgendwie ist das schon lustig, oder?

Schon am Freitag habe ich den Veranstalter des KiLL50, meinen lieben Freund Michael Neumann, angeschrieben und um Vergebung gebeten und um Verständnis, dass ich, trotz permanenter anderer Zusagen nun doch nicht nach Hildesheim kommen würde. Leid tat es mir nicht nur um ihn, sondern auch um seine bezaubernde Freundin Su, deren Kochkünste ich gerne einmal kennengelernt hätte.
Leid tat es mir aber auch um die Lauffreunde, deren Namen auf der Startliste des KiLL50 standen. Jeder einzelne dieser Namen steht für eine kleine Geschichte und ein kleines Stück meines Lebens. Andreas, Jochen, Michael, Joachim, Torsten, Robert, Thomas und all ihr anderen, Euch sei gesagt, dass ich wirklich gerne dabei gewesen wäre.
Nie werde ich die schöne Nacht im Vorjahr vergessen, wo ich an der Seite von Martin Raulf auf die Wildsauen dieser Gegend Acht geben musste.

Der Samstag begann schon mit einer kleinen Merkwürdigkeit. Beim Anziehen der X-SOCKS Kompressionsstrümpfe habe ich mich gefragt, ob die ausgeleiert seien. Sie gingen so einfach anzuziehen, das war schon merkwürdig. Dass Muskelabbau so schnell gehen kann …

Und trotzdem freute ich mich wie ein kleines Kind auf diesen Lauf. Nicht wegen des zu erwartenden Regens, der noch viel heftiger ausfiel wie ich es befürchtet hatte, …


… sondern, weil ich das erste Mal bewusst die Runningfreaks Melanie und Steffen treffen würde. Und auch mein Freund Helmut Hardy hatte ich auf der Anmeldeliste entdeckt.
Ich war früh dran in Troisdorf, auch deshalb, weil ich ja noch nachmelden musste und ich traf Melanie und Steffen dann draußen auf dem Weg zum Auto, wo ich noch ein paar Sachen verstauen wollte. Ein wenig Sorge hatte ich schon, ob ich die beiden im RL auch wirklich gleich erkennen würde. Fotos, vor allem Avatare, haben nicht immer viel mit dem Aussehen im „real life“ zu tun, aber ich irrte hier gewaltig. Ein Blick und gleich war klar, wer die Freaks sind.

Aber der CDU-Mann Axel E. Fischer, der uns alle zu kleinen Witzchen herausgefordert hat, hat vielleicht doch Recht. Klarnamen haben Vorteile, eindeutig. Als es plötzlich hieß: „Hi, ich bin die Eva!“ war ich schon erstaunt. Miss Monster hatte ich mir anders vorgestellt. Der Avatar erinnerte mich stets an Frankenstein, in Wahrheit war Eva bezaubernd und räumte mit all meinen Vorurteilen, die ich bislang Monstern gegenüber hatte, auf.
Dabei war es nur der Fehler der Visagistin, die vor dem Foto-Shooting dafür gesorgt hat, dass das Avatarfoto so wenig mit der Realität zu tun hatte. Was doch so eine Visagistin alles verändern kann …

Ich war froh, mit Miss Monster laufen zu dürfen. Unser gemeinsamer Plan, zwei, drei gemeinsame Stunden mit einer knapp über 6:00 er Zeit zu laufen, um dann von meiner Frau Gabi abgelöst zu werden, misslang. Gabi war es zu nass, zu kühl, einfach viel zu eklig.
Also war ich nach gut zwei Stunden allein mit mir, aber nach dreieinhalb oder vier Stunden begleiteten mich Schmerzen in den Oberschenkeln. Ich war so schlapp, so schwach, so untertrainiert …

Aber ich träumte ein wenig. Immer wenn Daniel Schwitter mich überrundete dachte ich, dass ich gerne schneller wäre, fitter, dass ich gerne nicht meine Probleme mit dem Rücken hätte, nicht die mit den beiden rechten Zehen am rechten Fuß und dass ich eigentlich überhaupt gerne ein wenig anders wäre. Es ist eben nicht immer leicht, ich zu sein …

Ich lief wohl zum siebzehnten Mal den aus einer einzigen Schlammpfütze bestehenden Damm hinter dem Stadion entlang, als die Veranstalter das Lied spielten, dessen Text mir gerade durch den Kopf ging. Die Wise Guys sangen: “ Es ist nicht immer leicht …“
Mein Gesicht war schon vom Regen und dem Schweiss klitschnass, das war gut, denn niemand sah, dass da nun auch noch ein paar Tränchen kamen.

(Klicken zum Vergrößern ... )

Am Ende war ich froh, nach dem Punkt 42.195 Meter noch die Runde zu beenden und dann auszusteigen. Mein „Marathon und länger Nummer 103“ war erledigt, ich habe nette Menschen kennen gelernt und viel über mich nachdenken können.
Und ich habe eine Entscheidung getroffen: ab sofort wird wieder täglich gelaufen, die Wochenkilometer müssen wieder rauf.

Gestern habe ich damit angefangen. Die Lauffreunde vom TV Altendorf-Ersdorf haben mich auch gleich wieder erkannt, vielleicht nur am Nummernschild des Autos, vielleicht aber auch, weil sie mich wirklich vermisst haben.

MissMonster hat einen kleinen Film mit mir gedreht und Steffen hat auch etwas über unser Treffen geschrieben, alles ist gut.