230 Kilometer und das Peter-Prinzip …

Das „The TRA 250 Miles Thames Ring Race“, dieses 400 Kilometer Nonstop-Rennen, sollte mir 2013 Klarheit verschaffen, ob ich überhaupt noch in der Lage bin, lange Distanzen zu meistern.

Dabei war früher alles so einfach:
Der TransAlpineRun 2008 (TAR), mein erster wirklich großer Lauf, klappte besser als gedacht und machte Lust auf mehr. Die drei UTMB-Punkte, die es für diesen Stagerun gab, mussten natürlich 2009 zum UTMB führen. Wie sagte damals Bernie Conradt kurz nach dem TAR zu mir: „Jetzt hast Du drei UTMB-Punkte, jetzt musst Du auch nach Chamonix!“
In der Vorbereitung des UTMB 2009 habe ich dann im Jahr 2009 meinen ersten 24-h Lauf gelaufen, damals in Delmenhorst, immerhin über 177,5 Kilometer. Ich wollte damals unbedingt zumindest einmal die Länge des UTMB nonstop hinter mich gebracht haben.
Ich lief die 350 Kilometer des SwissJuraMarathons in 7 Etappen von Genf nach Basel und zur Absicherung lief ich noch gegen den Rat der meisten Freunde zwei Wochen vor dem UTMB die 171 Kilometer des Kölnpfads in knapp unter 24 Stunden.
Alles war einfach und gut, Zweifel gab es nicht, nie.

Auch den UTMB selbst lief ich ich guten 41:52:33 Stunden deutlich leichter und besser als geplant. Ich konnte mir sogar eine längere Schlafpause in Trient in der zweiten Nacht gönnen – welch ein Luxus!

2010 kamen dann im Frühjahr die 230 Kilometer der TorTOUR de Ruhr, ich musste leiden und kam erst im späten Dunkel ins Ziel, aber ich konnte diesen Lauf finishen – wie eben alle anderen zuvor. Zweifel gab es immer noch nicht.

Und dann begann das „Peter-Prinzip“ (das „Peter-Prinzip auf Wikipedia), das Streben nach mehr, die Gier nach Dingen, für die ich vielleicht einfach nicht gemacht bin.
PPDas Scheitern beim PTL 2010 konnte ich im Wesentlichen noch den widrigen Umständen zuschreiben, dem Wetter beispielsweise. In diesem Jahr wurde an gleicher Stelle immerhin der UTMB wegen der Wetterkapriolen nach 32 Kilometern abgebrochen. Auch dem Team, als zweites Beispiel, insbesondere den Meinungsunterschieden zwischen dem kanadisch-deutschen Part Carsten Quell und mir, nachdem der englische Part, Bob Lovegrove, das Team verlassen wollte.
Wenn Du, Carsten, dies hier lesen solltest, dann nimm bitte meine Entschuldigung an und wisse, dass ich damals kopfmäßig einfach nicht in der Lage war, solch einen Lauf erfolgreich zu stemmen.

2011 scheiterte ich dann erst bei meinem ersten Antritt beim „The TRA 250 Miles Thames Ring Race“ – und das grandios. Ich hatte mir dort alles anders vorgestellt, ich war viel zu langsam und sehr müde und musste deshalb am CP 3 nach etwa drei Marathonlängen aussteigen.
Dann scheiterte ich 2011 auch noch beim 330 Kilometer Tor des Géants (TdG) nach knapp 200 absolvierten Kilometern. Ich war leer im Kopf, kam einfach keinen Berg mehr hinauf und beschloss, ab sofort nur noch zu weinen. Und das tat ich dann mehrere Tage lang.
100ZweifelUnd plötzlich waren sie da, die Zweifel. Und sie waren massiv und ständig präsent. Ist die Grenze von 230 Kilometern meine persönliche Leistungsgrenze?
Das einzige, was mich damals aufrecht hielt, waren der persönliche Bestwert von 189,6 Kilometer beim 24-h Lauf, wieder in Delmenhorst. Platz 5 von allen, Platz 1 der Altersklasse, das habe ich weder vorher noch nachher noch einmal erreicht.
Das war damals der Lauf meines Lebens. Ich lief und lief und lief …

2012 verkürzte ich dann meine erneute TorTOUR de Ruhr auf 100 Kilometer, ich scheiterte beim JUNUT, 2012 war ein wirklich fürchterliches Jahr für mich. Beim UTMB durfte ich wegen des Lospechs in der Lotterie auch nicht antreten, zum TdG habe ich mich erst gar nicht mehr getraut.

Aber 2013 sollte alles anders werden, alles besser werden.
Mit dem JUNUT, den ich immerhin bis zum Finisherpunkt bei 172 Kilometern geschafft habe und eben vor allem mit dem „The TRA 250 Miles Thames Ring Race“. Dieses Mal musste es einfach klappen.

