UTMB für Runaways …

.
.
Wenn ein Engel herunter geschwebt kommt vom großen Berg, in diesem Falle vom Weiler Bovine, und wenn Dir dieser Engel dann ein Geschenk anbietet, dann musst Du dem Himmel oder dem Wahnsinn nahe sein …

„Nein, ich gehe auf keine Finisher-Zeit,“ sagte ich Tom Dörner. Schlimm genug, dass er gewonnen hat!
„Ich setze 50 EUR auf Deinen Start,“ hat er gesagt. Aber niemand hat dagegen gehalten, auch ich nicht. Die Oberschenkel fühlten sich noch bis Donnerstagmorgen an wie feste Schienen, erst die Wanderung mit Uwe Herrmann zum „Refugio Belle Lachat“ lockerten sie auf. Aber die Knie und die Kniescheiben wackelten wie Pudding herum. Und richtige Lust zu starten hatte ich eigentlich auch nicht.
Eher war es die Überlegung, nichts mit mir anfangen zu können, wenn alle beim CCC oder UTMB laufen und ich ziemlich alleine im „Deutschen Haus“ herum lungere. Und wieder nur surfen? Facebook, bis die Fingerkuppen qualmen? Nein, dachte ich, dann doch lieber laufen gehen!
UTMB
Die Organisatoren hatten mir mit ihrer Mail am Donnerstagnachmittag die letzten Sorgen genommen, nicht starten zu dürfen. „Wer sich noch nicht eingeschrieben hat, der möge es morgen früh ab 9.00 Uhr bitte tun!“ Also tat ich es.
Es war leichter als befürchtet. Niemand fragte mich wegen des Starts beim PTL, wie auch, bei 2.300 Startern? Aber wenn man die Einschreibeprozedur des PTL hinter sich gebracht hat, dann stellt man fest, das die gleiche Prozedur beim UTMB ein Vielfaches an Zeit benötigt. Alles wird detailliert kontrolliert. Und Du läufst von Pontius nach Pilatus, um erst einen Schein zu erhalten mit Deinen Daten, dann die Materialkontrolle über Dich ergehen zu lassen, das Bändchen für das Handgelenk zu erhalten, das Plastikfähnchen an den Rucksack zu bekommen, die Startnummer und das Starterpack zu erhalten, das Starter-T-Shirt ausgehändigt zu bekommen und noch das nette Sackerl des UTMB für Deine Abfälle abzugreifen, das dann an Deinen Rucksack montiert werden soll.
Mir hätte die Startnummer und das strahlend blaue Starter-T-Shirt schon genügt. Aber das Shirt war schon sehr, sehr wichtig.
Nach den guten Jahren 2009 und 2010 gab es ja manche Geschmacksverirrung im Starter-T-Shirt Design, 2013 aber ist das Shirt wieder ein Traum. Gut, dass ich zwei Mal gestartet bin. Zwei Starts – zwei Shirts, so gehört sich das!

Der 4er Club der UTMB-Starter des „Deutschen Hauses“ setzte sich schon um 14.30 Uhr Richtung Startlinie in Bewegung. Na ja, eigentlich war es gar kein 4er Club, eher ein 2x2er Club. Zwei Rennhasen, Axel, der am Ende eine unglaubliche Zeit abliefern sollte und Gerald auf der einen Seite und zwei Rennschnecken, Marius, der sich selbst wegen seiner Knieprobleme nur eine 50%-Chance gegeben hatte, das Ding zu finishen und ich auf der anderen Seite.
Und wir warteten geduldig vor dem Start auf dem Boden sitzend. Selbst hier wurden manche noch stichprobenartig auf die Vollständigkeit der Pflichtausrüstung kontrolliert. Na ja, alles, was ablenkt, ist gut und hilft, dass die Zeit schneller vorbei geht.
Aber das zog sich hin und erst vielleicht 15 Minuten vor dem Start, alles stand natürlich schon wieder, begann das Kribbeln im Bauch, die Nervosität und der Wille, dieses Ding auch ein zweites Mal zu finishen.

Ich hasse eigentlich die zweiten Läufe.
Bei der TorTOUR de Ruhr hatte ich 2010 die 230 K finishen können, trotz großer Hitze und immenser Schmerzen. 2012 hat wieder etwas weh getan und dann war nach 100 Kilometern Schluss für mich. Nein, Jens Vieler, das passiert mir nicht noch einmal! 2014 musst Du mich wieder im Ziel bei der berühmten Stele empfangen.
Beim KoBoLT konnte ich in der ersten Edition bei klirrender Kälte finishen, ein Jahr später hatte ich schon nach 35 Kilometern mehr Lust, mit Günther Brun Bahn zu fahren und zu quatschen.
Wahrscheinlich ist es das: beim ersten Mal bist Du bis in die Haarspitzen motiviert und Du willst Dir beweisen, dass Du es kannst. Beim zweiten Mal weißt Du, dass Du es kannst. Die Frage ist nur, ob Du es wirklich noch einmal willst.
KarteAber den UTMB wollte ich wirklich noch einmal. Spätestens als „die Musik“ spielte, als sich die 2.300 Läufer in Bewegung setzten und Du gefeiert wurdest wie ein Star. Der Start beim PTL war schon „Emotion pur“, der Start beim UTMB 2013 war einfach unbeschreiblich. Ich würde mich immer wieder dort anmelden, nur, um diesen Start erleben zu dürfen. So viel Gefühl, so viel Begeisterung!
Mit einem Mal sind alle Gedanken an das, was zu Hause an Problemen auf Dich wartet, weg geblasen und Du bist beseelt von dem Wunsch, die Vorschusslorbeeren, die diese Menschen Dir auf den ersten zwei Kilometern gegeben haben, auch wirklich zu verdienen.
Ich hätte den Menschen in Chamonix nicht mehr in die Augen sehen können, wenn ich dieses Rennen ohne triftigen Grund nicht gefinished hätte. Zudem kam dazu, dass schon die ersten Finisher des TDS im Ziel waren. Und die hatten die Weste!
Die Weste des UTMB ist ja eines der am besten gehüteten Geheimnisse dieser Welt. Selbst die Nachfrage bei der NSA hilft da kaum weiter. Aber spätestens, wenn der erste Finisher des TDS im Ziel ist, ist das Geheimnis gelüftet. Und dieses Jahr war das Geheimnis rot! Strahlend rot!
Die Weste passt so schön zum strahlend blauen Starter-T-Shirt! Es ist einfach wunderbar.

Ich begann locker trabend, aber etwas zügiger als 2009. Aber ich hatte immer eine kleine Bremse im Kopf. So viele machen sich schon auf dem Weg nach Les Houches kaputt. Aber was kannst Du auf den ersten 7,6 Kilometern denn gewinnen? Vielleicht 10 Minuten. Aber was kannst Du hinten heraus verlieren?
Das gilt auch für den ersten Abstieg. Abstieg ist da eigentlich nicht der richtige Ausdruck, Abfahrt trifft es besser. Es ist eine ordentlich steile Skipiste, die ich im Winter wohl kaum ohne Päuschen durchfahren würde. Aber bergab laufen scheint ja so einfach zu sein. Und viele, so viele, sind ohne Rücksicht auf Knie, Oberschenkel oder sonstige Verluste da runter gespurtet, als gäbe es kein morgen mehr, keine weiteren vielleicht 150 Kilometer!

