Ein super Dank an super Leute …

Einen Lauf wie den SH-Supertrail beschreiben geht für mich nicht anders als das mit Danksagungen zu tun.

Der erste Dank gebührt dabei natürlich dem Veranstalter Bernhard Sesterheim und seinem ORGA-Team. Einen solchen Lauf über zwei Tage auf die Beine zu stellen nötigt mir Respekt ab, vor allem, wenn es sich um den ersten Lauf solch einer Art handelt.
Die Hütten, in denen wir von Donnerstag auf Freitag und von Freitag auf Samstag genächtigt hatten, waren super und geradezu prädestiniert für ein solches Event. Die dazu gehörigen Sanitäranlagen waren ebenso ideal und sie waren, trotz eines technischen Problems, vollkommen ausreichend.


Ganz besonders fasziniert aber hat mich das angeschlossene Restaurant. Bei einem Leistungszentrum der Leichtathletik vermutest Du oft nur ein dunkles und einfaches Restaurant mit wenigen deftigen und fettigen Speisen, einem Patron, dessen Schürze aussieht wie das Babylätzchen meiner Kinder, als die noch klein waren, aber weit gefehlt:
die beiden Frühstücke, die uns geboten wurden, waren auf wirklich hohem Niveau und auch das Nachfüllen von Rührei, Quark oder Joghurt war präzise und schnell.

Das Abendessen jedoch machte mir etwas Bauchgrummeln. Es gab zwar ein Buffet, gut für die Viel-Esser unter uns, es gab aber nur eine sehr gut sortierte Salatbar, Spätzle, Gulasch und als Dessert ganz viel Schokoladenpudding. Alles davon wurde auf einer großen Tafel auf einer Staffelei angekündigt.
Als ich erwähnt hatte, Vegetarier zu sein, war ich erstaunt, nicht das übliche „Mann, da ist wieder so einer, der uns unnötige Mühe macht“ zu erfahren (hören tust Du das ja nie, aber die Gesichter mancher Restaurant-Angestellter sprechen Bände … ), sondern erst kurz mit dem Koch über Tofu-Gulasch reden zu können.
Bekommen habe ich dann vier halbe gefüllte Paprika, gefüllt rein vegetarisch und optisch und geschmacklich so lecker, dass Wilma, die mir gegenüber saß, plötzlich meinte, ebenfalls eine Vegetarierin zu sein. Für dieses spezielle Abendessen gebührt diesen Küchenangestellten mein zweiter Dank.

Mein dritter Dank gebührt den superleichten und superflachen INOV-8 Roclite 285 Trailschuhen, auf die mich viele Mitstreiter angesprochen haben. Üblicherweise wählst Du ja eher die stärkeren Modelle von INOV-8 für diese Strecken, aber mit diesen roten Schuhen, die quasi aus einer Ahnung von Nichts bestehen, die in der Größe UK8 nur 285 Gramm wiegen, fühlte ich den Waldboden direkt unter mir. Es war herrlich.
Was schreibt INOV-8 dazu auf der englischen Homepage?

„Ideal/Recommended Activity: Trail Running Adventure Racing Cross Country Climbing Approach Mountain.“
Stimmt, dem ist nichts hinzuzufügen.

Mein vierter Dank geht in Richtung X-BIONIC. Dieser Dank ist aber mit einer kleinen Träne in Augenwinkel verbunden. Seit dem „Marathon des Sables“ laufe ich, mit einer einzigen Ausnahme, stets bei Strecken „Marathon und länger“ mit den X-BIONIC Kompressionsstrümpfen.
Wenn ich vorher oft „Elefantenfüße“ nach einem Lauf bekommen hatte, dann ist das seit dem „Marathon des Sables“ vergessen. Nur bei dem einen Mal, wo ich mal wieder mit normalen Socken gelaufen bin, habe ich meine Waden wieder gespürt. Wir alle kennen die Diskussion, ob man Kompressionsstrümpfe verwenden soll oder nicht. Und jeder hat eine eigene Meinung dazu, manche sogar, ohne jemals solche Strümpfe getragen zu haben.
Für mich sind die X-BIONIC Kompressionsstrümpfe ein Segen und die kleine Träne im Augenwinkel habe ich nur, weil ich mich am Ende der nächsten Woche von ihnen verabschieden muss. Beide Fersen sind mittlerweile durch, aber nach rund 2.500 Wettkampfkilometern in diesen Strümpfen finde ich, dass das in Ordnung ist. In Delmenhorst beim 24-Stundenlauf am kommenden Wochenende dürfen sie den Fluss meiner Lymphe ein letztes Mal kontrollieren, danach werde ich sie standesgemäß beerdigen.
Beim “TRA 250 Miles Thames Ring Race“ werde ich dann mit ganz neuen X-BIONIC Kompressionsstrümpfen vor Ort sein.

Ein Strauß an Danksagungen wäre aber nicht vollständig, wenn es bei einer geraden Anzahl an „Blumen“ bliebe. Und so gebührt mein fünfter und letzter Dank denjenigen, die diesen Lauf erst zum Event gemacht haben. An die, für die und wegen denen ich mich immer wieder vor allem auf die kleineren und familiären Läufe freue und darin aufgehe und bei denen ich inständig hoffe, dass solche Tage nie zu Ende gehen wollen. Es sind die Lauffreunde, die mich vor, während und nach dem Lauf glücklich machen.