Ich konzentrierte mich und meine Vorbereitung vor allem auf diesen Lauf. Nach den 200 Kilometern in Indien beim Ultra India Race, den 119 Kilometern des TransGranCanaria und den 172 Kilometern des JUNUT 172 reparierte ich mein angeschlagenes Ego zuerst durch das Finish beim „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ und dann durch eine gute Platzierung beim 60 K Extreme Ultra vom Mount Everest Base Camp ausgehend.
Den Start bei meinem Traumlauf in Andorra über die 170 Kilometer in den hohen Bergen der Pyrenäen machte leider der nepalesische Darmvirus Giardia lamblia (Lamblien) zunichte, meine Sicherheit, gut vorbereitet zu sein, wurde dadurch aber nicht geschmälert.

Dass ich aus dem England-Lauf einen Spendenlauf gemacht habe und dass ich auch aus dem Läuferkreis so hervorragende und motivierende Reaktionen erfahren hatte, dass Webseiten wie soq.de oder meinestadt.de berichtet haben, dass die lokalen Zeitungen diesen Lauf nicht ignorierten, all das trug mich lange beim „The TRA 250 Miles Thames Ring Race“.

Bei manchem Kilometer sprach ich laut zum vermeintlich präsenten Kilometer-Paten: „Das ist Dein Kilometer. Vielen Dank für Deine Unterstützung!“
Das motivierte mich, es machte mich glücklich und glich auch den Mangel an neuen äußeren optischen Eindrücken beim Lauf aus.

Am Ende hat es dann funktioniert. Die 230 Kilometer-Grenze gibt es nicht mehr für mich. Aber die Gier nach mehr gibt es auch nicht mehr.
Es wird für mich kein „Projekt 500“ geben und keinen Frostskade 500.
Ich werde 2014 noch einmal die TorTOUR de Ruhr laufen, vielleicht einen oder zwei 24-h Läufe mit dem Ziel, näher an die 200-Kilometer-Marke heran zu laufen und im Spätsommer vielleicht ein schönes Bergevent.

Ansonsten werde ich einfach glücklich sein und wissen:
Du musst nicht wirklich wissen, wann das Peter-Prinzip für Dich erreicht ist!230

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Hoka One One, One

Da war ein Stachel im Fleisch, tief drin, ein wenig schmerzhaft und der musste unbedingt raus. Geholt habe ich mir diesen Stachel in den Jahren 2009 und 2010, vor allem in 2009.
Damals war es mein erster Start beim „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ und ich wusste noch nicht, wie weh das treppab laufen tun kann!
Und so lief ich, viel zu schnell auf den ersten Runden, Runde um Runde, um nach 60 Runden einfach keine Lust mehr zu haben. Weil meine Gabi aber noch nicht aus dem Hotel zurück war, ließ ich mich erst noch massieren und lief dann noch eine Ehrenrunde, bis sie an die Strecke kam.
Mir ging es gut zu diesem Zeitpunkt, ich hatte allerdings die 60. Runde in einer Zeit bewältigt, die nicht mehr schlechter werden durfte, um noch eine Chance auf den „Gipfelsturm“ zu haben. Und daran hatte ich meine berechtigten Zweifel. Heute weiß ich, dass ich die letzten 40 Runden wohl kaum mehr in den noch verbliebenden 12 Stunden hätte abspulen können.

2010 versuchte ich es erneut. Halbherzig zwar und fast direkt nach dem „Marathon des Sables“. Die Fersen waren noch offen von den Riesenblasen des MdS, es war eine große Dummheit, dort überhaupt wieder zu starten.
Und das tat ich dann 2011 und 2012 auch nicht mehr.

Aber 2013, in dem Jahr, in dem ich vor allem Laufen will, musste es wieder sein. Niemals, dachte ich mir, kann ich diesen Stachel aus dem Fleisch ziehen, wenn ich es nicht 2013 schaffe, also schrieb ich mich ein. Und von da an wurde ich von Tag zu Tag nervöser.
Mit dem Ultra India Race und dem TransGranCanaria, mit dem NEU, dem RheinBurgenWeg-Lauf und dem JUNUT 172  hatte ich eine gute läuferische Grundlage geschaffen, Treppen gelaufen war ich aber – überhaupt nicht!
Noch 2009 war die lange Treppe in den Weinbergen, direkt hinter dem ALDI in Ahrweiler, mein bester Freund. 2013 blieb für dieses Training einfach keine Zeit. 14 Runden auf einer Treppe in Playa des Inglès im Februar gab es, immerhin. Aber sonst – nichts. Die große Leere.

Und wenn man sich unsicher fühlt, dann muss eben das Equipment helfen. Und da sorgte ich mich zuerst um die Schuhe. Ich wollte unbedingt mit neuen, gut gedämpften Tretern nach Radebeul fahren. Aber mit welchen?
Salomon und La Sportiva bauen die Schuhe nur in Kindergrößen, die Auswahl ist also beschränkt.
Aber wozu hat man Freunde? Wozu gibt es „den Dealer“ aus Wattenscheid?
Ein paar Gespräche vor dem RBW, eine Mail danach und ich hatte „my first HOKA“. Hoka One One Stinson EVO zum Ersten, Größe US 13,5, per Post zugestellt zwei Tage vor meiner Abreise nach Radebeul, perfekt abgepasst …Hoka

Ich will noch nichts über diesen Schuh sagen, wenn es bergab geht und Deine Füße stets im Schuh nach vorne drängen, die Zehen und oft auch die Zehennägel bei jedem Schritt bergab vorne im Schuh anstoßen, für die Abstiege auf der Treppe aber waren Hoka One One eine erstklassige Wahl. Es stimmt schon: irgendwie ist Hoka One One laufen wie fliegen!
Und so traute ich mich, diese Herausforderung anzugehen, um diesen Stachel endlich dem Fleisch entreissen zu können.

