Ich will, ich kann, ich werde …

Drei lange Monate ist es her, dass ich an dieser Stelle etwas geschrieben habe.
Und nach dieser gefühlten Ewigkeit will ich jetzt wieder da sein, wieder Deine Aufmerksamkeit erhalten.

Manch einem werden jetzt die Worte von Falco aus dem Lied „Verdammt, wir leben noch“ in den Sinn kommen:

Was ist er denn,
Was hat er denn,
Was kann er denn,
Was red’t er denn,
Wer glaubt er, dass er is?

Und vor allem: Worüber schreibt er denn?falco
Nein, es soll kein Jahresrückblick werden. Ich bin mir ja selbst nicht sicher, ob bei mir „das Glas halb voll oder halb leer“ war im letzten Jahr, ob ich mich über die Erfolge freuen oder mich über die Misserfolge ärgern soll. Ist ja auch egal, ist ja vorbei.

Also schaue ich nach vorne auf sieben Events in den ersten sieben Monaten des Jahres 2017, die mich so packen, dass ich es gar nicht mehr erwarten kann, dort zu starten.
Und dort werde ich dann auch jedes Mal finishen, weil ich es will, weil ich es kann, weil ich genau das tun werde.

Diese sieben Events, meine „Glorreichen Sieben“ gewissermaßen, will ich in den nächsten Wochen noch einzeln und detaillierter vorstellen, heute soll erst einmal eine Kurzzusammenfassung reichen: Weiterlesen

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Auf dem Rheinsteig nachts um halb eins …

Rheinsteig-Lauf (6)Erst war es nur eine witzige Idee, später wurde dann etwas zwischen langem Training und Miniveranstaltung daraus. Ein Lauf auf dem Rheinsteig, idealerweise dem Track des KoBoLT folgend, mit ähnlich vielen Verpflegungspunkten, mit teilweiser Autonomie und mit ähnlichen Zeitzielen wie bei diesem mittlerweile schon kultig-etablierten Lauf Ende November.

Für Andreas Haverkamp, mit dem ich diese „Schnapsidee“ ausheckte, und für mich verbanden sich mit diesem langen Lauf gleich eine Unmenge an Zielen. Hauptsächlich ging es Andreas darum, noch einen wirklich langen Lauf mit etlichen Höhenmetern zu stemmen, weil der Anfang März stattfindende Trans Gran Canaria mit seinen 125 Kilometern und seinen 7.500 Höhenmetern für ihn schon eine ganz besondere Herausforderung ist.
Na ja, für mich wird das auch nicht leicht sein, aber immerhin habe ich diesen Lauf 2012 und 2013 jeweils finishen können, jeweils mit einem deutlichen Zeitpolster auf die Cut-Off Zeit. Außerdem darf ich ja mit dem Lauf Burgenland Extrem eine lange flache Strecke und mit der Brocken-Challenge noch eine mittellange Strecke mit viel Arbeit für die Waderln bewältigen, bevor es nach Gran Canaria geht.

Für mich ging es mehr darum, früh im Jahr schon aktiv zu sein, den Makel, beim KoBoLT mal wieder nur an die Arbeit und nicht an das Finish gedacht zu haben, auszumerzen und auch, den schönen Teil des Laufs, die letzten 25 Kilometer vor Bonn, zu genießen. Da liegt die Löwenburg zur Besichtigung herum, da lockt der Drachenfels, das süße Ausflugslokal „Milchhäuschen„, der Petersberg und viel Trail im Wald.
Außerdem wollte ich mich bei Andreas für den gemeinsamen Lauf auf dem Hermannsweg im letzten Jahr revanchieren.

Es gab nur einen einzigen möglichen Termin, also mussten es der Samstag und Sonntag am vergangenen Wochenende sein. Starten wollten wir auch auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz-Urbar, aber etwas früher als beim echten Lauf, dem KoBoLT auf gleicher Strecke und enden wollten wir ebenfalls in Bonn-Beuel an dem Sportstudio, das auch der Dusch- und Schlafplatz im November ist.

Schwieriger war aber, eine Lösung für die Verpflegung zu finden.
Ganz ohne Support geht nicht, weil der Weg außer in Linz meist oberhalb der Örtchen verläuft. Ein Nachmittagsspaziergang mit Kaffee und Kuchen aber sollte es auch nicht werden. Gabi bot sich gleich an, hier helfend zur Seite zu stehen.
Ich werde wohl nie begreifen, was Menschen treibt, ihre Partner an solch einem Wochenende als Supporter zu begleiten, wo es doch so schön sein könnte zu Hause.
Der Mann aus dem Haus, niemand der stört und um Aufmerksamkeit bettelt, eine Freundin eingeladen und ein paar Flöten Sekt geschlürft, ein paar Kannen Kaffee geleert und dabei redet frau sich den ganzen Frust mit den „haarigen Biestern“ von der Seele.
Aber nein, es muss der Support sein, die Kälte der Nacht, das Suchen geeigneter Stellen am Trail, das Bemitleiden der schon direkt nach dem Start kurz vor der Erschöpfung stehenden Läufer und all das, ohne dafür ausreichend gewürdigt zu werden.
Ich würde mich für die Lösung mit der Freundin am heimischen Kamin entscheiden!Rheinsteig-Lauf

Der erste VP war also auch in Rengsdorf geplant. Und dort lernten wir, dass es Rheinsteig-Bewohner gibt, deren bürokratische Korrektheit es verhindert, dass ein VP direkt an der Strecke liegt. Es dürfen ein paar Hundert Meter weit weg sein, hinter bestimmten Markierungen. Das ist natürlich überaus verständlich. Denn wenn alle Lauftrupps, die den Rheinsteig durch die Nacht von Koblenz nach Bonn ablaufen wollen, dort ihre Verpflegungspunkte einrichten würden, dann wäre wohl für diesen engagierten Herren jeder Abend verdorben, weil Dutzende von Läufern sich schmatzend um das Auto mit der Versorgung tummeln würden, weil oft der unangenehme Blick auf verschwitzte Oberkörper geboten würde, wenn die Läufer sich ein neues Shirt anziehen wollen. Und überhaupt, es sind ja auch Kinder im Haus, in welcher Welt sollen die denn leben?

