Irgendwie schräg, der Lauf …

Senftenberg ist weit weg. Senftenberg ist vielleicht die am weitesten entfernte Stadt Deutschlands für mich, weiter als Berlin, weiter als Dresden, eben irgendwo dazwischen zwischen diesen beiden aufregenden Landeshauptstädten.
Wer baut denn so eine Stadt irgendwo ins Niemandsland, so weit weg von jeglichen attraktiven Reisezielen, fast direkt an die Grenze zu Polen? Das ist doch eine echte Fehlplanung, oder?

Senftenberg, sorbisch Zły Komorow, ist eine Mittelstadt im Süden Brandenburgs in der Niederlausitz. Sie ist Kreisstadt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz und befindet sich an der Schwarzen Elster sowie am Senftenberger See, der einer der größten künstlich angelegten Seen Europas ist.
Senftenberg
hat viel Braunkohle, aber die hat nach der Wende 1990 ihre Bedeutung verloren und Senftenberg hat eine alte, große Sporthalle, die Niederlausitz-Halle. Und in der verstecken sich so manche Geheimnisse.


Schöne Dinge, die man von draußen nicht sehen darf:
Richtige Gästezimmer in alter DDR-Manier beispielsweise, riesengroß, sehr preiswert (14 EUR inklusive Frühstück) und zum Zwecke der Volksüberwachung extrem hellhörig, aber auch recht nett.
Und eine weiche und federnde Tartanbahn, die in den Kurven nach oben stark angeschrägt ist und die exakt 250 Meter misst.

Die Geheimnisse, die sich auf dieser Tartanbahn abspielen, sind eine Reihe von Laufveranstaltungen an einem Wochenende, Läufe von 3.000 Metern bis hin zum Ultra-Marathon, wobei der normale Marathon, der Nachtmarathon und vor allem eben der 50 Kilometer Ultra-Marathon die Höhepunkte sind.
Und weil die ganz Eifrigen unter uns Läufern, die, die in ihrem Köpfchen noch eine Schraube mehr locker haben als wir anderen, sich nicht entscheiden können, welchen Lauf sie machen sollen, machen sie halt einen Marathon am Samstag und dann den Ultra-Marathon am Sonntag.
Sigrid Eichner, die aktuelle Weltrekordhalterin in absolvierten Marathons bei den Frauen, ist eine davon. Dabei hat sie noch richtig Glück gehabt, weil sie fast nicht starten durfte. Streng bürokratisch wollte man ihr am Empfang den Start beim Ultra-Marathon verweigern, weil sie nicht vorangemeldet war. Ein paar klärende Worte mit dem Veranstalter haben sie aber dann doch wieder auf die Tartanbahn gebracht.
Wenn ich mir vorstelle, nach dem Ultra-Marathon noch einen Marathon laufen zu müssen …
Nee, Kinder, was man sich doch alles antut, um glücklich zu sein … !

Ganz bestimmt tut man das aber nur, weil die Musik, die während des Laufs gespielt wird, uns alle daran erinnert, dass wir vor 30 Jahren, als diese Musik noch jung war, auch noch jung, schnell und spritzig waren. Da liefen Titel wie „Kung Fu Fighting“ und alte Hits der ABBA, Lieder also, die wir alle zwar gerne hören, das aber nur heimlich tun, damit niemand uns in die entsprechende Altersklasse steckt. Und zugeben, dass wir diese Musik gelegentlich gut finden, würden wir niemals. Das wäre ja fast so, als wenn wir auf eine „Ü30“ Party gehen würden!

Aber was heißt es, hier einen Ultra-Marathon zu laufen? 50 Kilometer, genau wie in Rodgau. Flach, noch flacher als in Rodgau, außer natürlich in den Kurven. Nicht allzu weit, gemessen an anderen Ultra-Veranstaltungen, aber irgendwie doch anders als in Rodgau.
Hier sind es nicht 10 Runden wie in Rodgau, sondern es sind eben mal 200 Runden. 200 Runden! Wenn ich Eier in der Schüssel schaumig schlage, dann erleben die keine 200 Runden …
Irgendwie schräg, der Lauf – und das nicht nur wegen der überbauten Kurven.

Wenn Du so einen Lauf machst und ihn einigermaßen ambitioniert angehst, dann wirst Du immer wieder einige Läufer überholen. Und das Überholen in der Kurve ist am Anfang noch lustig, dann aber wird es lästig, dann ärgerlich und am Ende überholst Du nur noch  auf den beiden Geraden, weil das ständige „auf die höher gelegenen Bahnen laufen“ anstrengend ist. Du liebst es anfangs, Du hasst es am Ende.

Ich hatte mich während des Laufs einer Lady angeschlossen, Kerstin Wohlgemuth aus der Oberlausitz – Niederschlesien, die von Ihrem Trainer sehr genau auf das für sie optimale Tempo eingestellt wurde, bei jeder der 200 Runden gab er seinen Kommentar zur aktuellen Geschwindigkeit. Beste Voraussetzungen für einen guten Lauf, dachte ich.