Ansonsten gibt es wenig zu schreiben über diesen Lauf bei mir. Das rauf und runter schien weniger als 2009 zu sein, vielleicht weil 9.600 Höhenmeter heute nicht mehr so gewaltig klingen wie damals, vielleicht auch, weil nach den Erlebnissen des PTL die „Bergautobahn“ des UTMB mehr dem Auslaufen als dem Anstrengen zu dienen schien.
Und alles war gut – bis kurz vor Courmayeur.

Ich war ja auch bestens vorbereitet. Als ordentlicher Trail-Maniak hatte ich auf neue Stöcke gesetzt, auf die leichtesten, die es zurzeit gibt, auf die FIZAN-Stöcke. Sie kamen gerade noch rechtzeitig vor meiner Abreise nach Chamonix, schade, dass ich sie heute nicht mehr habe. Aber dazu später.
Und ich habe mich ja dem Fanclub der CLIF BARS angeschlossen, das schrieb ich ja hier an dieser Stelle nach dem Pitztal Gletscher Marathon schon. Und weil ich ja ursprünglich vorhatte, vor dem UTMB erst ein paar Bergtrainingstage einzulegen, habe ich von den fünf leckeren Sorten jeweils vier CLIF BAR Riegel mit nach Chamonix gebracht.
Und zuletzt hatte ich vor allem für die zweite UTMB-Nacht bei unser aller „Dealer“, dem großartigen Rolli von WAT LÄUFT, einige Ampullen des Wachhalters Activator aus dem Hause Sponser bestellt. Da ist so ziemlich alles drin, was mit -in aufhört: Koffein, Taurin, … auch eine gute Wahl, die ich schon in den beiden Nächten des PTL getestet hatte.

Aber auch FIZAN-Stöcke haben so ihre Grenzen. Kurz vor Courmayeur auf dem schmalen Waldweg runterwärts, gar nicht an einer extrem steilen Stelle, sondern eher in einer gemäßigten, die Gedanken schweiften ab, ich fragte mich, ob Eric Tuerlings vielleicht dort zu Besuch wäre, da fädelte ich an einer Wurzel ein, stolperte und konnte mich nicht mehr fangen. Ich sah einen großen Baum auf mich zukommen und drehte ab, den Abhang hinunter. Dort fiel ich dann auf den Rücken, zum Glück durch den Rucksack abgefedert. Und da lag dann ein abgesägter Baumstamm. Es ging alles so schnell und instinktiv. Ich stoppte mit dem linken Fuß an dem Baum, schüttelte mich, zählte meine Extremitäten, alle waren noch da. Nur einer der Stöcke fehlte. Nach knapp der halben Strecke und als passionierter Stöckeschieber musste ich auf einen Stock verzichten. Mehr noch als die Wunde am Rücken, die ich in Courmayeur versorgen ließ, schockierte mich diese Situation und der Verlust enorm und bremste mich auf Stunden ein.
Du glaubst gar nicht, wie vielen Läufern ich danach erklären musste, warum ich nur einen Stock dabei hatte!
ProfilAus Courmayeur heraus lief ich auf Gabi Kenkenberg auf und wir beide beschlossen, lange Zeit zusammen zu laufen. Für Gabi, die auf ebenen Strecken sämtliche Rekorde dieser Welt knacken kann, war es nach dem CCC im Vorjahr der erste wirklich lange Berglauf und ihr ging es sichtlich schlecht. Mir auch, aber eher wegen des Sturzes. Mittlerweile wurde ich beim Kopf drehen immer wieder an den Sturz erinnert, der Nacken tat weh, der Rücken schmerzte und ein Stock war weg.
Und Gabi und ich trabten und trotteten die Berge rauf und runter.
Am einem sonnenbeschienenen Berg ohne Büsche und Bäume, dafür mit hohen Temperaturen, großer Müdigkeit und sinkender Motivation, ich glaube, es war der Grand Col Ferret, mit 2.537 Metern höchster Punkt des UTMB, konnte und wollte ich Gabi nicht mehr halten. Ich musste ein paar Minuten ruhen, mich die Wege hinauf quälen und ich hatte das Gefühl, dass mich in dieser Phase Hunderte anderer Läufer überholten. Aber dann war ich auch dort oben und – alleine.

Immer, wenn es rauf ging, kannst Du Dir sicher sein, dass es auch wieder runter geht. Und dann auch wieder rauf. Verpflegungspunkte gibt es zu Hauf beim UTMB, Höhenmeter auch. Und irgendwann kam der Berg, an den ich mich nur mit Grausen erinnern kann. 2009 war der Bovine richtig schwer und steil, enorme Steinstufen waren zu überwinden. Nach einem Regenjahr schrieb Rainer Wachsmann über diesen Berg einmal, er sei „Körperverletzung“. Und dieser Berg kam. Ich habe mir vorher noch in einem Vorsorgungszelt die sich anbahnenden Blasen am linken Fuß versorgen lassen, dabei hatte ich auch den anderen Stock versehentlich stehen lassen. Jetzt war ich also komplett auf mich alleine gestellt. Und das vor dem Bovine.
Die Organisatoren hatten ja schon geschrieben, dass es den Versorgungspunkt auf dem Bovine nicht mehr geben würde, man solle sich essensmäßig und von den Getränken her doch darauf einstellen. Aber direkt vor dem Berg standen drei vielleicht 8-jährige Mädchen, die Spaß daran hatten, die Läufer mit Wasser zu versorgen. Ein kleines Wunder, eines von zweien, das diesen Berg zu meinem Freund werden ließ.
Und als ich die ersten Meter nach oben gelaufen war und den Berg als wesentlich unproblematischer erlebt hatte, kam Engel Gabi Kenkenberg mit einem japanischen Läufer von oben. Sie hatte ein schmerzverzerrtes Gesicht und erzählte mir, dass der Rumpfbeuger nicht mehr mitspielen würde. Sie müsste hier und jetzt aussteigen.
Und sie fragte mich, ob ich mir ihre Stöcke ausleihen wollte! Das zweite Wunder des Bovine. Aber klar doch, nur mal her damit.
Bis dahin dachte ich immer, dass Engel weiße Flügel haben, es gibt sie aber auch in einer Läufer-Edition.

UTMBNun, wieder mit Stöcken, war der Bovine ein eigentlich einfacher Berg. Aber ich schickte bei den nächsten beiden Abstiegen ein Stoßgebet nach oben. Abstiege ist dabei eigentlich nicht das richtige Wort für die Strecken runter nach Trient und nach Vallorcine, die Dinger sind so steil und so wenig griffig, dass Du wirklich froh bist, dass Du Stöcke hast und irgendwann tatsächlich unten bist. Welcher Landschaftsarchitekt sich bei der Planung und dem Bau dieser Berge eine solch üble Passage ausgedacht hat?

