Imaginations from the Other Side

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Es gibt nur wenige Fixpunkte in meinem beschaulichen Leben. Da ist die Arbeit mit den drei Säulen Ostergeschäft, Herbstaktionen an den Wochenenden und das Weihnachtsgeschäft, all diese Zeiten sind „tabu“ für Events, leider.
Und da ist der alljährliche Urlaub im Februar auf Gran Canaria, idealerweise abgeschlossen mit dem TransGranCanaria-Event, 2017 hoffentlich sogar mit dem neuen Format „360 Grad“. Dabei sind es die Dünen zwischen Playa del Inglès und Maspalomas, auf die ich mich immer schon vorfreue, wenn ich das immergleiche Appartementhotel wieder buche.

Und da ist regelmäßg diese letzte Woche im August, diese fantastische Woche in Chamonix bei den Bewerben des UTMB.

Ich muss ja kaum erklären, was der UTMB, der „Ultra Trail du Mont Blanc“, ist. Aber weil es vielleicht doch den einen oder anderen Leser gibt, der in diesem Punkt so unwissend ist wie ich es bis Ende 2008 war (*), sei kurz erklärt, dass der UTMB mit den Nebenbewerben OCC (55 km), CCC (101 km), TDS (119 km) und PTL (290 km) ein 170 km Lauf rund ums Mont Blanc Massif ist. 10.000 Höhenmeter sind dabei zu meistern und „normalsterbliche Läufer“ schaffen das nur, indem zwei Nächte durchgelaufen wird.

Zwei Nächte durchlaufen? Geht das denn?
Eine Nacht ohne Schlaf ist reine Gewöhnungssache, zwei Nächte ohne Schlaf aber sind … ja, was sind sie eigentlich?
Ich will es mal blumig formulieren: Wer zwei Nächte ohne Schlaf erlebt, der erlebt in der zweiten Nacht Dinge, die sonst nie zu erleben sind. Bäume, die Spalier stehen und den Läufern zujubeln, Schilder, die vor Dir her wanken, kurz, Halluzinationen, die man nicht kaufen kann. Für alles gibt es ja bekanntlich MasterCard, für Halluzinationen jedoch nicht …

(* Einschub: Nachdem ich 2008 mit meinem Laufpartner Heiko Bahnmüller ganz passabel den TransAlpineRun gemeisert hatte, sagte Bernie Conradt zu mir, dass ich ja jetzt „drei UTMB-Punkte“ hätte und dann müsste ich auch den UTMB laufen.
Vier Punkte brauchte man damals und wenn Bernie so etwas sagt, dann muss ich das wohl auch tun.
Also flugs angemeldet, eine Lotterie fiel damals noch aus und danach, wirklich erst danach, habe ich mir die Rahmendaten des Laufs auf der Homepage angesehen. Und ich war entsetzt, schüttelte den Kopf und dachte mir nur, dass es vielleicht sinnvoll gewesen wäre, wenn ich die Reihenfolge anders herum hätte.)

Den UTMB habe ich dann 2009 bewältigt und 2013 habe ich ihn in einer für mich schnellen Zeit geschafft. Seither fehlt mir ein wenig die Motivation, mich zu schinden und zu quälen. 2015 habe ich dann begriffen, dass meine Zeit als UTMB-Läufer wohl vorbei ist, ich bekam psychisch meinen „Hintern nicht mehr hoch“, mir fehlte der Ansporn, eben dieser unbedingte Wille, dieses Ding zu rocken. Und ohne diesen unbedingten Willen schaffen es langsame Läufer wie ich wohl nicht.

Da war es ein Segen, dass ich für die 2016er Ausgabe die Chance hatte, den UTMB mal von der „anderen Seite aus“ zu sehen. Und nicht nur das. Ich durfte die „Leader“ sehen, die sagenumwobenen Cracks mit ihren fein gemeißelten Körpern, mit den Blicken von Unbesiegbaren und die Erfolgsmenschen, die sich ein hohes Ziel setzen und dafür wirklich alles tun.
„Follow Up“ hieß dieses Programm, „follow the leader“.
Exklusive Teilnehmer waren es, rund 30 Vertreter von Presseorganen, Internetportalen und Laufmagazinen. Interessante Menschen aus Spanien, Frankreich und aus England saßen mit mir im Minivan, drei weitere Minivans fuhren parallel die Plätze ab, an denen wir schauen, fotografieren und genießen durften.

Das UTMB Rennen begann um 18.00 Uhr am Freitag, wir trafen uns schon um 17.00 Uhr im Pressezentrum des Hotels „Le Majestic“, um das Briefing zu erleben, dann ging es hinunter zum Start.
Ich hätte mich in den Pressebereich an der Startlinie stellen können, aber ich wollte dort sein, wo ich den UTMB am liebsten erlebe: Hinter der Startlinie!
Hinter der Startlinie, dort, wo rund Zweieinhalbtausend Menschen sich von der Anmoderation, von genialer Musik und von einer Stimmung zu einer Anspannung inspirieren und hochschaukeln lassen, die es wohl weltweit tatsächlich nur in Chamonix gibt.

Der UTMB nennt sich selbst der „Gipfel des Trailrunning“. Überhaupt keine Frage, dass er diesen Titel zu Recht trägt. Hier wurde das Ultratrailrunning erfunden, er war der erste „Lange“ der Bergläufe, er ist Maßstab und Vorbild für Dutzende ähnlicher Veranstaltungen, die alle ihren Reiz und ihre Berechtigung haben. Den UTMB aber erreicht niemand.
Diejenigen, die dieses Event noch von den ersten Jahren her kennen, auch 2009 war noch gewissermaßen ein frühes Jahr, die wissen, dass beispielsweise die Webseite nur rudimentär war. Heute verfügt der UTMB über eine Online-Abteilung, die keine Wünsche mehr offen lässt. Du musst Dich ja mittels der UTMB-Punkte für die UTMB-Bewerbe qualifizieren. Aber wenn Du auf Deine persönliche Läuferseite klickst, dann sind Deine entsprechenden Qualifikationsläufe schon alle aufgelistet.
Alle Bewerbe vom 55 km langen OCC bis zum 290 K langen PTL sind überbucht, immer muss gelost werden und schon das Glück der Teilnahme zeugt von „Glück im Spiel“. Und diejenigen, die Lospech hatten, die trösten sich damit, im entsprechenden Jahr wohl mehr „Glück in der Liebe“ zu haben. Und die, die dieses „Glück in der Liebe“ brauchen, sind weitaus mehr als die, die „Glück im Spiel“ hatten, so stark sind die UTMB Bewerbe überbucht. Kann es mehr Werbung geben für ein Event als diesen Umstand?

Ebenfalls ein Zeichen dafür, den „Gipfel des Trailrunning“ zu erleben, sind auch die auf der EXPO vertretenen Marken. Alle, wirklich alle, sind sie da. Und was die sich alles einfallen lassen, um aufzufallen!
Vibram beispielsweise stellte einen Truck auf, wo Du Deine alten Laufschuhe mit einer nagelneuen Vibram-Sohle aufpimpen lassen konntest. Einfach genial. Und Tausendfach genutzt, Schlange stehen für ein Paar Vibram-Sohlen war schon Pflicht.
Und auch die anderen Aussteller, nämlich andere Ultralaufbewerbe auf der ganzen Welt, waren zu Hauf da und versuchten, den 10.000 Läufern weitere Läufe anzudienen.
Ich für mich habe ich dort wohl in chinesische Bewerbe verliebt. Mal sehen, ob 2017 das „Jahr des Drachens“ werden kann.

Ich wollte also hinter der Startlinie stehen und ich lief, nein, ich stakste, durch die Horde auf engstem Raum zusammenstehender Läufer*innen, über am Boden sitzende Teilnehmer*innen hinweg, um wenigstens einige der vielen deutschen Helden des Wochenendes noch einmal zu sehen, um Mut zuzusprechen und um Glück zu wünschen.
Ich fand dabei die späteren Finisher Stefan Lukas und die „Turbo-Griegers“, Katrin und Matthias.
Und dann, wenige Minuten vor dem Start, stellte ich mich hinter die Läuferschar und ließ das SmartPhone im Videomodus laufen. Vielleicht gibt das kurze Filmchen einen Eindruck der Gänsehautstimmung, die alljährlich Chamonix zum El Dorado der Trailrunningszene macht. Und es erklärt vielleicht auch das Kribbeln, das mich alljährlich befällt, wenn die berühmte Frage ansteht: „Chamonix oder nicht Chamonix?“

Kurz nach dem Start musste es schnell gehen, die Minivans fuhren schon um 18.20 Uhr ab. Vorbei an Les Houches, der ersten Station des UTMB und weiter nach St.Gervais, einem ganz besonders großen und beliebten Checkpoint, km 21 der UTMB Strecke.
Wir wurden mit leckerem Fingerfood, durchaus auch vegetarischen Varianten, und mit prickelnden Getränken vesorgt. Und wir konnten uns den unglaublichen Aufbau ansehen, der schon eine Stunde vor dem Eintreffen der Eliteläufer fix und fertig stand, komplett besetzt mit unzähligen Menschen, die sich auf den großen Moment vorbereitet hatten.
Natürlich ist der Stress an den Stationen, die nahe am Start liegen, immer erheblich größer als an den späteren Stationen, dafür aber ist die Zeitspanne, die abzudecken ist, deutlich geringer, das Läuferfeld hat sich noch nicht so weit auseinander gezogen wie am Ende.
Und wenn dann innerhalb von Minuten Hunderte von Läufern einfallen, Läufer, von denen keiner Zeit oder Geduld hat, das ist schon eine Herausforderung, die man nur dann wirklich ermessen kann, wenn man eine ganze Weile vor und nach dem Einlauf der Leader vor Ort war.
Kein Dutzend der führenden Läufer konnten wir erleben und da es von Minute zu Minute dunkler wurde und meine technische Ausrüstung absolut nicht ausreichend war, sind die letzten Aufnahmen, die ich in

St. Gervais gemacht habe, im „Papierkorb der Geschichte“gelandet, auch die der ersten Läuferin, auf die wir noch gewartet hatten, bevor wir uns wieder zu den Minivans begeben haben.
Es ging weiter nach Notre-Dame de la Gorge, im Dunklen. Und damit zum Wandern.
Notre-Dame de la Gorge ist ein ganz besonders schöner Punkt der Strecke. Die Läufer*innen kommen an einer hübsch illuminierten Kirche vorbei, knicken dort nach links ab, rennen über eine schön beleuchtete Grünfläche, über eine Holzbrücke hinweg und dann nach rechts, einen steinigen Weg nach oben, vorbei an einem immer brennenden Lagerfeuer und vorbei an Dutzenden von Schaulustigen, die dort am Eingang in einen Nationalpark stehen, sitzen, campieren und warten und dann jubeln.

