Schrei das Schicksal an!

Zurzeit haben die deutschsprachigen Popsänger*innen ja Hochkonjunktur. Und das trotz meistens bestenfalls banaler, oft völlig sinnfreier Texte. Zwar ist mir das noch immer lieber als die Renaissance des deutschen Schlagers, aber dennoch fühle ich mich nicht wirklich wohl, wenn Sänger auf ihren Betten sitzen und Steine essen. Oder wenn sie eben noch kurz die Welt retten wollen, egal, ob von „Wolke 7“ oder von „Wolke 4“ aus.
ALDa gibt es aber auch Ausnahmen. Und eine dieser Ausnahmen, eine echte Songpoetin, ist Annett Louisan. Nach ihren Texten giere ich, von ihr höre ich, was ich zu hören bekommen kann. Und immer wieder finde ich mich in einzelnen ihrer Texte.

Kaum dem JUNUT 170 entronnen, kurz vor dem Aufbruch in die Türkei, um dort wieder 135 Kilometer unter die Füße zu nehmen, frage ich mich, was das ist, was mich treibt, was mich antreibt.
Ob ich „den Hals nicht voll bekomme“? Oder bin ich einfach rastlos und ratlos auf der Suche? Und wenn ja, wonach?

Alles erledigt

In ihrem Lied „Alles erledigt“ singt Annett:

Glück kommt mit der Zeit, doch sie rinnt wie Sand durch unsre Hände, nur die Wünsche geh’n am Ende nie zu Ende.

Wie wahr, oder?
Geht uns das nicht allen so: Du bist auf einer Laufveranstaltung, Du läufst, triffst neue Freunde und am Ende des Laufs könntest Du zwar einen Lauf von Deiner Wunschliste streichen, aber Du hast auch einige Läufe auf diese Liste gesetzt, von denen Du erst jetzt gehört hast. Und den Lauf, den Du gerade hinter Dich gebracht hast, mag er auch noch so schmerzhaft gewesen sein, den willst Du dann doch nicht von der Wunschliste streichen.JunutNie von dieser immer länger werdenden Liste streichen wollen würde ich auch den JUNUT, den „Jurasteig Nonstop Ultra Trail“. In der sechsten Auflage gestartet und bei vieren davon war ich dabei.
Ich war schon dabei, als es noch nur einen Allgemeinstart gab am Freitag um 14 Uhr, als nur maximal 48 Stunden erlaubt waren und wo es deshalb nur 12 Finisher gab.
Damals habe ich mich, einem der vielen Gewässer der Gegend folgend, in ein Nebental verlaufen und ich wäre wohl bis nach Tschechien weitergelaufen, wenn „TrailMaxx“ mich nicht angerufen, erschreckt und dann abgeholt hätte.

Ich habe die 172 Kilometer gefinished und ich habe, in einer legendären Troika mit Frank Nicklisch und Moorrunner Frank laufend, die 230 Kilometer gefinished. Und ich habe heuer die 170 Kilometer gefinished, fast ausschließlich mit der Trans Gran Canaria – Connection laufend, also mit Andreas Haverkamp, mit Ulla und Rolf Kaufmann und vor allem mit Andreas Geyer.
Geliebt habe ich die Strecke nie. Vielleicht die ersten Kilometer bis Kelheim, vor allem aber die Klamm vor der ersten Versorgung im wunderschönen Luftkurort Riedenburg. Aber der Rest? Oft wird man ohne ersichtlichen Grund vom Tal auf die Höhe geführt um dann gleich wieder steil nach unten geschickt zu werden, manchmal wird man kreuz und quer durch den Wald geführt, um dann nach einer halben Stunde wieder dort zu sein, wo man schon war.