Trotzdem war ich dann froh, in Vallorcine zu sein. Seit dem Aufstieg zum Catogne war ich auch nicht mehr alleine gewesen. Jörg, ein Schweizer, kam mir auf dem Weg nach oben entgegen. „Was machst Du denn?“ fragte ich ihn. Und er antwortete vergeistigt, dass er müde wäre, aufhören würde und in Trient schlafen würde. Ich redete auf ihn ein wie auf ein unartiges Kind. „Nein,“ sagte ich, „das machst Du nicht. Du gehst jetzt mit mir auf den Berg, dann wieder runter und schläfst in Vallorcine. Du hast mehr als genug Zeit für das Laufen und das Schlafen.“ Jörg folgte artig. Oben dann, auf dem Berg, war ich froh um ihn, weil ich so müde wurde, mich immer wieder auf die Stöcke stützen musste und in Trance irgendwelchen Blödsinn erzählte. Mehr lallen als ich dort kann auch kein halbwegs ambitionierter Alkoholiker.
Später dann, in Vallorcine, war Jörg dann nicht mehr müde. Schlafen wollte er nicht mehr, also sollte es gleich weiter gehen. Aber Schweizer sind ja eher gemütlich. Bis wir uns wieder weiter bewegt hatten, das dauerte. Und ich hatte mir ausgerechnet, dass wir mein eigentliches und erstes Ziel, die Strecke unter 40 Stunden zu bewältigen, erreichen konnten. Aber Jörg war langsam. Für einen, der in 24h 230 Kilometer laufen kann, der den Halbmarathon in unter 1:30 Stunden ablaufen kann, war er doch sehr, sehr langsam. Ich blieb das flache Stück bis zum Col des Montets bei ihm und dann wurde es wirklich steil. Die üblen Steinstufen waren an diesem Berg, nicht da, wohin meine Erinnerungen sie gepackt hatten.

Aber Dank des Geschenks des absteigenden Engels war ich schnell und ich nahm keine Rücksicht mehr auf den immer langsamer werdenden Schweizer. Ich wollte sicher gehen, unter 40 Stunden einzulaufen, da durfte ich kein Risiko mehr eingehen. Rauf auf den Tete aux Vents, immer in Gedanken an das Jahr 2009, wo ich diese Strecke im Sonnenschein mit Lars Schläger hochgestiefelt bin. Ich wusste noch, dass Du da immer denkst, gleich oben zu sein. Und wenn Du dann scheinbar oben warst, dann ging es noch weiter und noch weiter …
Oben überholte ich noch eine Gruppe Läufer und dann begann ich diesen Berg zu hassen. Eine Steinwüste, nichts war mit Laufen oder Tempo machen, es ging Ewigkeiten von großem Stein zu großem Stein und die Zeit verrann. Noch eine Kontollstelle, noch ein Versorgungspunkt, noch zwei kleinere Anstiege. Und dann ging es abwärts.
Meine Füße, mittlerweile von drei Rot-Kreuz-Leuten begutachtet, waren voller Blasen und schmerzten wie noch nie. Tausend Gründe, langsam zu machen. Aber ich hatte kaum mehr als 38 Stunden auf der Uhr und es waren vielleicht noch 9 Kilometer abwärts, vielleicht noch 10 Kilometer. Vielleicht geht da noch was, die 39 Stunden-Marke schien erreichbar.
Blasen hin, Schmerzen her, der letzte Abstieg darf schmerzen!
Wenn Du drin bist, dann gibt es keinen Berg mehr, Du brauchst keine Reserven mehr. Und so lief ich Trail. Wie ein Trail-Maniak so schnell, wie ich Trails eigentlich nie laufe. Und ich überholte einen Läufer nach dem anderen. Da waren zügige Läufer dabei und Läufer, die sich kaum mehr bewegen konnten. Und vor mir war ein guter Trail-Läufer. Er machte die Geschwindigkeit, ich folgte auf Abstand.
Es war die vielleicht schönste Dreiviertel Stunde meines Lebens. Wir rasten gemeinsam den Wald-Trail hinab, passierten alle und jeden, Läufer, die ehrfürchtig zur Seite gingen, als sie uns anfliegen hörten. Und dann kam der letzte Abschnitt vor Chamonix, die breite Waldautobahn.
Der Trail-Läufer vor mir, ein Franzose, war mir auf der Autobahn vollkommen unterlegen. Ich zündete den Turbo, genau an der Stelle, wo ich 2009 nur noch tippeln konnte und ich rannte und rannte und rannte. Ich ließ ihn einfach stehen, überholte einen weiteren Läufer, der es mir sehr schwer machte und dann kam die Straße.
Und die Staße in Chamonix ist lang.
Ich hatte mittlerweile Zeiten von 4:30 Minuten pro Kilometer, aber ich wusste nicht, wie weit es noch war. Und da kam dann der erste Bogen.
Unmittelbar ein paar Meter vor dem Bogen überholte ich noch einen Italiener und ich sah den Zeitnahmebalken unter dem Bogen. Und ich bekam ein schlechtes Gewissen.
Überholen nach 168 Kilometern fünf Meter vor dem Bogen gehört sich nicht. Also stehen bleiben, die Hand des Italieners greifen und gemeinsam durch das Tor laufen.
Trail-Maniak_LogoAber er korrigierte mich und sagte, dass das erst der Vorbogen wäre. Noch ein weiterer Kilometer! Und er schickte mich los und ich gab wieder Gas. Rechts an der Strecke stand Julia, unser Trailschnittchen und feuerte mich an. Und ich rannte und rannte und rannte wie noch nie nach 100 Meilen. Als die 39 Stunden um waren war ich gerade beim Hotel Alpina und es ging nach rechts ein paar Meter bergauf.
Die Luft war jetzt leider ein wenig raus, also ein paar Meter gehen und verschnaufen. Und dann wieder gebremst Fahrt aufnehmen. Die Fußgängerzone entlang, nach rechts Richtung Start-/Zielbogen und dann nach 39:03 Stunden richtig glücklich rein.

Es hat gar nicht weh getan, das mit den drei Minuten. Ich freute mich, fühlte mich wie im „7. Himmel“, ich wollte endlich meine strahlend rote Weste haben und ich wartete noch ein Weilchen auf andere Läufer.
Ich war tatsächlich richtig glücklich. Die Füße schmerzten zwar sehr, aber der Verstand war so klar und rein wie der Morgen. Trailschnittchen kam, wir warteten noch auf den Einlauf von Marius aus dem „Deutschen Haus“ und dann gingen wir gemeinsam nach Hause.
Erst duschen, dann frühstücken.
Tränen rollten auf dem letzten Weg zum „Deutschen Haus“ mal wieder über meine Wangen, aber es war einer der schönsten Momente meines Lebens.
Nach dem Abbruch beim PTL hatte ich mir doch noch eine Weste erlaufen können. Und nur für diese Weste laufen wir ja.
Ich glaube, ich ziehe sie nie wieder aus …

UTMB Abschlussfoto  3

(klicken zum Vergrößern …)