Wir wanderten etwa 5 Kilometer hinauf bis zur Verpflegung in La Balme, auch einem der besonders schönen Verpflegungsstationen am km 39 der UTMB Strecke. Wieder warteten wir auf die Leader und nach dem Eintreffen der ersten Lady ging es wieder abwärts nach Notre-Dame de la Gorge.
Wir gingen nun entgegengesetzt zu den vielen Läufern, die in großen Gruppen liefen, hinunter. Oft wurde es eng, meist wurde es richtig schön. Kurz vor Notre-Dame de la Gorge kamen mir Katrin und Matthias Grieger entgegen und nach ein paar Umarmungen lief ich ein paar Dutzend Meter mit den beiden wieder die Steinpiste hinauf. Die beiden waren unfassbar schnell unterwegs! Und sie sollten es bis zum Eintreffen in Chamonix auch bleiben.
Unten in Notre-Dame de la Gorge wieder angekommen, gab es für die Presse ein warmes Abendessen und für mich .. Polenta ohne Wurst und ohne Sauce. Zu Polenta braucht es ja auch nichts dazu, nur einen kleinen Nachtisch gönnte ich mir noch.

Irgendwann ging es dann weiter, noch immer strömten die Läufer am Pressezelt vorbei, schier endlos. Manch einer wollte an diesem Punkt aussteigen und zumindest zwei Läufer begleiteten wir an die Hauptstraße, um dort abgeholt werden zu können.
Ob das mit der mangelnden Motivation auch für die Läufer galt, die dort ausstiegen?

Nun ging es weiter nach Courmayeur, die große DropBag Station, km 79 der UTMB Strecke. Noch waren die Leader nicht da und ich entschied mich, zwei kurze Stunden zu schlafen, bis es weiter ging hinter die Refuges Bertone und Bonatti nach Arnouvaz, km 97 der UTMB Strecke. Und wieder durften wir wandern, wieder im Dunklen, dieses Mal aber deutlich weiter, deutlich steiler und definitiv deutlich schöner.
Es ging rauf zum Grand Col Ferret, rauf auf rund 2.500 Meter über N.N., auf den Col, der unter UTMB-Läufern liebevoll oft auch „Grand Col Verreck“genannt wird, weil es nach rund 100 Kilometern schon eine Herausforderung ist, sich diesem langen Anstieg zu stellen.
Kalt war es oben und ich ärgerte mich, dass ich meine Handschuhe nicht mitgenommen hatte. Aber mit der aufgehenden Sonne und dem Ankommen der ersten Läufer wurde es zunehmend wärmer und nach etwa zwei Stunden auf dem Col ging es wieder runter, nicht aber, ohne in einem angrenzenden „Rifugio Elena“ auf 2.061 Metern über N.N. ein kleines Frühstück zu bekommen.

„Magic Moments“ nennt man Situationen im Leben, die unvergesslich sind. Orte beispielsweise, die durch irgend etwas besonders schön, besonders aufregend oder besonders romantisch sind. Oder Begebenheiten, die durch irgend etwas von „normal“ auf „magic“ hochgestuft werden. Solch einen „Magic Moment“ erlebten wir dort auf dem Grand Col Ferret, als wir neben einem gelben Container, einem roten Zelt und einem Plexiglas-Kubus auf die Ankunft der Leader warteten. Der Container, das Zelt und der Kubus waren die Schutzplätze für die Bergwacht und für die Menschen des Orga-Teams und zudem Lagerstötte für deren Material und deren Verpflegung.
Die Sonne ging ja gerade auf und irgendwann stand die Sonne genau hinter jenem Plexiglas-Kubus, der nun zu leuchten, ja, fast zu brennen, anfing.
Wenn ich irgendwann vieles von dieser Pressetour vergessen haben werde, diesen „Magic Moment“ werde ich wohl nie vergessen. Und wenn ich jemals wieder auf diesem „Grand Col Verreck“ sein darf, dann werde ich diese Situation suchen und hoffen, dass auch dann wieder der Himmel zwar voller Geigen, aber eben nicht voller Wolken hängt.

Nun ging es wieder nach Courmayeur zurück, in diese wunderschöne italienische Stadt, Startort des TDS und des CCC, wieder zur DropBag Station. Es war nun schon heiß, die Leader waren längst durch und ich traf auf Läufer*innen, die im „gesicherten Mittelfeld“ liefen. Manche schliefen, manche ließen sich behandeln oder massieren. Es ist die vielleicht wichtigste Verpflegungsstation beim UTMB, der Platz, an dem es warme Pasta gibt, wo man sich vielleicht neu einkleidet, die Schuhe wechselt, Uhren lädt oder das tut, was Läufer an solchen Plätzen eben tun.

Courmayeur! Schon der Name lässt mich schweben und träumen.
Ich erinnere mich, wenn ich an Courmayeur denke, vor allem an das Jahr 2009, als ich, müde und hungrig, meine Pasta nahm und mich an einen der vielen Tische setzte. Wenige Wochen zuvor hatte ich von Bernie Conrad gehört, dass es am Keufelskopf einen neuen Bewerb geben würde. Eric Tuerlings, der Initiator, würde ihn zu seinem Geburtstag etablieren. Aber ich hatte ja keine Zeit an diesem Wochenende.
Nun saß ich also da am Tisch in Courmayeur und aß meine Pasta und neben mir saß ein Läufer, ebenfalls mit seinen Pasta beschäftigt, und wir kamen ins Gespräch. Er würde auch bald einen Bewerb ausrichten, erzählte er mir und ich wäre gerne eingeladen. Zum K-UT, zum Keufelskopf Ultra. „Ach, Du bist Eric Tuerlings?“ fragte ich ihn – die Welt ist doch winzig. Wir hatten ein vielleicht viertelstündiges, nettes Gespräch dort, das uns beiden wieder Kraft und Motivation für das gab, was da noch vor uns lag.
Später dann habe ich mit Eric einige Kerben in unser gemeinsames Laufkerbholz geritzt. Den TDG 2010 beispielsweise, ein geniales Trainingswochenende im Aostatal zuvor, ein paar Mal den K-UT bei ihm, den Trail Uewersauer in Luxemburg, den KoBoLT und viele andere mehr.
Nie werde ich an Courmayeur denken und diese Situation 2009 nicht geistig präsent haben! Eric, so Du das liest: Du bist ein Klassetyp, eine echte Bereicherung der Läufergemeinschaft. Und den K-UT musst Du unbedingt selbst auch mal erleben, falls Du das nicht schon längst getan hast.

Nach Courmayeur ging es zurück nach Chamonix, aber erst gab es noch einen Abstecher nach La Flégére, wo die Läufer die Straße queren und es eine fantastische Möglichkeit gibt, die Läufer, die nun schon 162 Kilometer in den Beinen haben, zu beobachten. Die Sonne brannte heiß auf uns herunter und ich dachte, dass ich froh war, nur sitzen und warten zu können, ohne rennen zu müssen.

Das Ziel in Chamonix erreichte der erste Läufer, Ludovic Pommeret, nach 22 Stunden und 2 Sekunden, also kurz nach 16 Uhr am Samstagnachmittag. Als erste Frau kam Caroline Chaverot als Gesamtzwanzigste ins Ziel, direkt gefolgt von der großartigen Andrea Huser, die ich kurz zuvor beim Eiger Ultra Trail kennenlernen durfte.
HOKA vor VIBRAM bei den Herren, HOKA vor MAMMUT bei den Ladies …

Ich hatte ursprünglich noch die Absicht, im Zielkanal auf die deutschen Heldinnen und Helden zu warten, aber ich beschloss dann doch, noch so zeitig nach Hause zu fahren, dass ich zum sonntäglichen Frühstück wieder bei meiner Familie war.
Aber das Erlebnis, den UTMB und die Leader des UTMB von der „anderen Seite“ zu sehen, das war schon ein echtes Highlight.

