Aybasti

Aybastı ist eine türkische Stadt und ein Landkreis in der Provinz Ordu. Die Stadt liegt ca. 52 km südwestlich der Provinzhauptstadt Ordu.
Aybastı hat rund 14.000 Einwohner, ist also eine Kleinstadt. Aber Aybastı hat auch etwas Großes, etwas Langes, einen Ultralauf eben.


Und zu diesem Ultralauf hat mich m ein Lauf- und Facebookfreund Özcan Camyar eingeladen. Mit Özcan bin ich 2015 schon lange Strecken beim Runfire Cappadocia gelaufen und wir halten seither über Facebook Kontakt.

Laufen in der Türkei. Warum mache ich das so gerne?
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Merci, merci, für die Stunden …

Kölnpfad9 Kölnpfad6Wenn es nur der Eine war, der eine Moment der Zufriedenheit, jener, in dem ich der Gesamtsiegerin Tini (Kristina Tille) und dem Sieger des Bewerbs der Männer, Christoph Janthur, ihre in Holz gefassten KÖLNPFAD-Fliesen und ihre silbernen KÖLNPFAD-Gürtelschnallen überreichen durfte, dann wäre es all die Mühe wert gewesen, die ich in den letzten Monaten in dieses Event gesteckt habe.

Es war ein großartiges Event an einem denkwürdigen Wochenende, an dem Deutschland einen neues Hitzerekord bekam. Aber musste das ausgerechnet bei meiner Premiere passieren?
Vieles lief nach Plan, aber einiges auch nicht. Manches davon wusste ich vorher und hatte es mangels Zeit oder Etat nicht geschafft, vieles von dem, was verbesserungswürdig gewesen wäre, ahnte ich aber vorher nicht.
Nun soll man aus solchen Dingen für die Zukunft lernen und sie nicht thematisieren, ich belasse es deshalb dabei, zu sagen, dass es in 2016 Verbesserungen beim KÖLNPFAD geben muss und wird.
Später gehe ich darauf noch im Detail ein.Kölnpfad3 Kölnpfad1

Knapp 70 LäuferInnen, inclusive der beiden WahlschweizerInnen Ricarda Bethke und Jens Vieler, die erst am Abend der Pastaparty zu uns gestoßen sind, waren als Einzelstarter gemeldet, dazu sechs Staffeln und der Aussicht auf eine siebte.
Eine sensationelle Zahl, von der ich vorher nicht zu träumen gewagt hätte.
Aber dann kamen krankheitsbedingte Absagen und dann kamen die Wettervorhersagen. 39 Grad! Im Schatten! Und Schatten gibt es auf weiten Teilen des „Pfads“ nicht.

Am Ende starteten Mitte 40 „öm Kölle heröm-Läufer“, die ich später dann „Helden der Gluthitze“ genannt habe. Und aus den 6 Staffeln wurden fünf und das auch nur, weil zwei Läufer (Birger und Dennis) von der großen Runde auf eine Staffeletappe herunter gegradet haben. Einer davon lief dafür seine Etappe gleich zwei Mal. „Das Auto holen,“ wie er sagte.

„Ultraläufer sind anders,“ heißt es. Und das stimmt. Ultraläufer helfen sich gegenseitig, wo sie nur können. Und so wurden aus den offiziell vier Verpflegungspunkten … viele.
Und die wenigsten davon wurden von den KÖLNPFAD-Volunteers betreut.

Udo Kamps erfand eine Wasserstelle bei km 87,5, nachdem er als Startläufer eine Etappe weit gerannt ist. Das war der „Stand der Kinder“, Kinder, die zufällig vor Ort waren und fasziniert und begeistert den Läufern applaudierten. Es entstand dabei nicht nur ein legendäres Foto mit dem knienden Udo, es wurde auch mein Satz des Wochenendes als Frage gestellt: „Müssen die Läufer keinen Mittagsschlaf machen?“
Kölnpfad2Und Ralf Behrend zelebrierte einen, etwa 15 K vor dem Ziel, mitten im Wald, mitten in der Nacht. Und was für einen! Da gab es nicht nur eine lange mit flackernden Kerzen beleuchtete „Einlaufspur“, Ralf hatte zu Hause extra Handtücher ins Gefrierfach gepackt und diese dann, bretthart, den Läufern übergeben.
Welch ein Luxus. Und was für ein Segen bei nächtlichen immer noch 25 Grad!

Alle anderen Labestationen wurden von den Support-Crews der Läufer oder von einer Etappenläuferin betrieben, das offizielle Fotografenteam packte sich ein paar Kanister Wasser ein, alles half allen.
Und ohne diese zusätzlichen, teils mobil den Läufern folgende, Wasserstellen wäre wohl kein einziges Finish zu feiern gewesen.

Allen, die das möglich gemacht haben, danke ich von Herzen. Ihr habt damit auch mein Wochenende erhellt und den Glauben an Solidarität gelebt.Kölnpfad11 Kölnpfad8 Kölnpfad5
Aber auch die offiziellen Verpflegungsstellen gaben mehr als nur „Routine“.

Der VP1 wurde von Susanne Alexi und Florian Bechtel betreut. So weit, so gut. Anschließend aber übernahm Susanne noch die Fahrradbegleitung für Thorsten Stelter, der am Ende sensationell Dritter bei den Herren und Gesamtvierter werden sollte.
Florian übernahm noch für einige Stunden einen Extra-VP, ein echter Support-Profi eben. Nun freut sich Florian auf seinen eigenen Start beim KÖLNPFAD 2016. Und ich freue mich auf ihn.

Der zweite Verpflegungspunkt wurde vom TV Altendorf-Ersdorf belebt. Erst waren Jürgen Bäcker und seine Tochter dort, dann Anja und Andreas Klotz. Den Abschluss bildete dann Monika, eine ganz erfahrene Supporterin.
Und alle fünf, selbst bestenfalls Marathonis, waren „angefixt“ von der Freundlichkeit der Läuferinnen und Läufer, von der Ruhe, die ausgestrahlt wurde, von den Geschichten, die sie gehört und erlebt haben und natürlich von den außergewöhnlichen Leistungen unserer Helden auf dem Trail.
Spätestens jetzt muss es sich für Jürgen und den Rest des Vorstands des TV Altendorf-Ersdorf, gut und richtig angefühlt haben, die offizielle Trägerschaft des KÖLNPFAD-Ultralaufs übernommen zu haben.
Danke an dieser Stelle an die Vorsitzende, Hanna Esser, und an ihr Team!