Natürlich lief ich nicht alleine. „You never walk alone“, in der Ultralauf-Familie schon gar nicht. Dieter Ladegast war da, mit dem ich erst eine Woche vorher mit dem JUNUT gemeinsame Veranstaltung teilen durfte. Er lief dort 101 Kilometer, ich ja 172,7 Kilometer. Sein Freund und Dauerbegleiter Hartmut Lindner war ebenfalls da. Auch er lief eine Woche zuvor noch beim JUNUT mit, er allerdings gönnte sich die gesamten 230 Kilometer des Jurasteigs.
Beide liefen ein grandioses Rennen, lagen lange hinter mir, um mir dann zu zeigen, dass es eine bessere Renneinteilung gibt wie die, die ich gewählt hatte. Vielleicht aber lag das aber auch nur an der Kiste alkoholfreien Weizenbiers, die die beiden während der 24-stündigen Veranstaltung geleert haben.

Und da waren auch Kristina Tille und Andreas Geyer, mit denen ich nicht nur zwei Wochen zuvor den RheinBurgenWeg-Lauf bestritten hatte, sondern die auch bei dem schwierigen Parcours des TransGranCanaria dabei waren. Beim TransGranCanaria 2012 liefen die beiden mich noch in Grund und Boden, 2013 überholte ich beide schon kurz hinter Garanon.
Weil aber jedes Rennen anders ist, hat Tini beim Treppenmarathon mit dem Streckenrekord für Frauen gezeigt, welche läuferische Klasse sie verkörpert, Andy musste schon in der Nacht mit Magenproblemen ausscheiden. Das aber hatte auch etwas Gutes: bei der Siegerehrung gab es wunderschöne Fotos von beiden.
Liebe kann doch wirklich sehr schön sein …
TiniAuch Matthias Becker aus dem badischen Biberach im Kinzigtal war da. Auf ihn freute ich mich deshalb besonders, weil ich ihn schon lange Zeit nicht mehr gesehen hatte. Und in dieser langen Zeit ist vieles passiert. Matthias wurde zum zweiten Mal Vater, er lief den Deutschlandlauf ein zweites Mal und er stoppte auch beim Treppenmaraton erst, als nach 116 Runden die 24 Stunden fast abgelaufen waren.
Nee, das wäre gar nichts für mich. Nicht eine einzige Runde mehr als die geforderten 100 Runden, Überstunden schieben ist in meinem Plan nicht angelegt.

Ingolf Löhne war auch da und er konnte die 100 Runden noch kurz vor Toreschluss finishen. Er brauchte nicht einmal den kleinen „Pufferzuschlag“, den Du dann bekommst, wenn Du vor dem Ende der 24 Stunden 99 Runden geschafft hast und auf Deiner 100. Runde bist. Diese darf dann, entgegen den üblichen 24-h Läufen, noch zu Ende gelaufen werden. Brauchte er aber nicht, alles prima.

Als der Lauf am Samstag um 16 Uhr begann war die Wettergöttin mit uns. Es war nicht kalt, aber eben auch nicht warm. Und es war trocken, ein richtig gutes Läuferwetter eben. Auch die Nacht war perfekt, nicht allzu kalt. Beim NEU hatte es noch geschneit in der Nacht, beim RheinBurgenWeg-Lauf eine Woche später froren wir bei Temperaturen um den Nullpunkt, beim JUNUT sah vieles schon besser aus. In Radebeul aber waren die Nachttemperaturen optimal für uns.
Das aber änderte sich schon am frühen Sonntagvormittag. Die Sonne brannte auf die Strecke und machte uns Stunde um Stunde das Laufen schwerer. Ein derber Sonnenbrand im Gesicht sorgte dann ein paar Tage lang bei mir dafür, dass sich ständig Hautpartien im Stirn- und Gesichtsbereich verabschiedeten.
IMG_5166Was treibt einen Menschen an, sich bei solch einem Rennen einzuschreiben?
Dieser Lauf ist wirklich nicht für normale Läufer gemacht. Schon die nackten Zahlen beeindrucken:

39.700 Stufen aufwärts
39.700 Stufen abwärts
8.848 positive Höhenmeter
84,4 km Laufdistanz
24 Stunden Maximalzeit

Ich wusste ja, dass es schon einige aus unserer Ultralauf-Familie gibt, deren Namen in ein Messingschild graviert ist, das auf dem „Gipfelkreuz“ festgeschraubt wurde. Ich betrat also kein „Neuland“, ich wusste aber, dass es die größten Probleme durch das zu schnelle Herunterspringen auf den Treppen gibt. Und das hat sich mehr als bewahrheitet. Nach vielleicht 20 Stunden gab es Läufer, die die Stufen nur noch rückwärts hinunter gehen konnten, ich sah schmerzverzerrte Gesichter und Teilnehmer, die so leer waren, dass ihnen nur noch die Aufgabe übrig blieb.
Messing
60 Starter im „Alleingang“, wie die Einzelläufer heißen, standen auf der Liste, nur 58 davon sind auch tatsächlich gestartet. 28 davon haben die 100 Runden geschafft, 2 Frauen, 26 Männer. Und manche von denen, die es deutlich nicht geschafft haben, erzählten mir, dass sie vor allem schlecht durch die Nacht kamen.
Ein weiterer Grund, ein Stoßgebet nach oben zu richten. Wie richtig war es doch, das „eine Nacht durchmachen“ zu trainieren, beim NEU, beim RBW, beim JUNUT.

Interessant war für mich am Ende schon, dass jeder Teilnehmer andere Probleme hatte. Ich zum Beispiel kam die Treppe nicht mehr rauf. Treppab tippelte ich fast noch wie zu Beginn leichtfüßig hinab und ließ vor allem die „Problemkinder“ locker hinter mir. Bei dem Asphaltstück, ca. 150 Meter leicht bergab, kam jeder noch einigermaßen klar, diese Passage zurück aber zeigte schon deutlich den körperlichen Zustand der einzelnen Läufer. Und dann, treppauf, gab ich den in dieser Runde gewonnenen Vorsprung auch gleich wieder ab.
Aber es ging tatsächlich bergauf fast nichts mehr bei mir.
Irgendwann half mit dann ein Plättchen Traubenzucker, aber die gute hochgerechnete Zeit, die ich noch lange erträumte, schwand zusehends. Irgendwann war es mir zum Beispiel nicht mehr möglich, die Lücke zu Dieter und Hartmut zu schließen, die sich aufgetan hatte, nachdem die beiden irgendwann die Runde Rückstand, die sie hatten, aufgeholt hatten und mich überholten.
Und die Lücke wuchs und wuchs und wurde zu einer Runde Vorsprung, zu zwei Runden, zu drei …

In dieser Phase änderte ich meine Ziele deutlich nach unten und wollte nur noch finishen. Und ich begann zu rechnen. Mal blieben mir noch 17 1/2 Minuten pro Runde, das wurde dann auf 18 Minuten ausgebaut und so richtig beruhigt und sicher, dass ich es packen würde, war ich, als ich rechnerisch noch 20 Minuten für jede weitere Runde gehabt hätte. So viel konnte einfach nicht mehr schief gehen, dass ich so lange gebraucht hätte.

Treppenmarathon 2013 fotografiert von Mirko Leffler_1Aber ohne drei Motivatoren hätte ich mich wohl nicht so willensstark gezeigt. Der erste Motivator war das stets gefüllte Weizenbierglas, das Dieters Frau immer hielt, kombiniert mit Dieters Aussage, ich könne ruhig mal aus seinem Glas trinken. Ich tat es drei Mal – und jedesmal löste das alkoholfreie Weizenbier einen kleinen Schub in mir aus. Auf seine Weise war „Maisel`s Weisse alkoholfrei“ schon etwas wirklich Gutes.

Der zweite Motivator war der ewig positive Mirko Leffler. Ich freue mich sowieso immer, wenn ich ihn sehe, was aber nicht allzu häufig vorkommt. Das nächste Mal wird das wohl beim „Borderland Ultra“ sein, einen Tag nach unserer Landung aus Nepal. Und dass ich ihn und auch Ulf Kühne vorhin nicht erwähnt habe, lag einfach daran, dass die beiden in sogenannten „Dreier-Seilschaften“, also in Dreierteams, liefen. Und da hatte ich vorab nicht auf die Teilnehmerlisten gesehen und beim Start war Mirko auch noch nicht da, die Dreier-Seilschaften starten ja deutlich später. Mirko war natürlich viel schneller als ich, er warf mir aber immer, wenn er an der Reihe war, zu laufen, einen hochgereckten Daumen und ein aufmunterndes „Du packst das!“ zu.
Bei so viel Zuversicht konnte ich gar nicht anders, als diese Erwartungshaltung zu erfüllen.

Der dritte Motivator war, wie sollte es anders sein, meine Gabi, die, außer in der Zeit der Bettruhe im Hotel, eifrig an der Seite ausgeharrt hatte. Hin und wieder hatte sie die Kamera gezückt, um Fotos zu schießen, hin und wieder hielt sie mir aber auch ein Schälchen mit frischem Obst, ein Becher mit Getränken oder ein Tellerchen Nudeln mit Tomatensauce hin, damit ich nicht die Laufstrecke verlassen musste, um mich im Zelt zu bedienen.
Das kostet ja alles Zeit und bringt mich aus dem Trott. Dann lieber mit dem Tellerchen Nudeln langsam gehend essen. Die wenigen Ausschläge in den Rundenzeiten nach unten sind Belege für diese Essensrunden.
Treppenmarathon 2013 fotografiert von Mirko Leffler_2Und dann irgendwann, nein, nicht irgendwann, sondern nach echten 99 und gefühlten 150 Runden, kommen dann Deine beiden letzten Runde. Ich sah auf die Uhr und bemerkte, dass ich wenigstens noch unter der 23-Stunden-Marke abschließen könnte, also mussten die beiden Runden etwas schneller gelaufen werden. Zur Sicherheit.
Am Ende hätte ich sogar noch mehr als fünf Minuten langsamer sein können und hätte immer noch eine „22“ vorne gehabt. Immerhin.
Anfangs war es sowieso nur mein Ziel gewesen, diesen Stachel der Vergangenheit aus dem Körper zu ziehen, das Ding zu finishen und keinen Moment an Resultate oder Zeiten zu denken. Im Laufe des Rennens änderte sich das dann aber hin und auch wieder her.