Aber ich habe immer die Veranstaltung geliebt. Schon die Geschichte der Entstehung, die der Oberorganisator Gerhard Börner so gerne erzählt, ist skurril und sie endet an einem Bauernhof, wo die sechs ersten Recken, die den Jurasteig komplett belaufen wollten, um zu testen, ob und wie das machbar ist, bei einem Bauern landeten, der, um etwas Wasser gebeten, harsch „Nein“ gesagt hatte. Und selbst der Hinweis, wie wichtig doch Wasser für Läufer wäre, wurde mit dem Satz „Das ist doch micht mein Problem“ unfreundlich beendet.JUNUT

Es konnte also nur besser werden. Und es wurde besser, es wurde sogar richtig gut. Und die Veranstaltung wurde danach sogar von Mal zu Mal noch besser.
Es ist das bestmotivierte Organisationsteam, das ich kenne. Durchweg freundliche, hilfsbereite, bodenständige Menschen, oft aus dem Familien-, Verwandten- oder Freundeskreis der Organisatoren Margot und Gerhard Börner, die wirklich nichts dem Zufall überlassen. Man merkt eben in allen Details, dass da ein guter und erfahrener Ultraläufer eine Veranstaltung für Ultraläufer macht.
BörnersAber was treibt uns alle an, was treibt mich an, unsere kostbare Freizeit auf solchen Events aufzubrauchen? Zu leiden, Schmerzen auf uns zu nehmen und auch hin und wieder den Frust zu akzeptieren, wenn Dein Körper Dir für dieses Wochenende mal die „rote Karte“ zeigt? Im Regen, in der Kälte, in der sengenden Sonne, bei höllisch heißen Temperaturen, bei strammem Gegenwind mit schwerem Gepäck auf dem Rücken Stunde um Stunde übermüdet und halluzinierend zu laufen, zu walken, zu gehen, zu schleichen, zu robben?
Und dann, kaum ist es vorbei und geschafft, stürze ich mich mit Wonne wieder in das nächste Wochenende mit Schlafdefizit und mit aufgeschwemmten „Elefantenfüßen“.

Da fällt mir wieder Annett Louisan ein und ihr Lied „Alles erledigt“:

Schrei das Schicksal an, bis es sich bewegt, sonst hab’n wir irgendwann alles erledigt, aber nichts erlebt.

Die Sorge, nichts oder nicht ausreichend viel erlebt zu haben bis zu dem Tag, an dem ich nicht mehr ohne Rollator den Fernsehsessel verlassen kann oder sogar die Radieschen von unten ansehen muss, die Angst, meinen Enkeln nichts erzählen zu können von dem, was „wir damals so gemacht“ haben, das ist es wohl, was uns antreibt.IznikUnd jetzt also zum IZNIK ULTRA in die Türkei. 135 Kilometer, 19 Stunden Maximalzeit, drei Berge. Es ist eine der wenigen international bekannten Ultraläufe in der Türkei und ich hoffe und bete, ein Vorreiter für noch mehr deutschsprachige Läufer*innen dort zu sein, wenn es dann 2017 und später immer wieder um den schönen Iznik See herum geht, aber eben nicht auf einer Uferpromenade, sondern über die angrenzenden Berge, die einem, so habe ich es zumindest gehört, grandiose Blicke über den See bieten.

Schreien wir also das Schicksal an. Und bewegen wir uns, damit sich auch das Schicksal bewegt. Erledigen wir, was zu erledigen ist, aber erleben wir auch, was zu erleben ist.

Und noch einmal Annett:

Sieh uns beide an. Wir sind alle beide nicht auf Erden, nur um möglichst alt zu werden und zu sterben.

Es ist noch nicht zu Ende.
Schrei das Schicksal an, bis es sich bewegt, sonst hab’n wir irgendwann alles erledigt, aber nichts erlebt.

TE

Noch vier Tage …

… bis zum JUNUT, dem „Jurasteig Nonstop UltraTrail“.
Noch vier Tage bis zum zweitlängsten Lauf meiner kleinen Ultralauf-Geschichte.
239 Kilometer weit, 9 Kilometer weiter als der JUNUT 2014, 9 Kilometer weiter als die TorTOUR de Ruhr 2010.
Einzig das „250 Miles Thames Ring Race 2013“ war länger, das dafür aber sehr deutlich. Aber dieses Rennen ist ja schon lange her und ich bin seit zwei Jahren keine Strecken über 185 Kilometer mehr gelaufen.
JunutIch fühle mich, wie viele andere Starter auch, schlecht vorbereitet.
Der längste Lauf der letzten sechs Monate waren die 125 Kilometer des „Trans Gran Canaria“ Anfang März, ansonsten sehr viele, für mich sogar ungewöhnlich viele, kurze Trainingsläufe. Aber die immer mit muskulären Problemen und mit einem Grad der Erschöpfung, die mich vor dem kommenden Wochenende erzittern lässt.