Chamonix und die Bewerbe der UTMB-Woche sind schon immer wieder eine Reise wert. „Outstanding“ nennen die Amerikaner solche Highlights, „outstanding“ ist der UTMB sicher und er wird es bleiben, den vielen Tausend Helfern sei dafür gedankt.
Ausreichend viele UTMB-Punkte, etwas Losglück und den Willen, sich einer solchen Herausforderung zu stellen, das ist das „must have“ für den Bewerb UTMB, eine atemberaubende, unerreichte Stimmung, eine sensationelle Landschaft rund um den „weißen Berg“ und eine perfekte Organisation der einzelnen Bewerbe gibt es als Gegenleistung dafür.
Und wenn Du das alles zu Ende gebracht hast, dann gibt es die UTMB-Finisher Weste, die Dich sofort zur läuferischen Ausnahmegruppe erhebt. Die Weste, die nur „Eingeweihte“ erkennen, das aber dann auch sofort. Und diese „Eingeweihten“ wissen dann auch sofort Bescheid. Weil kein Mensch diese Weste kaufen kann. Du kannst sie Dir nur verdienen.
Und diese Weste willst Du dann nie, nie, nie wieder ausziehen …

Şereflikoçhisar – auf Salz laufen

Der Flug vom Köln-Bonner Flughafen über Istanbul Sabiha Göczen nach Ankara verlief problemlos, nur das Gepäck wollte sich nicht auf dem Förderband des Fluges Istanbul – Ankara wiederfinden.
Was bin ich für ein Trottel, dachte ich. Da rät man jedem, zumindest die Laufschuhe keinesfalls ins Aufgabegepäck zu geben und dann denkst Du selbst nicht daran!

Für einen Moment sah ich mich nach Laufschuhen in einer Größe suchen, die es in der Türkei sicherlich kaum gibt, schon gar nicht außerhalb der Metropole Istanbul. Die Laufkleidung bekommst Du ja noch – aber Schuhe mindestens in der Größe US 13, besser US 13.5?
Erinnerungen wurden wach an meine Ankunft im Vorjahr in Nevşehir und ich fragte mich, ob das „Lost & Found – Büro“ mir helfen könne. Nach einiger Konversation wurde mir gesagt, dass Gepäck, das aus dem Ausland und eben nicht direkt aus Istanbul kommt, auf einem separaten Band außerhalb dieser Halle ausgeliefert wird.
Ich wollte es kaum glauben und fragte am Hallenausgang erneut nach, damit mich der Türsteher kennt, um schlimmstenfalls wieder in die Halle zurückkommen zu dürfen, falls ich dieses Band oder meinen Koffer doch nicht finden würde.
Also raus aus der Halle, ein paar Meter nach links, rein in die Nachbarhalle und da winkte mir mein Köfferchen schon zu … gerettet!

Dann nahm ich einen mit bestem WiFi ausgestatteten Bus in die Innenstadt von Ankara, zum dortigen Busbahnhof – ebenfalls ein Vorbild für viele deutsche Lösungen, die oft sehr zu wünschen übrig lassen. Ein Ticket nach Şereflikoçhisar gekauft, rund neun EUR für eine Fahrt von fast drei Stunden, mit Bordservice von einem jungem Mann mit Krawatte, sehr, sehr vornehm und wirklich angenehm, und ich war deutlich früher am Treffpunkt, wo ich abgeholt werde sollte, als erwartet.

Der Busabhnhof von Şereflikoçhisar ist klein und alt – und sehr leer. Mit Englisch kam ich nicht weiter, wollte ich doch meine türkische Mobilfunkkarte irgendwo im Städtchen verlängern lassen. Aber man weiß sich ja zu helfen.
Mit einer App, die ein junger Mann auf seinem Mobiltelefon hatte, in der er seine Antworten auf türkisch eintippte und die mir das dann auf englisch zeigte, ging auch diese Konversation problemlos, leider war meine Mobilkarte wegen längerer Nichtnutzung nicht mehr aktivierbar und eine neue bekommen konnte ich nicht, weil sich die Bezugsregeln so geändert haben, dass ich einen türkischen Pass gebraucht hätte.
Die Einschränkung unserer persönlichen Freiheiten nimmt halt ständig zu.2016-07-30 07.28.02.jpg
Und dann wartete ich. Und je länger ich wartete, desto unsicherer wurde ich, ob ich nicht vielleicht etwas falsch gelesen hätte. Oder ob ich mich falsch erinnert hätte. Aber wenige Minuten vor 15 Uhr, dem avisierten Zeitpunkt der Abholung, war ich dann nicht mehr allein und der Platz begann, sich zu füllen.

Das Camp liegt nur wenige Kilometer von Şereflikoçhisar entfernt und ich hatte das Gefühl, dass man tatsächlich auf mich gewartet hatte. 70% Wiederholer bei den Events von UZUNETAP sprechen für die Leistung des Orga-Teams, diese Quote führt aber auch dazu, dass Du, wenn Du innerhalb eines Jahres das vierte Mal in der Türkei bist, ungeheuer viele Menschen kennst. Menschen, die meist meine Geschichte kennen und Menschen, die stolz sind, dass Deutsche diese Events besuchen.

Es sind ja nur wenige Ausländer dort, leider.
Brice, mein französicher Freund, Chris, der Engländer, der in Japan lebt, Stefan Schlett, ein deutscher Haudegen, Ultraläufer der ersten Stunde, Mike und Ruby aus Kanada, das war sie, die internationale Besetzung bei den Rennen Ultramarathon, Toughest Day und 6 G. Wir müssen da zusammen etwas machen, finde ich …

Das leckere Buffet am Abend, für das alleine sich die Reise zu den UZUNETAP Events lohnen würde, die Nacht im Zelt mit Chris, Brice und drei Herren der Medical Crew, das fast noch leckerere Frühstück, wobei mir selbst jetzt noch beim Schreiben die Augen übergehen, wenn ich an den salzigen Schafskäse und die genial leckeren Oliven denke – oder an das großartige Rührei, dann die finale Vorbereitung auf den Lauf und dann ging es auch schon los.2015-08-01 19.29.33
Ich bin ja auf dem Salzsee 2015 gescheitert. Am Kopf, nicht an den Beinen, wie das halt meist so ist. Und weil ich wusste, warum ich gescheitert bin, wollte ich heuer alles anders machen.
Die Ultraläufer und die Läufer*innen des „Toughest Day“ starteten ja gemeinsam, die Läufer*innen des Bewerbs „6G“ starten zehn Kilometer später, direkt am Beginn des Salzsees, genau eine Stunde später. 2015 hatte ich meinen Lauf auf „langsam“ eingestellt und auch sehr defensiv begonnen. Ich lief mit Stöcken, die mich auf der Ebene immer langsam machen. Und ich lief im hinteren Drittel des Starterfelds.
Am Ende war ich mit einem Südkoreaner alleine und nur auf die Angaben des GPS-Geräts angewiesen. Und prompt verliefen wir uns um einige Meter und liefen rechts von einem abgetrennten Salzgewinnungs-Feld entlang, anstatt links und deshalb sahen wir den Checkpoint zwar in der Ferne, konnten ihn aber nicht erreichen und mussten ein erhebliches Stück zurück laufen. Das hatte mir und meiner Psyche dann den Rest gegeben.

Ich lief also dieses Jahr vorne im Feld mit, auch schon auf den ersten zehn Kilometern, auf denen wir uns Richtung Salzsee bewegten. Dann kannst Du Dich auf die Anderen verlassen und brauchst gar nicht auf den Track zu achten…
Und dann, auf dem Salzsee, kam auch gleich der erste Checkpoint, an dem die 6G Läufer*innen gestartet waren, etwa fünf Minuten, bevor wir dort aufschlugen. Wir konnten sie also noch sehen und holten die Langsameren von ihnen sehr schnell ein. Auch das bedeutete, dass ich so lange keinen Blick auf den GPS-Track werfen musste, solange der 6G-Bewerb noch auf unserer Strecke war.

Und das Überholen der 6G Läufer*innen macht so viel Spaß und schafft eine immense Zuversicht. Immer ein paar nette Worte zu jedem, ein Foto mit dieser Gruppe, ein Foto mit ihr, ein Foto mit ihm, ein paar Hundert Meter mit Chris laufen und quatschen – und dann immer wieder weiter nach vorne.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, dass ich in unserem Bewerb vorne war, ich wusste nur nicht, wie groß der Vorsprung gewesen ist, deshalb wollte ich keinen Gang zurück schalten.
In einem Mini-Bewerb vorne liegen ist zwar nicht heldenhaft, dennoch schön  und letztendlich egal. Aber auch mit Blick auf die Ultraläufer lag ich respektabel und verbesserte meine Position auf den noch folgenden 80 Kilometern noch ein wenig. Am Ende wäre ich wohl Vierter geworden, wenn die beiden Bewerbe als ein Gesamtbewerb gewertet wurden wären, immerhin.

Der zweite Checkpoint war ein echtes Erlebnis. Vor Dir: Salz, neben Dir: Salz, hinter Dir: Salz, auf der anderen Seite: Salz. Und mitten drin ein knallroter Pavillon und einige knallbunte Beachflags. Meine Freundin Sibel, die ich als Pacemaker beim 6G Bewerb des Lycian Way im letzten September zum Sieg bei den Damen begleitet hatte, betreute diesen Checkpoint, ein Grund, kurz anzuhalten und etwas zu quatschen.

Nach dem dritten Checkpoint ließ mich mein Laufpartner alleine, er musste sich als Diabetiker um seine Zuckerwerte kümmern und das Tempo deutlich herunter nehmen. Es war mittlerweile schon brüllend heiß. Von oben. Und von unten.
Und auch ich reduzierte mein Tempo und die Gehpausen begannen und nahmen stetig zu.