Der dritte Verpflegungspunkt wurde von echten Profis gemanagt. Michael Irrgang und seine Frau hatten die Mammutaufgabe, einen Stand ab 16 Uhr bis weit nach Mitternacht zu betreuen. Zudem war Michael, selbst Lauftrainer, Ultralauf-König und Fixpunkt unseres gemeinsamen Hobbies, auch mein Berater, als es draußen immer heißer wurde und sich in meinem Kopf immer mehr Sorgen türmten.
Aus diesen Gesprächen heraus entstand auch die Einsicht, dort am VP3 auch einen 100 K – Bewerb enden zu lassen. Jens und Ricarda hatten von Anfang an „nur“ vor, diese 100 K zu laufen, Rob, Jörg, Patricia, Dietmar, Nile und Betty nahmen das Angebot, dort zu finishen, gerne an.
Die Rückfahrt zu viert im Sprinter mit nur drei Plätzen war gewöhnungsbedürftig, aber wer fragt in der tiefen Nacht nach 3.00 Uhr danach …?

Den vierten und letzten Verpflegungspunkt hatten die Citytrail Cologne Runners um Thomas Wimmer übernommen. Eine besonders schwierige Sache, da die Öffnungszeit der Ladestation immens lang, die Anzahl der zu betreuenden Läufer aber nur noch gering war.
Mit etwas Schlaf gut durch die Nacht kommen war die Devise, „klasse gemacht“ war meine Wertung.Kölnpfad7

Aber da waren doch noch mehr Leute? Natürlich.

Christoph Mintgen, zum Beispiel, der außer eine Etappe zu laufen, auch immer präsent war.
Tobi Schreiber, der den Sprinter gefahren und die VPs auf- und abgebaut hat. Dass obendrein noch viel geschleppt werden musste, sei nur nebenbei erwähnt.
Und dabei wiegt ein 8 Liter Kanister Wasser in der Hitze mindestens drei Mal so viel.
Oli Witzke, der „Läufer Bespaßer“, half am VP1 aus und machte sich dann als mobile Zapfstelle mit Wasser, Apfelschorle und Salztabletten auf Läuferverfolgung.
Kölnpfad4Dorothea Gierra war die Professionellste von uns. Sie begrüßte die Ankommenden, machte den Check-In, verteilte, fand immer alles für mich, was ich in meiner Hektik suchte. Und ich suchte oft. Meist das, was eben erst wiedergefunden wurde. Dorothea, ich bewundere Dein fotografisches Gedächtnis!
Und nebenbei, neben ihrer 48h-Schicht, lernte ich viel von ihr und von ihrem Leben.
Vor allem Gabi, meine „besseren Zweidrittel“, knüpfte an die Gespräche an, die wir mit ihr vor Monaten auf Gran Canaria begonnen hatten.

Und da wäre ich auch schon bei der Letzten, meiner Besten.
Über Monate musste sie meine Launen ertragen, wenn es hier oder da wieder eine Absage gab. Unsere ehelichen Gespräche drehten sich irgendwann nur noch um den KÖLNPFAD. Und sie plante mit, sie shoppte mit, sie räumte mit, sie putzte mit und all das mit ihrer unvergleichlich positiven, freundlichen Art. Sie war im Start/Zielgebiet, an VP2, sie holte Läufer ab und sie flog mit Frank Woossmann Richtung Kölner Hauptbahnhof, während ich schlief. Wenn ich nicht schon verheiratet wäre, ich würde das glatt noch einmal tun …

Ohne all die genannten und ungenannten lieben Menschen wäre es nicht möglich gewesen, ein Event zu erleben, dass förmlich nach einer Wiederholung schreit. Wieder im Juli. Wieder in Köln-Dünnwald. Wieder auf dem KÖLNPFAD.
Hoffentlich dann aber mit einer etwas abgedunkelten Sonne, vielleicht sogar bei bestem Läuferwetter?

Früh Sport wird wieder dabei sein, „frappant“ auch, hoffentlich auch Sponser mit seiner fein austarierten Ultraläufer-Nahrung.
Ein Tracking-System wird wahrscheinlich dabei sein, mindestens jedoch ein elektronisches Zeiterfassungssystem, damit die Zwischenergebnisse online einsehbar sind.
Nie, wirklich nie, hätte ich gedacht, dass sich so viele Menschen für solch ein Rennen interessieren!

Außerdem wird ein Getränkewagen mit kalten Getränken die Strecke halbieren, vielleicht gibt es sogar einen Luxus-Verpflegungsstand, vielleicht von „frappant“, vielleicht von einem anderen Restaurant.

Pläne und Ideen gibt es also genug, lassen wir diese Träume fliegen, hauchen wir ihnen Leben ein!

Vorher werden wir öfters zu „Little KÖLNPFAD“ Testläufen einladen und die Markierungen überprüfen und erneuern, damit auch an dieser Stelle alles passt..

Dann ist ein Dach über dem Event, ein Schirm, der das Event beschützt.
Und für diesen Schirm suche ich in den nächsten Monaten noch einen Herren.