Und wie glücklich ich mit diesem Resultat bin, belegen auch meine vielen Tränen, die sich bereits in der letzten Runde unaufhörlich über die Wangen ergossen, dann wieder mal aufhörten, neu kamen und richtig stark wurden, nachdem ich die Ziellinie endgültig und letztmalig überschritt.
Um es mit Steve Martin in „Reichtum ist keine Schande“ zu sagen: Jetzt ist mein Name auch auf einem Messingplättchen auf dem Gipfelkreuz.
„Jetzt bin ich wer!“
Reichtum

Die kleinen Sieger des Ultra India Race …

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– „What’s your name?“

– „From where are you coming?“
– „Where are you going?“

Es waren immer die gleichen Sätze, die ich während der 200 Kilometer von Munnar nach Kumily zu beantworten hatte. Nur 15% der Inder können Englisch, wahrlich nicht viele für ein Land, dass über Generationen von den Engländern unterjocht wurde.
Aber man bemüht sich, schon die Kinder in den ersten Schuljahren ans Englisch heran zu führen.
Und wenn Du dann eine Gegenfrage stellst, vor allem an junge Inderinnen, dann wird gekichert und die Angesprochene dreht sich schamhaft an die Schulter der stets vorhandenen Freundin neben ihr.
UltraIndia-293Das Besondere beim ULTRA INDIA RACE war für mich nicht die Strecke. Die Wege durch die Gewürz- und vor allem durch die wunderschönen Teeplantagen machten eben nur einen kleinen Teil der langen Gesamtstrecke aus, leider – und diese Passagen waren definitiv nicht repräsentativ. Repräsentativ waren da eher die vielen Kilometer auf einfachen und schmalen Landstraßen, die rechts und links von subtropischen Gehölzen gesäumt waren. Alle paar Minuten, oft alle paar Sekunden, war da dann auch mal wieder ein Auto oder eine Motor-Rikscha, eine Vespa Ape, wenn sie etwas älter war oder eben eine Mahindra, wenn sie neuer war.
Auch die meisten Autos waren von Mahindra und viele davon sahen aus, als wären sie die Zwillingsgeschwister des originalen Jeep. Und jeder Autofahrer, wirklich jeder, benutzte die Hupe.
Dabei war das durchaus nicht böse gemeint. Meist bedeutete das Hupen einen Gruß und die Insassen winkten mit Inbrunst, wenn sie Dich passierten. Und Du winkst dann zurück, nachdem Du Dich von dem Erschrecken durch die Hupe erholt hast.
Typisch waren auch die kleinen oder größeren Orte und Städtchen, die wir durchquerten, mit einfachen Buden rechts und links des Wegs, deren Eigentümer alle zusammen vor einer dieser Buden saßen, quatschten und auf Kunden warteten.

Das Besondere beim ULTRA INDIA RACE waren für mich eher die Menschen, die wir gesehen haben. Menschen, die Dir in die Augen sahen, auf Dich zukamen, die Hand ausstreckten und Dir dann sagten: „Welcome in India!“ Menschen, die ihre Freude, dass es da Läufer gibt, die hier durch das Land ziehen, mit intensivem Winken Luft machten, Menschen in ihren Läden, Buden oder Häusern, Bauarbeiter auf Dächern, Spaziergänger oder einfache Morgenpassanten, die alle eines gemeinsam hatten: sie freuten sich, dass wir da waren!

Dabei wussten wir genau, dass wir eine Art „Freak Show“ für die Menschen dort sein mussten. Läufer in bunten Klamotten, bewaffnet mit schweren Rucksäcken und allerlei technischem Gerät, mit Sonnenbrillen und Buffs, allesamt schwer atmend, die, statt die Schönheit der Natur zu bewundern, statt einen Gingertea mit Milch in einer der Buden an der Straße zu trinken, recht schnelll durch die heiße Mittagssonne wankten. Läufer aus Kanada, Singapour, Belgien, Frankreich, Marokko, Indien und eben auch aus Deutschland, internationale Gäste, die sich die für die stolzen Bewohner der Kerala-Berge wohl spirituellste Region dieser Hindu-Welt ausgesucht haben, um dort zu laufen. Leider sind die Südkoreaner und die Jordanier nicht angetreten, die beiden Nationen hätten das Starterfeld noch interessanter gemacht.