Nach vierzig Kilometern verlässt Du erst einmal den Salzsee und es geht hinauf auf einen „Berg“, von 900 Metern über N.N., auf dieser Höhe liegt der Tuz Gölü, der türkische Salzsee, auf knapp über 1.100 Meter über N.N.
Gut zweihundert Höhenmeter. Normalerweise würden wir solch geringe Anstiege nicht erwähnen, aber in brüllender Hitze, auf einer „dirt road“, ist das eine echte Herausforderung, zumindest für mich.

Oben auf dem Hügel passierst Du dann alte „Tanks“, alte Weltkriegs-Panzer. Und die bilden einen hervorragenden Kontrast zu den Läufern, Grund genug fü die Fotografen, dort zu stehen.
Die 6 G Läufer*innen waren längst fertig, sie liefen ja „nur“ vom Checkpoint 1 bei km 10 zum Checkpoint 3 bei km 23. Für uns war dieser Checkpoint auch noch ein zweites Mal Anlaufstation, weil wir, um die 100 K voll zu machen, noch eine längere Schleife laufen mussten, äh durften.
Und dann geht es wieder runter, zum mittleren Checkpoint bei km 50,9, einem Checkpoint, an dem es heißes Wasser gibt. Es gibt nämlich an allen Checkpoints nichts Eßbares, eben nur Wasser, meist lauwarmes Wasser.
Dass es nichts zu essen gibt, ist nämlich der Tatsache geschuldet, dass es die Herausforderung an die Ultras ist, alles, was sie in der Laufwoche brauchen, selbst zu tragen. Eben genau so, wie Du es vielleicht vom „Marathon des Sables“ her kennst. Und von den anderen, ähnlich gearteten“Stage Races“, alle mit vergleichbaren Bedingungen, alle mit einer Königsetappe, alle mit einer ähnlichen Gesamtlänge.

Ich hatte ja mein vegetarisches TravelLunch dabei, ein Risotto mit Gemüse. Und so verbrachte ich gut 15 Minuten an diesem mittleren Checkpoint, weil ja das TravelLunch alleine schon 6 Minuten ziehen muss.
Und dann ging es weiter. Noch ging es weiter abwärts. Das tat gut, aber dann zog sich der Weg, meist wieder eine „dirt road“, bis zum Salzsee. Mittlerweile übertrafen die Gehpausen die Laufphasen und ich hoffte auf die abendliche Abkühlung.
In jenen gut 15 Minuten Pause lief niemand im Checkpoint ein, also schloss ich messerscharf, dass ich mindestens 15 Minuten Vorsprung haben sollte, weil die Nachkommenden ja ebenfalls eine Essenspause bei heißem Wasser machen werden.
Dennoch schaute ich in der Folge immer wieder gelegentlich nach hinten, um eventuelle Positionsverschiebungen frühzeitig zu erkennen.

Kennst Du das, dass Du, obwohl Du weit und breit alleine unterwegs bist, ständig Deine eigenen Geräusche fehlinterpretierst und denkst, dass Dir jemand fast auf den Hacken laufen würde, Dir im Nacken sitzt. Und Du drehst Dich um und da ist – niemand?

Bevor es dann wieder aufs Salz ging, gab es noch eine Wasserstelle. Ich fühlte mit dem Kollegen mit, der hier „Dienst schieben“ musste. Seine Aufgabe: nur die Ultras und die Läufer des „Toughest Day“ beglücken durch die Ausgabe von jeweils zwei Wasserflaschen, verteilt auf etliche Stunden … gut, wer da ein Sudoko-Heft oder Ausmalbilder bei sich hat, um die Langeweile zu überstehen.

Das Salz änderte oft seine Farbe und seine Konsistenz. Mal war es weiß und flockig wie Firn auf einem Gletscher, mal war es rosa, mal grau-braun. Mal war es glatt, mal rissig, mal hart, mal so weich, dass man bei jedem Schritt eingesunken ist. Und manchmal lag auch eine Wasserschicht auf dem Salz, die Dich an alle kleinen Verletzungen erinnert, die Du an den Füßen hast. Wer Blasen mag, der wird hier ausgiebig damit beglückt.
Ich hatte am Ende eine riesige Blutblase an der rechten Ferse und einige „normale“ Blasen, die wenigstens nicht übermäßig weh getan haben.
Aber die Blutblase hinten sorgte dafür, dass jedes Auftreten richtig weh tat. Aber sich fortbewegen ohne aufzutreten?

Nun war ich über das Salz froh. Das Geläuf war nun immer eben und glatt. Immer, wenn wir vom See für einige Kilometer runter mussten, weil die Salzkruste nicht hart und stabil genug gewesen wäre, liefen wir auf einem Acker, einer Wiesenstraße, auf einer „dirt road“ oder einfach durch eine steppenartige Grasbüschel-Landschaft.
Und immer tritt man nicht eben auf. Und immer sticht die Ferse.

Aber jeder Lauf endet irgendwann und ich war beseelt von der Vorstellung, dieses Ding noch vor Mitternacht abschließen und finishen zu können, also unter 15 Stunden Laufzeit zu bleiben. Am Ende stolperte ich durch eine Grasbüschel-Landschaft, das beleuchtete Camp in Sicht – manchmal, manchmal aber auch nicht, wenn eine erneute Bodenwelle den Blick verdeckte. Längst wurde ich vom Empfangskommitee im Camp erkannt, so ein Kopflicht ist ja schon weithin sichtbar. Und dennoch dauerte es gefühlt zweieinhalb Ewigkeiten, bis ich dann endlich drin war. Um 23.53 Uhr … ich war sooo stolz.

Auch wenn ein Bewerb extrem klein ist, auf dem Siegerpodest stehen ist schon toll. Nicht nur, weil es dafür eine wunderschöne Amphore gab, nicht nur, weil die Welt von da oben einfach anders aussieht, sondern deshalb, weil man so die Chance hat, sich bei all denen zu bedanken, die diesen Tag, diese für mich knapp 15 Stunden, möglich gemacht haben.

Ich bin ja ein UZUNETAP-Fan geworden, die beiden Veranstaltungen „Runfire Cappadocia“ und „LYUM – Lycian Way Ultramaratonu“ sind einfach super schön. Tolle Landschaft, unglaublich intensive Menschen und einen Komfort im Camp, der beispiellos ist. Diesen September kann ich leider nicht erneut am LYUM teilnehmen, aber in Cappadocia 2017 werde ich wieder vor Ort sein, ob für den Ultramarathon, den 6G Bewerb, falls meine „besseres Zweidrittel“ mitkommt, oder eben wieder für den „Toughest Day“, um wieder auf Salz zu laufen.

Get here if you can.

Das Finish

In der Gesellschaft des „Wüstenläufers“ Jens Vieler und der unglaublichen Ricarda Bethke über Trails rennen, das hat schon was.
Du schaust auf dem Weg zur Schynige Platte runter auf grün leuchtende Seen, die Städte liegen tief unter Dir und Du kommst in Deinen Flow.
Und Du beginnst zu träumen.

Hatte ich zu dieser Zeit längst schon innerlich beschlossen, statt den 101 K „nur“ rund 60 K zu laufen, also bei der DropBag Station in Burglauenen statt nach rechts oben waagrecht nach links weiter zu laufen?
Ich weiß es nicht, die Gedanken wechselten hin und her.
Ich war ja so glücklich, dass meine Rückenprobleme vollkommen weg waren, dass ich rennen konnte und zudem so gut und zügig unterwegs war.
Nichts riskieren, dem Rücken nicht zu viel zumuten, dachte ich, es kommen ja noch …
Außerdem lockte mein schickes Hotelbettchen und die Aussicht, dann ausgeschlafen die Heimfahrt antreten zu können.

Andererseits ist ein „Finish 2. Klasse“ immer doof, ein Makel, der uns Läufer oft daran erinnert, dass wir bei weitem nicht so stark sind, wie wir es uns gerne einbilden.

Und ich erinnerte mich im Flow an die Pressekonferenz des Vortages, an die ungeheuer vielen Zahlen, die uns da präsentiert wurden. Die Organisation solch eines Laufs, so lang, verschiedene Distanzen, so hoch, so viele Teilnehmer, das ist schon eine planerische Meisterleistung.

Da mussten zwei Tonnen Material per Helikopter aufs Faulhorn gebracht werden, 500 Leute im Staff mussten eingekleidet, gebrieft und zu ihren Einsatzorten gebracht werden.
35 kg Rauchfleisch, 40 kg Käse aus der Region, 500 kg Orangen, 1.800 Liter Bouillon, 2.600 Liter Cola und 3.200 Bananen und noch viel, viel mehr. Für mich ist es unvorstellbar, wie solch ein Event gestemmt werden kann.

Nach der Leiter zur Schynige Platte ging es noch wellig rauf und runter. Der Schnee war ja weg, aber die Strecke war immer dort noch nass, wo die Sonne nicht hinkam. Und das galt vor allem für den nun folgenden Downhill.
Ein wurzeliger und schmaler Trail, mehr stacksen als rennen. Und davon ganz besonders viel. Ich bin überhaupt kein Fan solch technisch schwierigen Downhills im Wald. Oft bleibe ich mit der Fußspitze hängen und dann erinnere ich mich daran, dass ich keinesfalls fallen wollte. Und dann werde ich noch langsamer.

Ja, ich bin langsam auf solchen Stücken. Von den Cracks abgesehen, die sowieso weit vorne waren, verliere ich auf solchen Teilstücken selbst Zeit auf Läufer*innen, die eigentlich „in meiner Liga“ laufen.
Rauf überhole ich oft und runter gebe ich diese Plätze meist frustriert wieder ab.
Und je länger dieser Downhill war, von der Schynige Platte auf knapp 2.000 Meter runter nach Burglauenen, einen einzigen Konteranstieg zur Erholung, runter auf unter 1.000 Meter, desto genervter wurde ich.
Vor allem die letzten knapp vier Kilometer vor Burglauenen, die letzten 500 Höhenmeter runter, taten sehr weh.