Freude aber macht, sich die lange und exquisite Starterliste zu Gemüte zu führen. Norbert Fasel finde ich darauf, fast mein Nachbar, Michael Frenz, ohne den ein JUNUT wohl kein richtiger JUNUT wäre, Jacek Fugiel und Dieter Ladegast als Laufgruppe, Jungs, die ich meist nur bei extremen Läufen treffen darf, Dieter Gerstner ist dabei und auch Niels Grimpe.Luhmann, den ich so lange nicht mehr gesehen habe. Unvergessen bleibt der Andorra-Trip von 2013, damals auch mit Daniel Heideck und Jin Cao.

Die Liste könnte scheinbar endlos weitergeführt werden, aber das würde unter Umständen langweilen. Die gesamte Liste ansehen kannst Du ja ganz einfach hier:
http://junut.de/starterliste/
Nur zwei Namen will ich noch erwähnen:
Andreas Haverkamp, weil ich mit ihm besprochen habe, diese Strecke gemeinsam zu stemmen, wenn es irgendwie möglich ist. Und natürlich meinen KÖLNPFAD Mitstreiter Thorsten Klenke, weil wir, vielleicht wegen der vielen Arbeit der KÖLNPFAD Organisation, kaum mehr miteinander auf dem Trail sind.
Auf die genannten Läufer, aber auch auf die vielen hier nicht genannten Athleten, freue ich mich sehr. Und diese Vorfreude entspannt mich und lässt mich hoffen, diese Strecke doch irgendwie bewältigen zu können.
MQDer JUNUT ist ja auch ein Teil der „MILLENIUM QUEST“ Laufserie, auch wenn das für mich nicht gilt. Aber denen, die sich dieser Herausforderung stellen, gehört meine gesamte Hochachtung. Immerhin 18 Starter beteiligen sich an diesem Bewerb.

Zuletzt bin ich auch sehr gespannt, wie die Tracker funktionieren werden. Es sind übrigens die selben Tracker, die wir auch beim KÖLNPFAD 2016 benutzen werden, sodass sich der eine oder andere Läufer überlegen mag, ob es nicht sinnvoll ist, den Tracker gleich zu kaufen statt ihn immer wieder neu zu leihen.
Wie die Webseite aussieht, wie das Rennen vom heimischen Computer aus begleitet und beobachtet werden kann, das wird sehr spannend sein.
Eines aber sei gesagt: der Punkt ganz weit hinten, das wird meiner sein!

In April …

Johnny Flynn hat einen Song über ihn gemacht: „In April“ heißt er.
Es ist ein Lied über die Liebe, worüber auch sonst. Und in diesem Lied singt Johnny Flynn:

Drunk in a field of scarlet snow
I reconciled with your ghost
In April..

Betrunken, ein Feld von scharlachrotem Schnee, mit ihrem Geist versöhnt, im April? Na ja, ich weiß nicht recht, ob diese Zeilen für mich den April charakterisieren können.

Aber auch die legendäre Rockgruppe Deep Purple hat einen Song über ihn geschrieben: „April“ heißt er. Das war 1969. Und wie heißt es da:

April is a cruel time
Even though the sun may shine ..

Und die Melodie ist dumpf und bedrückt und passt zu den Zeilen, dass da ein grauer Himmel wäre, wo er doch blau sein sollte, ein grauer Himmel, wo ich Dich sehen sollte.

Grey sky where it should be blue
Grey sky where I should see you ..

1969 gab es ja noch nicht den JUNUT (www.junut.de), statt 239 Kilometer auf dem Jurasteig zu rennen war damals die Devise, in den gegebenen 54 Stunden mindestens 239 Zigaretten zu inhalieren und als kleinen Kick noch an und in den 12 VPs (plus Start / Ziel) jeweils einen Joint zu rauchen.
Da lobe ich mir die gesunde Verpflegung des JUNUT und ich weiß, wie schön der April durch dieses Rennen sein kann.