Der zweite VP folgte nur 15 Kilometer später. Eigentlich hatte sich mein Sohn Pascal angeboten, gegen 22 Uhr einen VP zu machen, aber weil wir langsamer waren als geplant hat das alles nicht gepasst. Also zogen wir den zweiten VP deutlich vor, verzichteten dafür auf einen Support in der Nacht.
Die verrauchte Disko in Linz, in der es neben den bewundernden Fragen etlicher deutlich angetrunkener Gäste auch ganz passablen Flammkuchen gab, profitierte davon. Aber wir hatten in der Nacht schon lange Hunger, spätestens „auf dem Rheinsteig nachts um halb eins“ begann das Knurren in der Magengegend. Und als wir dann endlich um 3 Uhr in Linz waren, mussten wir froh sein, überhaupt noch etwas Warmes zu bekommen.
Und dass wir hier auf die Gnade der Chefin angewiesen waren, die sich im Alkoholpegel ihren Gästen angenähert hatte, sagte sie uns überdeutlich. Schuld daran war vor allem Andreas, weil er den vegetarischen Flammkuchen abgelehnt hatte, weil der ja nicht vegan sei. Damit hat er die Dame geistig deutlich überfordert und als sie das bemerkte, wurde sie schnippisch. Die Unterschiede zwischen „kleinem Feigling“ und einem „Willi“ hätte sie uns wohl erklären können, aber warum Veganer keinen vegetarischen Flammkuchen essen können, der mit viel Käse bestreut ist, das gehört nicht zur Allgemeinbildung, zumindest nicht in Linz am Rhein.

Der nächste VP am frühen Morgen wurde dann zum Problem. Im ersten Örtchen, in dem Gabi aufgebaut hatte, kamen wir gar nicht vorbei, es wurde einfach umlaufen. 700 Meter weit hätten wir den Rheinsteig verlassen, vielleicht noch 200 Meter im Ort gesucht und dann das ganze zurück? Nein, war unsere einhellige Meinung, wir warten auf das nächste Örtchen.
Dort aber war der Rheinsteig 2.400 Meter vom Ort entfernt und der Rheinsteig war weit oben, der Ort ganz unten im Tal. Ganz unten hingen auch unsere Mägen, also entschieden wir, an dieser Stelle den Rheinsteig zu verlassen, um dann nach dem Frühstück solange im Tal zu laufen, bis wir wieder einen Einstieg zum Rheinsteig finden würden.

Und dann war da noch der VP oben auf dem Petersberg, der letzte VP für das späte zweite Frühstück.
Zusammen also vier Mal Auto mit besorgter Gabi und ein Mal verrauchte Disko mit schnippischer Chefin, wir hätten es schlechter treffen können.Rheinsteig-Lauf (2)

Um nicht ganz „alleine zu zweit“ zu sein, fragte ich die Koblenzerin Jessica Junker, ob sie nicht ein paar Stunden mit uns laufen wolle. Und sie wiederum brachte mit Antje Überholz und Thomas noch zwei Kleinetappenläufer mit, die dort ausstiegen, wo die Läufer beim KoBoLT das erste Pflichtfoto machen müssen.
Und zwei Tage vor dem Lauf bot sich auch noch der WiBoLT-erfahrene Frank Nicklisch an, unsere Moral zu stärken und einen Teil der Strecke mit uns zu laufen.
Jessica und Frank beendeten ihren Lauf beim VP2 und Gabi fuhr die beiden dann in nahe liegende Neuwied zurück.

Andreas bastelte noch für diesen Lauf ein eigenes Logo-Bildchen und über Facebook streuten wir die Information, dass wir nun für viele Stunden nicht erreichbar sein werden. Spätestens jetzt war eine Miniveranstaltung auf dem Rheinsteig aus dem Projekt geworden.
Was also als eine Wiederholung des zweisamen Laufs auf dem Hermannsweg geplant war, wuchs zu einem Gruppenlauf heran, in dem sich zwei Veganer, zwei Teilzeit-Veganer und zwei Carnivoren vor allem über das Essen unterhielten.
Ich war mal wieder beeindruckt, was doch manche Menschen in kürzester Zeit lernen können. Jessica, die  erst vor 6 Monaten auf eine vegane Ernährung umgestellt hatte, erzählte von Keimen und Chia-Samen, von selbst gezogenem Gemüse, weil ihr Mann da den „grünen Daumen“ beweisen kann, wir redeten über Quinoa, Bulgur und über all das, was Vegetarier und Veganer so bewegt.

Ach ja, gelaufen sind wir natürlich auch noch.
Aber wie das war, das erzähle ich ganz bald in der nächsten Geschichte …Reeperbahn