Aber die Lady, die am Ende Platz 2 in der Damenwertung und Platz 1 in der Alterswertung „W55“ belegte, war mir zu schnell. Ich dachte anfangs, sie läuft auf „sub 4:30 Stunden“, das hätte ich mir vielleicht noch zugetraut, Sie lief aber „sub 4:20 Stunden“, eindeutig nicht mein Laufniveau.
Von Runde 25 bis 100 lief ich mit ihr, dann aber habe ich mich etwas zurück fallen lassen, um mir dann auf den folgenden 100 Runden ständig zu sagen, dass 2:10 Stunden für die erste Hälfte einfach zu schnell für mich waren, eine deutlich schwächere zweite Hälfte folgte, als Strafe gewissermaßen. Aber es hat Spaß gemacht, anfangs mit Kerstin so konstant zu laufen.

Der Veranstalter hat mir vor dem Lauf schon gesagt, dass die weiche Tartanbahn die Bänder und Sehnen besonders stark fordern würde und ich muss feststellen, dass diese Vorhersage nicht ganz falsch war. Vor allem zwischen den Runden 150 und 170 hatte ich ein riesiges Motivationsloch und ich bin froh, dass sich das dann irgendwann wieder gegeben hat.
Aber die Oberschenkel brannten und ich konnte einfach keine großen Schritte mehr machen, das Tempo fiel kontinuierlich ab und so brauchte ich für die zweiten 100 Runden 2 Stunden und 36 Minuten, fast eine halbe Stunde länger als für die erste Hälfte!
Ungeheuerlich eigentlich, aber ich hatte keine Lust, mich da zu quälen. Schade eigentlich, so im Nachhinein betrachtet …

Versteckt unter der hohen Hallendecke blieb dann auch, dass ich dort in Senftenberg zum ersten Mal meine Altersklasse gewonnen habe – ich wollte es erst gar nicht glauben. Vor allem wollte ich nicht glauben, dass man mich in der Klasse „M50“ führt. Wie kommen die denn auf so etwas? Ich bin doch kaum älter als Ende 30, höchstens Anfang 40 !!!
Aber wenn man die Altersklasse gewinnt, dann ist man auch bereit, in der Klasse „M50“, „M60“ oder noch älter zu starten.


Als ich also nach rund 4:46:32 Stunden endlich über die Ziellinie lief (zum zweihundertsten Mal an diesem Tag!), rief der Moderator, dass eben der Sieger der „M50“ eingelaufen sei. OK, es war nur eine kleine Gruppe von Läufern in der Klasse „M50“ vertreten, aber immerhin, ich fand es toll und war stolz auf mich.
Und so ganz nebenbei habe ich meine persönliche Bestzeit auf 50 Kilometer auch noch dramatisch verbessert, um ganze 22 Sekunden! Das ist dann auch ganz anders und viel besser als in Rodgau.

Schade, dass die Hallendecke der Niederlausitz-Halle auch dieses Geheimnis für immer bewahren wird.

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Die kleine Vorsilbe „Ultra“

Jens Vieler hatte gleich doppelt Unrecht:

in seiner letzten Mail vor der TorTOUR de Ruhr (TTdR230) schrieb er, der Lauf sei etwas wie ein Kindergeburtstag, es gäbe „alle paar Meter eine Pause“.

Das war der Moment, in dem ich überlegte, ob ich mich beim falschen Bewerb angemeldet habe. Und ich begann, die Ausschreibung erneut zu lesen.
Sollte es doch ein Lauf über 23,0 Kilometer sein und ich habe irgendwo das Komma übersehen? So etwas passiert ja leicht, dachte ich mir, aber ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass die Ruhr so kurz sein und gleichzeitig einer ganzen Region ihren Namen aufdrücken könne.

Aber Jens hatte Unrecht. Die TorTOUR de Ruhr war wahrlich kein Kindergeburtstag, die Liste derer, die aussteigen mussten, belegt das eindringlich.

Alle paar Meter eine Pause?


Gut, die erste Verpflegungsstelle lag etwa bei km 30, also hinter einer Strecke, die selbst passionierte Normalläufer nie oder nur selten erreichen. Ich meine hier die Läufer, die zwei, drei Mal die Woche eine Strecke zwischen sechs und zwölf Kilometern zurücklegen und für die der Halbmarathon noch eine lange Einheit ist.

Und die zweite Verpflegungsstelle lag dann beim Start der TTdR160 bei km 73, also war dahin rund eine Marathon-Entfernung zu laufen. Ein Marathon, eben mal so zwischen zwei Verpflegungspunkten!
Der Marathon ist immerhin die Krönung für fast jeden Läufer. So viele träumen davon, einmal im Leben einen Marathon zu schaffen, andere laufen regelmäßig diese Distanz. Aber nur sehr wenige laufen diese Distanz, um von einem Verpflegungspunkt zum nächsten zu kommen.