Und wenn bei Deep Purple Streicher und Blasinstrumente phasenweise fast klassische Musik zelebrieren, bis endlich nach knapp neun Minuten der dumpfe Rock und die von Zigarettenrauch und Drogen malträtierte Stimme von Rod Evans einsetzen, dann lobe ich mir die guten Gedanken an meine bisherigen drei Starts in Dietfurt im Altmühltal und an die sonnigen Phasen dort, aber auch an kalte Nächte, in denen wir, von dicken Feuerwehrjacken gewärmt und mit noch dickeren (See-)Rettungswesten geschützt, zu mitternächtlicher Stunde in Matting von den tapferen Jungs der Freiwilligen Feuerwehr mit dem Boot über den Fluss gebracht wurden und das auch wieder werden.
Für mich ist es immer wieder erneut ein Erlebnis, diese Jungs zu sehen, die sich für unsere Rudelrennerei die Nacht um die Ohren schlagen, um im Mattinger Feuerwehrhaus einen Verpflegungspunkt aufrecht zu erhalten, Jungs, die uns die Möglichkeit eines Power-Nappings einräumen und jeden Einzelnen von uns dann über den Fluß bringen, damit wir unseren Weg auf dem Jurasteig fortsetzen können. Well done, Jungs, vielen herzlichen Dank!

Diese guten Gedanken führen diese Musik mit klassischem Einschlag weiter, zumindest in meinem Kopfkino und ich glaube nicht an den viel besungenen April-Regen, sondern ich vertraue auf Sonne satt, auf trockene Wege, auf wunderbare Blicke über das schöne Altmühltal und ich freue mich schon jetzt auf die warme, vegetarische Suppe in der Klosterwirtschaft in Pielenhofen.

Wenn die TorTOUR de Ruhr eine Kult-Veranstaltung ist, dann ist der JUNUT eine Herz-Veranstaltung. Wärme, Liebe, Herz.

Aber der kommende April ist mit seinen insgesamt mindestens 405 Wettkampf-Kilometern wahrlich nicht nur der JUNUT.
Iznik.jpgDa ist ja auch noch die warme Türkei. Und der schöne Iznik-See und die 135 km rund um diesen großen Tümpel. Nur eine Woche nach dem JUNUT heißt es beschleunigen, um die Cut-Offs dort zu schaffen. Statt der Überlegung, ob man allzu viel frieren wird steht da die Sorge ob zu viel Sonne, zu viel Hitze und zu viel Staub im Vordergrund.
Da ich jedoch weiß, wie freundlich die Veranstalter dort zu mir und den anderen Läufer*innen sind, weil ich weiß, dass ich dort viele türkische Freunde wiedersehen werde und weil mich jeder Lauf in der Türkei ganz besonders berührt, wird der IZNIK ULTRA (http://www.iznikultra.com/english/) wieder ein ganz besonderes persönliches Highlight in meinem kurzen Lauf-Lebenslauf sein.
Mit dem Flieger nach Istanbul, mit dem öffentlichen Bus weiter, viel Lokalkolorit, viel zu sehen und dann auch hoffentlich viel zu erzählen.

But in April it sounds like love
When you call
You call my name
You call my name

Die deutsche Gruppe Wonderwall hat ja auch über ihn gesungen: “In April”, ebenso wie der Titel von Johnny Flynn, aber mit einer zauberhaften Stimme, mit viel Liebe und mit einer guten Melodie. Und der Text passt viel besser zu dem April, der nun vor uns steht, insbesondere vor mir steht.

Und nach Deutschland und der Türkei kommen auch noch 85 Kilometer in den Innsbrucker Alpen. Das Innsbruck Alpine Trailrun Festival (http://www.innsbruck-alpine.at/#/) bringt mich zum Abschluss des Monats noch einmal etwas höher hinauf. 3.600 Höhenmeter, der höchste Punkt auf 1.631 Metern über N.N., der “Heart of the Alps Ultra”, wie er sich selbst nennt.

Was für ein April also …

I’m not here – I’m not there
Took a ball point pen to write you ..