Einen Schirmherren …
Kölnpfad10

Wer bis 2 zählen kann hat Vorteile …

Es war ein echtes Lauf- und Autofahrer – Wochenende für mich. 1.350 Kilometer Autobahn oder Bundesstraßen, ein Marathon und ein kleiner Ultra. Du kannst schnell zusammen rechnen, wie viel Zeit das alles in Anspruch nimmt:
Vielleicht 15 Stunden hinter dem Steuer und 9 bis 10 Stunden laufen, etwas Zeit für das Schlafen dazu rechnen, etwas Zeit für die Zeit vor den Starts …

Mein Wochenende begann also um 5.00 Uhr mit dem klingelnden Wecker. Am Abend zuvor haben wir noch den 18. Geburtstag unseres Sohnes Pascal gefeiert – im edlen Restaurant „Vieux Sinzig“ in Sinzig, dem Restaurant, das seine Bekanntheit nicht nur der expliziten Erwähnung in den berühmten Eifel-Krimis verdankt, sondern auch dem engagierten französisch-normannischen Patron Jean-Marie Dumaine, der auch selbst einige Koch- und Naturbücher geschrieben hat.
Vor allem die verschiedenen echten und falschen Trüffelpilze dieser Welt und auch die Naturkräuter haben es dem „Wildkräuter-Papst“ Jean-Marie Dumaine angetan. Dabei organisiert er noch Veranstaltungen wie das „Trüffel-Symposium“, Du kannst dort Kochkurse besuchen oder an Naturwanderungen teilnehmen.
Der Abend wurde auch deshalb lang, weil neben den drei Gängen des Menüs, dem obligatorischen „Amuse-Gueule“ und dem Brot mit Walnuss-Tapenade auch noch ein Apetizer für das Dessert gebracht wurde, damit sich der Gaumen schon langsam an die Süße gewöhnen kann.
Und die viele Zeit fehlte mir am nächsten Tag.

Schnell noch für die beiden kommenden Tage und Läufe packen hieß es also um 5 Uhr. eine kurze und eine knielange Laufhose, 1 Paar Kompressionsstrümpfe, 1 Paar kurze Laufstrümpfe, ein Paar Schuhe reichen, Laufshirt, lange Laufjacke, Laufweste, Laufuhr, 2 Buffs, eine Winter- und eine Sommermütze, dünne Laufhandschuhe …
… fehlte da nicht etwas?

Natürlich! Das zweite Laufshirt und auch die Entscheidung für nur ein Paar Schuhe war falsch, weil ich Leipzig nicht so schlammig und nass erwartet hatte, dass die Schuhe danach keinesfalls für einen zweiten langen Lauf hätten verwendet werden können.
Meine Lösungen waren zum einen, ohne Laufshirt nur mit der Laufweste zu laufen. Wie viele schmerzende Scheuerstellen das gab kann ich nicht sagen, aber ihc kann sicherlich bis über 10 zählen und die wunden Stellen auf beiden Seiten unter den Armen, am Schlüsselbein und auf der Brust waren mehr …
Und zum Laufen nahm ich die Brooks-Laufschuhe, die ich eigentlich nur als Zierde zu meinen Jeans als „casual wear“ trage. Für lange Läufe sind die nicht gemacht, vor allem haben sie nicht die zusätzliche Länge, die wir Marathonis oder Ultramarathonis stets unseren Laufschuhen gönnen. Das habe ich dann nach dem Ultra mit einer dicken und äußerst schmerzhaften großen Blutblase am zweiten rechten Zeh bezahlt.
Aber wer nicht bis zwei zählen kann …

Die beiden Läufe aber kompensierten all den Ärger, den ich über mich selbst hegte. In Leipzig war es ein 3-er Teamlauf, für den ich schon im November 2011 zwei ostdeutsche Laufpartner gefunden hatte. Matthias, ein Unternehmer mit bis dahin 8 Marathons in seiner persönlichen Statistik, mit einer PB, die fast exakt gleich ist wie meine aus Edinburgh und mit einer Biographie, die einige Parallelen zu meiner hat und Flo(rian), unser Küken, ebenfalls mit bis dahin 8 Marathons in seiner persönlichen Statistik und einem Beruf, der ihm Flügel verleiht.
Beim 3. Leipziger Winter! Marathon war einer der Sponsoren Red Bull. Gewöhnlich nutze ich die Kraft von Red Bull, um mich für lange Autofahrten wach und fit zu halten, in Leipzig erlebte ich dieser nach Gummibärchen schmeckende Flüssigkeit als Hot Bull, leicht angewärmt mit Orangensaft gemischt. Und das Red Bull – Promotionteam war auch super nett und jede der Ladies war unserem Teammitglied Flo(rian) bekannt.

Läuferisch war der Marathon wieder eine kleine Offenbarung. Wir sind im Gruppendruck natürlich zu schnell losgelaufen. Am liebsten hätte ich schon auf den ersten Kilometern auf die Laufbremse getreten, aber wer will schon der Bremser sein? Und wir Männer wollen das sowieso nicht zeigen, also geht es schnell weiter. Aber nach vielleicht 30 oder 32 Kilometern schmerzte Matthias seine Sehne sehr und Flo durfte mir seine Leidensfähigkeit beweisen. „Das war das Härteste, das ich bisher gemacht habe,“ sagte er am Ende und ich versuchte Kilometer für Kilometer die beiden zu motivieren.
Dennoch wurden wir vor allem auf den letzten eineinhalb Runden auch von Teams eingeholt, die wir längst hinter uns gelassen wähnten und auch das beste Damenteam passierte uns auf den letzten 1.000 Metern. Aber das sollte uns vollkommen egal sein, weil wir ja mit dem Ziel 4:30 Stunden unterwegs waren.
Mir aber wurde es am Ende schon richtig kalt. Am liebsten wäre ich wie ein junger Hund neben der Strecke hin- und hergelaufen, um meinen Kreislauf in Schwung zu halten, weil mein Rücken freundlich angeklopft hat und meinte, schmerzen zu müssen, zum Glück nicht im Bereich meines sensiblen Iliosakralgelenks, sondern etwas höher, knapp unter dem Rippenansatz, aber ich hätte am Samstag Abend eher gehen einen Start am Sonntag gewettet.

Der 3. Winter! Marathon war auch eine große Ansammlung von Marathon4U – Autoren. Klaus Duwe und seine Mannen waren omnipräsent und so gab es viele Hallos und Körperdrücker, nicht nur mit Klaus, Wolfgang und Bernie, sondern auch mit vielen der anderen M4U Jungs. Außerdem waren der MIAU-Organisator Bernd Kalinowski dabei, der ultraschnelle Ulf Kühne vom OEM (Oberelbe Marathon) Team und viele andere Lauffreunde, die mich Runde für Runde höher fliegen ließen.