Beim Thema Marathon frage ich mich ja immer, woher die These stammt, dass man nicht mehr als zwei Marathons im Jahr laufen dürfe, alles andere sei schädlich für die Gesundheit. Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass der Marathon nur der Anfang ist. Die kleine Vorsilbe „Ultra“ ist es, die mich so fasziniert. Aber nur extrem wenige Marathonis schmücken sich mit eben dieser kleinen Vorsilbe „Ultra“. Alleine die Vorstellung, auch nur einen einzigen Meter über die Marathon-Distanz hinaus zu laufen, löst meist Abscheu, Angst oder Verwunderung aus und häufig muss ich meinen Gesprächspartnern die Handys abnehmen, wenn wir auf meine langen Läufe zu sprechen kommen.
Das passiert dann genau in dem Moment, wenn diese Gesprächspartner das örtliche Zentrum für die psychologische Betreuung „geistig Verwirrter“ anzurufen versuchen.
Diese Marathon-Entfernung zwischen zwei Verpflegungspunkten läuft bei Jens noch unter „Kindergeburtstag“?!

Im Ernst stellte ich mir die Frage, ob seine Kinder bei ihren Kindergeburtstagen ähnliche Bedingungen vorfanden. „Kaiser, wie viele Kilometer gibst Du mir?“ könnte eins der Kinderspiele gewesen sein. Oder das berühmte Eierlaufen. Du läufst mit einem Ei auf einem Löffel 42,195 Kilometer entlang, der Löffel steckt im Mund und wer das bis ins Ziel schafft, der darf dann zurücklaufen, um beim Topfschlagen teilzunehmen. War so „Happy Birthday“ bei den Vielers?


Schauen wir uns mal die Liste der Aussteiger an, hoch engagierte Ultraläufer der Spitzenklasse sind da dabei und ganz ehrlich: als ich mich das erste Mal verlaufen hatte, wäre ich fast auch dabei gewesen. Nur Susanne Alexi und Florian Bechtel, die ihren Fahrrad-Guide Raimund Slabon ausgeschickt hatten, mich zu finden und auf den rechten Weg zurück zu führen, haben das verhindert.
Das hat so gut getan, zu wissen, dass sich andere Sorgen um Dich machen … also musst Du weiter und darfst Dich nicht eintragen in die Liste derer, die noch einen schönen Sonntag haben wollten.

Ausgestiegen sind Tom Wolter-Roessler, Martin Raulff, Jörg Eberling, Dirk Vinzelberg, Mattin Becker und Sarah Hreczkun, alle wohl schon vor der 100km-Marke, Tom Kuschel, Angela Ngamkam, Martin „Tasso“ Schöer und Ralph Dietz noch vor der 180km-Marke und nach der 180km-Marke erwischte es zuletzt noch Hauke König, Günther Bruhn und HUPSI (Dirk Przybyllok).
Als Hauke aussteigen musste, drückte er mich und sagte: „Du musst mir eines versprechen: finishe das Ding bitte!“
Kann man so einen Auftrag unerledigt lassen?

Es war also kein Kindergeburtstag, sondern richtig harte Arbeit und vor allem die Kilometer von vielleicht 140 bis etwa 180 waren lang, quälend lang.


Ich kam so schlecht durch die Nacht wie noch nie und daher habe ich am Sonntag drei Mal eine Parkbank aufgesucht, um wenigstens einen Kurzschlaf zu nehmen. Das tat ich immer dann, wenn mit beim Laufen immer wieder die Augen zufielen, mein Kopf hin und her wackelte und ich nicht mehr in der Lage war, mich klar zu artikulieren. Ich nuschelte, ich lispelte, ich redete Unsinn in diesen Momenten.
Wer mich näher kennt, der weiß, dass ich das öfters tue, aber ich rede eben sonst anderen Unsinn als dort bei der TorTOUR.

Warum ich so schlecht durch die Nacht kam, glaube ich heute zu wissen.
Natürlich hatte ich in der Nacht zuvor einfach zu wenig geschlafen, der Tag war hektisch und arbeitsreich gewesen und nach dem Wecker um 4:30 Uhr am Samstag früh haben meine Frau Gabi und ich uns noch um die letzten Versorgungsdetails gekümmert. Aber sicher war auch ein Grund, weil wir so langsam gelaufen, eigentlich fast ausschließlich gegangen sind.
Der Puls bleibt niedrig, die Ausschüttung von Adrenalin und Wasweißichfür-in’s ist reduziert, das Schlafbedürfnis steigt.
Wie auch immer, viele haben am Sonntagvormittag geglaubt, dass ich den Mittag nicht mehr als TorTOURist erleben würde.

Der zweite Punkt, in dem Jens Vieler sich geirrt hat, war folgender:
für jeden der vielen Teilnehmer hat Jens eine kleine, individuelle „Hymne“ geschrieben, eine wohlwollende Vorstellung, damit die Webseiten-Besucher wissen, was die einzelnen TorTOURisten so gelaufen haben und was sie noch vorhaben.