Und ich sah den auf den VP in Burglauenen folgenden Aufstieg auf den Männlichen in der prallen Sonne auf der gegenüberliegenden Seite. Und spätestens da entschied ich definitv, was ich im Grunde schon vor der Schynige Platte entschieden hatte.
Short version, lockeres Auslaufen nach Grindelwald, Nachmittags-Finish, Weichei-Version. Verzicht auf den Eiger Gletscher.

Im Nachhinein ärgere ich mich natürlich mal wieder über mich, weil ich in Hinblick auf den Lauf auf dem türkischen Salzsee wohl richtig, im Hinblick auf den späteren „Alpen X“ aber falsch entschieden hatte.

Am VP in Burglauenen gab es ein warmes Nudelgericht, den DropBag brauchte ich dank meiner Entscheidung zum Shortcut nicht, ich traf Freunde aus der Heimat, die ganz offiziell „nur“ den E51 gelaufen sind und dann machte ich mich auf die letzten gut sieben Kilometer nach Grindelwald.

Ein Fahrradweg, ständig leicht ansteigend, das war die letzte Etappe. Schön, oft am Flüsschen entlang, aber es war heiß, die Sonne brannte von oben, die Moral war deutlich gesunken, die Kraft war weg und ich lief mit einer Handvoll anderer Läufer*innen, die alle offizielle E51 Teilnehmer waren.
E101 Weichei-Variantenläufer sah ich keine. Es gab ja auch nicht allzu viele, die diesen Ausweg nahmen. Und, vielleicht ein Trost für mich, von den wenigen war ich wenigstens der Schnellste. Immerhin.

Aber wir alle kämpften. Mal laufen, mal traben, mal gehen, immer im Wechsel. Und wir überholten uns oder ich wurde überholt. Aber ich konnte zu keinem einen nennenswerten Vorsprung heraus laufen. Und niemand schaffte es in dieser Phase, sich von mir deutlich nach vorne abzusetzen.

Dann kamen wir in Grindelwald an, ganz unten am Fluß und so ging es in Etappen noch einmal einige Meter hinauf bis auf die Hauptstraße, von rechts bogen Läufer*innen des E35 Bewerbs ein und dann die Hauptstraße links entlang und dann rein in den schönen Zielkanal, gesäumt von Hunderten von klatschenden Zuschauern.
Kinderhände wollten abgeklatscht werden und kurz vor der Matte blieb ich stehen.
Ich war mir ja nicht einmal hundertprozentig sicher, ob ich alles richtig gemacht hatte, ob es diese offizielle Shortcut-Variante überhaupt gibt und so fragte ich den ersten Aufpasser, ob ich, da ich natürlich noch vor dem Sieger des E101, aber mit einer E101 Startnummer, im Zielkanal war, überhaupt über die elektronische Zeitnahme laufen dürfe.

„Ja klar,“ sagte er. „Die Jungs im Wagen rechnen das nachher alles raus.“ Aber es sei besser, ich würde es denen sicherheitshalber auch noch einmal sagen. Tat ich dann auch.

Es gab einen Stein am EigerUltra-Band als Finishermedaille, ein Finishershirt E51 und die Umarmungen einiger Lauffreunde, meist E35 Läufer, alles war gut.
Die Eigernordwand schaute auf uns herunter, die Sonne lachte.
Nur ich war nicht sicher, ob ich lachen sollte. Ein paar kleine Tränchen musste ich mir dann auf dem Weg ins Hotel schon verdrücken.

Grindelwald ist eine fantastische Stadt, der EigerUltra ist ein fantastischer Lauf, das Wetter hätte nicht besser sein können und die Wärme, mit der ich vom Orgateam und an allen Verpflegungsposten empfangen wurde, wird mir lange in Erinnerung bleiben.
Und wenn ich irgendwann noch einmal den EigerUlta unter die Füße nehmen darf, dann nehme ich mir ein kleines Stöckchen mit und ich haue mir fest auf die Finger, wenn ich auch nur daran denke, wieder die Shortcut-Alternative zu nehmen.

Vielen Dank an die Stadt Grindelwald und an alle, die dieses wunderbare Wochenende dort möglich gemacht haben. Und die, die meinen Rücken in diesen Zustand versetzt hatten, dass ich überhaupt starten und finishen konnte, die werden unvergessen bleiben …

Köln – Istanbul – Ankara – Şereflikoçhisar

Diese Geschichte ist für eine Geschichte für Dich. Sie soll Dir ermöglichen, mitzukommen auf mein Abenteuer in der Türkei, ein Abenteuer abseits der bekannten und best promoteten Laufveranstaltungen Mitteleuropas.
Ich bin ja immer auf der Suche nach neuen Horizonten, ich liebe es, meinen Koffer zu packen und in ferne Länder, in wenig bekannte Gebiete, zu reisen – und dort zu laufen.
Diese Geschichte soll also auch eine Einladung zum Reisen sein …

Wenn ich in die Türkei reise, dann reise ich ein stückweit in die Vergangenheit meines leiblichen Vaters, hinein in eine Sehnsucht. Ich reise aber auch in ein Land, in dem ich 2015 so immens viele Freunde gefunden habe, Menschen, deren Begeisterung und deren Lebensfreude mir zeigt, wie aufregend das Leben sein kann. Davon könnte ich noch einiges lernen, da könnte ich noch enorm wachsen …

Und so war meine erste Station in der Türkei letztes Jahr der Lauf durch Kappadokien, der „Runfire Cappadocia“, das Rennen des Feuers. Sechs Tage lang wollte ich damals in der Hölle leben – und gleichzeitig auch im Paradies.
Dabei ging es mir nicht primär darum, meine Grenzen zu finden, obwohl der „Runfire Cappadocia“ sicherlich einer der härtesten Ultramarathon-Bewerbe der Welt ist. Weil es so heiß ist. Weil die Regeln so hart sind.
Mir ging es damals vor allem um die Gegend zwischen Aksaray, der Geburtsstadt meines Vaters, Kayseri und Ankara, um die wegen ihrer geologischen Seltsamkeiten weltberühmte Region rund um Uchisar und Göreme, der kleine Flecken Welt, an dem jeden einzelnen Tag Hunderte von Fesselballons aufsteigen, weil man die skurrilen Tuffsteingebilde am besten aus der Luft ansieht – oder man rennt einfach dazwischen durch, darüber hinweg und man schlängelt sich durch die Höhlen.
Kein Wunder, dass dieser landschaftliche Traum von der UNESCO als eine der schönsten historischen Stätten der Welt bezeichnet wird, so einzigartig, dass man sich fragt, ob man sich wirklich noch auf unserer Erde befindet.

„Runfire Cappadocia 2015“:

Es war mein bisher vielleicht spannendstes Lauf-Abenteuer (siehe https://marathonundlaenger.wordpress.com/runfire-cappadocia/), aber es hatte einen Schönheitsfleck, einen Makel, der mich ein langes Jahr lang immer wieder bedrückt hat. Und dieser Makel war, dass ich auf der Königsetappe geschwächelt hatte.
Die Königsetappe, immerhin 100 Kilometer lang, findet hauptsächlich auf dem Tuz Gölü, einem Salzsee, statt. Außer in Bolivien kenne ich keinen Salzsee, der solch ein Laufabenteuer bietet. Und ich bin nach rund 30 Kilometern ausgestiegen!
Weil ich mich nicht exakt an die Strecke des GPS-Tracks gehalten hatte. Und weil. Und weil. Und überhaupt.

Es war am Sonntagnachmittag, 24. Juli 2016, als mich mein französischer Journalistenfreund Brice Rohaut per Facebook Messenger anklingelte und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, spontan noch in die Türkei zu fliegen, um am „Toughest Day“ teilzunehmen, also nur und ausschließlich an dem Bewerb, der eben diese Königsetappe umfasst.
Nur zwei Wochen nach dem vereitelten Putsch in der Türkei über einen Flughafen Istanbuls nach Ankara fliegen? Noch eine Woche zuvor musste mein türkischer Freund Özcan Camyar seinen Lauf „Aybasti Ultra“ absagen – wegen der politischen Situation im Land. Und ich sollte nun nach Ankara kommen?

Wenn mir so etwas passiert, dann regen sich in mir immer verschiedene Gedanken. Da ist die Lust aufs Reisen, der Spaß am Skurrilen, an Verrücktheiten, die wahrlich nicht jeder macht. Aber da ist auch der kühl rechnende Verstand, der die immensen Reisekosten summiert, die Zeit abschätzt, die man nicht zu Hause ist.
Und dann wird gegooglelt, Flüge müssen gefunden und gebucht werden, die Familie muss zustimmen, ein Bus von Ankara nach Şereflikoçhisar muss gefunden werden. Weil ich da ja am Mittwoch, 27. Juli 2016 um 15 Uhr sein soll. Sein will. Sein darf!
Gut, dass man Freunde hat, die einem in der einen oder anderen Frage weiterhelfen können. Ich selbst kann ja kein Türkisch, das ist ein echtes Handicap bei der Internet-Recherche von innertürkischen Busverbindungen.