Für das Wetter konnten die Leipziger Veranstalter nichts, nichts für das Schneetreiben, nichts für den Regen, nichts dafür, dass alles matschig, schlammig und überhaupt „usselig“ war. Aber das, wofür sie was konnten, war schon phänomenal. Für 45 EUR Startgebühr pro Team (!), also nur 15 EUR pro Starter, gab es einen gut organisierten Lauf, wo an jeder Ecke bedauernswerte Menschen in Neon-Schutzjacken herumstanden, um uns auf den richtigen Weg zu leiten, wo die Versorgung vorbildlich war, nicht nur wegen der Hot Bull Becherchen und nicht zuletzt gab es am Ende sogar noch kleine Geschenke für die Teams.
Leider war uns eine der wunderschönen Plastik-Schneekristalle am goldenen, silbernen oder bronzenen Band vergönnt, dafür waren wir einfach viel zu langsam, insgesamt gab es aber neben den Urkunden noch zwei Torten für unser Team.

Flo, Matthias und ich jedenfalls hatten uns viel zu erzählen, die Zeit verflog recht schnell und ich nutzte die mir durch das Red Bull – Team gewachsenen Flügel dann gleich noch, um nach Senftenberg zu fahren. Ich war ja schon im Vorjahr dort am Start des 50 K Hallen-Ultramarathons und damals erzielte ich eine neue persönliche Bestzeit über die 50K Distanz, jetzt, mit dem Marathon in den Beinen, wollte ich keinesfalls in die Nähe dieser Marke kommen, um auf keinen Fall doch motiviert zu sein, hier noch weiter „feilen“ zu wollen. Aber wenigstens unter 5 Stunden bleiben wollte ich schon.

In der X-BIONIC Laufweste ohne Laufshirt darunter sah ich einigermaßen gut aus, fand ich, und ich folgte als Schatten immer wieder anderen Läuferinnen und Läufern. Zwei, drei Runden gemütlich hinter einem anderen Läufer, dann wieder ein paar Runden allein mit etwas Druck aufs Tempo, so ging es letztendlich 4:56:10 Stunden lang, zuerst einfach, später dann zunehmend schmerzhaft. Das Entstehen und Wachsen der Blutblase bemerkte ich schon nach der Hälfte der 50 Kilometer auf der in den Kurven überbauten Indoor-Tartanbahn, das Scheuern der Weste kam dann etwas später in mein Bewusstsein.
Aber Weicheier sind wir Läufer ja alle nicht und so etwas muss halt jeder aushalten, der nicht bis zwei zählen kann, eine echte Lehre für das weitere Leben.

Der MIAU-Organisator Bernd Kalinowski, der auch in Leipzig gelaufen war, hatte zwischen den Senftenberger Ultra-Hallenmarathon und den Leipziger Winter! Marathon noch kurz den Senftenberger Hallen-Nachtmarathon eingeschoben, wahrscheinlich, weil auch Bernd nicht bis zwei zählen kann.
Und auch Marco Cych aus Bad Kreuznach lief außer in Leipzig noch in Senftenberg. Die Anzahl der „Verrückten“ nimmt also ständig zu …

In Senftenberg 2011 konnte ich meine Altersklasse gewinnen, 2012 erreichte ich nicht mehr als einen 6. Platz. Aber wer langsamer ist wie im Vorjahr, der kann auch nicht die Ergebnisse des Vorjahres erwarten. Es war mich auch egal, weil ich sowieso im Jänner nur viel Strecke laufen will, damit ich im Februar ohne Sorgenfalten auf das Laufen verzichten kann, wenn ich in Equador auf die hohen Berge wandere.
Und ein Glas der berühmten Spreewald-Gurken und eine Packung breiter Nudeln gab es dennoch für die Läufer.

Was ich aber wirklich unglaublich fand, war, dass selbst einige meiner Pacemaker noch fast eine Stunde nach meinem Zieleinlauf unterwegs waren, humpelnd, gehend, verzweifelt. Der Hallenboden und die Überbauung in den Kurven verlangen Dir schon einiges ab. Manche konnten schon nach 100 der zu laufenden 200 Runden nicht mehr richtig laufen, schoben Gehpausen ein oder änderten ihre Rennstrategie gänzlich auf das Walken oder Gehen.
Einen meiner Pacemaker vom Anfang des Laufs bewuderte ich, weil seine Runden immer exakt 1:30 Minuten lang waren, plus / minus eine einzige Sekunde.Ich lief so lange hinter ihm, bis er beim Verpflegungspunkt abgebogen ist. Später aber ging bei ihm nichts und meine ursprüngliche Annahme, es hier mit einem extrem erfahrenen und kontrollierten Läufer zu tun zu haben, schwand und ich bedauerte ihn, weil offensichtlich wurde, dass er dieses konstante Anfangstempo von exakt 6 Minuten pro Kilometer einfach nicht durchhalten konnte.

So skurril dieser Hallen-Ultra ist, so skurril ist auch die alte Niederlausitz-Halle, die noch den Charme der 70er und 80er Jahre verbreitet. Aber der Lauf dort ist einfach einzigartig, wenngleich man ihn leicht unterschätzen kann. Eine ganz besondere Erfahrung aber ist er auf jeden Fall.
Für mich aber war es nach 2011 der letzte Lauf dort, weil mich die rund 600 Kilometer bis Senftenberg immer wieder nerven.

Zumindest in diesem Punkt kann ich dann doch bis 2 zählen …

Der Kater nach dem MIAU

Es ist bald Mitternacht, irgendwo vielleicht 25 Kilometer vor Innsbruck.
Österreich hat viele wunderschöne Stellen, diese Stelle hier in dem Tal vor Innsbruck gehört sicherlich nicht dazu. Schon gar nicht, wenn es dunkel ist.