Meine Hymne ging so:

Falsch, Jens, absolut falsch. Was Jens meinte ist, dass ich bei km 178 Neuland bei Nonstop-Läufen betrete. Zwar dauerte der UTMB für mich noch länger als die TorTOUR de Ruhr, aber er hat „nur“ bescheidene 166 km, der KÖLNPFAD mit seinen 171 km in knapp 24 Stunden ist auch ein eher „kurzer“ Lauf und mein bisher längster Nonstop-Lauf, die 24-h Lauf der DLV Challenge in Delmenhorst im Juni 2009 brachte eben jene knapp 180 km, genau 177,520 km.
Ab dann zählte es also wirklich.

Die Oberschenkel waren seit langem verhärtet, aber ab etwa km 185 begann ein kleines Wunder. Ich konnte und ich wollte wieder laufen. Ich lief dann zwar nur noch eine 8er Zeit, weiter bekam ich die Beine nicht mehr auseinander, aber immer noch schneller als das Gehen der vergangenen Stunden, trotz meiner Schnelligkeit beim Gehen.
Nach der letzten Verpflegung bei der dem alten Herrn Hans Jansen konnte ich sogar wieder eine 7er Zeit laufen. Ob mich der alte Herr dazu animiert hat?

Herr Jansen bewachte die letzte Verpflegungsstation, weil die offizielle Betreuung zusammen gepackt hatte. Also wurde die Verpflegung ein paar Häuser weiter auf einen Campingtisch vor das Haus der Jansens verlegt. Das Angebot war immer noch üppig und Susanne Alexi, ihr Trupp und ich genossen noch diese letzten Kalorien. Dabei sollten wir das Alter von dem alten Herrn Jansen schätzen. Aber auf wie alt schätzt man einen alten Mann?
Ohne Höflichkeitsfloskeln hätte ich ihn auf mindestens Ende 70 geschätzt, mit einem Höflichkeitsbonus jedoch ging er auch für 72 durch, fand ich.
„Ich werde in drei Wochen 90 Jahre alt,“ sagte er stolz zu mir und ergänzte, dass er auch ein Läufer gewesen sei, allerdings ein Kurzstreckenläufer, damals 1936.

Wer jetzt glaubte, von Schulrekord bei den damaligen Bundesjugendspielen zu hören, der sah sich getäuscht. „11,1 Sekunden bin ich damals auf die 100 Meter gelaufen!“  Jesse Owens, der damalige Goldmedaillengewinner, lief mit 10,2 Sekunden nur knapp eine Sekunde schneller.
Ich muss zugeben, ich war beeindruckt. Und diese 15 oder 20 Jahre, die er jünger aussah als er war, verdanke er dem Sport, sagte er.
90 Jahre alt, kein Stock, auf den er sich stützen musste, vollkommen gerade auf den Beinen und klar im Kopf – so will ich auch das hohe Alter erreichen. Wenn ich da an die vielen auf lebenserhaltende Geräte angewiesenen bettlägerigen Achtzigjährigen denke, dann hätte ich in diesem Moment auf die Knie fallen und „Halleluja!“ rufen sollen.
Und ich hätte ihn nach den Kindern Renate und Burkhard fragen sollen und danach, wie stolz er auf die beiden sein muss. Renate ist Marathonläuferin und eine der Hauptorganisatorinnen beim 24-h Lauf des TuS Breitscheid und Burkhard ist einer der erfahrensten Marathonis des TuS Breitscheid und zurzeit auf Pilgertour auf dem Jakobsweg.
Oder ich hätte nach Frau Jansen fragen sollen, die ebenso gesund aussah, aufrecht ging und mit liebevollem Stolz auf ihren Mann hinter ihm stand. Vielleicht war sie auch eine große Sportlerin gewesen, dachte ich, aber ich traute mich nicht, danach zu fragen. Was für eine sportliche Familie …

Wenn die TorTOUR de Ruhr also für etwas gut war, dann dafür, mir mal wieder zu zeigen, dass wir alle es zum guten Teil in der Hand haben, zu entscheiden, wie wir alt werden wollen. Und wenn es uns gelingt, das so hinzubekommen wie die die Jansens, dann hat sich jeder Meter laufen, jede Minute Sport, jede Anstrengung gelohnt …

Seit fast 600 Jahren: der K-UT ist der älteste UltraTrail der Welt

Es war der 15. Mai 1426 in Köln. Der Himmel war wolkenverhangen an diesem Samstag, nur wenig Licht drang in die Stadt. Kein Wunder, immerhin war es die Zeit des dunkelsten Mittelalters. König Eric der Dritte wollte etwas Licht ins Dunkel des mittleren Alters bringen und beschloss, in Köln den ersten Ultra-Marathon der Welt einzurichten.
König Eric der Dritte nannte den Lauf „Kölner Ultra-Trail“, kurz K-UT.