Als dann alles gebucht war, kamen schöne Erinnerungen in meinen Kopf, Erinnerungen an die liebenswerte Chefin der Veranstaltung, Özge Usta Dogan, an meine türkischen Lauffreundinnen und Lauffreunde, an die Schattenfotografien im Abendlicht, an die geniale und feucht-fröhliche Abschlussveranstaltung in Uchisar. Und ich erinnerte mich an das Salzwasser auf der harten Salzkruste, an die Hitze von oben und an die Hitze von unten.

Und dann fängst Du an zu planen. Was soll ich alles mitnehmen? Eine Gletscherbrille gegen die große Helligkeit, ich entschied mich für die Asics Gel Kayano Laufschuhe, weil die Strecke ja weitgehend flach ist. Seen haben halt selten Anstiege.
Nein, keine Stöcke, wirklich nicht, dachte ich mir. Und nur einen kleinen Rucksack. Aber eine große Flasche Sonnenmilch, eine sehr große Flasche. Laufklamotten, zivile Klamotten, die Badutensilien – und die ständige Frage, welche elektronischen Teile brauchst Du? Laptop, Tab, Handy, Kamera, MP3-Player, GoPro, GPS-Gerät, Stirnlampe, welche Laufuhr? Sonst noch was?

Und dann war der Sonntag auch schon vorbei. Noch zwei Tage bis zur Abreise. Vom Flughafen Köln-Bonn über den Flughafen Sabiha Gökcen im asiatischen Teil Istanbuls nach Ankara. Am Mittwoch.

Noch etwas träumen …
… vom Tuz Gölü, diesem riesigen, 80 Kilometer langen, Salzsee. Davon, dass dort der Horizont oben strahlend blau und unten alles hell und weiß ist, träumen von einem unwirklichen Platz einerseits und einem paradiesischen Garten andererseits, aber von einem Paradies, in dem es weder Äpfel noch Schlangen gibt.
Und träumen von der wohligen Wärme im Uzunetap-Camp, mit herrlichem türkischen Essen, mit Musik, Sonne, Gelächter, mit vielen Freunden und mit ausgelassener Freude …

Suddenly the world seems such a perfect place …

2016-07-16 04.28.28Das grüne Licht am Eiger, eigentlich eine gute Idee.
Leider ist der Laser hinter den Läufern statt davor, deshalb haben einige Läuferinnen und Läufer diesen wahrscheinlich kostspieligen  Gimmick gar nicht mitbekommen.
Nicht schlimm, es geht ja auch ohne.

Rennen durch die Stadt Grindelwald, die Hauptstraße entlang. Ich bin bei solch großen Rennen immer wieder fasziniert, wie viele Menschen ihre verdiente Nachtruhe gegen einen Besuch an der Laufstrecke am sehr, sehr frühen Morgen eintauschen.
Diese Menschen jubeln uns Läufern zu, dazu scheint der Mond hell vom Himmel, die ganze Stadt ist in ein Licht getaucht, das den bald aufziehenden Morgen erahnen lässt.

Ich kenne diesen Teil der Laufstrecke noch aus dem Premierenjahr dieses Bewerbs, die Abbiegung von der Hauptstraße, der Übergang in den Trail. Das elende Anstehen nach wenigen Kilometern, weil wir einzeln einen Fluß überqueren müssen. Und noch ein paar Staus später. Langsam fallen mir all diese Hürden wieder ein.
Und es geht treppenartig höher Richtung Große Scheidegg.

Ich bin weit hinten und höre bei jedem Schritt in meinen Körper hinein. Kann ich laufen? Wie verhält sich der Rücken beim Auftreten? Alles fühlt sich gut an. Aber nur nicht übermütig werden, denke ich.

Der erste VP ist eine Hütte auf der Großen Scheidegg, ich erreiche sie, als es gerade beginnt, wieder hell zu werden. Auch diese Station kenne ich vom Premierenjahr noch, eigentlich kommt der VP für mich eher zu früh.
Es gibt Wasser, Sponser Drinks, Sponser Riegel und vieles mehr. Ich nehme nur einen halben Riegel und bin auch gleich wieder weg.

Viel Zeit ist vergangen, aber nun kommt eine Passage, in der Du Dein kumuliertes Durchschnittstempo erheblich verbessern kannst. Die Wege sind breit und nicht allzu hügelig, ein echter Laufbewerb also und nicht nur einer, bei dem Speedhiking die einzige Antwort aufs Gelände ist.

Ich unterhalte mich prächtig mit den Mitläufer*innen. Ob es die Liverpoolerin ist, die mich beim späteren Downhill rasant überholen wird, um mir dann beim Uphill wieder die Chance zu geben, sie zu passieren oder der eine oder andere Deutsche, mit dem man die immer gleichen Fragen austauscht („Warst Du schon einmal hier?“ „Was läufst Du sonst noch dieses Jahr?“ oder „Where do you come from?“), es wird nicht langweilig.
Und die Sonne scheint auf uns herab und auf ein Panorama, das so schön ist, dass ich an Nicole Kidman denken muss, die im Lied „Come what may“ singt:

Suddenly the world seems such a perfect place
Suddenly it moves with such a perfect grace
Suddenly my life doesn’t seem such a waste.

Und mir wird mal wieder klar, warum so viele Menschen, Läufer oder Nichtläufer, Skifahrer, Wanderer, Mountainbiker, Urlauber oder einfach Bergliebhaber, von dieser Region magisch angezogen sind, warum Eiger, Mönch und Jungfrau einen solch hohen Bekanntheitsgrad haben und von diesen Bergen mit so viel Zuneigung und Liebe gesprochen wird.

Wir kommen zur Bergstation der First-Bahn. Auch die kenne ich noch. Die hatte mich 2013 wieder vom Berg hinunter gebracht, kaputt, demoralisiert und geschwächt.
Und dort geht es gleich wieder runter. Weit runter. Steil runter.
Zwar keinen technisch schwierigen Downhill, dafür aber sehr steil. An der Straße, die uns runter bringt, steht ein Schild „20% Gefälle“. Ich bin langsam und schone meine Oberschenkel, die Liverpoolerin spurtet an mir vorbei, als wäre ich eine Slalomstange.

Nach dem VP geht es auch gleich wieder hoch. Wieder zur Bergstation der First-Bahn, aber auf einem anderen, weiter entfernten Trail. Lange bleibt es flach, dann geht es ähnlich rauf, wie es vorhin runter gegangen ist.

Hier treffe ich auch auf Marc, dessen Gesellschaft ich dann bis zum Schluss suchen werde. Und wir reden über das, was war und das, was kommen wird. Da gibt es viele gemeinsame Ziele, die Welt ist halt ein Dorf.
Weit über uns, rechts oben am Hang, sehen wir die First-Bahn. Dahin geht es rauf. Aber wir sehen auch eine Metallkonstruktion, die an der Wand angebracht ist und die, die als Skywalk fantastische Blicke in die Tiefe ermöglicht.
Dort stehen Dutzende von Beobachtern, jubelnd und begeistert. Und wir dürfen oben über diese Metallkonstruktion laufen, die nachgibt wie ein Sprungbrett am Wasserbecken, die mir kurz die Füße weggezogen hat, deren Belaufen aber so geil, so genial, so gigantisch war, dass ich alleine für diese Passage auf jeden Fall wiederkommen möchte.

Schade, dass die E51 Läufer diese Freude nicht haben. Also E101 und dann wieder ab Burglauenen abkürzen? Oder doch einfach ganz privat diese wenigen Hundert Meter außerhalb des Wettkampfes genießen?

Und die Welt scheint plötzlich tatsächlich ein perfekter Platz zu sein, alles bewegt sich plötzlich voller Anmut und mein Leben ist plötzlich nicht mehr sinnlos.
Danke, Nicole Kidman, für diese Zeilen, die ich in diesem Moment am liebsten laut rausschreien möchte.

Es geht weiter zum Faulhorn. Dorthin, wo es zwei Tage zuvor noch viel geschneit hat, wo am Vortag noch 25 Helfer des Orga-Teams oben waren, um die Trails soweit zu präparieren, dass wir Läufer dort einigermaßen sicher laufen können.

Kein Schnee ist zu sehen, denke ich. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Es wurde auch noch. Und zwar viel, arg, üppig. Und es wurde rutschig.
Die Schritte kosten Kraft und ich konzentriere mich auf jeden Schritt, immer in der Sorge, auszurutschen oder eine blöde, unkontrollierte Bewegung zu machen. Das könnte Gift sein für meinen Rücken, denke ich.
Es geht weit rüber und dann nicht allzu steil rauf auf den höchsten Punkt, das Faulhorn. Oben ist ein VP. Und wir müssen anstehen. Ein letztes Mal an diesem Tag, aber dafür recht lange. Wenn sich jeder langsam und vorsichtig bewegt, dann führt das bei einer Masse an Läufer*innen zum vollständigen Stillstand.

DCIM101GOPRO

Runter geht es durch den Schnee.Lange. Und es bleibt glatt und rutschig. Kein schönes Erlebnis und meine Sorgen sind ständig präsent. Ich bin ein „Fleisch gewordenes Hindernis“ für die anderen Läufer. Zumindest fühle ich mich so. Aber, von einigen Sprintern abgesehen, alle kämpfen mit diesem Gerutsche und ein „ach“ oder „aua“ hier und da zeigt, wie viele Läufer*innen auf diesem Stück unfreiwillig die schneebedeckte Erde küssen.