Das Deutsche Haus in Chamonix

„There was a house in Chamonix, they called the German House …“
Deutsches Haus Als ich 2012 für The North Face ein wenig über deren Läufer und meinen alten Trans Alpine Run – Laufpartner Heiko Bahnmüller schreiben durfte, lernte ich zuerst Judy Ng, die für Denis Wischniewski’s Trail Magazin schrieb und dann ihren Lebenspartner Thomas Bohne kennen. Thomas ist ein junger und sehr schneller Läufer, auch in der unsäglich nassen Nacht von Chamonix 2012. Und Judy, Thomas und ich verstanden uns spontan ausnehmend gut.
Anschließend blieb ich den beiden über das Blog www.thomasbohne.com verbunden und las da von mancher Verrücktheit, vom Laufen im Land von Dschingis Khan, vom Projekt Rim2Rim2Rim, das Thomas von der Südseite des Grand Canyon (South Kaibab Trail) quer durch denselben auf die Nordseite (North Kaibab Trail) und wieder zurück (Bright Angel Trail) geführt hat. Außerdem gibt es dort Berichte über „Hong Kong – zu Fuß in China“ und über Trailrunning in Beijing. Lauter interessante und außergewöhnliche Themen also. Ein wirklich lesenswertes Blog.
DHAußergewöhnlich war auch die Idee der beiden, mitten in Chamonix ein „Deutsches Haus“ einzurichten. Mit der Unterstützung des Trail Magazins, von Patagonia, Erdinger Weißbier Alkoholfrei und 4Deserts.com wurde also ein großes Chalet gemietet, in das sich deutsche Athleten und Medienvertreter einmieten konnten. Und ich war wohl der erste Läufer, der dafür zugesagt hatte. Dabei ging es den beiden darum, eine Anlaufstelle für die doch relativ wenigen vor Ort weilenden deutschen Teilnehmer zu schaffen. Eben so, wie man es beispielsweise auch von den Olympischen Spielen kennt.

Ich wusste anfangs noch nicht, wer sonst noch alles sich dort im Haus aufhalten würde, ich wurde aber dann sehr positiv überrascht. Viele Mitbewohner kannte ich schon lange zuvor, Da war zum Beispiel die Läuferlegende, der Abenteurer, Bergsteiger und Läufer Gerald Blumrich, der unter anderem auch etwas über seine Besteigung des „tödlichsten Bergs der Welt“, des Mt. McKinley verriet oder der stets gut gelaunte Marathon4you und Trailrunning.de Texter Bernie Manhard, bei dessen 50. „Marathon und länger“ im Karwendelgebirge ich dabei sein durfte und der aber mittlerweile auch schon deutlich auf die magische 100 Marathon – Grenze zusteuert.
Manche kannte ich nur vom Namen her aus Facebook, das war Tom Dörner, der sich, sehr engagiert, die ersten Sporen auf wilden und langen Trails, in diesem Fall auf dem des CCC (Courmayeur – Champex – Chamonix) verdienen wollte. Insgesamt liefen übrigens vier Chalet-Bewohner diesen CCC.
Natürlich waren auch Judy und Thomas da, einige andere, die ich alle lieb gewinnen konnte, später kam sogar noch Trailschnittchen Julia Böttger für ein paar Nächte, es waren aber auch – und das fand ich etwas ganz Besonderes – unzählige Gäste da, die entweder zur Patagonia Pasta Party erschienen sind, beim 4Deserts Vortrag anwesend waren oder die einfach so mal diesem Haus, dieser Institution ihre Aufwartung machen wollten, um einen Tee, ein Glas Wein oder ein alkoholfreies Weizenbier zu genießen.
Unter den Gästen war auch der schnelle Thomas Wagner, der angeblich nur unsere Waschmaschine gebraucht hatte. Er kam auf einen Drink und einen Gruß, um gleich weiter zu fahren zum Start des Trans Alpine Run 2013, wo er dort schon einen Tag später als TEAM 357 mit Denis Wischniewski die Konkurrenz ordentlich aufmischen wollte.

Das „Deutsche Haus“ war also meine Bleibe für eine komplette Woche in Chamonix und die Überlegung, die ich hatte, war, nach einem Eingewöhnungstag am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ein wenig in die Berge zu gehen, um mich für den UTMB (Ultra Trail du Mont Blanc) zu akklimatisieren, noch ein wenig Höhenmeter zu sammeln und sonst einfach eine gute Zeit zu haben.
Aber wie heißt es im Musical „Elisabeth“ an einer Stelle?
„Was nützt ein Plan, ist er auch noch so schlau, er bleibt doch immer Theorie. Und nur das eine weiß man ganz genau: so wie man plant und denkt, so kommt es nie! „
Wie wahr, denke ich heute, wenn ich nachträglich an diese unglaubliche Woche denke.
ElisabethAls ich am Sonntag vor dem UTMB am frühen Abend endlich in Chamonix ankam, brauchte ich schon eine Weile, um das „Deutsche Haus“ zu finden. Eine verdächtige schwarz-rot-goldene Fahne hat mir aber schließlich doch verraten, welches der vielen Chalets damit gemeint war. Außer Judy, Thomas und Marius Keil war noch niemand da, ich bezog mein Einzelzimmer, richtete mich ein und gewöhnte mich langsam an das weiche und sehr hohe Bett.
Und ich telefonierte. Ich hatte erst wenige Tage zuvor erfahren, dass das einzige deutsche Laufteam beim PTL (La Petite Trotte à Léon) um eine Person verkleinert war und ich überlegte, ob ich diesen Makel ausgleichen könnte und am Montagmorgen gegen 11 Uhr entschieden Eric Tuerlings, Uwe Herrmann und ich, dass wir das gemeinsam wagen wollten.
Wunderbar für mich auf der einen Seite, ein wenig schade war es aber auch um die Nächte im „Deutschen Haus“, um das Runningevent, das vom Patagonia-Laden in Chamonix für den Dienstagmorgen vorgesehen war, um die Pastaparty, um die vielen Gäste und um all die schönen Erlebnisse, die man in solch einer großen und einschlägig interessierten Runde haben kann.

Und so verabschiedete ich mich am Montagabend auf die maximal 136 Stunden lange Strecke des PTL. Und ich wurde verabschiedet – von allen Bewohnern dieser neu gegründeten „WG“. Und ich sagte Thomas, dass es schade wäre um mein nun nicht mehr genutztes Bett und dass er dieses gerne weitergeben könne.
Welch ein Glück, dass dies nicht schnell genug geschah, denn schon am Mittwoch war ich zum Frühstück wieder in meinem Zimmer.
Die Mitbewohner des Chalets staunten nicht schlecht, als sie mich, zusammen gefallen wie ein Häufchen Elend, zum Eingang traben sahen und mancher fragte mich sofort, ob ich denn nun doch den UTMB laufen würde.
Tom Dörner wagte sich am weitesten aus der Deckung, als er rief: „50 EUR, dass Du startest!“
Er wusste nicht, dass ich genau darauf gehofft hatte. Aber noch wusste ich ja nicht, ob das überhaupt möglich sein würde. Also antwortete ich stets damit, dass mein Startplatz weg sei und außerdem würde ich nicht glauben, dafür noch Courage und Motivation aufbringen zu können.
Aber ein kurzer Blick auf die Internetseite und ich wusste, dass ich tatsächlich noch auf der Starterliste des UTMB stand, der Platztausch mit dem verletzten Michael Eßer, dessen Platz ich im PTL Team einnahm, hatte nicht dazu geführt, dass ich beim UTMB von der Starterliste genommen wurde. Welch ein Glück!

Und so gönnte ich mir einen harmonischen Mittwoch in unserer WG, am Donnerstag wanderte ich mit Uwe Herrmann auf das Refugio „Bel Lachat“, um bei herrlichstem Wetter auf den grandiosen Mont Blanc zu blicken und am Freitag tat ich alles dafür, um am Spätnachmittag erneut starten zu können. Da mussten zuerst die drei Dropbags des PTL abgeholt werden, damit ich überhaupt Wäsche zum Anziehen und Wechseln haben würde. Dann musste die Einschreibung für den UTMB vorgenommen werden und eine neue Dropbag musste gepackt und abgegeben werden.
Dann ging es zum Mittagessen wieder ins „Deutsche Haus“ und anschließend warteten wir alle gemeinsam darauf, dass es endlich 16.30 Uhr werden möge, damit wir vier UTMB-Starter Chamonix wieder verlassen konnten.