Die Strecke ging rauf und runter durch das alte Köln, vorbei an den stark nach Gerbchemikalien riechenden Gerbereien, über den Fischmarkt, durch die Leprastation bis hin zu dem Bauwerk, das einmal der Kölner Dom werden sollte. Noch war er nicht fertig gestellt, obwohl die Bauarbeiten bereits Mitte 1248 begonnen wurden, aber im Wesentlichen war er schon als das Wahrzeichen erkennbar, das der Kölner Dom heute ist.
Zum Mitlaufen eingeladen waren nicht nur die vielen Zünfte der Stadt, sondern auch die Bettler, die Totengräber, die Nachtwächter und auch die Tagediebe. König Eric rief und alle kamen zum Laufen.

Über Jahrhunderte hinweg etablierte sich so ein trailiger Ultra-Marathon der Extra-Klasse und der „Kölner Ultra-Trail“ fand Eingang in den Olymp der Kölner, ins „Kölsche Grundgesetz“. Dort hieß es bald in Artikel 2: Es K-UT, wie es K-UT.


Später dann, als der Lauf nach ein paar Hundert Jahren dann doch vergessen wurde, weil die Kölner mit ihrem Klüngel, ihren Hochwassern und mit ihren Karnevalszügen ausgelastet waren, wurde dieser Artikel in Es kütt, wie es kütt abgewandelt, die ursprüngliche Version, die Älteren unter uns mögen sich erinnern, war aber schöner.

Erst 2009 kam Eric, der Niederländer und griff die Idee des Laufs wieder auf. Aber Eric verlegte den K-UT heraus aus Köln und hinein in die wunderschöne Landschaft rund um den Keufelskopf im saarländisch-pfälzischen Grenzgebiet. Keine Gerbereien, dafür weite Wiesen, statt des Fischmarkts ausgedehnte Wälder, drei Mal das Örtchen Reichweiler, beim Start, nach der ersten, knapp unter der Marathondistanz liegenden Schleife und wieder zum Schluss hin und alles garniert mit über 2.000 Höhenmetern. Eric rief und fast alle kamen zum Laufen.
Nur ich kam nicht, trotz einer Einladung, die mich über Bernie Conradt erreicht hat.

Also hat Eric, der Niederländer, für 2010 noch einmal ein paar Höhenmeter draufgepackt und jetzt, wo es 2.800 davon waren, lief ich mit. Erst waren 60 Läufer zugelassen, doch schnell war die Warteliste voller als die Starterliste und Eric erhöhte das Teilnehmerlimit so, dass rund 110 Trailbegeisterte auf die nun 85 Kilometer lange Strecke durften. Dazu kamen noch rund 40 Läufer, die sich für die mit 22 Kilometern auch nicht einfache Trail-Kurzstrecke entschieden haben.

Die meisten Namen auf der Starterliste waren mir bekannt, also war der K-UT 2010 auch wieder ein Familientreffen der kleinen Familie der Ultra-Läufer und die Namen, die ich las, machten mir große Freude, weil reihenweise große und bekannte Trail-Läufer dabei waren.
Aus meinem engsten Freundeskreis der Läufer freute ich mich besonders auf Kurt Süsser, mit dem ich so gerne durch die Wüste der Sahara gelaufen wäre und der mir das kleine NICI-Kamel geschenkt hat, ohne dass ich es bestimmt viel schwerer gehabt hätte in Marokko. Kurts Leben und das seiner beiden Söhne ändert sich durch den Schicksalsschlag vom April zurzeit sehr, so war der K-UT der erste Lauf  nach diesem Ereignis.
Bernie Conradt wiederum, der sich für die kurze Strecke entschieden hat, bereichert die Welt ganz bald um einen weiteren Erdenbürger. Ihn und seine Sabine habe ich seit dem Braveheart Battle nicht mehr gesehen. Und auch Achim Knacksterdt war dabei, mit dem ich nicht nur durch die Wüste laufen durfte, sondern mit dem ich in letzter Zeit etliche Läufe gemeinsam bewältigt habe.

Aus dem erweiterten Freudeskreis erwähne ich nur wenige, ich will niemanden übergehen, aber die Liste wäre einfach zu lang für dieses kleine Blog. Du kannst die Läuferliste der Helden hier ansehen. Ein paar Namen von Läufern, die überhaupt nicht repräsentativ für den Laufbekanntenkreis sein sollen, will ich dennoch nennen.
Da war beispielsweise Gerhard Börner angetreten, dessen Bericht vom PTL („Es gab Überlebende!“) meinen Wunsch, auch dieses Abenteuer zu bestehen, geweckt hat. Ihn habe ich schon beim Pfefferkarpfen-Lauf persönlich kennen gelernt und so war es eine Freude, gegen Ende des K-UT ein paar Kilometer mit ihm gemeinsam zu laufen.
Er wiederum kam mit Armin Wolf angefahren, mit dem ich schon den SwissJuraMarathon 2009 hinter mich gebracht habe.