Ich bin nicht hier, ich bin nicht da, singen Wonderwall, aber auch ich nehme einen Kugelschreiber, um Dir, um Euch, zu schreiben.

And my tears
They create
They create a lake of sorrows ..

Aber hier irrt die Truppe von Wonderwall. Meine Tränen werden kein Meer aus Kummer machen, nicht im April. Denn zwischen dem JUNUT und dem IZNIK ULTRA liegt ja der 11. April.
Und damit mein, nein, unser, Hochzeitstag.
Noch dazu ein runder, der dreißigste. Unsere „Perlenhochzeit“.

(Kleiner Exkurs zur Namen „Perlenhochzeit“:
Die Perlen, die auf der Perlenkette aneinandergereiht sind, stehen symbolisch für die vielen sich aneinanderreihenden Tage der Ehe. Jede Perle soll an ein Erlebnis der gemeinsam verbrachten 30 Ehejahre erinnern. Die Bedeutung der sich aneinanderreihenden Perlen weist also einerseits auf die Länge hin, die die Beziehung nun bereits überstanden hat. Und sie zeigt gleichzeitig, dass es sich um eine sehr wertvolle Partnerschaft handelt. So wertvoll wie Perlen.)
30Und dazu noch einmal Wonderwall, denn hier hat die Truppe wieder Recht:

The moon shines brighter
Than it did before
The clock strikes twelve
There’s no time
Time to sleep
We’ll go upstairs
Straight to the sky ..

It’s a Cruel Crazy Beautiful World

You have to wash with the crocodile in the river
You have to swim with the sharks in the sea
You have to live with the crooked politician
Trush those things that you can never see
Ayeye ayeye jesse mfana ayeye ayeye …

Johnny Clegg – „Cruel Crazy Beautiful World

Es ist ruhig geworden hier auf diesem Blog. 2 Artikelchen im Januar und auch im Februar wird es wohl nur dieser eine Eintrag werden.
Habe ich nichts mehr zu erzählen, nichts mehr zu schreiben?

Doch, denke ich, und ich schreibe ja auch, oft mehr, als ich will. Meist auf Facebook. Da will ich angesichts der aktuellen Krise unserer Gemeinschaft einigen zurufen, dass es keine Notwendigkeit gibt, sich zu ängstigen, dass es nicht hilft, wenn wir Bürger uns gegenseitig angreifen, nur weil wir irgendwie alle merken, dass da vieles nicht richtig läuft auf dieser Welt.
Und dann schreibe ich und ich versuche, zu erklären, zu verbinden, zu moderieren – meist jedoch vergebens.

Und ich erinnere mich an „früher“, was ja gerade mal vielleicht 12 Monate her ist. Damals gab es nur eine Gruppe für mich, die von „uns Läufern“. Wir waren tatsächlich eins, eine Einheit, ein Ganzes. Natürlich hatte jeder auch eine eigene Meinung, zu Politik, zum Weltgeschehen und zu den Themen Celebrity, Ernährung und vor allem zum Thema Laufschuhe. Aber wir waren doch eins, im Großen und Ganzen.
Bis die Krise kam.

Seither gibt es einen Keil, der die Gesellschaft spaltet – und leider uns Läufer auch. Und anstatt über Tapering und Laufrucksäcke zu reden, streiten wir uns, ob es Grundrechte auch für diejenigen gibt, die einen anderen Glauben haben wie wir. In Amerika wird sogar das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit infrage gestellt und bei uns fürchten wir alle um die kleinen Reste unseres bescheidenen Wohlstands.
Was ist nur aus unserer Gesellschaft geworden?

Und dabei übersehen wir, wer sich an der Krise bereichert, wir übersehen, wer sich an der Finanzierung des Projekts „Gemeinschaft Deutschland“ nicht oder nur eingeschränkt beteiligt und wir übersehen vor allem, dass die Beantwortung jeder einzelnen Frage unseres Seins im Geiste unserer humanistischen Bildung, im Geiste der Mitmenschlichkeit und im Geiste der Dankbarkeit für das, was uns zuteil wurde, beantwortet werden sollte.