Ob sie wesentlich besser sind als ich oder einen Tick langsamer, von jedem lerne ich, dass diese Welt eine andere, eine bessere Welt wäre, wenn alle Menschen Ultraläufer sein würden.
Gerade beim SH-Supertrail waren es viel zu viele dieser engen und engsten Lauffreunde, als dass ich sie hier aufzählen könnte. Es würde den Rahmen einfach sprengen. Aber einige seien doch stellvertretend für die anderen genannt – und die nicht genannten mögen mir dennoch weiter gewogen bleiben.

Ich will zuallererst Wilma Vissers erwähnen. Ich habe sie seit dem SwissJuraMarathon (SJM), wo sie drittbeste Läuferin wurde, nicht mehr gesehen. Sehnen- und andere körperliche Probleme haben ihrer grandiosen Läuferkarriere eine kleine Delle verpasst und so war sie für mich diejenige im Starterfeld, auf die ich mich am meisten gefreut habe.

Wilma Vissers auf dem Podest beim SJM 2009, in der Mitte die Gesamtsiegerin Cécile Berg und ganz links die Zweitplatzierte, die großartige Anna Hughes

Als nächstes verdient Bernie Conradt eine Erwähnung. Als junger Vater hat er seine läuferischen Ambitionen ein wenig nach unten korrigiert und ich habe ihn seit seinem elefantösen Auftritt beim “TOUGH GUY 2011“ nicht mehr gesehen. Ohne ihn aber wäre die Veranstaltung bei weitem langweiliger geworden, weil er durch seine Kontakte nahezu alle „Coolrunners Germany“ aktiviert hat: Grace, Didi, Norman, Heidelinde, Kurt, Tanja, Walter, Alex und viele mehr.
Von vielen wusste ich zuvor nicht, dass ich sie dort treffen würde, umso größer war die Freude.

Bernie ist auch derjenige gewesen, der mich überhaupt in die läuferischen Regionen katapultiert hat, in denen ich in den letzten Monaten laufen durfte. Sein Satz nach dem “TransAlpineRun 2008“ „Jetzt hast Du drei UTMB-Punkte, jetzt musst Du auch zum UTMB“ hat mir Grenzen nach oben geöffnet, dafür danke ich Bernie noch heute. Aber ungelogen: bis zu diesem Satz wusste ich nicht einmal, was der UTMB überhaupt ist.

Den dritten, den ich erwähnen will, ist Raimund Slabon. Nicht nur, weil er ein extrem schneller Trailläufer ist, sondern, weil er einer von meinen zwei Rettern bei der „TorTOUR de Ruhr“ war – und beide Retter waren bisher eher unbekannt und unbedankt geblieben. Raimund war die Fahrrad-Begleitung von Susanne Alexi auf der TorTOUR und derjenige, der zurück gefahren ist, um mich, als ich mich derbe verlaufen hatte, wieder auf den rechten Weg zurück zu bringen.
Bei solch einer körperlichen Anspannung bleibt der gebührende Dank oft aus – dieses Wochenende war eine gute Gelegenheit, das nun nach knapp einem Jahr nachzuholen.


Unbedankt und unbekannt bleibt dann nur noch der andere Retter bei der TorTOUR. Es war kurz vor der Ruhr-Metropole Essen nach dem Versorgungspunkt, den John P. Hunold gemanagt hat. Er hielt dort unter einer Brücke die Stellung, vor seinem Wohnmobil und unter seinem Tropenhut.
Ich war so froh, mit ihm ein paar Worte wechseln und ein paar Minuten dort ausspannen zu können, dass ich erst etwa nach zwei Kilometern hinter dem Verpflegungspunkt gewahr wurde, dass ich meine beiden Trinkflaschen bei ihm vergessen hatte!
Und als ich hin- und hergerissen war zwischen den Überlegungen, ob ich zurück laufen sollte oder auf Tankstellen hoffen sollte, damals, an diesem extrem heißen Pfingsttag, an dem der Baldeneysee und die Ruhrauen übervoll waren mit Grillern und Frisbee-Spielern und als ich mich nicht entscheiden konnte, welche Alternative ich wählen sollte, da klopfte mir dieser andere unbekannte Retter auf die Schulter.

Er kam mit einem Fahrrad angeradelt und übergab mir die gefüllten Wasserflaschen, die ich so sehnlichst vermisst hatte. Ich glaube, den Dank dafür blieb ich bis heute schuldig. Umso schöner, dass ich aus einem der beiden unbekannten und unbedankten Retter einen bekannten Retter machen konnte, dem ich danken durfte.

Die letzte Erwähnung hier erhält Norman Bücher. Seit ich ihn über die „Coolrunners Germany“ und über die Gruppe „UTMB & CCC“ im „wer-kennt-wen“ (WKW) kennengelernt habe, respektiere ich ihn von Woche zu Woche mehr.
Ob es seine läuferischen Leistungen sind, seine berufliche Karriere als Motivationsredner oder seine Erlebnisberichte, wenn er erzählt: am meisten schätze ich an ihm, dass er ein braver und bescheidener Ultraläufer geblieben ist, der als junger Vater auch beim Brasilianischen Jungle-Marathon weiß, wo man aufgeben muss.
Und besonders freuen tue ich natürlich darauf, mit ihm beim „Tor des Géants“ (TdG) teilnehmen darf. Als ich am Ende des SH-Supertrails mit ihm auf den Zieleinlauf angestoßen habe, sagte ich zu ihm:
„Wenn wir das im September auch zusammen tun dürfen, dann wäre ein Traum wahr geworden!“
Norman antwortete: „Ja, aber dann feiern wir etwas aufwändiger!“


Vielen Dank an alle für dieses wunderschöne Wochenende!

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