Bei den Teilnehmern der Kurzstrecke sei vor allem Gerald Baudek erwähnt, auch einer derjenigen, mit denen ich den SwissJuraMarathon 2009 gelaufen bin. Läuferisch befindet sich Gerald sicherlich eine oder zwei Ligen über mir, er ist schnell und zäh. Gerald hat zuletzt den mega-anstrengenden Lauf „Trans GranCanaria“ hinter sich gebracht und auch einer seiner Marathons, den er in nur 2:52 Stunden absolviert hat, verdient Beachtung.


Und der Lauf selbst?
Er war schön, sehr trailig, selten habe ich so wenig Asphaltanteile erlebt. Wir gingen über vom Regen der letzten Tage aufgeweichten Waldboden, teilweise richtig steil, glitschig, schmutzig, über Wiesen und Hügel, es ging immer entweder rauf oder runter. Es war ein Trail, der alles hatte, nur keine Anzeichen von Zivilisation, einfach nur Natur. Wenn teilweise nicht das Geräusch der Autos aus dem Tal da gewesen wäre, dann hätte man glauben können, im „Niemandsland“ zu sein. So sollten alle Trails sein …

Und der Trail-Lauf war liebevoll organisiert. Was mich besonders fasziniert hat, war die Ausschilderung. Nicht nur, dass Eric, der Holländer, hübsche Schildchen gemacht hat, es standen sogar immer auch die bislang gelaufenen Kilometer drauf. Da steckt mächtig viel Arbeit drin und ich glaube, dass die größte Leistung von allen nicht die Läufer, sondern die Organisatoren, allen voran Eric, erbracht haben.

Einige der Schilder haben mich besonders gefreut. Das Schild bei km 35,0 zum Beispiel. Da stand: „Und wenn nichts mehr geht … 50 km gehen immer noch!“

Oder das Schild bei km 42,8 als weiteres Beispiel. Das motivierte mit den Worten: „Nur noch ein Marathönchen!“


So liebevoll wie die Schilder war die gesamte Organisation. Im Ziel gab es zwei Getränke und ein deftiges Läuferessen. Eine Lyonerpfanne, frisch gemacht auf einem Riesengrill, ähnlich einem asiatischen Wok. Bestimmt ganz lecker, aber eben nichts für mich. Du weißt ja, wegen dem Fleisch …
„… kein Problem!“ hieß es gleich und ich bekam Gemüse, vor allem Paprika und Kartoffeln gebraten, frisch, lecker, liebevoll. Auch an solchen Dingen erkennt man, dass Erics Gedanken sich vor allem um das Wohl der Läufer, seiner Gäste, gedreht haben.

Etwas ganz Besonderes war auch die Medaille. Eine große, wunderschöne und schwere Platte, garniert mit dem Logo des Laufs. Schon dafür würde ich den Lauf erneut machen. Aber ich würde versuchen, unter der Zeit von 11:27:40 Stunden zu bleiben. Ich bin wohl etwas verhalten gestartet. Zumindest konnte ich am Ende noch einige Plätze aufholen und richtig Tempo machen.
„Gute Renneinteilung“ sagen die Einen, „zu viel geschont am Anfang“ sagen die Anderen. Aber darum ging es mir ja gar nicht. Für mich war wichtig, dass dieser letzte längere Test vor der TorTOUR de Ruhr gut abgewickelt werden konnte. Und das habe ich erreicht.

Im Ziel sagte ich dann: „Jetzt den Trail noch einmal zurück und dann noch 50 Kilometer!“ Das wäre dann die Streckenlänge der TorTOUR de Ruhr, 230 lange, aber flache Kilometer. Dann wäre ich in Duisburg-Rheinorange angekommen, am Ende der Ruhr-Radwegs und im Ziel des längsten Ultra-Laufs in Deutschland, in Jens Vieler’s Lauf-Olymp.

Beim K-UT bleibt mir nur, „Danke“ zu sagen. Danke, Eric, für diesen Trail-Lauf … wir beiden sehen uns spätestens im August wieder, beim PTL.

Viel weiter und höher ist der ja auch nicht …

Reichweiler im saarländisch-pfälzischen Grenzgebiet, ein schönes Stück Erde!

Von Schmerzmitteln, vom reinen Glück, von Freunden und von mir …

Im Nachhinein ließt sich meine Geschichte zur Deutschen Meisterschaft im 100km Straßenlauf wie die reine Geschichte vom Glück.

Als ich im Frühjahr gehört hatte, dass der TuS Ahrweiler, also der Verein meines Sohnes, 2009 Ausrichter der Deutschen Meisterschaften wird, da wusste ich schon: DA MUSS ICH EINFACH HIN. Ich habe so viele Läufe in der Fremde gemacht, aber eben noch keinen langen Lauf in meiner Wahlheimat, dem Ahrtal. Dort, wo mich so viele Menschen kennen, wo ich als 2.Vorsitzender des SC07 Bad Neuenahr so glückliche Jahre verbracht habe, wo scheinbar jeder Unternehmer mir jedem Unternehmer eine loyale Einheit bildet – dort wollte ich laufen gehen.
Sabine Strotkamp von der LG Ahrweiler, meine Freundin und Pacemakerin bei der DLV-Challenge des 24-Stunden-Laufs in Delmenhorst, erfolgreiche Ultra-Läuferin im Nationalteam des DLV, war eine der treibenden Kräfte, dass dieser Wettbewerb vom Ultramarathon zum UltrAHRmarathon wurde, immerhin wohnt sie fast direkt an der Laufstrecke. Und ich wollte mich schon sehr früh anmelden, zu früh, wie ich merkte.
Eine Anmeldung über den DLV hatte ich noch nie gemacht und ich konnte erst eine Woche vor dem Lauf kontrollieren, dass ich auch wirklich auf der Starterliste stehe. Aber Sabines beruhigende Worte halfen mir, Vertrauen zu haben und zu wissen, dass dies „mein Tag“ werden sollte.