Und da lese ich dann Texte, die voller Hass sind, Hass auf die Regierung, auf Andersgläubige, auf Andersdenkende, da werden Synonyme verwendet, die Menschen diskreditieren, herabwürdigen, auf eine Stufe mit Verbrechern stellen – und ich leide.
Wie kann man ernsthaft Flüchtlinge als „Invasoren“ bezeichnen?
Und dann fällt mir oft auf, dass es mit dem Wissen über das Leben außerhalb von Deutschland oft nicht weit her ist.Humboldt

Aber ich wollte ja nicht über die „cruel world“ schreiben, nicht über die „crazy world“. Ich schreibe lieber über die „beautiful world“. Und die finde ich, mal wieder, hier auf Gran Canaria, auf der kanarischen Insel mit den traumhaft schönen Dünen und dem langen, breiten und wunderbaren Sandstrand, auf dem ich jeden Morgen, natürlich vor dem Frühstück, meinen „morning run“ machen darf.
Einfach die Laufhose an, ein Shirt drüber, die Sonnenbrille und die Kappe auf – und los. Laufschuhe? Manchmal. Oder die LUNAS. Oder – und mittlerweile am liebsten – ganz ohne, einfach barfuß.
Ist das nicht wundervoll?

Der Februar ist unser Haupturlaubsmonat. Nach dem anstrengenden Weihnachtsgeschäft und vor dem Ostergeschäft. Ein Monat, den ich lieben gelernt habe. Und ein Monat ohne …
Ein ganzer Monat ohne Laufevent! Wann hat es das für mich zuletzt gegeben?

Dabei ist so ein Urlaubstag einfach zu kurz. Neben dem Laufen, etwas Gymnastik, etwas Schwimmen, einem ausgedehnten Frühstück, einem Spaziergang oder einer Wanderung, den täglichen Gängen in den lokalen Supermarkt, dem Abendessen machen und etwas Ruhe bleibt kaum mehr Zeit, um die vier Bücher, die zu lesen ich mir vorgenommen habe, zu lesen. Aber weniger Laufen geht nicht, auf gar keinen Fall, wenn ich mal in meine Laufagenda blicke. Ich habe so viel vor und ich bin körperlich in einem so tiefen Tal …
GötterNicht „die Götter müssen verrückt sein“, ich muss in einem Fieberwahn gewesen sein, als ich das Programm für die Monate März bis Juni festgelegt habe. Wie konnte ich nur, frage ich mich jetzt?
Die erste Hürde Anfang März scheint noch die am leichtesten zu überwindende Hürde zu sein. Den Trans Gran Canaria habe ich ja schon drei Mal hinter mich gebracht: 2012, 2013 und 2014. Und 125 Kilometer wirken ja mittlerweile fast schon wie eine Kurzdistanz, auch wenn diese Kilometer mit reichlich Höhenmetern gespickt sind.
Was aber geschieht mit meiner Psyche, wenn ich diese erste Hürde schon reiße?TGCDirekt davor, am 02. und 03. März, soll es nach Teneriffa auf den Teide hinauf gehen. Und allein daran mag ich gar nicht im Detail denken.
Welche Taktik ist da sinnvoll? Erst einmal rauf auf die Hochebene, die in der Nacht sehr kalt ist, um dann am frühen Morgen aufzusteigen? So bräuchte ich kein Permit. Was aber, wenn ich zu spät am Aufstiegspunkt ankomme und der Kontrolleur mein Permit sehen will? Und wie arg eisig ist es auf über 2.000 Metern bis rauf auf 3.850 Meter in der Nacht?
Ich denke an den Aufstieg auf den Rinjani, Lombok / Indonesien, vor etwa 10 Jahren, die ich damals mit meinem Sohn Pascal bewältigt habe. Am Tag hatte es über 30 Grad im Tal, in der Nacht, auf 4.000 Metern, haben wir gefroren wie selten.
Soll ich in der Hütte kurz vor dem Kegel übernachten oder durch die Nacht laufen?
Und soll ich auf direktem Weg vom Flughafen auf den Teide rennen, vielleicht durch den Mercedeswald? Oder ist es besser, erst unten zu bleiben, einen Teil der Insel zu umrunden und dann über das Orotavatal aufzusteigen?
Fragen über Fragen, ich habe ja noch Zeit, sie zu beantworten.