Bei all dem dachte ich mir, dass meine ganzen Rochaden, der spontane Start beim PTL mit dem späteren Abbruch, die Wandertage und dann der Start beim UTMB zum Schluss, nicht möglich gewesen wären, wenn Judy und Thomas nicht diese fantastische Idee mit dem „Deutschen Haus“ gehabt hätten.
Ein wunderbares Haus, fein eingerichtet, internettechnisch auf höchstem Niveau, eine harmonische und liebevolle Bewohnerschaft, zumindest ab dem Mittwoch auch bestes Wetter, es hat einfach alles gestimmt in dieser Woche, in diesem Chalet, mit diesen Menschen.

Ich verneige mich in Dankbarkeit und Zuneigung und hoffe, dass diese Woche nicht die letzte gewesen sein mag, die uns zusammen vergönnt war.
UTMB Abschlussfoto 1
Und 2014?
Vielleicht gibt es dann von jemand Anderem eine Fortsetzung dieser großartigen Idee, einen anderen Anlaufpunkt für Medienvertreter und Athleten, für Freunde und Fans, einen neuen Punkt, wo man sich begegnen und austauschen kann.
Das wäre doch auch ein wirklich schlauer Plan, oder?

Die Zeit rast …

Noch drei Wochen bis zum THE NORTH FACE UTMB 2012, die Zeit rast.
Da ich ja mehr beobachten und berichten will als laufen, habe ich mir mal ein paar Gedanken über den UTMB gemacht, über die „Mörderhitze“ (inklusive eines lustigen Videos einer Sascha-Persiflage von SWR3 von vor einigen Monaten, über die Ausrüstung und auch darüber, warum ein Folienschweißgerät in keinem Läuferschrank fehlen sollte:

https://marathonundlaenger.wordpress.com/the-north-face-utmb/

Viel Spaß beim Lesen …

TDG – selten hat etwas so weh getan …

Manchmal muss man sich auch so etwas stellen. Manchmal ist es gut, wenn es richtig weh tut. Wenn Du an der Ziellinie stehst, Deine Freunde erwartest, die Kamera in der Hand und Dir bleibt nichts übrig als das Fotografieren.

Du selbst wärst auch so gerne über diesen roten Teppich gelaufen, Du selbst hättest gerne nicht die vielen Tränen vergossen, die seit Deinem Rennabbruch geflossen sind. Tränen, die immer wieder spontan kamen, wenn Du erzählt hast, warum Du abgebrochen hast, warum Du in der konkreten Situation am Berg der Meinung warst, abbrechen zu müssen.
Noch immer kannst Du Dir nicht wirklich erklären, was da in Deinem Kopf vorgegangen ist, warum Du alles, was Du weißt, in dieser Minute der Entscheidung vergessen hast, aber all das zählt nicht mehr.
Dann machst Du die Fotos, Aufnahmen, die von Glück erzählen, von Erfolg, von Liebe und vom Leben.

Und wieder weinst Du, Tränenbäche strömen aus Dir heraus, Tränen der Enttäuschung und Du umamst Deine Freunde auf dem roten Zielteppich und Deine Tränen vermischen sich mit deren Tränen des Glücks und der Erleichterung.

Noch immer weiß ich nicht wirklich, was in mir, bei mir und mit mir passiert ist, dort, am Berg hinter Niel. Aber Stück für Stück nähere ich mich der Antwort, aber davon erzähle ich in einer anderen Geschichte …

(Klicken zum Vergrößern ... )

… und die Fotos vom Zieleinlauf von Uwe Herrmann und Thomas Ehmke gibt es auch erst nächste Woche.

Karwendelmarsch / Karwendellauf

Als Kind, noch im bayrischen Bad Tölz lebend, besuchte ich oft das Karwendel-Gebirge. Am Achensee gingen wir damals oft Ski laufen. Von Bad Tölz aus war das Karwendel nah und eben ein perfektes Naherholungsgebiet.
Dass ich dort aber irgendwann einen Lauf machen würde hätte ich mir damals nicht träumen lassen. Doch jetzt ist es soweit.


Schon vor zwei Jahren bin ich eher zufällig auf den Karwendelmarsch gestoßen. Wegen der Teilnahmen am UTMB und ein Jahr später am PTL konnte ich dort jedoch noch nicht dabei sein.
So ein Jahr ohne Chamonix hat also auch Vorteile …

Das besondere an diesem Lauf ist nicht, dass es eine kurze und eine Ultra-Strecke gibt, sondern, dass man wählen kann, ob man marschiert oder läuft. All das erinnert mich an den 100 km Dodentocht-Lauf in Belgien vor wenigen Wochen.
Natürlich laufe ich und mein Zeitziel ist es dabei, keinesfalls länger zu brauchen als die 9 Minuten 11 Sekunden pro Kilometer, die ich in der Hitze von Sonthofen für den Allgäu Panorama Ultra gebraucht habe.
Es darf aber gerne auch 41 Sekunden schneller sein, mal sehen …

3 Berge sind zu bewältigen, die Bergspitzen liegen dabei auf 1.771 Metern, auf 1.848 Metern bzw. auf 1.903 Metern über dem NormalNull (N.N.). Immerhin addieren sich die Höhenmeter auf 2.281, in etwa auch das, was der legendäre Davoser K78 bietet.
Verteilt auf eine Länge von ca. 52 km bedeutet das, dass es deutlich mehr bergauf geht als in Davos, ein gutes letztes Training vor dem TdG.


Der Start ist dabei im österreichischen Scharnitz, auf Anfang 900 Höhenmetern und das Ziel ist im österreichischen Pertisau, einen hübschen Dörfchen direkt am Achensee. Die Berge, über die es geht, durfte ich beim diesjährigen MIAU (München-Innsbruck-Alpin-Ultra) schon bewundern.

Das letzte Training vor dem TdG, wie wahr. So schnell geht das dann plötzlich.
Uwe Herrmann hatte vor einigen Wochen den „halben TdG“ in Les2Alpes gelaufen, Eric Tuerlings holt sich seine Höhenmeter beim UTMB, ich bescheide mich mit dem Allgäu Panorama Ultra am vergangenen und diesem Karwendellauf an diesem Wochenende.
Fast alle österreichischen und bayrischen Berge sind besser als die Hügel der Eifel …

Vorbildlich scheint mir die Versorgung zu sein. Insgesamt gibt es 11 Verpflegungspunkte an der Strecke und neben Wasser und Tee freue ich mich vor allem auf den Hollasaft (von den Bäuerinnen aus Niederndorferberg). Was das genau ist, weiß ich nicht. Wenn ich danach aber „Holla“ dazu sagen kann, dann wird der Hollasaft alleine die Reise Wert gewesen sein.

Es ist das vorletzte Wochenende vor dem Start zum TdG in Courmayeur, das letzte Bergtraining. Am kommenden Wochenende geht es noch einmal um die „schönste Stadt der Welt“ herum, um Köln und dann … dann … zählt es wirklich!