Aber es waren auch andere Menschen neben der Strecke, Menschen in Armut, Menschen in Not.
Ich erinnere mich an eine alte Dame, die auf Knien im Dreck neben der Straße vor einer Brücke saß und dann, als sie sich bewegen wollte, ihren Körper durch den Dreck schob. Beine hatte sie keine, nur gurkenähnliche Enden unterhalb der Knie, die irgendwo im Nichts endeten.
Und da war auch ein Beinamputierter, der die wenigen Schritte, die er vor hatte, zu gehen, auf Prothesen zurück zu legen versuchte, die diesen Namen nicht verdient haben. Einfachste Holzkonstruktionen, die nur in Verbindung mit Krücken überhaupt den Behinderten zu bewegen vermochten.
„It’s all about money …!“ dachte ich und wurde mir mit einem Schlag bewusst, wie viel Glück wir alle haben, in einer Gesellschaft zu leben, die Dir Dein Leben „im Falle“ einigermaßen normal zu machen versucht.

Und da war noch einer: „der“ Inder! Er war überall. Oberlippenbart, mittlere Statur, mittlere Größe – und er kam mir immer entgegen. Manchmal war er schon älter, dann war der Oberlippenbart schon weiß, meistens aber glich er dem, den Du erst vor einer halben Stunde passiert hast, frappant. Ob wir „Langnasen“ für Inder ebenfalls häufig gleich aussehen?
UltraIndiaRace_SWAber vor allem waren da die Kinder. Wir alle kommen ja aus einer Gesellschaft, in der die Bevölkerungspyramide auf dem Kopf steht, daher sind wir es gar nicht mehr gewöhnt, so viele Kinder zu sehen. In Mexiko sind zwei Drittel der Einwohner unter dreißig Jahre alt, in Indien dürfte das nicht viel anders sein. Und diese Kinder in ihren Schuluniformen sind allesamt gut erzogen, ausgesprochen interessiert und dankbar, dass ihr oft langweiliges Leben für einen Moment eine interessante Wendung genommen hat.

Oft haben mich die Kinder mit ihren Fahrrädern ein paar Kilometer begleitet und dabei haben sie mir in dem wenigen Englisch, das sie zur Verfügung hatten, Löcher in den Bauch gefragt. Zwei Jungs begleiteten mich am vierten Tag fast bis ins Camp, waren später dann, verstärkt um drei weitere Kumpels, im Camp, weil sie alle fotografiert werden wollten.
Zu dumm, dass mein GoPro Hero kein Display hat und ich ihnen die Fotos, die ich von ihnen machte, nicht einmal zeigen konnte. Egal, sie posierten ein ums andere Mal aufs Neue und mancher von ihnen träumte wohl heimlich davon, einen ersten Schritt auf der Karriereleiter nach Bollywood genommen zu haben.

Dabei waren die Kinder immer freundlich, nie aggressiv, sie waren interessiert und wollten Hände anfassen, Haut fühlen und Fragen stellen. Manche nahmen auch den sportlichen Wettkampf an, gingen neben mir in die vermeintliche Startbox, um dann an mir vorbei zu spurten. Die Kiddies konnten es allesamt einfach besser als ich.
Und wenn sie dann nach vielleicht Hundert Metern erschöpft und außer Atem auf mich warteten, dann fehlte nur der frische Siegerkranz aus duftenden Lorbeerblättern, der die kindlichen Sieger von dem alten und langsamen Haudegen abhoben. Gefühlt gab es viele Sieger neben mir.

Es macht wenig Sinn, an dieser Stelle Fotos einzuklicken, schau‘ Dir einfach die offiziellen Fotos von CANAL-AVENTURE.COM an. Sie geben ein rundes Bild ab von der Landschaft, in der wir liefen, von den hervorragenden Menschen, die ich begleiten durfte und von dem einsatzfreudigen Team rund um Jérome Lollier, die einfach immer da waren, im Auto, in den Teebüschen, an den VPs, an den gefährlicheren Kreuzungen oder einfach mal so, um sich nach Dir zu erkundigen, eine Zusatzportion Wasser anzubieten, Dir Deinen Müll abzunehmen oder einfach zu winken und zu motivieren.
Nicht immer kann so ein kleines Event gegen die „Großen“ gegen halten, aber es sind die Menschen des Staffs, die mir auch jetzt noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, wenn ich an sie denke: Claude, Isa, Jamila et les autres … merci bien!

India

On my way to … India!

Ein wenig spät ist es schon für den Vorbericht über das Ultra India Race, immherhin liegt die Finishermedaille ja schon direkt neben mir, aber versprochen ist versprochen …
„Warum nach Indien?“ wurde ich oft gefragt, als ich mich für dieses Event entschieden hatte. Genau, warum eigentlich nach Indien?UltraIndia-315_klein
Salman Rushdie hat einmal gesagt: „Der Mensch drei große Fantasien: Geld, Gott und Indien.“ Ist das nicht schon Grund genug?