Ende März kommt dann noch die „Nachtausgabe“ des NEU (Nord Eifel Ultra), dann ist der noch relativ harmlose März vorbei.VVEin kurzer Blick auf den April sei aber schon jetzt gestattet. Da sind zum Beispiel die ca. 45 Kilometer des „1. Veedels Verzäll“, da sind die 239 Kilometer des JUNUT, da sind die 135 Kilometer des IZNIK ULTRA rund um den türkischen Iznik-See und da sind die 85 Kilometer des „Innsbruck Alpine Trailrun Festivals“ – knapp über 500 Kilometer allein im April – und meistens mit ordentlich Höhenmetern!
Und ich frage mich allen Ernstes: „Bist deppert?“

Weil aber alle Pläne so lange Makulatur sind, bis sie umgesetzt sind, blicke ich hier lieber noch nicht auf den Mai. Einverstanden?

Also waschen wir uns bis dahin mit den Krokodilen im Fluss, schwimmen wir mit den Haien im Meer, leben wir mit den korrupten Politikern und vertrauen wir den Dingen, die wir niemals sehen.
Es ist halt eine eine grausame, verrückte, wunderschöne Welt, in der wir leben.
Und von der erzähle ich dann beim nächsten Mal wieder …

Aybasti

Aybastı ist eine türkische Stadt und ein Landkreis in der Provinz Ordu. Die Stadt liegt ca. 52 km südwestlich der Provinzhauptstadt Ordu.
Aybastı hat rund 14.000 Einwohner, ist also eine Kleinstadt. Aber Aybastı hat auch etwas Großes, etwas Langes, einen Ultralauf eben.


Und zu diesem Ultralauf hat mich m ein Lauf- und Facebookfreund Özcan Camyar eingeladen. Mit Özcan bin ich 2015 schon lange Strecken beim Runfire Cappadocia gelaufen und wir halten seither über Facebook Kontakt.

Laufen in der Türkei. Warum mache ich das so gerne?
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FormBelt auf dem NEU

Es war fast ein Geburtstagsgeschenk für mich, dass mich Mitte November 2015 die Firma Variosports aus Köln ansprach mit der Bitte, doch ihren neuen FormBelt zu testen.
Andererseits war es auch die Mitte meiner laufarmen Zeit. Statt über die Felder zu traben war sehr viel Arbeit angesagt, es waren Tausende von Autokilometern abzuspulen und einige Male musste ich meinen Dickschädel neben der Autobahn ausruhen, so zeitlich eng war alles geplant.
Also kein richtiger Test des FormBelt in 2015.
FormbeltDie, die mich genauer kennen, wissen ja, dass ich seit Monaten zusätzlich zum Laufrucksack auch immer einen Beckengurt trage. Ich habe mir das angewöhnt, weil ich viel zu wenig fotografiere, wenn das SmartPhone im Rucksack steckt, wenn ich anhalten, auspacken und wieder einpacken muss. Und diesen Umstand habe ich so sehr bedauert, dass ich für meine Berichte für www.laufspass.com den Beckengurt verwende. Und bei der Gelegenheit kommen da auch noch die Sachen rein, die ich gerne nah bei mir und schnell erreichbar haben will, ein paar Salztablettchen, einen Riegel, ein Gel.

Kann der FormBelt das ersetzen? Weiterlesen

2015 im Rückblick

Auf für das MuL Blog haben die fleißigen „WordPress.com-Statistik-Elfen“ einen Jahresbericht 2015 erstellt. Diesen Bericht anzusehen lade ich Dich gerne ein, ich habe ihn für Dich freigegeben.
Du siehst die Details, wenn Du auf den untersten Link klickst.

2015 war für dieses Blog ein wenig spektakuläres Jahr. Eine anhaltende Schreibblockade, viel zu wenig Zeit, der KÖLNPFAD, der viele meiner freien Ressourcen benötigt hat und die Schreiberei auf Laufspass.com, die ich mittlerweile auch sehr liebe, haben die Anzahl der Artikel auf diesem Blog etwas reduziert.

Aber es gilt, was der „Terminator“ gesagt hat:
„I’ll be back!“

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 25.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 9 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.