„Warum tust Du Dir das an?“ frage ich mich. „Brauchst Du so viel Frust und Pein wirklich?“

Ich habe mich ein paar Mal schon fast verlaufen, aber bisher war das noch akzeptabel. Mein Glück war, dass ich sehr früh gestartet bin, schon um drei Uhr, statt der beiden normalen Starts um 5 Uhr für die anderen und um 7 Uhr für die schnellen Läufer.
Ich war zwar nach der langen Trainingspause nicht so unfit wie ich es befürchtet hatte, aber ich habe zu diesem Zeitpunkt in der österreichischen Nacht längst vom Laufen auf eine Mischung aus schnellem Gehen, meinem gefürchteten Stechschritt, und Laufen umgeschaltet, wobei das Gehen das Laufen immer stärker überwiegt.
Ich weiß genau, dass die Wegmarkierungen über diese Brücke geführt haben, aber jetzt finde ich keinen Weg mehr, keinen Anschluss und ich habe keine Idee, wie es weiter gehen könnte.

Zu meinem Glück kommt mir der Nürnberger Armin Roucka entgegen. Er sucht auch das, was ich nicht finden konnte. Wenn man aber gemeinsam verloren ist, dann beruhigt das ein wenig und wir entscheiden uns, einfach der Bundesstraße 171 zu folgen, einfach Richtung Innsbruck. Keine schlechte Idee eigentlich, wenn da Bürgersteige gewesen wären. Die aber gab es immer nur in den Örtchen, um danach wieder zu verschwinden.


Also laufen wir hintereinander auf der linken Seite, bewaffnet mit einer Sicherheitsweste, dem Kopflicht und der Erkenntnis, dass es so weit nicht mehr sein kann, nicht mehr sein darf.
Wie aus dem Nichts erscheint dann aber irgendwann doch wieder ein Richtungspfeil. Ich könnte jubeln, aber dafür bin ich zu müde und zu kaputt.
Armin lässt sich jetzt wieder etwas zurück fallen, vielleicht war ihm mein Stechschritt zu schnell oder meine immer seltener werdenden Ausflüge ins Laufen. Armin ist schon in einem Zustand, in dem er ausschließlich noch gehen will, es sei ihm gegönnt, denke ich, immerhin ist er zwei Stunden nach mir gestartet.
Vielleicht wollte Armin aber auch nur meiner Konversation entgehen. Oder Ruhe haben.
Der Radweg nach Innsbruck nimmt überraschende Wendungen, die ich glücklicherweise alle sehe. Nur Armin sehe ich nicht mehr und so hoffe ich, dass er diese Tücken ebenfalls erkennt.

Aber irgendwann erwischt es mich doch wieder, das Verlaufstierchen.
Ich schwanke und rate und nehme das Roadbook zur Hand, das, nebenbei bemerkt, extrem schlecht gemacht war.
Aber ich brauche in diesem Moment doch keine Hilfe, weil mir geholfen wird. Eine der Betreuerinnen eines längst vergangenen Verpflegungspunktes sieht mich und erklärt mir, dass ich am einfachsten wieder die Bundesstraße entlang gehen sollte bis zum Kreisverkehr, dort die erste Ausfahrt nach rechts nehmen, dann wäre es gleich bei den „Kristallwelten“.
Es ist weit bis zum Kreisverkehr und es gibt wieder keinen Bürgersteig und so trotte ich vor mir her, versuche, die PKW-Fahrer mir meinem Kopflicht nicht allzu sehr zu stören, hoffe, nicht von den hell aufgeblendeten Fernlichtern irritiert zu werden und beschließe, jeden Autofahrer irgendwann auch einmal anzufahren, der das in den nächsten Stunden mit mir tun will.
Will aber keiner.

Der Kreisverkehr kommt näher, die Ausfahrt kommt, ich frage mich, ob die Ausfahrt für mich eher ein Ausgang ist, ich fahre ja nicht – und ein Auslauf kann es auch nicht sein, weil ich kaum noch laufe und so trotte ich Schritt für Schritt weiter, bis ich ein Schild sehe, auf dem steht: „Kristallwelten“ nach links. Und links sind auch diese „Kristallwelten“, das Imperium der Swarovski-Steine. Ich schaue noch einmal auf dem Roadbook nach. „Gegenüber den „Kristallwelten““ steht da, also hat die Kollegin, die mir vorhin den Weg erklärt hat, diese Abbiegung vergessen.
Ich schlurfe nach links und wieder nach rechts und befinde mich auf dem großen Parkplatz von Swarovski, niemand sonst ist da, vor allem aber kein Verpflegungspunkt. Da glitzert und funkelt auch nichts. Der Parkplatz vor dem Kristall-Imperium ist öde und staubig wie der Parkplatz vor einem örtlichen Bauhof.


Das einzige, was blinkt, ist Daddy Kalinowski, ganz weit hinten, auf der Straße, auf der ich wäre, wenn ich nicht nach links abgebogen wäre. Er hat mich gesehen und so versuche ich, diesen letzten Verpflegungspunkt, den VP7, zu erreichen.
Susanne Alexi war auch da, mal wieder. Und Julia Vieler.
Ein Stück Vertrautheit.
Ich muss im Himmel sein.

Ich nehme nur wenig zu mir, weil ich weiß, dass ich für die restlichen 20 Kilometer noch über 12 Minuten pro Kilometer Zeit hätte, um wenigstens unter de2 24-Stunden-Marke zu bleiben. Da geht noch was, denke ich.
Keine 6er-Zeit mehr, aber so eine 8er Zeit, die sollte schon drin sein. Bis dahin bin ich immer in 5-Kilometer-Einheiten gelaufen und ich habe darauf geachtet, dass ich nie mehr als 40 Minuten dafür gebraucht habe. Auch nicht am Berg, auch nicht, wenn ein Verpflegungspunkt etwas Zeit gekostet hatte.
Auf ebenem und asphaltiertem Geläuf sollte das also möglich sein.

Susanne hilft mir noch, meine Batterien des Kopflichts erst in der Bauchtasche zu finden und dann zu wechseln. Diese Lektion habe ich beim RheinBurgenWeg-Lauf gelernt. Wenn Du versuchst, in stockdunkler Nacht die Batterien zu wechseln, dann bist Du verloren. Nur bei Vollmond kannst Du auf eine zweite Lampe oder einen Lauffreund, der Dir leuchtet, verzichten.