Nach Indien wollte ich schon immer mal. Schon als Teenie, als ich noch in Schorndorf, meiner Abitursstadt, im °Hammerschlag° in Hippie-Klamotten die Abende verbrachte und jeden bewunderte, der gerade aus Indien kam, entweder auf der Suche nach Erlösung, meist aber auf der Suche nach individueller Freiheit und einer gewissen Bewusstseinserweiterung.
Während die Glücklicheren unter uns dort den Baghwan oder einen anderen Guru suchten, begnügten wir uns später damit, in den Baghwan-Discos gegen Mitternacht Walzer zu tanzen und über die Geheimnisse hinter den Kulissen dieser Organisation zu philosphieren.
Ich jedenfalls habe es nie geschafft, es denen gleich zu tun, die sich einfach ein Fahrrad geschnappt haben, um die vielen Tausend Kilometer nach Indien zu radeln.

Überhaupt hat Indien die Welt schon lange reich gemacht. Da waren die fahrenden Gewürzhändler, die anfangs über den Landweg Safran zu Goldstaub machten, wenn sie nicht in einer der Wüsten auf dem Weg überfallen wurden, später dann kam der Seeweg dazu.
Die Engländer verdankten lange Zeit einen Großteil ihres Wohlstandes der indischen Kolonie und das Ende dieses Teils des Kolonialismus wurde dann nicht mit einer „stiff upper lip“ ertragen, sondern versucht, mit geradezu bestialischer Gewalt zu zerschiessen.
Aber da hat die Welt dann gesehen, dass die Inder vor allem eines sind: ungeheuer leidensfähig. Der hinduistische Glaube half damals den Menschen, trotzdem friedlich gegen die Engländer stehen zu bleiben.

FarbenIndien? Was ist das eigentlich für ein Land?
°Eine Form wie ein Diamant° sagte mein Zimmer-und Zeltnachbar Sriri poetisch. Ein Land mit 20 offiziell bestätigten Sprachen, aber mit unzähligen davon abweichender Dialekte. Sriri unterschied auch stets zwischen dem wohlhabenderen Südindien und dem bevölkerungsreicheren und ärmeren Nordindien, aber wie soll das denn auch ein Land einigermaßen einheitlich sein, wenn es dort rund 14 Mal so viele Menschen gibt wie bei uns im größer geworden Deutschland?
Jedes Restaurant macht diese Unterscheidung übrigens auch, weil die südindische Küche wesentlich stärker reisbasiert ist, während die nordindische Küche auch stark auf Weizenprodukte setzt.

Richtig erstaunlich aber fand ich eine andere kulinarische Unterscheidung. Während wir zwischen Vegetariern und Veganern unterscheiden, Ovo-Lacto-Vegetarier kennen und selbst Menschen, die keine Fleisch, aber dennoch Fisch essen, suspekt empfunden werden, gibt es in Indien nur zwei Küchen.
In der einen Küche bekommen die Fleischgerichte einen roten Punkt und die fleisch- und eilosen einen grünen Punkt. Und dann gibt es noch etwas, was in Deutschland ganz, ganz selten ist.

Kids°100% Pure Vegetarian Cuisine° heißt dabei, dass in dieser Küche kein Fleisch, kein Fisch, kein Ei zur Verwendung kommt, es also keine Kontaminierung durch nicht-vegetarische Speisen geben kann.
Wahnsinn, finde ich, großartig. In den meisten deutschen vegetarischen Restaurants wird für die weniger Konsequenten dann doch ein Dessert angeboten, das mit Eischnee aufgepeppt wurde.

Also, riesig ist dieses Indien – und Dank der Qualität der Straßen eigentlich noch riesiger. Kurz davor, der bevölkerungsreichste Staat der Welt zu sein ist dieses Indien (Sriri war schon etwas stolz darauf, bald die Chinesen eingeholt zu haben), heiß und schwül ist dieses Indien und es ist ein Traum in Bezug auf Kunsthandwerk (der Metallelefant, den ich nach Hause gebracht habe, ist einfach zu schön), in Bezug auf alle erdenklichen Farben und in Bezug auf wirklich alle Arten Gewürzen. °Spice Supermarkets° gibt es ja in allen Größen und Qualitäten.

Und trotzdem fühle ich mich jetzt, wo alles vorbei ist, wie jemand, der in einem riesigen Keller mit einer kleinen Taschenlampe ein Ecken beleuchtet hat und zu wissen glaubt, wie es in diesem Keller aussieht.

Also muss ich noch einmal hinunter in diesen Keller. Und da versuche ich dann, ein anderes Eckchen auszuleuchten, noch einmal frische Gewürze holen, die „Indian Vegetarian Cuisine“ genießen und noch einmal die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Inder erleben.
Vielleicht gelingt es mir dann, auch die volle Freude an den indischen Farben zu erleben. Das indische „Farbenfest“, das „Holi“, wird ja im Wesentlichen im Norden Indiens gefeiert. Wär doch was, oder?
Holi

Alles neu macht der Januar …

Drei Monate ohne Schreiben, drei Monate nahezu ohne Laufen, drei Monate, die ich so nicht wiederholen will. Aber „Alles neu macht der Januar …“ heißt es ja, also nicht nach hinten sehen, sondern voraus schauen. Und dort wieder anknüpfen, wo ich im Spätsommer 2012 aufgehört habe. Aber wie beginnt man den ersten Blog-Beitrag nach so einer langen Pause?