Cheerleader-Mädchen motivieren die Läufer

Cheerleader-Mädchen motivieren die Läufer

Aber wie bei allem, auf das man sich zu sehr freut, rächt sich das Leben. Du bekommst einen Termin in die Agenda gedrückt, der wichtiger ist als die private Freude – oder Du wirst krank. Das Leben kann manchmal grausam sein. Mich erwischte es ohne Vorwarnung am Dienstag vor dem Lauf, also 96 Stunden vor dem Start. Ich fühlte mich wohl, ich war nicht verkühlt und guter Dinge. Ich setzte mich auf den Rand unseres Bettes im Schlafzimmer, um mir die Hose auzuziehen, da stach es in den Rücken und ich wurde innerhalb von Sekunden zum alten Mann.
Mein Weg ins Büro, der nur vielleicht 50 Meter weit ist, dauerte ewig und ich lief tief gebeugt und von Schmerzen geplagt dorthin. Das muss für die Kolleginnen ein Bild gewesen sein! Noch am gleichen Tag ließ ich mir einen Termin bei meinem Lieblings-Sportarzt Dr. Roman Bauer in Bad Neuenahr geben. Dort ist alles perfekt, außer die Parkplatz-Situation. Immer schwanke ich zwischen einem Knöllchen und dem langen Fußweg bis in die Praxis. Und dieser Fußweg dauert!
Ich komme gleich dran, der Arzt ist mein Freund, schon aus alter Verbundenheit zu unserer gemeinsamen Zeit beim SC07 Bad Neuenahr, und ich bekomme eine Spritze in die linke Po-Backe und ein Rezept über Schmerzmittel, die ich drei Mal am Tag und ein Muskellösungsmittel, das ich jeweils am Abend nehmen soll.

Die Stunden vergingen und es wurde stets besser, ohne gut zu werden. Noch am Tag vor dem Start ging ich noch einmal zum Doc, ich bekam eine neue Spritze, wurde mit 10 schmerzhaften Stichen „gequaddelt“ und meine Chancen, zu starten, stiegen. Am Freitag Abend ging ich zur Startnummern-Ausgabe und ich überlegte, ob ich die Startnummer wirklich abholen sollte oder nicht. Und ich redete mit jedem, den ich kannte, über meinen Rücken.

Da gab es aber keine „Weicheier“. Niemand sagte, dass ich in der Situation vorsichtig sein solle und mich erst auskurieren möge. Die meisten sagten, ich solle es einfach versuchen, locker angehen und dann nach einer Stunde oder zwei entscheiden, ob ich dabei bleiben wolle. Und ein Freund aus dem DLV-Team sagte mir, dass auch das Gegenteil passieren könne: dass die Muskeln sich durch das Laufen entspannen könnten. Das hat mich überzeugt und ich beschloss, zu starten.

Der Samstag vor dem Start war richtig hektisch. Kennst Du das, dass diejenigen, die am wenigsten weit von einem Ereignis weg wohnen, stets die letzten sind?

Um 6.30 Uhr sollte der Start sein, ich stellte meinen Wecker auf 5.30 Uhr. Mein Frühprogramm ist schon Routine, das geht schnell. Die Brustwarzen müssen getaped werden, ein wenig Melkfett muss verschmiert werden, die Zehen bekommen ein paar COMPEED Streifen, der Pulsgurt darf genausowenig vergessen werden wie der GARMIN 305, der Buff am linken Arm, eventuell die Armlinge, die Mütze und die Sonnenbrille. Ob ich immer alles brauche? Eher nicht, aber ich fühle mich „nackt“, wenn davon etwas fehlt.

Die wichtigste Entscheidung aber treffe ich schon immer am Tag vor dem Lauf: worin willst Du laufen? Worin willst Du starten, wie oft ziehst Du Dich um und worin finished Du? Ich fühle mich häßlich und kann nicht gut laufen, wenn ich mich nicht auch „schön“ finde …

Für den Samstag habe ich mich entschieden, weitgehend mit einer SKINFIT-Oberjacke zu laufen, um den Rücken warm zu halten. Ich lief auch mit einem ABC-Pflaster und startete mit einem engen schwarzen NIKE-Oberteil, mit dem ich zurzeit sehr gerne laufe, weil es meinen Oberkörper so schön betont. Wenn einer wie ich schon keine Muskeln hat, dann muss man etwas tragen, das wenigstens so tut, als wäre das was …
Finishen wollte ich mit dem Finisher-T-Shirt des TransAlpine Run. Nur eine Runde lang trug ich dieses schwarze Shit mit dem tollen Aufdruck und am Ende lief ich dann auch ohne die SKINFIT-Jacke, die ich vor dem Einlauf in die Versorgungszone meiner Tochter zuwarf. So konnte man das Shirt hervorragend sehen.