Bella Donnas

Das Aosta-Tal beginnt in Reichweiler.
Das kleine Örtchen an der Grenze zum Saarland kannte ich schon von den beiden Starts beim K-UT, aber ich bin noch nicht über die erste Kurve nach dem Ortseingang hinaus gekommen. Dieses Mal ging es aber durch das Örtchen bis zum Ende. Und dort, wo Reichweiler aufhört, da fängt Eric Tuerlings Reich an.
Ein sensationell schönes Haus mit einem unverbaubaren tollen Blick über die Hügel, so weit das Auge reicht. Ich muss sagen: ich war beeindruckt.

Uwe Herrmann und ich trafen uns also am Donnerstagabend vor zwei Wochen bei Eric, um uns von ihm rund 800 Kilometer weit bis nach Italien chauffieren zu lassen. Unser Ziel war die Stadt Donnas im Aosta-Tal, weil dort die vierte von sieben Etappen des Tor des Géants (TdG) beginnt.

Eric ist von uns Dreien der Planer. Er hat nahezu alle Erlebnisberichte über den TdG 2010 im Internet gelesen und wenn diese in einer fremden Sprache verfasst wurden, dann wurde Tante Google mit ihrem Übersetzungsprogramm zu Hilfe gebeten. Eric kennt jeden Berg, jede Etappenstadt und er hat schon einen detaillierten Zeitplan erarbeitet, der uns drei in 149 Stunden 59 Minuten und 59 Sekunden über die 330 Kilometerstrecke führt.
„Auf der vierten Etappe sind die meisten Läufer ausgestiegen, die vierte Etappe ist diejenige, die die Psyche der Läufer am meisten belastet hat und sie bietet mit 5.200 Höhenmetern im Aufstieg und 4.200 Höhenmetern im Abstieg mehr als ein Fünftel der Gesamt-Höhenmeter“ sagte Eric. Einige Gründe, die Besichtigung der Strecke in „bella“ Donnas zu beginnen.

Wir starteten am Freitagmorgen etwas später als geplant und fuhren Richtung Lausanne, Martigny und dann durch den Tunnel des St. Bernhard Massivs. Mit jedem Kilometer wurde es wärmer und wärmer. Während in Deutschland ein kühles regnerisches Wetter herrschte, hatten wir dort immerhin 28 Grad auf dem Thermometer.
Nach dem netten Besuch im Fremdenverkehrsbüro von Donnas, dem Umziehen und dem Packen der Rucksäcke war es schon 16.30 Uhr bis wir starten konnten, also entschieden wir uns, nur bis zu dem Örtchen Marine zu laufen und dort zu übernachten. Ein einziger Berg mit 400 Höhenmetern und nur wenige Laufkilometer waren bis dorthin zu bewältigen.

(Klicken zum Vergrößern!)

Nach dem abendlichen „Schwarzbrotfest“ ging es am nächsten Morgen um 6.30 Uhr wirklich los, erst runter und dann lange bergauf, hoch zum „Rifugio Coda“ auf 2.242 Metern.
Dort kamen wir gut gelaunt und hungrig an und der „Athletenrabatt“, der uns angeboten wurde, erhellte unsere Stimmung weiter. All das nur, weil wir den TdG laufen wollen …
Vom TdG 2010 hingen Fotos und Plakate an der Hüttenwand und viele Augen schätzten uns ein und packten uns in irgendeine Schublade. Ob wir in die Schublade „Finisher“ gepackt wurden oder in die Schublade „Nee, die Jungs auf keinen Fall …“ weiß ich nicht, ich bin aber sicher, dass wir noch einiges dafür tun müssen, alle in die Schublade „Finisher“ zu gelangen.

Danach ging es wieder steil bergab, herunter zum Lago Vargno, zu dem Stausee, an den wir Drei noch oft denken werden. Nicht weil Uwe, unser Frontläufer, kurz davor gestürzt ist und sich dort auch gleich verlaufen hat, sondern weil wir uns dort unfreiwillig getrennt haben.
Eric und ich wunderten uns zuerst, warum Uwe nicht auf uns warten wollte und so gingen wir, uns als Nachhut wähnend, unseres Wegs über die provisoirische Staumauer, nach links, gleich nach rechts hoch Richtung Col Marmontana herauf und nach einigen Minuten steilen Anstiegs kam rechter Hand ein Haus und dort kläffte ein aufgeregter und wenig nett dreinblickender Hund, der uns, weil er die Sicht auf ein Schild auf einen anderen Weg versperrte, uns unfreiwillig richtig führte.
Uwe, der durch den Sturz und das Verlaufen hinter uns war, hat sich jedoch dort mit dem Hund angefreundet und der hat ihm, zum Dank gewissermaßen, den Blick auf das andere Schild Richtung Col Marmontana herauf erlaubt. Die Folge war ein Verwirrspiel, wie ich es selten erlebt habe.

(Klicken zum Vergrößern!)

Beide Wege hätten ja auf den Col Marmontana geführt, aber mein Vorschlag, dass wir uns dort oben treffen, blieb unbeachtet.
Also warteten wir erst rund 90 Minuten auf Uwe, der irgendwie versucht hat, zu uns zu kommen. Aber mach‘ das mal, wenn Du nicht weißt, ob Du rechts oder links des richtigen Weges bist!
Manche unserer Telefonate grenzten an debile Seniorengespräche. Ob da Bäume bei uns seien, ob da ein See war, ob es dort eine Geröllwüste gab … alles Fragen, die man an fast jedem Punkt der Strecke alle mit „ja“ beantworten könnte.
Dann gingen wir doch einige Hundert Höhenmeter nach oben, allerdings auch das ohne Erfolg und nach weiteren 60 Minuten haben sich meine beiden Mitstreiter dann auf meinen Vorschlag eingelassen, dass wir uns alle zum letzten gemeinsamen Punkt, also zum Lago Vargno zurückbewegen sollten.
So fanden wir uns also wieder, eine kleine Ewigkeit allerdings war bis dahin vergangen.

Auf den Col Marmontana herauf war es einigermaßen annehmbar, aber die Suchaktion nach einander hatte Spuren hinterlassen in unserer Psyche und so sank die Stimmung mit der Sonne ein wenig ab.


Noch einmal runter und rauf, was schwer und bedrückend war und dann sollte es „schnell“ runter gehen zu einem Refugio, um noch etwas zu essen. Es war mittlerweile schon recht spät und die Hütten bieten nicht allzu lange noch ein Nachtessen an. Bald war klar, dass wir bis zum nächsten Ort nach Niel herunter müssen in der vagen Hoffnung, dass dort noch ein Restaurant geöffnet sein würde.
„Italiener essen spät,“ dachten wir, aber wir kamen rund eine Stunde später in Niel an wie erhofft.
Die Getränkeflaschen waren bei allen leer und die Essensvorräte gegessen. Es war also der ideale Zeitpunkt, an dem Eric einfiel, dass da doch noch vor dem Etappenende in Gressoney ein Berg, der Col di Lazoney, zu bewältigen sei!
900 Höhenmeter bis zum Gipfel auf 2.387 Metern über N.N. ohne Wasser und Nahrung sind ja ein Kinderspiel!
Ich war jetzt richtig sauer, weil wir Niel vollkommen tot vorfanden, die Bürgersteige waren schon lange hochgeklappt, alles war sauber und schön, aber eben menschenleer, eben richtig tot.