Reinhard Mey sang vor vielen Jahren:

„Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll, so viel Gedanken und mein Herz ist übervoll, so viel Gefühle drängen sich zur selben Zeit:
Freude und Demut – und Dankbarkeit.“

Mir geht es da sehr ähnlich. Ich freue mich, dass Du trotz meiner langen Abstinenz noch da bist in meinem Leserkreis und ich empfinde Demut und ein wenig schlechtes Gewissen, dass ich noch nicht vorher wieder schreiben konnte, wieder schreiben wollte. Mancher von Euch hat mich schon gebeten, das wieder zu tun – und manchem von Euch habe ich einen früheren Wiedereinstieg versprochen.
Und da ist auch Dankbarkeit, gegenüber Dir und den anderen Lesern, den Läufern, den Veranstaltern, den Partnern!

clip_image001Es ist ja so viel passiert in dieser Zeit. Joe Voglsam hat mir schon Anfang November ein Musterpaket „FitRabbit“ zum Testen geschickt, nicht wissend, dass ich für Wochen nicht mehr zu Hause sein würde.
Ein BIO Sport Drink des führenden BIO-Fruchtsaftherstellers aus dem schönen Österreich, auf Basis meiner geliebten Rote Bete-Knolle, ob das etwas hilft?
Ich habe ihm nun versprochen, die Säfte ab morgen täglich zu probieren, also fünf Tage vor dem nächsten Lauf, um dann in Indien beim Ultra India, meine zu vielen Pfunde zu kompensieren.

Gesund und wohlschmeckend - die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Gesund und wohlschmeckend – die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Apropos „zu viele Pfunde“. Auch das ist passiert in den letzten Monaten: Ich habe Muskeln ab- und Fett aufgebaut. Nicht allzu tragisch, aber der kleine Rettungsring um die Lenden nagt soch sehr an meinem Selbstbewusstsein. Und deshalb habe ich beschlossen, dass ich mich von mindestens 5 meiner vielen Kilos trennen werde. Und ich habe gleich vorgestern mit der Diät begonnen. Mal wieder „BCM“, wie damals, als alles angefangen hat.

Auch andere haben mich kontaktiert und noch nicht jeden konnte ich zurückrufen, aber all das folgt noch in diesem Monat, auf den ich voraus schaue, voraus schauen muss, wenn ich auf das Jahr voraus sehe.
Und dieses Jahr hat es doch wirklich in sich. Entweder ich werde am Jahresende der frustrierteste Läufer der westlichen Hemisphäre sein oder ich kann die mir selbst gesteckten Hürden überwinden.

Indien ist da dabei, mein schon Jahre alter Traum, Nepal, auch ein Jahre alter Traum von mir, Gran Canaria, England, die schönen Länder Schweiz und Österreich sowie auch ein paar Wiederholungsläufe, die Treppe in Radebeul zum Beispiel, der JUNUT und … auch der UTMB.
Nach 2009 muss es 2013 doch mal wieder der UTMB sein!

Und auch das hat sich in diesen drei Monaten läuferischer Abstinenz getan. Dr. Reuther, der Arzt, der mir zuletzt einen Stapel von vier ärztlichen Bescheinigungen auf einmal unterschrieben hatte, ist in den Ruhestand getreten. Und der Neue in der Praxis, Dr. Thomas Kemkes, durfte mir gleich zwei dieser neuen Bescheinigungen unterschreiben, eine für das Ultra India Race, gepaart mit einem EKG und eine für den UTMB.
Und das Beste daran: Dr. Thomas Kemkes ist auch ein Marathoni. „Nur einem im Jahr,“ sagte er mir, aber besser als gar keiner. Wichtig für mich ist ja nur, dass wir hier eine gemeinsame Sprache sprechen. Wer Marathons läuft, der weiß halt, wie Marathonis ticken. Und Ultramarathonis ticken ja genau gleich, vielleicht noch ein wenig lauter und intensiver.

Reinhard Mey singt dann weiter über sein Kind:

„Du bist ein Licht in ungewisser Zeit, ein Ausweg aus der Ausweglosigkeit, wie ein Signal, den Weg weiterzugeh‘n, Herausforderung weiter zu besteh‘n.
Wo vieles voller Zweifel, manches zum Verzweifeln ist, da macht ein Kind, dass du alle Zweifel vergißt.
Es sind in einer Welt, die ziel- und ratlos treibt, die Kinder doch die einz‘ge Hoffnung, die uns bleibt!.“

Das gilt eben auch für das Laufen: nachdem die Kinder groß sind, sind in einer Welt, die ziel- und rastlos treibt, die Läufe doch die einz’ge Hoffnung, die mir bleibt.
Beim Laufen vergesse ich alle Zweifel und beim Laufen ist die Welt überschaubar, klein und fair.

Morgen gibt es dann etwas über meine Vorbereitungen zum Ultra India Race zu lesen.

Alles neu macht der Januar …