Als ich nach der Vorbereitung auf die Uhr gesehen habe, war es schon 6:14 Uhr. Regulär nach Bad Neuenahr fahren hätte nicht mehr funktioniert, also griffen wir zu einem kleinen illegalen Trick und fuhren über einen Parkplatz direkt auf die Autobahn auf. Meine Frau Gabi fuhr so schnell es ging und sie setzte mich eine Minute vor dem Start vor der Schule ab. Als ich ankam konnte ich noch einen Freund begrüßen, der zufällig da stand, aber dann ging es auch gleich los. Zeitlich enger hätte es nicht sein können …

Gabi sagte, dass sie eine Runde lang auf mich warten würde, nur für den Fall, dass ich aussteigen wolle, aber die erste Runde war ein wenig schmerzhaft, aber es ging. Die zweite Runde war schlimmer und noch immer war sie da. Da ich aber nicht darauf eingestellt war, hatte ich keinen weiteren Gedanken auf das Aufgeben verwendet und nach der dritten Runde, zweifellos der schlimmsten, war sie erst einmal weg.

Ich hatte mir vorgenommen, alle drei Stunden je eine Schmerztablette und eine dieser Nachttabletten zur Muskellösung zu schlucken und meine Lauffreundin Huberta besorgte mir noch zwei weitere Schmerztabletten, die ich auch noch zu mir nahm. „Viel hilft viel“, dachte ich und die Rückenschmerzen waren weg, komplett weg. Ich merkte nicht einmal die wärmende Wirkung des ABC-Pflasters mehr, aber nach wenigen Runden spürte ich, wie mein linkes Bein komplett hart und steif wurde. Wahrscheinlich habe ich eine „Schonhaltung“ eingenommen, die dann auf den Bewegungsapparat gewirkt hat.

Um den Lauf kurz zu skizzieren: 50 Kilometer lang ging alles gut, 50 Kilometer tat alles weh. Ein paar Schritte gehen, wieder anlaufen, gehen, laufen, alles schön im Wechseln. Und dennoch verbesserte ich mich auf den letzten 50 Kilometern um über 20 Plätze. Es soll also Läufer gegeben haben, die noch mehr Probleme hatten wie ich.
Richtig schön war aber, dass ich nahezu jeden Streckenposten kannte – oder der zumindest mich. Und jeder feuerte mich an. Und bei keinem wollte ich Schwäche zeigen, auch nicht bei denen, die unmittelbar vor einer steilen Brücke standen. Da musste gelaufen werden …

Zwei Freunde vom LT Grafschaft kamen vorbei, viele private Freunde, die dann in der Versorgungszone warteten, die ehemalige Torhüterin des SC07 Bad Neuenahr, Andrea Schaller mit ihrer „besseren Hälfte“, der Geschäftsführer der Ahrtal-Touristik Andreas Wittpohl und auch mein Journalistenfreund Gerd Weigl, der auch zwei Fotos von mir machte und sie mir auch sofort mailte. Und viele Zuschauer am Rande nickten und winkten mir und ich war oft nicht sicher, ob die dem „unbekannten Läufer“ zuwinkten oder eben mir und ich erkannte sie einfach nicht …
Und der Moderator erwähnte gleich zwei Mal meinen „sensationellen Lauf“ über 166km mit 9.400 Höhenmetern, ohne das Wort „UTMB“ zu erwähnen. Trotzdem tat das richtig gut und die anderen Ultra-Läufer werden gewusst haben, wovon er sprach.

Dass ich mein ursprüngliches Ziel, unter 10:30:00 Stunden zu laufen, nicht schaffen werde, war mir schon klar, als ich das ABC-Pflaster aufklebte. Aber es musste ein Ergebnis unter 11:00:00 Stunden sein, weil bei der DM in den Kategorien M40 und M45 nur diese Ergebnisse gewertet werden. In Biel hatte ich beim ersten Mal 11:19 Stunden gebraucht, beim zweiten Mal 10:43 Stunden. Die 10:47:32 Stunden vom Samstag sind für mich also alles andere als schlecht – ich war zufrieden. Und meine Qualifikation für den Spartathlon muss ich jetzt eben bei der TorTOUR de Ruhr holen.
Die Forderung der Veranstalter des Spartathlon ist ja entweder ein 100km-Lauf in unter 10:30 Stunden oder ein Nonstop-Lauf über 200 Kilometer. Und da ist dan die Zeit egal. Ich glaube, dass ist eher meins.