Ein schneller Läufer, wohl einer von denen, die vier Stunden nach mir gestartet sind, begleitet mich ein Stück. Ich weiß nicht wer, ich weiß nicht warum, aber ich weiß, dass mir das sehr gut tut. Nach einer Weile aber ist er vor mir. Mein „Slowtab“ hat ihm wohl nicht gefallen. Und ich musste auch wieder ein paar Schritte gehen.
Er bleibt aber in Sichtweite. Lange.

Genau so lange, bis ich mich wieder verlaufe.
Rechts? Links? Geradeaus? Niemand ist zu sehen, keine Wegmarkierung ist zu erkennen, aber ein Licht. Eine Tankstelle. Dort bekommst Du mehr als nur Benzin, dort gibt es auch Rat.
Drei Männer sitzen dort in dem durch dickes Glas abgetrennten Teil, stark rauchend, um dem Namen dieser Raucherecke Ehre zu machen. Ganz kurz frage ich mich, ob Raucher nur deshalb rauchen, damit sie nicht für eine Viertelstunde zu den Nichtrauchern gehören.
Aber sie sind sehr nett und begrüßen mich wie einen alten Freund, das macht Mut und sie fragen mich, ob ich auch zum „Goldenen Dachl“ will. Da waren wohl schon mehrere auf die gleiche Idee gekommen wie ich.

Aber warum können die Drei nicht einfach eine klare Frage beantworten? Wo, Sacklzementnocheinmal, geht es auf den Radweg nach Innsbruck?
Was ich aber erlebe, ist, dass zwei der drei sich streiten. Der eine will mir wohl den Weg zum Radweg erklären, der andere hat einen viel einfacheren und sichereren Weg, auf den die beiden sich einigen. Sekunden fühlen sich an wie Minuten, wie Stunden gar, bis ich mit der Botschaft aus dem verqualmten Glaskäfig gehen darf, die Straße entlang zu laufen, dann beim „Red Zack“ Elektrohändler nach rechts einzubiegen, anschließend über das Feld auf dem Feldweg zu gehen und dann wäre ich auch schon im nächsten Örtchen.
Dort dann direkt nach links und dann „einfach die Bundesstraße entlang“. Ich wusste es!
Die Bundesstraße 171 nach Innsbruck hat es auf mich abgesehen.


Ich will nur noch nach Innsbruck, will mich nicht erneut verlaufen und so folge ich diesem Rat und der Bundesstraße und spare.
Insgesamt wohl so um die 2 Kilometer, denn meine GPS-Uhr, auf der beim VP7 noch rund 2 Kilometer mehr standen als auf dem Roadbook, zeigt einen Abschlusswert von 159,1 Kilometern, fast exakt das, was im Roadbook als Endstand angekündigt war.

Sogar zwei Polizeistreifen fahren ohne Meckern an mir vorbei, Bürgersteige gibt es wieder hauptsächlich nicht und PKW-Fahrer blenden zwar für entgegen kommende PKWs ab, nicht aber für entgegen kommende Läufer. Vielleicht tun sie das nicht, weil der PKW Fahrer sich mit seinem Fernlicht rächen könnte, mein Kopflicht vermag so viel Licht nicht herzugeben.
Ich bin im Tran, als ich in Innsbruck ankomme, ich fühle mich ausgelaugt und leer. Stolz sieht anders aus.

So viel zum Kater nach dem MIAU.

Selbst laufen?

(Klicken zum Vergrößern ... )

„Halte Dir ja den 3. September frei,“ sagte „Eule“ zu mir.

„Eule“ ist ein lieber und auch recht schneller Lauffreund aus Altenahr, der aber, bis ich ihn mit nach Luxemburg zum „Trail Uewersauer“ mitgenommen hatte, noch nie über die Grenze des Marathons gelaufen war. Überhaupt waren ihm Gedanken an Entfernungen jenseits der Marathon-Markierung fremd, fast sogar suspekt.
Und dann lief er einen – und jetzt organisiert er einen.
So kann es gehen …

„Eule“ ist ein interessanter Typ. Er ist einer der wenigen, die es geschafft haben, ihren kultivierten Spitznamen sogar ins Telefonbuch zu bekommen. Vorname: „Eule“ steht da, den richtigen Vornamen kennt er wahrscheinlich selbst auch nicht mehr.
Gerne gehe ich mit ihm zum Laufen, ob nun auf einen Wettkampf, wo er mir immer schon das Finisher-Getränk anreichen kann, bis ich im Ziel bin oder einfach auf eine der schönen Trainingsstrecken rund um das wunderschöne Städtchen Altenahr.
„Eule“ wiederum verfolgte meine Ultra-Läufe zuerst mit Argwohn, später dann mit Interesse und irgendwann, da bin ich mir sicher, wird auch im der Marathon alleine nicht lang genug sein, spätestens dann, wenn er irgendwann langsamer wird.

„Wir haben extra eine Strecke oberhalb der Marathon-Grenze ausgesucht – für Dich. Und für Deine Freunde. Informiere die bitte alle darüber!“ Lieber „Eule“, das tue ich hiermit gerne.

Gestartet wird dort, wo wir („Eule“, die anderen Altenahrer Läufer der Laufgruppe „Selbstläufer Altenahr“, meine Gabi und ich) in der Sylvesternacht von oben auf das Altenahrer Feuerwerk sehen konnten, wo wir bei einem schönen Buffet und guter Stimmung im Kreise dieser Alt-Achtundsechziger das neue Jahr willkommen geheißen haben, an der Martinshütte bei Altenahr.
Wenn an diesem Abend in diesem Kreis ein Meinungsforscher nachgefragt hätte, dann hätte es wohl nach einer Zwei-Drittel-Mehrheit für „Die Grünen“ ausgesehen.

Viele Vegetarier waren da, Veganer, aber dennoch gab es auch „totes Tier“ auf dem Buffet, eine sensationellen Weinkollektion, natürlich von der Ahr, natürlich von einem Läufer, der ein recht großes Weingut hat und ein ganz besonderes Händchen für Kuvees hat, es war als farbenfroh, aber mit Tendenz grün.
Und so grün sollen auch diese Läufe sein, vom Schülerlauf angefangen bis hin eben zu dem einzigen Lauf, der uns interessiert, dem 47K Ultralauf.