Dann wird es leichter und irgendwann ist auch der letzte Schnee weg. „Schnee von vorgestern“ gewissermaßen. Und der Trail führt wellig weiter zum Punkt Schynige Platte. Aber der Weg zieht sich. Und das ist auch gut so. Er ist nämlich wunderschön.
Gut zu laufen zwischendurch, immer wieder mit Konteranstiegen und stets mit traumhaften Ausblicken über die Landschaft, über Interlaken, den Thuner See und so viele anderen Leckerbissen, dass ich die Touristen, die dort im Gras liegen, um sich eben dieses Panorama anzusehen und die Ausblicke zu genießen, von Herzen beneide.


Aber Marc und ich laufen in der Gesellschaft von Lokalmatadoren, in der Gesellschaft des „Wüstenläufers“ Jens Vieler und der unglaublichen Ricarda Bethke. Bestes Wetter, grandiose Ausblicke, ein gut laufbarer Trail, die Herzen wärmende Begleitung – kann Trailrunning schöner sein?

Suddenly the world seems such a perfect place
Suddenly it moves with such a perfect grace
Suddenly my life doesn’t seem such a waste.

Ich verliere die beiden dann leider, als es eine Metallleiter hinauf geht;
soweit für heute …

Songtext: „Come What May“ aus dem Film „Moulin Rouge“:

Ewan:
Never knew, I could feel like this,
Like I’ve never seen the sky before
Want to vanish inside your kiss
Everyday I love you more and more
Listen to my heart, can you hear it sing
Telling me to give you everything
Seasons may change, winter to spring
But I love you, until the end of time
Come what may, come what may
I will love you, until my dying day

Nicole:
Suddenly the world seems such a perfect place
Suddenly it moves with such a perfect grace
Suddenly my life doesn’t seem such a waste
It all revolves around you

Ewan:
And there’s no mountain too high, no river too wide
Sing out this song and I’ll be there by your side
Storm clouds may gather,
And stars may collide

Both:
But I love you (I love you)
(un)Til the end of time (Until the end of time)

Come what may, Come what may
I will love you, until my dying day
Oh come what may, come what may
I will love you (I will love you)

Suddenly the world seems such a perfect place
Come what may, Come what may
I will love you
Until my dying day.

Eiger Ultra Trail E 101 – der Start


Es ist 2.00 Uhr, mitten in der Nacht. Der Wecker steht auf 3.15 Uhr – eigentlich. Aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Ich bin positiv nervös. Und ich bin überrascht und erfreut, ich befummele meinen Rücken, drehe mich und richte mich auf – nichts tut mehr weh.

Seit Tagen von Rückenschmerzen buchstäblich geknickt hatte ich meinen Start beim E 101 des Eiger Ultra Trails (EUT) schon abgeschrieben und mich auf ein Alternativprogramm eingestellt.
Aber Wärmepflaster, die Zauberarme eines Lauffreundes und die Zauberfinger des Masseurs auf der Läufer-Expo, alles am Freitag, dem Tag vor dem Start, kombiniert mit 3x 2 Tabletten Muskelrelaxans zum Lösen der Muskelverspannung im Rücken, die die Ursache für die Rückenschmerzen war, all das hatte geholfen.
Punktgenau war ich wieder soweit hergestellt, dass ich das Abenteuer Eiger Ultra Trail angehen konnte.

Es ist 2.00 Uhr, mitten in der Nacht. Warum bin ich nicht mehr müde? Ich nutze die Situation aus, um sehr langsam und bedächtig die Laufvorbereitungen zu treffen. Abkleben hier und da, Laufklamotten anziehen … warum muss man kurz nach 2.00 Uhr eine Entscheidung treffen, was man anziehen will?
Ich entscheide mich trotz der vorhergesagten Hitze für eine Dreiviertel-Laufhose. Ich liebe dieses Teil mit den weißen Riffeln auf den Oberschenkeln. In dieser Hose habe ich schon viel Gutes erlebt. Und die Nacht war ja kühl.
Und ich entscheide mich für ein Kurzarmshirt, aber kombiniert mit dünnen Armlingen und eine Laufweste. Man weiß ja nicht, denke ich, wer friert schon gerne?
Die vorgeschriebene Mütze und die Handschuhe gehen in den Rucksack, das vorgeschriebene Langarmshirt ebenfalls. All das bleibt auch bis zum Rennende da drinnen.

Die Trinkblase bleibt leer, ich fülle nur die beiden Flaschen vorne. Als Gegengewicht zur Füllung des Rucksacks gewissermaßen. Noch etwas Hirschtalg auf die Stellen, die der „böse Wolf“ so gerne attackiert und noch immer bleibt sehr viel Zeit bis zum Start um 4.30 Uhr. Ich verhandle mit mir über den Inhalt des DropBags für den VP in Burglauenen bei km 54, ich hätte es nicht tun brauchen, weil ich den DropBag in Burglauenen nicht nutzen werde und die Abholung desselben nach dem Finish auch prompt vergessen werde.
Alten Männern sollte man solche Konzentrationsübungen nicht mehr zumuten, finde ich.

Ich beschließe, mich ganz gemächlich von meinem edlen Hotel zum Start zu bewegen, gönne mir aber erst noch ein kleines Frühstück im Hotelzimmer. Das fantastische Frühstück im Hotel gibt es ja erst um 7.00 Uhr.
Die Nacht im teuren Hotel nur zur Hälfte genutzt, kein Frühstück, manchmal wäre es tatsächlich besser, ein Hotel zu wählen, das nach Stunden abrechnet …
Im Erdgeschoss aber sehe ich, dass andere Läufer doch frühstücken. Unglaublich, man hatte uns eine reduzierte Auswahl als „early bird“ Frühstück hingestellt.
Obwohl ich schon gegessen hatte, dachte ich, dass so ein leckeres Birchermüsli immer noch in mich hineinpasst. Nirgends auf der Welt ist das Birchermüsli besser als in den edlen Hotels der schönen Schweiz.2016-07-16 04.28.28
Ich bin schon deutlich vor 4.00 Uhr am Start, es ist noch ziemlich leer da. Familie Martina und Gaston Prüfer ist da und ich lerne, dass es einen offiziellen „shortcut“ gibt, einen planvollen Ausstieg in Burglauenen, wenn man sich dort entschließt, direkt nach Grindelwald zurück zu laufen.
Gut zu wissen, denke ich. Aber ich zweifle noch, ob ich überhaupt 10 Kilometer überstehen könnte. Eric Gee ist da und er ist total begeistert und aufgewühlt. Es wird voller und voller und zunehmend kommen Läufer*innen dazu, die ich kenne. Ich fühle mich nicht mehr so allein.
Irdendwo unter den Startenden ist auch Ueli Steck, der Botschafter des Eiger Ultra Trail. Er hat es sich nicht nehmen lassen, auch einer der E 101 Läufer zu sein. Er ist es ja, der den Rekord beim Durchqueren der weltberühmten Nordwand hält, jener Wand, an der vor dem Start ein rotes Licht brennt.

Ich rede mit einigen, vor dem Lauf und während des Laufs. Und jede*r hat eine Geschichte zu erzählen. Es sind die wirklich großen Rennen dieser Welt, die die wirklich großen und interessanten Geschichten erzählen lassen.
Und der Eiger Ultra Trail ist ein wirklich großes Rennen. Es ist unglaublich, dass es dieses Event erst seit 2013 gibt, heuer ist es erst die vierte Austragung. Und schon hat das Event Kultcharakter, ist ein wichtiger Teil der Ultra Trail World Tour (UTWT) und trotz ständig erweiterter Startplätze innerhalb von Stunden ausgebucht.
Da muss ja etwas dran sein. Am Event. An der Region. An diesen Bergen.

Grindelwald ist wirklich international. Viele Japaner urlauben dort, Chinesen, Amerikaner. Grindelwald ist genau dort, wo die Berge hoch, aber die Preise für Chalets und Wohnungen noch viel höher sind. Hänge einfach eine Null hinter die Preise, die Du für solche Chalets oder Wohnungen bezahlen könntest, dann bist Du nahe dran an der Realität.
Und doch sind die Immobilienpreise ein Zeichen dafür, wie beliebt diese Urlaubsregion ist.
Eiger, Mönch, Jungfrau … First, Faulhorn, Männlichen, Jungfraujoch … wer hat diese Namen nicht schon einmal gehört?

Jede*r hat also seine Geschichte zu erzählen. Da höre ich von einem, dass er zum neuen Event „Alpen X“ nicht antreten will, wenn er den E 101 nicht packt. Ein anderer Läufer erzählt mir, dass er seit Kindertagen Jahr für Jahr nach Grindelwald kommt – und 2016 erstmals für einen Ultralaufbewerb.
Für manche ist es der erste Hunderter, der erste lange Berglauf. Manche haben ihren Sommerurlaub rund um dieses Event geplant, andere sind nur kurz in die Schweiz gefahren und werden sie gleich nach dem Event auch wieder verlassen.
Jede*r hat seine Geschichte zu erzählen. Und auch ich habe meine – und die ist nicht so schön.

Ich war ja dabei bei der Premierenveranstaltung 2013. Natürlich. Es war das Jahr mit dem „K 60 Extreme“ in Nepal, wo ich mir eine langanhaltende und eklige Darminfektion eingefangen hatte, die dazu geführt hat, dass ich damals vom E 101 gleich auf den E 51 runtergebucht und diesen dann nach rund 20 Kilometern aufgegeben hatte.
Zwar kam ich noch zur Bergstation der Firstbahn, dort musste ich aber einsehen, dass es wenig Sinn macht, in einem Bewerb zu bleiben, wenn Du fast jeden Kilometer mit einer persönlichen Duftnote hinter einem Busch markieren musst.
Auf dem Weg runter traf ich dann auf den noch aufwärts laufenden Günther Bruhn, wir bekamen ein gemeinsames Foto, er musste später dann auch passen.
Eiger.jpgUnd dieses Jahr habe ich eben diese Rückensache, mal wieder. Meine Geschichte, die ich vom Eiger zu erzählen habe, kann also nicht „rund“ sein.