(Klicken zum Vergrößern!)

Uwe suchte im Dorf eine Wasserstelle, natürlich erfolglos. Ich wiederum sah ein Haus, vor dem ein Schild „aperto“ hing. Es war kein Restaurant und es war auch kein Hotel. Ich dachte: „Schau da doch mal rein, vielleicht gibt es wenigstens einen Wasserhahn dort, den wir anzapfen können.“
Ohne Nahrung laufen geht ja, ohne Wasser laufen geht aber gar nicht.

Die Türe war nicht abgeschlossen und ich ging ins Haus. Die ersten Zimmer waren allesamt zugeschlossen, kein Toilettchen war zu sehen. Aber es war etwas zu hören. Von ganz oben kamen Geräusche und so ging ich vorsichtig hinauf.
Eine Handvoll Menschen kam mir im Treppenhaus entgegen und oben fand ich einen wunderschöner Raum vor, in dem ein Mann Nudeln mit grünem Pesto aß. Eine hübsche Frau stand in angemessener Entfernung neben ihm und ich frage sie: „Is this a restaurant?“
Die Dame bejahte das. Und sie bejahte auch meine Frage, ob wir dort noch etwas zu essen bekommen würden. Ich erzählte ihr von uns drei Unglücklichen, die auf der Suche nach dem Glück den TdG laufen würden und dass wir unglaublich hungrig seien.

Die Küche wollte gerade schon sauber machen und schließen, ließ sich aber auf drei Portionen vegetarische Pesto-Lasagne ein. Die war wirklich lecker. Noch leckerer aber waren die beiden Bierchen, die sich Eric genehmigte. Uwe und ich gönnten uns zwei Coca-Cola und ich mir noch ein Red Bull – Döschen.
Wir waren im Himmel – und der Himmel war zweifellos italienisch!

Die Dame erzählte uns, dass viele diese vierte Etappe als Test auswählen würden und dann, bei ihr angekommen, erklären würden, dass sie den TdG auf keinen Fall laufen würden. Wenn ich vor dem Essen und vor der Cola ähnliche Gedanken gehabt haben sollte, dann waren diese durch diese Aussage wie weggewischt.
Beim TdG wird dann sogar ein Verpflegungspunkt direkt unten am Hauseingang sein.

Es war aber auch noch ein Riesen-Schokokuchen übrig, den wir uns zu dritt einverleibt haben. Und der war so lecker!

Wir füllten noch unsere Getränkeflaschen auf und setzten den Weg fort, hoch auf den Col di Lazoney. Ob es die verbesserte Laune, das Essen oder die Gedanken an dies nette Italienerin war: so leicht sind mir 900 Höhenmeter nach oben noch nie gefallen.
Es könnte aber auch an dem Umstand gelegen haben, dass der Weg lange richtig gut gepflastert war.

Abwärts ging es dann sehr flach und lange, immer weiter Richtung Gressoney. Uns war schon klar, dass wir zu einer „unchristlichen“ Zeit dort ankommen würden, also liefen wir relativ langsam und gemütlich die Wiesen und Wege herab ins Tal, dorthin, wo beim TdG dann eine „Base Vita“ sein wird.
Bei uns aber gab es all das nicht, nur die Notwendigkeit, 90 Minuten auf den ersten Bus nach Donnas zu warten. Wir waren müde, kaputt und verdreckt. Wir rochen wie ein Moschus-Ochse am Hinterteil und wir wussten nicht, ob wir uns freuen sollten oder ob wir uns ob der vielen Laufstunden Sorgen für den TdG machen sollten. Ein wenig schneller sollten wir im September dann doch sein.

Wir waren dann alleine im Bus, so störte sich niemand an unserem Geruch und das erste, was wir nach der Ankunft am Auto taten war, uns ein italienisches Frühstück zu gönnen.
Auf der Rückfahrt nahmen wir den Weg über den Pass des Großen St. Bernhard, den Tunnel wollten wir vermeiden und wir waren froh, diesen Pass wieder zu sehen, den Pass, der Teil vieler Läufe ist. Ob es der Lauf Verbier / St. Bernard ist oder der PTL, immer wieder kommst Du auf diesen Berg. An die Gedanken an diese Läufe wollten wir alle uns erinnern.

Und an dieses wunderschöne „Männer-Laufwochenende“ werden wir uns auch noch lange erinnern. Es wird uns dann auch helfen auf unserem langen Weg von Courmayeur wieder nach Courmayeur.

Man könnte fast meinen, dass es im September einfach ein verkürzter „CCC“ wird, ein „CC“ eben.
Und der kann einfach nicht wirklich schwer sein.

Feels Like Home To Me …

Wenn man so etwas vorhat wie den Tor des Géants (TdG) zu laufen, dann ist es hilfreich, die Strecke des Laufs zumindest teilweise vorab zu erkunden. Eric Tuerlings hat die meisten deutschen Läufer dazu eingeladen, Uwe Herrmann und ich sind diesem Ruf gefolgt.

Wir haben uns die vierte von sieben Etappen zum Probelaufen ausgesucht, gerne noch garniert mit einer anderen Etappe – oder zumindest mit einem Teil davon. „Die vierte Etappe,“ sagte Eric „ist die schwerste von allen. Hier sind die meisten Läufer ausgestiegen, 5.200 von 24.000 Höhenmetern gibt es auf dieser Etappe und auch die Organisatoren warnen vor der Schwierigkeit dieser Etappe.“
2010 hat der schnellste Finisher diese Etappe in gut 13 Stunden bewältigt, der langsamste Finisher hat dafür 29 Stunden gebraucht.
Knapp über 50 Kilometer in einer so langen Zeit? Gut, wir sind nicht beim Stadtmarathon, aber vier Stundenkilometer sollten im Schnitt immer drin sein, mit Essenspausen sollten 16 Stunden also ausreichen, dachten wir. Wir irrten uns gewaltig, soviel sei vorab verraten.

Die Strecke war nicht wirklich sensationell. Es fehlten die grandiosen Ausblicke auf Gebäude oder Landschaften, es war nicht der UTMB mit dem Blick auf den „weißen Riesen“, nicht der Grand Canyon oder der Zion National Park.
Aber es war eine ehrliche und typische Berglandschaft, wie ich sie vielfach als Kind bei den Wanderungen mit meinen Eltern und meinen Geschwistern erlebt habe.

Als Kind und als Jugendlicher habe ich die Wanderungen mit meinen Eltern nie wirklich geliebt. Meine Eltern waren stets zu schnell für uns Kinder, zudem war der Spaßfaktor stets extrem gering. Also blieben mir nur sehr wenige Highlights in den Alpen in Erinnerung, dazu gehörten auch die Drei Zinnen bei Sexten. Erst Jahre später habe ich dann die  Drei Zinnen am Abschlusstag des TransAlpineRun 2008 erneut erlebt und die Erinnerungen waren auch sofort wieder da. Meine Eltern jedoch hat das alles leider nur wenig interessiert.

Genau wie damals war es auch an diesem Wochenende. Die wenig spektakulären, aber vertrauten Bergwelten weckten in mir sofort Erinnerungen an damals und sofort fühlte ich so etwas wie ein „zuhause sein“ in den Alpen.
Ich kann gar nicht wirklich erklären, was es genau war, das mich zu dem Gefühl brachte, „zuhause“ angekommen zu sein, aber gerade die italienischen Dolomiten mit ihrer Schroffheit und mit durch aufgeschichtete große Steinplatten begehbar gemachten Wege sind mir ja so vertraut.