Hügelig wird es sicher sein, dort geht es ja auch nicht anders, aber eben nicht bergig, das geben die Weinberge aus Schiefergestein nicht her. Ich selbst kenne keine Streckenführung, aber ich bin sicher, dass „Eule“ genau weiß, was wir Läufer wollen. Es sollte also trailig sein, viel durch den Wald gehen, nur wenige Straßenetappen haben – ich bin sehr gespannt, wie diese Wünsche berücksichtigt werden.

Die „Selbstläufer Altenahr“ sind eben auch die Organisatoren dieser Läufe, die für ganz kleines Geld (der Ultra kostet auch nur Mitte 20 EUR) bestimmt ein ganz großes Event starten. Es ist immer gut, wenn die Organisatoren eines Laufs selbst Läufer sind, die wissen dann, was wir für unsere zarten Körper brauchen.
Und bei so vielen Argumenten für das Laufen am 3. September 2011 werde ich dann wohl dort auch selbst laufen müssen.

Ach ja, Anmeldungen? Gerne über mich, die Webseite gibt noch nichts her …

Irgendwie schräg, der Lauf …

Senftenberg ist weit weg. Senftenberg ist vielleicht die am weitesten entfernte Stadt Deutschlands für mich, weiter als Berlin, weiter als Dresden, eben irgendwo dazwischen zwischen diesen beiden aufregenden Landeshauptstädten.
Wer baut denn so eine Stadt irgendwo ins Niemandsland, so weit weg von jeglichen attraktiven Reisezielen, fast direkt an die Grenze zu Polen? Das ist doch eine echte Fehlplanung, oder?

Senftenberg, sorbisch Zły Komorow, ist eine Mittelstadt im Süden Brandenburgs in der Niederlausitz. Sie ist Kreisstadt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz und befindet sich an der Schwarzen Elster sowie am Senftenberger See, der einer der größten künstlich angelegten Seen Europas ist.
Senftenberg
hat viel Braunkohle, aber die hat nach der Wende 1990 ihre Bedeutung verloren und Senftenberg hat eine alte, große Sporthalle, die Niederlausitz-Halle. Und in der verstecken sich so manche Geheimnisse.


Schöne Dinge, die man von draußen nicht sehen darf:
Richtige Gästezimmer in alter DDR-Manier beispielsweise, riesengroß, sehr preiswert (14 EUR inklusive Frühstück) und zum Zwecke der Volksüberwachung extrem hellhörig, aber auch recht nett.
Und eine weiche und federnde Tartanbahn, die in den Kurven nach oben stark angeschrägt ist und die exakt 250 Meter misst.

Die Geheimnisse, die sich auf dieser Tartanbahn abspielen, sind eine Reihe von Laufveranstaltungen an einem Wochenende, Läufe von 3.000 Metern bis hin zum Ultra-Marathon, wobei der normale Marathon, der Nachtmarathon und vor allem eben der 50 Kilometer Ultra-Marathon die Höhepunkte sind.
Und weil die ganz Eifrigen unter uns Läufern, die, die in ihrem Köpfchen noch eine Schraube mehr locker haben als wir anderen, sich nicht entscheiden können, welchen Lauf sie machen sollen, machen sie halt einen Marathon am Samstag und dann den Ultra-Marathon am Sonntag.
Sigrid Eichner, die aktuelle Weltrekordhalterin in absolvierten Marathons bei den Frauen, ist eine davon. Dabei hat sie noch richtig Glück gehabt, weil sie fast nicht starten durfte. Streng bürokratisch wollte man ihr am Empfang den Start beim Ultra-Marathon verweigern, weil sie nicht vorangemeldet war. Ein paar klärende Worte mit dem Veranstalter haben sie aber dann doch wieder auf die Tartanbahn gebracht.
Wenn ich mir vorstelle, nach dem Ultra-Marathon noch einen Marathon laufen zu müssen …
Nee, Kinder, was man sich doch alles antut, um glücklich zu sein … !

Ganz bestimmt tut man das aber nur, weil die Musik, die während des Laufs gespielt wird, uns alle daran erinnert, dass wir vor 30 Jahren, als diese Musik noch jung war, auch noch jung, schnell und spritzig waren. Da liefen Titel wie „Kung Fu Fighting“ und alte Hits der ABBA, Lieder also, die wir alle zwar gerne hören, das aber nur heimlich tun, damit niemand uns in die entsprechende Altersklasse steckt. Und zugeben, dass wir diese Musik gelegentlich gut finden, würden wir niemals. Das wäre ja fast so, als wenn wir auf eine „Ü30“ Party gehen würden!

Aber was heißt es, hier einen Ultra-Marathon zu laufen? 50 Kilometer, genau wie in Rodgau. Flach, noch flacher als in Rodgau, außer natürlich in den Kurven. Nicht allzu weit, gemessen an anderen Ultra-Veranstaltungen, aber irgendwie doch anders als in Rodgau.
Hier sind es nicht 10 Runden wie in Rodgau, sondern es sind eben mal 200 Runden. 200 Runden! Wenn ich Eier in der Schüssel schaumig schlage, dann erleben die keine 200 Runden …
Irgendwie schräg, der Lauf – und das nicht nur wegen der überbauten Kurven.

Wenn Du so einen Lauf machst und ihn einigermaßen ambitioniert angehst, dann wirst Du immer wieder einige Läufer überholen. Und das Überholen in der Kurve ist am Anfang noch lustig, dann aber wird es lästig, dann ärgerlich und am Ende überholst Du nur noch  auf den beiden Geraden, weil das ständige „auf die höher gelegenen Bahnen laufen“ anstrengend ist. Du liebst es anfangs, Du hasst es am Ende.

Ich hatte mich während des Laufs einer Lady angeschlossen, Kerstin Wohlgemuth aus der Oberlausitz – Niederschlesien, die von Ihrem Trainer sehr genau auf das für sie optimale Tempo eingestellt wurde, bei jeder der 200 Runden gab er seinen Kommentar zur aktuellen Geschwindigkeit. Beste Voraussetzungen für einen guten Lauf, dachte ich.