Dabei hat dieser Bewerb Kultcharakter. Schon die nackten Zahlen des Eventwochenendes imponieren:
600 Teilnehmer auf der langen Distanz, 800 Teilnehmer auf der Distanz E 51, weitere 800 Teilnehmer auf den Kurzstrecken E 31 und E 16 sowie 110 Kinder im Eiger Kids Race. Und für diese nackten Zahlen benötigte das Event ganze drei Tage.
Drei Tage, dann waren die Bewerbe ausgebucht. Viel länger, vermute ich, wird es nach dem 28. Oktober 2016, wenn es darum geht, sich für die Bewerbe des Jahres 2017 einzuschreiben, auch nicht dauern. Am besten, Du machst das Gleiche wie ich und notierst Dir den Termin jetzt schon in Deiner Agenda. Nur damit wir uns dann dort sehen.

Und die nackten Zahlen der Strecke imponieren nicht weniger:
101 K Länge mit 6.700 HM und auch noch 3.400 HM auf der 51 K Distanz, 63 Nationen waren eingeschrieben und beim Briefing am Vorabend wurden die zahlenmäßig größten Länder, die Schweiz, Deutschland, Italien und die Niederlande, aber auch die zahlenmäßig kleinsten Länder wie Equador oder Mexiko gerufen. Alle durften ihr Jubelgetöse an die Läuferinnen und Läufer bringen, an all die Läuferinnen und Läufer, die alle den gleichen Traum hatten: Eiger, Mönch und Jungfrau belaufen.
Aber noch brennt am Eiger, an der berühmten Nordwand, dieses rote Licht.

Ich schalte die Laufuhr ein, packe die Laufstöcke aus, ich drücke Menschen und klatsche einige Läufer ab, vor, neben und hinter mir. Nur noch wenige Sekunden …

Zehn, neun, acht …
Es wird gemeinsam die Zeit heruntergezählt und das rote Licht am Eiger wird grün, der E 101 hat begonnen ….

Schrei das Schicksal an!

Zurzeit haben die deutschsprachigen Popsänger*innen ja Hochkonjunktur. Und das trotz meistens bestenfalls banaler, oft völlig sinnfreier Texte. Zwar ist mir das noch immer lieber als die Renaissance des deutschen Schlagers, aber dennoch fühle ich mich nicht wirklich wohl, wenn Sänger auf ihren Betten sitzen und Steine essen. Oder wenn sie eben noch kurz die Welt retten wollen, egal, ob von „Wolke 7“ oder von „Wolke 4“ aus.
ALDa gibt es aber auch Ausnahmen. Und eine dieser Ausnahmen, eine echte Songpoetin, ist Annett Louisan. Nach ihren Texten giere ich, von ihr höre ich, was ich zu hören bekommen kann. Und immer wieder finde ich mich in einzelnen ihrer Texte.

Kaum dem JUNUT 170 entronnen, kurz vor dem Aufbruch in die Türkei, um dort wieder 135 Kilometer unter die Füße zu nehmen, frage ich mich, was das ist, was mich treibt, was mich antreibt.
Ob ich „den Hals nicht voll bekomme“? Oder bin ich einfach rastlos und ratlos auf der Suche? Und wenn ja, wonach?

Alles erledigt

In ihrem Lied „Alles erledigt“ singt Annett:

Glück kommt mit der Zeit, doch sie rinnt wie Sand durch unsre Hände, nur die Wünsche geh’n am Ende nie zu Ende.

Wie wahr, oder?
Geht uns das nicht allen so: Du bist auf einer Laufveranstaltung, Du läufst, triffst neue Freunde und am Ende des Laufs könntest Du zwar einen Lauf von Deiner Wunschliste streichen, aber Du hast auch einige Läufe auf diese Liste gesetzt, von denen Du erst jetzt gehört hast. Und den Lauf, den Du gerade hinter Dich gebracht hast, mag er auch noch so schmerzhaft gewesen sein, den willst Du dann doch nicht von der Wunschliste streichen.JunutNie von dieser immer länger werdenden Liste streichen wollen würde ich auch den JUNUT, den „Jurasteig Nonstop Ultra Trail“. In der sechsten Auflage gestartet und bei vieren davon war ich dabei.
Ich war schon dabei, als es noch nur einen Allgemeinstart gab am Freitag um 14 Uhr, als nur maximal 48 Stunden erlaubt waren und wo es deshalb nur 12 Finisher gab.
Damals habe ich mich, einem der vielen Gewässer der Gegend folgend, in ein Nebental verlaufen und ich wäre wohl bis nach Tschechien weitergelaufen, wenn „TrailMaxx“ mich nicht angerufen, erschreckt und dann abgeholt hätte.

Ich habe die 172 Kilometer gefinished und ich habe, in einer legendären Troika mit Frank Nicklisch und Moorrunner Frank laufend, die 230 Kilometer gefinished. Und ich habe heuer die 170 Kilometer gefinished, fast ausschließlich mit der Trans Gran Canaria – Connection laufend, also mit Andreas Haverkamp, mit Ulla und Rolf Kaufmann und vor allem mit Andreas Geyer.
Geliebt habe ich die Strecke nie. Vielleicht die ersten Kilometer bis Kelheim, vor allem aber die Klamm vor der ersten Versorgung im wunderschönen Luftkurort Riedenburg. Aber der Rest? Oft wird man ohne ersichtlichen Grund vom Tal auf die Höhe geführt um dann gleich wieder steil nach unten geschickt zu werden, manchmal wird man kreuz und quer durch den Wald geführt, um dann nach einer halben Stunde wieder dort zu sein, wo man schon war.

Aber ich habe immer die Veranstaltung geliebt. Schon die Geschichte der Entstehung, die der Oberorganisator Gerhard Börner so gerne erzählt, ist skurril und sie endet an einem Bauernhof, wo die sechs ersten Recken, die den Jurasteig komplett belaufen wollten, um zu testen, ob und wie das machbar ist, bei einem Bauern landeten, der, um etwas Wasser gebeten, harsch „Nein“ gesagt hatte. Und selbst der Hinweis, wie wichtig doch Wasser für Läufer wäre, wurde mit dem Satz „Das ist doch micht mein Problem“ unfreundlich beendet.JUNUT

Es konnte also nur besser werden. Und es wurde besser, es wurde sogar richtig gut. Und die Veranstaltung wurde danach sogar von Mal zu Mal noch besser.
Es ist das bestmotivierte Organisationsteam, das ich kenne. Durchweg freundliche, hilfsbereite, bodenständige Menschen, oft aus dem Familien-, Verwandten- oder Freundeskreis der Organisatoren Margot und Gerhard Börner, die wirklich nichts dem Zufall überlassen. Man merkt eben in allen Details, dass da ein guter und erfahrener Ultraläufer eine Veranstaltung für Ultraläufer macht.
BörnersAber was treibt uns alle an, was treibt mich an, unsere kostbare Freizeit auf solchen Events aufzubrauchen? Zu leiden, Schmerzen auf uns zu nehmen und auch hin und wieder den Frust zu akzeptieren, wenn Dein Körper Dir für dieses Wochenende mal die „rote Karte“ zeigt? Im Regen, in der Kälte, in der sengenden Sonne, bei höllisch heißen Temperaturen, bei strammem Gegenwind mit schwerem Gepäck auf dem Rücken Stunde um Stunde übermüdet und halluzinierend zu laufen, zu walken, zu gehen, zu schleichen, zu robben?
Und dann, kaum ist es vorbei und geschafft, stürze ich mich mit Wonne wieder in das nächste Wochenende mit Schlafdefizit und mit aufgeschwemmten „Elefantenfüßen“.

Da fällt mir wieder Annett Louisan ein und ihr Lied „Alles erledigt“:

Schrei das Schicksal an, bis es sich bewegt, sonst hab’n wir irgendwann alles erledigt, aber nichts erlebt.

Die Sorge, nichts oder nicht ausreichend viel erlebt zu haben bis zu dem Tag, an dem ich nicht mehr ohne Rollator den Fernsehsessel verlassen kann oder sogar die Radieschen von unten ansehen muss, die Angst, meinen Enkeln nichts erzählen zu können von dem, was „wir damals so gemacht“ haben, das ist es wohl, was uns antreibt.IznikUnd jetzt also zum IZNIK ULTRA in die Türkei. 135 Kilometer, 19 Stunden Maximalzeit, drei Berge. Es ist eine der wenigen international bekannten Ultraläufe in der Türkei und ich hoffe und bete, ein Vorreiter für noch mehr deutschsprachige Läufer*innen dort zu sein, wenn es dann 2017 und später immer wieder um den schönen Iznik See herum geht, aber eben nicht auf einer Uferpromenade, sondern über die angrenzenden Berge, die einem, so habe ich es zumindest gehört, grandiose Blicke über den See bieten.

Schreien wir also das Schicksal an. Und bewegen wir uns, damit sich auch das Schicksal bewegt. Erledigen wir, was zu erledigen ist, aber erleben wir auch, was zu erleben ist.

Und noch einmal Annett:

Sieh uns beide an. Wir sind alle beide nicht auf Erden, nur um möglichst alt zu werden und zu sterben.

Es ist noch nicht zu Ende.
Schrei das Schicksal an, bis es sich bewegt, sonst hab’n wir irgendwann alles erledigt, aber nichts erlebt.

TE