Auch die enorme Freundlichkeit der Italiener gab mir das Gefühl „zuhause“ zu sein.
Das begann schon mit der netten Dame im Fremdenverkehrsbüro in Donnas. Wir brauchten eine Unterkunft für die Nacht und sie organisierte die Anmietung einer kleinen Wohnung in einem der Nachbardörfer.
Und wir stellen ihr Frage auf Frage und anstatt verärgert zu reagieren, beantwortete sie diese alle mit einem „Ja“, egal, womit wir auch ankamen.
Wahrscheinlich hätte sie auch weiter gehende Fragen mit einem freundlichen „Ja“ beantwortet, aber wir waren zufrieden und froh, dass jeder von uns nebenbei ein Magazin mit den Höhenwegen des Aostatals erhalten hat. Dieses Magazin ist sehr nützlich für die Detailplanungen für den TdG, finde ich.
Sie rief auch bei den Vermietern an, kündigte uns als Zu-Fuß-Ankommer an und sie wusste natürlich auch alles über den TdG.


Unsere Vermieterin im hübschen Örtchen Marine mit ihrer erwachsenen Tochter war sehr stolz, TdG –Läufer im Haus zu haben.
Natürlich wusste auch sie alles über den TdG
.
Für unser Frühstück schenkte sie uns drei saftige und leckere Birnen und sie verwies uns auf das just an diesem Freitag stattfindende „Schwarzbrotfest“, das eigentlich eher ein „Fleischfest“ war.
Natürlich gingen wir dort hin, setzten uns an einen Tisch, der noch freie Plätze hatte. Wir aßen, Eric und Uwe zuerst Speck auf Schwarzbrot, danach wir alle einen überbackenen Ziegenkäse auf Toast, anschließend einen Salat und zuletzt einen prall gefüllten Fleischteller mit so vielen Fleischsorten, dass dem geneigten Fleischesser keine Wünsche mehr offen blieben.

Und auch ich als Vegetarier wurde versorgt. Ich erhielt einen Käseteller, der so übervoll war, dass es unmöglich war, ihn am Abend komplett zu leeren, also blieb noch etwas für das Frühstück am nächsten Morgen übrig.
Als Schüler habe ich einige Jahre lang Käse auf dem Wochenmarkt verkauft, ich kenne mich mit Käse also einigermaßen aus. Und das, was mir an diesem Abend geboten wurde war wirklich sehr ordentlich, richtig lecker.

Wir saßen neben zwei älteren Paaren, wobei der eine Herr nicht nur früher ein richtig guter Marathonläufer war, sondern auch beim TdG 2010 geholfen hatte. Alle vier wussten natürlich alles über den TdG und eine der Damen hatte auch eine eigene Meinung dazu. Sie schaute uns mitleidig an und klopfte sich mit dem Zeigefinger an die Schläfe. Aber sie war auch diejenige gewesen, die dafür gesorgt hat, dass ich meinen tollen Käseteller bekommen habe.
Was in Deutschland wohl ein Zeichen für „Ihr spinnt doch … “ ist, bedeutet im Aosta-Tal ganz sicher etwas wie „Wahnsinn, dass Ihr Euch das zutraut. Wir werden Euch unterstützen, wo wir können!“

Am nächsten Tag, beim Lauf, erreichten wir gegen Mittag hungrig die erste Hütte, ein Refugio. Dort haben wir nicht nur viele Menschen getroffen, die uns nach dem TdG befragt haben, natürlich wussten auch die alles über den TdG.
Wir bekamen von der Hüttenwirtin sogar einen „Athletenrabatt“, ein alter Bergspezialist von der Bergwacht versprach auch, uns, falls notwendig, aus dem Berg zu retten.
In der Hütte hingen das TdG-Plakat vom letzten Jahr, garniert mit vielen Unterschriften und daneben hingen etliche Fotos von TdG-Läufern.
Das ganze Aosta-Tal scheint im TdG-Fieber zu sein. Ist das nicht herrlich?


Am Abend, viel später als geplant, erreichten wir das Örtchen Niel, endlich, gefrustet und mittlerweile ohne Wasservorräte, hungrig und ohne einen Riegelvorrat. Direkt nach Niel beginnt ein 900 HM Aufstieg, den man nicht mit leerem Magen angehen sollte. Aber was tust Du, wenn es schon 22.30 Uhr ist und eigentlich alles schon geschlossen hat?
Uwe suchte nach dem Dorfbrunnen, ich schlich mich in ein Haus, das weder ein Restaurant war noch ein Hotel, es schien mir eher eine Art „Zimmervermietung mit Verköstigung“ zu sein.
Die Türe war offen und ich hoffte, zumindest frisches Wasser für uns zu bekommen.

Immer halbstöckig waren Zimmertüren, von denen die ersten vier Türen aber alle geschlossen waren. Dann aber kamen mir Menschen entgegen und ich hörte Stimmen von ganz oben. Ich ging weiter und fand einen wunderschönen Raum vor, wo ein Mann vor einer Schale Nudeln mit Pesto saß und mit der Dame des Hauses redete.
Ich fragte ganz lieb, ob das hier ein Restaurant sei und erzählte, dass wir drei hungrig und durstig seien.
„Ihr seid hier wegen dem TdG?“ fragte die Dame des Hauses und ich bejahte das. Auch sie wusste natürlich alles über den TdG und sagte, dass die Küche schon etwas für uns zaubern könnte.
Wir waren so glücklich und meine Sorgenfalten auf der Stirn verschwanden. Wir waren „zuhause“, das Gefühl war riesig und wärmte uns sehr.
Wir bekamen eine vegetarische Lasagne mit Pesto, viele Hinweise über den TdG, unter anderem den, dass viele Läufer wie wir die vierte Etappe auswählen würden, um dann zu resignieren und zu erklären, nicht starten zu wollen.
Ganz ehrlich, auch ich hatte phasenweise ähnliche Überlegungen, nach dieser Information aber ging es mir wieder viel, viel besser.
Wir hinterließen unsere Namen, damit die Dame des Hauses nachsehen kann, wie es uns dann ergehen wird und sie verriet uns, dass dann beim Event direkt vor ihrem Haus ein Versorgungspunkt sein wird.

Am Ende fragte sie noch, ob wir einen „gateaux“ haben wollten und wir drei schauten uns dekadent an, grinsten und nickten zufrieden.
Es gab für jeden ein unglaublich großes Stück Schokoladenkuchen, das wir dann, wider besseres Wissen, komplett verschlangen.
Am liebsten hätte ich die Dame „Mama“ genannt, ich fühlte mich wohl, wie früher als Kind, wenn es eine Belohnung gab.

Kurzum, ich bin ja einer, der immer „das Gefühl“ braucht und all das gab es im Aosta-Tal zu Hauf.
2010 haben 1.200 Helfer dafür Sorge getragen, dass die Läufer bestmöglich versorgt wurden, dieses Jahr werden es nicht weniger sein.
Eric, Uwe und ich werden dann im September „zuhause“ sein, uns „zuhause“ fühlen.


Bella Italia, danke an alle, die so lieb zu uns waren.
Die Strecke selbst aber war extrem hart, aber dazu beim nächsten Mal …