Aber die Lady, die am Ende Platz 2 in der Damenwertung und Platz 1 in der Alterswertung „W55“ belegte, war mir zu schnell. Ich dachte anfangs, sie läuft auf „sub 4:30 Stunden“, das hätte ich mir vielleicht noch zugetraut, Sie lief aber „sub 4:20 Stunden“, eindeutig nicht mein Laufniveau.
Von Runde 25 bis 100 lief ich mit ihr, dann aber habe ich mich etwas zurück fallen lassen, um mir dann auf den folgenden 100 Runden ständig zu sagen, dass 2:10 Stunden für die erste Hälfte einfach zu schnell für mich waren, eine deutlich schwächere zweite Hälfte folgte, als Strafe gewissermaßen. Aber es hat Spaß gemacht, anfangs mit Kerstin so konstant zu laufen.

Der Veranstalter hat mir vor dem Lauf schon gesagt, dass die weiche Tartanbahn die Bänder und Sehnen besonders stark fordern würde und ich muss feststellen, dass diese Vorhersage nicht ganz falsch war. Vor allem zwischen den Runden 150 und 170 hatte ich ein riesiges Motivationsloch und ich bin froh, dass sich das dann irgendwann wieder gegeben hat.
Aber die Oberschenkel brannten und ich konnte einfach keine großen Schritte mehr machen, das Tempo fiel kontinuierlich ab und so brauchte ich für die zweiten 100 Runden 2 Stunden und 36 Minuten, fast eine halbe Stunde länger als für die erste Hälfte!
Ungeheuerlich eigentlich, aber ich hatte keine Lust, mich da zu quälen. Schade eigentlich, so im Nachhinein betrachtet …

Versteckt unter der hohen Hallendecke blieb dann auch, dass ich dort in Senftenberg zum ersten Mal meine Altersklasse gewonnen habe – ich wollte es erst gar nicht glauben. Vor allem wollte ich nicht glauben, dass man mich in der Klasse „M50“ führt. Wie kommen die denn auf so etwas? Ich bin doch kaum älter als Ende 30, höchstens Anfang 40 !!!
Aber wenn man die Altersklasse gewinnt, dann ist man auch bereit, in der Klasse „M50“, „M60“ oder noch älter zu starten.


Als ich also nach rund 4:46:32 Stunden endlich über die Ziellinie lief (zum zweihundertsten Mal an diesem Tag!), rief der Moderator, dass eben der Sieger der „M50“ eingelaufen sei. OK, es war nur eine kleine Gruppe von Läufern in der Klasse „M50“ vertreten, aber immerhin, ich fand es toll und war stolz auf mich.
Und so ganz nebenbei habe ich meine persönliche Bestzeit auf 50 Kilometer auch noch dramatisch verbessert, um ganze 22 Sekunden! Das ist dann auch ganz anders und viel besser als in Rodgau.

Schade, dass die Hallendecke der Niederlausitz-Halle auch dieses Geheimnis für immer bewahren wird.

Die Grafschafter Presse über die TTdR

TorTOUR de Ruhr: 230 Kilometer nonstop auf dem Ruhr-Radweg

(Klicken zum Vergrößern!)

Mancher, der 230 Kilometer mit dem Auto zurücklegen will, plant eine Ruhepause ein, nimmt ein paar belegte Brötchen mit und hofft, dass das Auto keine Panne haben wird.
Der Grafschafter Ultraläufer Thomas Eller lief diese Strecke mit 38 weiteren Extremläufern.

Gestartet wurde bei Winterberg an der Quelle der Ruhr und die 39 Läufer folgten dann stets dem Ruhr-Radweg. Insgesamt wurden 23 Städte und Gemeinden durchlaufen, darunter waren die Städte Olsberg, Arnsberg, Schwerte, Hattingen, Essen, Mülheim/Ruhr und Duisburg. Begonnen hat der Lauf am Samstagmorgen, den 22. Mai um 8 Uhr, Zielschluss war am Sonntag, 23. Mai um Mitternacht.
In Duisburg Rheinorange, wo die Ruhr in den Rhein mündet, kamen 23 Läufer an, 16 Läufer schieden aus, die Erste schon nach 69 Kilometern, die beiden Letzten nach 181 Kilometern.

Die brütende Hitze an diesem Wochenende erschwerte den Läufern den langen Lauf zusätzlich und der Umstand, dass nahezu alle Läufer sich wenigstens ein Mal verlaufen haben, demoralisierte einige Läufer zusätzlich.

Eller kam nach einem langen Umweg 34 Minuten vor dem Zielschluss als 19. Läufer ins Ziel. „Ich habe noch mindestens zwei Stunden durch das Verlaufen verloren,“ sagte Thomas Eller. „Aber wer fragt danach? 230 Kilometer am Stück ist mein neuer Rekord bei Nonstop-Läufen und nur das zählt!“

Daran, wie schön der Ruhr-Radweg ist, denkt Eller noch immer und irgendwann will er den Radweg auch mal auf dem Fahrrad erfahren. Besonders der Teil in und um Essen herum hat dem Grafschafter Läufer gut gefallen. „Am Baldeneysee war die Hölle los,“ so Eller. „Bei dem sonnigen Wetter waren die Wege rund um den See voll mit Wanderern, Inlinern, Bootfahrern, Sonnenanbetern und Biergarten-Genießern.
Immer in Erinnerung wird Eller bleiben, wie interessiert die Fahrradfahrer auf dem Ruhr-Radweg an den Läufern waren. Die häufig gestellte Frage: „Wie viele Kilometer haben Sie denn schon hinter sich?“ wurde stets brav beantwortet, die Antwort: „210 Kilometer habe ich jetzt, noch 20 Kilometer und ich bin im Ziel!“ wurde aber nicht von jedem geglaubt.
Andere, die sich schon über die Webseite www.tortourderuhr.de über diesen längsten Nonstop-Ultralauf Deutschlands erkundigt hatten, waren von den Läufern fasziniert. Manche haben auch davon geträumt, wie es wäre, so etwas „Verrücktes“ auch einmal selbst zu machen.